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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-30 · Heft 40 (30.9.1892) · p. Seite 472

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
Seite 472 (sequence 4)
Language
German
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472 Wiener Briefe. XX. T. Mir liegt nichts ferner, als in dünkelhafter Weise für die eigene Anschauung die Unfehlbarkeit in Anspruch zu nehmen. Viel eher haftet mir der Fehler an, im Widerstreite der Meinungen denen der Gegner allzu bald das Feld zu räumen. Ich bin eben kein Kampfesmensch. Gleichwohl kann ich nicht umhin, auf Ihre gegen meine im XVIJT. „Wiener Briefe" bezüglich der Stellung der Rabbiner entwickelte Anschauung gerichtete ablehnende Bemerkung zu reflektiren. Was ich diesbezüglich sagte, läßt in mu-e dahin sich zusammenfassen : „Als geistliches Oberhaupt der Gemeinde hat der Rabbiner das Wort Gottes zu verkünden, auf die Erleuchtung der Geister, die Erwärmung der Herzen und die Pflege des religiösen Bewußtseins und Lebens Bedacht zu nehmen; als Beamter der Gemeinde hat er drirch Pflichttreue, Berufsfreudigkeit, Uneigennützigkeit und Friedfertigkeit zum Wohle, Ansehen und Gedeihen der Gemeinde beizutragen." Weiter bemerkte ich, daß dem Rabbiner keine Omnipotenz in Kultusangelegenheiten zusteht und daß „die Leitung" der Gemeinde ihm nicht gebührt. „Wie für die Gemeinde, so soll der Rabbiner mit der Gemeinde seines Amtes walten." Gegen welchen dieser Sätze glauben Sie, verehrter Herr Redakteur, opponiren zu sollen? Schlösse nicht der Charakter der „Wiener Briefe" es aus, in denselben wistenschaftlichen Darlegungen Raum zu geben, würde ich es unternehmen, aus dem Kreise hervorragender Rabbiner alter und neuer Zeit die Gewährsmänner für meine zum Ausdruck gebrachte Anschauung zu stellen; ich glaube aber nicht, daß es darauf ankommt; die Hauptsache ist die: inwiefern liegt in dem, was ich bezüglich der Stellung des Rabbiners vorgebracht habe, etwas das als Rechtfertigung dafür dienen könnte, wenn der Vorstand unserer Gemeinde die Rabbiner von der „Wiener Konferenz" fernzuhalten für gut befand. Im Gegentheil. Klarer, deutlicher, nachdrücklicher konnte kaum dem Rechte des Rabbiners das Wort geredet werden, in Konferenzen, wie den in Rede stehenden, Sitz und Stimme zu haben, als ich es implicite gethan, indem ich es als seine erste Aufgabe bezeichnest, „auf die Erleuchtung der Geister, die Erwärmung der Herzen, die Pflege des religiösen Bewußtseins und Lebens Bedacht zu nehmen." Ich pflichte Ihnen vollkommen bei, wenn Sie sagen: „Alles, was die Hebung des religiösen Gefühls im Judenthum betrifft, geht ja doch in erster Reihe den Rabbiner an; alle Vorschläge, die zur Bekämpfung des Judifferentismus gemacht werden können, schlagen in sein Ressort." Gerade die Intention, dem Rabbiner zu geben, was des Rabbiners ist, bestimmte mich, seinen Wirkungskreis so zu umschreiben, daß kein Hinüber und Herüber leicht möglich ist. Was der Vorstand sich gedacht, als er diese Unterlassungssünde beging, ist mir unerfindlich. Die von mir über die Stellung des Rabbiners entwickelte Ansicht hat sicher nichts damit zu thun. Nicht minder schwer ist es einzusehen, warum der Vorstand sich blos auf die Einladung der jüdischen Kultusgemeinden in den Metropolen der verschiedenen Staaten beschränkte. Er ist in einem argen Jrrthum, wenn er annimmt, daß die Metropol - Gemeinden irgend welchen Einfluß auf die übrigen Gemeinden der betreffenden Reiche zu üben vermögen. Die Ursachen liegen in Verhältnissen, die ein anderes Mal ihre Erörterung finden sollen; heute genügt der Hinweis darauf, daß die ohne Roth schwer gekränkten Gemeinden sich kaum werden bereit finden lassen, pur orckre cku mufti Heeresfvlge zu leisten. Im Ganzen genommen muß gesagt werden, wenn die Einberufung der Konferenz an sich schwer verständlich ist, so ist