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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-30 · Heft 40 (30.9.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 gemacht, so daß Herr Lichtenstein um seine Demission ansuchen mußte, die ihnl der löbliche Kultnsvorstand bewilligte. — Dr. L. Venetianer wurde in Csurg<> feierlichst als Rabbiner installirt. Herr L. Kann hat eine 20,000 Gulden-Stiftung für arme Wittwen und Waisen gemacht. Die Verwaltung derselben hat der „Pester Frauenverein" übernommen. Amerika. New-Uort, 10 September. Tie Central-Konfer enz der amerikanischen Rabbiner will für die Columbus-Ausstellung gute Schriften über die folgenden Fragen und Beziehungen jüdischen Lebens und Geistes Herstellen lassen: I.Die Juden in der Geschichte, a) Eine gedrängte Uebersicht der Geschichte der Juden als Nation und ihr Antheil au der Kultur aller Nationen in den verschiedenen Ländern und Epochen. Sie soll eiugetheilt werden in biblische, mittelalterliche und moderne Geschichte der Juden. l>) Geschichte der Doktrinen, Dogmen, religiösen Gebräuche, jüdischen Sitten und Bekenntnisse in den verschiedenen Ländern xtitb Perioden, c) Geschichte des inneren Lebens der Inden in ihren häuslichen und sozialen Beziehungen in den verschiedenen Ländern tmd Perioden. <0 Geschichte der jüdischen Erziehung in öffentlicher und privater Hinsicht. 2. Geschichte der jüdischen Ethik, eingetheilt in biblische, nachbiblische, hellenistische, talmudische, rabbinistische (der mittelalterliche Rabbiner) und moderne jüdische Ethik. 3. Kampf und Bert Heid ig ungsschri freu, in sofern als die Beziehung von Inder: und Judenthum zur Christenheit, zum Islam und Heidenthum mit inbegriffen ist. 4 Statistische Verzeichnisse, a) Statistik der alten und mittelalterlichen Juden, b) Europäische Statistik, c) Morgen - ländische jüdische Statistik. 4) Amerikanische jüdische Statistik. 5. 'Archäologie, religiöse und nationale, in Hinsicht auf Sammlungen, Ergebnisse und Bedürfnisse. — Von besonderer Wichtigkeit waren die folgenden Resolutionen, die von Herrn Dr. K. Köhler aus New-Iork vorgelegt und von der Konferenz angenommen wurden. „In Anbetracht, daß die antisemitische Bewegung, unbeirrt um das Urtheil der Aufgeklärten, noch ihr grausanies Werk fortseht und ihren Weg durch die Presse fast in jedes Land nimmt, beschlossen: Daß zur vermehrten Untersuchung der Gründe empfohlen werden soll, die Rabbinerkonferenz wöge die Mitarbeiterschaft aller für diese Sache sich interessirenden amerikanischen Juden, Einzelpersonen, Gemeinden und Vereine ausrufen, die Theilnahme der Juden an dem Religionskougreß auf der Columbus- Weltausstellung zu veranlassen, eine Sache von großer internationaler Wichtigkeit, da die großen Ziele und (Grundsätze des Judenthums klar und mit Nachdruck vor der ganzen Welt dargelegt werden und dadurch die verleumderischen 'Anklagen für alle Folgezeit wesentlich widerlegt werden. — Beschlossen: Daß drei christliche Männer von Ruf, wie Professor Strack, Professor Noeldeke und Professor Cheyne, Männer von Ruhm und weltbekannter Gelehrtheit und Unparteilichkeit, sowie drei jüdische Gelehrte von Ruf ersucht und ermächtigt werden sollen, auf Kosten der amerikanischen Juden zu schreiben und zu veröffentlichen eine ausführliche Abhandlung über die antisemitischen Beschuldigungen; insbesondere hinsichtlich der Blutbcschuldigung, welche ein so trauriges Kapitel in der jüdischen und christlichen (beschichte ausmacht, die Geschichte, Gründe und Thatsachen festzustellen und das Ergebniß ihrer Forschung in klaren, bestimmten und unzweideutigen Ausdrücken wiederzugeben. Beschlossen: Daß diese Männer eingeladen werden sollen, zu kommen und öffentlich diese Anklagen zu prüfen vor den aufgeklärten Vertretern der großen Religionen der Welt, um auf diese Weise die Billigung und Zustimmung der Welt zu veranlassen und für immer verstummen zu machen die Verleumdungen im Namen der Humanität, wenigstens innerhalb des Bereiches der Civilisation." Die Rabbiner- Konferenz will die Gelehrten Amerikas und Europas auffordern, Theil zu nehmen, persönlich oder durch ihre Schriften, und will besondere forrnelle Einladungen ergehen lassen an Vertreter, Männer und Frauen, um die jüdische Gesammtheit zu vertreten. Das Kollegium der Direktoren der Eolumbus-Weltausstellung hat bereits die Herren Doktoren Hirsch, Moses und Stolp in Chicago angewiesen, die internationale Mithilfe der Juden in Europa und Amerika für den Weltreligionskongreß zu sichern. Diese zusammen mit dem Exekutivkomitee der Rabbiner-Versammlung