Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1892)
- Date
- 1892-09-30
- Page
- Seite 477 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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477 auf seine». Vorwärts!" er und bet nur zu betet?* kreischte >üren. . . . -külotte und :r den We-, „ triffst D» md Franke» hurin. beruhigt! tche inime, Zudenvierte! in seine», zramerfültie n Fittiche» i einer ei» Bewohnew. Quartier Synagoge )em Steine das diese -einigen denen Pforte aufgestörte is in die nmel wälz, nngen, er ler Fackeln Linlaß gevohner des lafe aufzung stürzen der Pforte dador au. I gesprengt jette Wutli en sie sich rt. welcher ie sich be- >o es Nocken gesamein hartj kundigen II sich gelt fest wie md Ruhe. Plötzlich schweigt Alles — und er beginnt mit klarer durchdringender stimme zu reden. In eindringlichen Worten tadelt er scharf die feige Unentschlossenheit, welche sich der Gemüther bemächtigt hat. Mit hinreißender Beredtsamkeit fordert er zu einer würdigen Gegenwehr auf und — wenn es sein müsse — zu einem ruhmvollen Tode >iir Gottheit und Glauben! „Nein!" so schließt er seine kurze Anrede . . . „Nein! die Hände irecher Tempelschänder sollen nimmer die geweihte Stätte unseres Polkes entheiligen, so lange noch Blut in diesen Adern rollt, das öleheul der ruchlosen Schaar soll Euer Herz nicht erschrecken, so mnge noch ein Funken des göttlichen Lichtes in ihm wohnt! Wir;i>of!en unser Heiligthum schützen gegen rohe, schändliche Gewalt, durch niünnliche Vertheidigung." Wahrlich — es war ein zwar düsteres, aber doch ergreifendes Bild: dieser Jüngling, umgeben von lauschenden oder Angst ath- »enden Zuhörern! Rasch schritt nun Bayle auf den Pförtner zu. „Oeffne die Pforte!" . . . rief er gebietend. Der Mann zauderte, doch ein einziger Blick des Jünglings »»achte ihn gehorsam. „Jetzt mir nach, meine Freunde!" befahl Moses und eilte nach der Synagoge, von der Masse der Seinigen begleitet. Und hinter »,nen her knirschten die schwer sich drehenden Angeln der alten dforte auf, durch welche im Augenblick der wüthende Volkshaufe uereinstürzte. Moses stand etwas weiter im Vordergründe als die Anderen, an die Thür der Synagoge gelehnt. „Was wollt Ihr?"... fragte er Einige, die sich vordrängten,! >n ihn hinwegzuschieben. „Wir wollen Euer Nest ansbrennen!" ... antworteten sie mit »iebrüll. „Der Erste, welcher sich noch einen Schritt weiter wagt, hat die Angel mit seinem Leibe aufzufangen!". .. und die Mündung der instole funkelte drohend in des Jünglings Hand. Stutzig gemacht, »nchen die Andringenden zurück. „Ans wessen Befehl habt Ihr wilden Aufruhr hierher gebracht?" »ihr Moses mit verstärkter Stimme fort. . . Wißt Ihr noch nicht, das; nächtliche Volksauflüufe durch den Konvent auf das Strengste »erboten sind!" ... „Wir sind auf Befehl des Volkes hier!" ... schallte es aus der Menge. In diesem Augenblicke klammerte sich inmitten des dichtesten Schwarmes Meier an Mathnrin nnd flüsterte ihm zu: „Jetzt schieße und die tausend Franken sind Dein. In der Masse bleibt es »»bemerkt, wer es that, und wenn auch, — kein Hahn wird nach dein lumpigen Juden krähen!" Eben legte der Elende an — schon »rührte sein Finger den Drücker — da knallte hinter ihm ein Schuß md mit zerschmettertem Schädel sank er nieder. Weder Meier noch der Sanskülott hatten in ihrem Eifer bemerkt, daß ein Mann kurz vorher den Haufen theilte, dem Alle ehrrbietig Platz machten. Er hatte augenblicklich Mathurins Absicht mobachtet, kaltblütig eine Pistole aus der Tasche gezogen und blitzschnell den Mann aus dem Volte niedergeschossen, ohne daß sich auf den Mienen der Umstehenden dabei große Sensation bemerkbar machte. Dann schritt er vorwärts über die Leiche und rief mit donnernder Stimme: „Kehrt