die Art der Einberufung geradezu unbegreiflich. Ich habe bereits unsere Gemeinde „die Gemeinde der Unbeg, lichtesten" genannt; dieses Cognomen erhält immer von Neuein i, Rechtfertigung. Seit vielen Jahren wird in der Gemeinde das Bedürfnis; empfunden, die Zahl der Prediger zu vermehren. Nicht nur bit gewaltigen Progressionen wachsende Gemeinde, — sie zählt der»,« über 130,000 Seelen — sondern das im geraden Verhältniffe;» Anfeindungen von außen stehende Solidaritätsbewußtsein der kenner des Judenthums hat die Folge, daß das Wort des Proph, sich zum Theil bewahrheitet: „Man hungert nicht nach Brod, ,; durstet nicht nach Wasser, sondern darnach, das Wort Gottehören." Wie es gekommen ist, daß dem nicht Rechnung gen« wurde, darüber zirkuliren manche interessante on ckik; ma, aber besser daran, sie auf sich beruhen zu lassen. Durch den leibe,, Gesundheitszustand des Dr. Jellinek ist aber die Frage zu e brennenden geworden. Anstatt nun, wie es der Stellung der et Gemeinde des Reiches und der würdigen Vertretung eines vorragenden Predigers wie Dr. Jellinek entspräche, nur den als gut genug zu befinden, um den Ruf nach hierher zn erha wurden Prediger zur Kandidatur eingeladen, die sicher nicht de» forderungen zu genügen in der Lage sind, welche die Wiener meinde diesfalls zu stellen nicht nur berechtigt, sondern verpflichte! Freilich wurde als Motiv hierfür der Umstand geltend gemach,, es sich lediglich um einen „Aushilfsprediger" handle; kann aberb. Motiv als stichhaltig angesehen werden? Kann denn die Ab, "eine, Gemeinde in ihrer gegenwärtigen Gestaltung mit nur sage zwei Predigern auskommen? Und ist es zulässig, dos; Stellvertreter für Dr. Jellinek so weit, so unendlich weit!>> diesen! zurücksteht? Liegt nicht darin auch eine unverzeihliche :N sichtslosigkeit gegen die Geineinde selbst? Vielseitig wird beh» es sei dem Vorstande nahe gelegt worden, sich mit einem Pred mmormii gentium zu genügen, um anderweitige persönliche ,V essen nicht zu alteriren. Durfte das entscheidend sein? Die 1 dination sämmtlicher Gemeindeprediger mußte als Axiom Hinze! werden, wenn auf eine selbst- und zielbewußte Persönlichkeit reile werden wollte. Man kann annehmen, daß keiner von den beide,, Amte sich befindlichen Predigern dagegen eine Einsprache er hätte; die Licht und Wärmespendende Sonne sträubte sich mit nid gegen die Mitherrschaft des Mondes, nur dieser mit seinem ii wärmelosen, von anderswo entlehnten Lichte konnte keine Mitreg schüft vertragen. — Es käme daher nur eine Ehrenkränkung wenn auch nur einen Augenblick würde daran geglaubt werden Herren haben es verhindert, das Recht der Koordination de», e> stellenden dritten Prediger einzuräumen. — Vollends abgelehm die Supposition werden, als sei das Moment des Gehalt? Remunerationenbezuges ausschlaggebend für das Verhalten de? standes in dieser Frage gewesen; auch nur diesen Punkt zu vemili wäre für das Ansehen unserer Gemeinde kompromittirend. Ich „» lasse dies also und konstatire blos, daß wir in einer „Gemeinde Unbegreiflichkeiten" leben. Wie die böse That nur Böses gebären muß, so scheint die sequenz der Unbegreiflichkeit eine neue Unbegreiflichkeit zu sein. Der Vorstand acquirirte einen vorzüglich bewährten Rel»P lehrer am hiesigen Komnlunal-Gymnasium als Rabbiner. Ali ein vorzüglicher Religionslehrer auch ein entsprechender Robb sein müffe, und als ob ein vorzüglicher Religionslehrer i» Hierarchie der Kuktusfunkrionäre nicht ebenso dringend nothioe« wenn nicht noch dringender nothwendig wäre, wie ein Rabbiner Von vier lnupft je*: an flliebei pn. : mgen, rer dt i Ten stpredi wwo piuubi en. tcln'iin hinten l b bla Mim eben, Mtib antafii ioinei Muer 1KV £ linutlii tioe, wcher er Vt Men) ne $ ib aiu Di' Mid nMfa: enliid): Mm xr eil i'.vopa iäu ei oe Ei nigei Di; MM);0 W bei bauur ein eilt iiflte evuein

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