wollen alle Pläne und Arrangements formuliren und treffen. Die Gelegenheit für Hunderte ist da. Möge hinreichend davon Gebrauch gemacht werden. Kon Nah und Fern. ----- Der Antisemit Paulus (die Staatsbürger-Ztg. nennt ihn mu einem ominösen Druckfehler „Maulus") Meyer ist verhaftet worden. Wie allseitig bestätigt wird, handelt es sich dabei um Einhändigung des 'Ausweisungsbefehls an den neuesten Vorkämpfer des Deutschthums, den wir schon vor Jahresfrist gebührend gewürdigt haben. — Unter dem Titel „Deutsche Ostwacht" erscheint vom 1. Oktober an in Breslau ein neues Hetzblatt. — Rabbiner Dr. Bloch in Posen veröffentlicht im „Posener Tageblatt" eine Erklärung gegen den Domkapitular Jedzink, welcher die „Blutbeschuldigung" Rohlings aus einer Schrift Blochs zu vertheidigen gesucht hatte. Dr. Bloch weist schlagend die Unhaltbarkeit der Behauptung Jedzinks nach. - Der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Gießen hat für den Versöhnungstag die gleichen Beschränkungen in der Zeit des Gottesdienstes eintreteu lassen, wie sie für Berlin beschlossen sind. ~ Der Münchener Deutschst iale Verein petitionirt wegen der Gefahr der Einschleppung der Cholera bei dem Ministeriuu: des Innern un: dauernde 'Absperrung der baierischen Grenzen gegen die russischen Juden, um Verbot der dauernde:: Niederlassung derselben in Baiern und um Verwendung beim Bundesrath behufs Einführung gleicher 'Abwehrmaßregeln in den anderen Bundesstaaten. Weiter nichts? — Einige jüdische Lehrer der Reichs - lande planen die Gründung eines eigenen Lehrervereins. Warum schließen die elsaß-lothringischen Lehrer sich nicht dem südwestdeutschen Lehrerverbande an? — Auf der Universität Lemberg waren im Sommersemester des Jahres 1892 unter den 1193 Jnskribirten 217 Juden — Das beim Schweizer Bundesrath eingereichte Jnitiativbegehren, welches ein Verbot des jüdischen Schächtens bezweckt, trägt 09,183 Unterschriften. Die diesbezüglichen 'Akten werden im Dezember der Bundesversammlung vorgelegt werden. — Baron Edmond v. Rothschild in Paris übergab dem Lieutenant Mizon zur Ausführung einer Entdeckungsreise in Centralafrika die Summe von 20,000 Francs. — Vor einigen Monaten wurde der verletzte Leichnam eines weiblichen .Kindes in einen: Strome des Departements Vienne aufgefunden, und eine in Tours erscheinende klerikale Zeitung, das „Journal d’lndre et Loire“, versicherte, das Verbrechen sei zu „Ritualzwecken" von Juden ausgeübt worden, obgleich kaum einige Juden in dem Distrikt lebten. Der Pariser „Temps“ bringt nun einen Bericht über die Angelegenheit, welcher zeigt, daß die Mutter selbst den Mord begangen hat, um sich ihres illegitimen Kindes zu entledigen. Sie wurde zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurtheilt. — Herr Rabbiner Dr. Ga st er in London hat ein sehr werthvolles Verzeichniß der Broschüren und Flugschriften der Zunz-Bibliothek zusammengestellt und in dem Jahresberichte des „Montefiore College" veröffentlicht. — Herr A. Vorzanger, Professor der Musik in London, hat eine Kapelle für Streichmusik, bestehend aus 11 jüdischen Musikern, welche aus Rußland vertrieben wurden und im Zufluchtshause für arme Juden (Poor Jews Temporax Shelter) Aufnahme fanden, errichtet. Nach einer Probeaufführung im königlichen Aquarium wurde die Kapelle engagirt, täglich in der englischen Hauptstadt zu spielen. — Der verstorbene Kardinal Howard soll als Jude, und zwar in Prag, geboren sein. Vor einigen Jahren lief eine Erzählung durch die Blätter, welche den englischen Kirchenfürsten zum Helden eines Romans machte, der in Prag, Wien und Ischl spielte und kein entschiedenes Dementi erfahren hat. — Den russischen Juden steht, wie der Berichterstatter des Daily Chroniele aus Odessa meldet, eine neue kleinliche Chikane bevor. Die jüdischen Eltern müssen ihren Kindern hebräische Namen geben. Wann die absurde Verordnung in Kraft treten soll, wird nicht gesagt. In New-Iork wurde in einer dreistöckigen Synagoge, in welcher gegen tausend Personen, großentheils Frauen, das Neujahrsfest beginge::, durch Feuer lärm ein panischer Schrecken hervorgerufen. Bei dem in Folge dessen auf der Treppe entstandenen Gedränge sollen vier Personen getödtet und zwölf schwer verletzt worden sein. — In der Universität von Kioto in Japan ist die hebräische Sprache als Lehrgegenstand ausgenommen worden. Es befinden sich 38 Studenten in der hebräischen Abtheilung. Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortllch für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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