in Euere Behausungen zurück, Bürger! Ihr wißt, daß »de Sektion für jedes Bürgers Aufführung haftet. Begebt Euch nach Hause, sage ich nochmals, und laßt es nicht zu Aergerem kommen, denn Ihr habt soeben gesehen, wohin das führr. Der Konvent will weder Banditen noch Mordbrenner in seinem Volke. Entfernt Euch!" . . . Und ehe eine Viertelstunde verflossen war, hatten alle diese Aufgeregten die Judengaffe geräumt, ohne ein Murren auf den Lippen, ohne mit den Mienen zu zucken. Der Mann, der so mächtigen Einfluß geübt, stand jetzt Moses gegenüber. Seine kleine Figur gewann durch den Ernst und die Bedeutung seiner Züge, welche außerdem noch durch das gepuderte zierlich frisirte Haar etwas Gravitätisches erhielten, was wiederum seltsam mit einer getvissen Wildheit kontrastirte, die sich in unablässigen Zuckungen auf seinem Gesichte abspiegelte. Der Anzug hatte ungemein viel Ausgesuchtes, und die seidenen Strümpfe waren ein förmliches Wunder der Zeit zu nennen. Aber auch der ganze Mann war ein Wunder seiner Zeit: er >var der moderne Sulla, der Diktator der neuen Republik, es war — Maximilian Ro bespi e rre! Er näherte sich Moses, der noch immer drohend dastand. „Du siehst es, Bürger Bayle" . . . redete er ihn taut an . . . „wie eifrig ich bemüht bin, jeden Franzosen gegen die Unbill seiner Mitbürger zu schützen und wie gerecht ich den Elenden strafte, der so eben Deinem Leben ein Ende zu machen gedachte. Aber nun erwarte ich auch von Dir, so wie von den übrigen hier versanitnelten Bürger», daß die Gesetze der Republik geachtet werden!" . . . Hier konnte sich Moses nicht mehr länger halten. „Wie?" . . . rief er aus . . . „Achtling forderst Du, Bürger- Deputirter, Achtung fordert Ihr von uns für Euer gottesläugnerisches Treiben? Und wir sollen nicht nur schweigend dulden, daß der Glaube unserer Väter mit Füßen getreten wird, sondern sogar Dir und Deinen verbrüderten Bürgern unsere Achtung zollen? Du hast zu viel verlangt, Robespierre!" . . . Der Diktator biß sich auf die Lippen und stieß höhnisch die Worte hervor: „Vortrcsflich, nur weiter! ..." „Ja, ich will weiter reden," . . . begann Moses mit fürchterlicher Kälte . . . „ich will weiter reden, weil Du es verlangst. Du hast uns ein Gesetz verkünden lassen, welches das Theuerste uns nimmt, unfern Glauben! Wir haben es mit blutendem Herzen ertragen. Du hast unsere alte heilige Sitte von Deinem Verbündeten Chanmette, von Deinem Freunde Herbert auf's Frechste verhöhnen lassen! Wir haben unfern Groll tief in uns verschlossen und sind schweigend in unsere Wohnungen zurückgekehrt, denn zweitausendjähriges Leiden haben uns Schmerz nnd Trübsal ertragen gelehrt. Aber gehe nicht weiter, Prunke nicht mit Deinen Gesetzesformeln und drücke nicht nockfälschlich Deinem gotteslästerlichen Treiben den Stempel der Gerechtigkeit auf!" Robespierre blickte wüthend um sich und sah nun erst, das; er ganz allein im Kreise einer feindlichen Schaar sich befand, die ihn mit zornsprühenden Blicken umstand. „Genug von Deinem Geschwätz!" kreischte er fast vor mühsam unterdrücktem Grimm und schritt langsam hinweg. Moses hieß die Juden in ihre Wohnungen gehen und verschloß dann selber die Pforte. Er stand allein da und wandte das Auge nachdenklich zu»; Himmel auf, aus dessen Gewölle gerade der Mond hervortrat. Da trat eine Thrüne in dies Auge, dem der Gegenstand seiner Betrachtung schon so bald in grausamer Deutlichkeit offen stehen sollte; aber bald glänzte es wieder hell von Muth und Zuversicht. „Ja, mir bleibt nichts Anderes übrig, als zu sterben!" . . . sprach Moses resignirt vor sich hin . . . „Aber ein schöner Tod soll es werden, wie ich ihn einst dir gelobt, alter Großvater, der du mich von da oben so dringend an mein Versprechen erinnerst!"