Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- Seite 453 (sequence 9)
- Language
- German
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453 üitfie SRobH nterhielt fit!) ls das Kiiil' s den Rabli mchtnng auf Lchen zeigt», italeit bicfrr Mutter uni) iffen. Thaides Kindee Gegend b; en Psalmei - nes!»ü>i - ommen ein des Wort! Kabbalist rlesenen ein ch Koschut)." D seinerB Bal Schem rmen Judm n der Schule »sn troviiU! leun Jahrui isgesprochen, danken, dl.ü iter Güte ui iäugelte, siili und sich nur und Schrin, und gesclir t mit Leutm rem „g-i*iuul zn nenn n r Dank ullit tatorir. in Engla i? ce Glnnbei ies Rabbiun» noch jetzt ui lädchen uld fahre znru'u m von dil etwas wism> n und ersui! nz aus ihrer udenkcn, in» Ferne sta>i> hrHeimatü»' i, ist daraus wohl ersichtlich. Auch hielt sie cs nicht lange in der Heiinath engen Grenzen ans, und »nt sechzehn Jahren schon verließ sie nach der iifutter Tod das Elternhaus. In Deutschland, Frankreich und England vervollständigte sie ihre Kenntnisse und nahmen ihre Gedanken über die Frauenfrage und andere wichtige Fragen, die sie beschäftigten, die aber bis dahin noch lwas wirr durcheinander in ihrem jungen Köpfchen lagen, im Umgang mit bedentenden Frauen und Männern, wie Elisabeth Fry u. A>, eine bestimmtere Form an. Im Jahre 1836 heirathete sie in England Herrn Rose. Im eiben Jahre trat sie zum ersten Male öffentlich für die Rechte der »rauen ein, ein Fall, der damals noch zu den Seltenheiten gehörte. Die Uebersiedelung nach Nordamerika, die sie nach ihrer Ehe ornahm, tvar sehr günstig für ihre weitere Arbeit in Sachen der »rauenfrage, die doch ihr eigentliches Feld war, trotzdem sie sich auch uf anderen Gebieten fürAlles interessirte und das Recht überall »ertrat. Und der geeignetste Boden für die Frauensrage war das uge Amerika. In Wort und Schrift vertheidigte sie die bis dahin so arg vernachlässigten Franenrechte, und ihre Reden verfehlten durch die einningliche Schärfe und die unerbittliche Logik, die ihnen innewohute nd die von einer bestechenden Liebenswürdigkeit und der bekannten indischen Schönheit begleitet waren, ihren Eindruck auf die Zuhörer iemals. Frau Rose war beim allerersten Kongreß zur Herbeiführung der ,.rauenrechte in Worcester im Jahre 1850 dabei, sie sandte die erste Petition an das Parlament des Staates New-?)ork, die für Ehefrauen l as Recht erbat, ihr Vermögen selbst verwalten zu dürfen, und wandte ach noch oft an dasselbe Parlament mit Bitten um gleiche Rechte uir die Frauen. Es gab wohl wenige Sitzungen und Kongresse, die die Frauennciflc behandelten, bei denen Ernestine Rose nicht zugegen gewesen wäre, und sie hgt einen großen Antheil an der Arbeit, die in den »-»reinigten Staaten jetzt goldene Früchte zeitigt und durch deren Geispiel auch die europäischen Staaten nach einander zu einer der nichtigsten und nothwendigsten sozialen Reformen gelangen. Die letzten Jahre ihres thätigen Lebens verbrachte Ernestine Rose u England, woselbst sie hochbetagt das Zeitliche segnete, nachdem sie noch das Glück genoß, ihre Arbeit von so großem Erfolge gekrönt u sehen. Für die Frauen aber, und besonders für die jüdischen, ist diese »ran ein glänzendes Zeugniß von origineller Gedankenarbeit und großem Rechtsgefühl — zwei Eigenschaften, die man ihnen bekanntlich urchaus absprechen will. P FEUILLETON Schickele. Eine humoristische Skizze ans dem jüdischen Leben in Rumänien. Bon Marco Brociner. I. Ein Schächter? Ein Schächter im Städtchen Plojana? Was ist denn da weiter dabei? Nun, es ist allerdings nichts weiter dabei- Aber wenn Jemand wie Berisch Kloper vierzig Jahre hindurch das Federvieh von Plojana und Umgegend vom Leben zum Tode befördert und jede solche Äbschlachtung nur gegen haar vollzieht, so taun man etwas bei Seite legen. Wie viel? Die Einen sagen tausend, die Anderen zweitausend Dukaten, und wenn ich fünfzehnhundert sage, so habe ich wohl wie Alle, die den goldenen Mittelweg einschlagen, den Nagel auf den Kopf getroffen. Berisch Kloper hat also fünfzehnhundert Dukaten; das ist eine hübsche Summe Geldes, und man kann, wenn man dieselbe geschickt anlegt und nebenbei auch noch was verdient, sein schönes Auskommen haben. Aber wenn Berisch Kloper nichts weiter als ein schönes Auskommen hätte, so wäre er lange nicht der glückliche, der stets lachende und allzeit mit einem so prächtigen Appetit gesegnete Mensch, als welchen ihn alle Welt kennt. Berisch Kloper hat jedoch neben seinem schönen Auskommen auch eine einzige, siebzehnjährige Tochter, Gitele heißt sie. und die ist sein Stolz, sein Augapfel, die Sonne seines Lebens. „Es giebt in der Moldau Tausende von jüdischen Mädchen, aber wenn ihr noch eines findet, das so schön, so lieb und so klug ist wie Gitele, sollt ihr mich einen Lügner heißen." Das sind nicht meine Worte, sondern die des Heirathsvcrmittlers Josef Flammer, und ich bemerke gleich von vornherein, daß man gut thut, die Aeußerungen dieses Ehrenmannes mit großer Vorsicht aufznnehmen. Nicht etwa deshalb, weil er dem Satze: „Der Wein erfreut des Menschen Herz" huldigt, so sehr huldigt, daß sein Herz jederzeit erfreut ist; nein, man kann ei» gediegener Trinker und dabei doch ein Freund der Wahrheit sein. Aber Flammer ist ein Heirathsvermittler, und da bringt es ja das Geschäft mit sich, daß man seine Waace anpreist und hierbei mit den Hyperbeln nicht gerade sparsam umgeht. Von den Lobeserhebungen, die Flammer über Gitele jederzeit in Bereitschaft hat muß daher Folgendes snbtrahirt werden: erstens, wie gesagt, der Umstand, daß er Heirathsvermittler ist; zweitens die Thatsache, daß Gitele Fische und besonders Karpfen, die Flammer sehr liebt, ausgezeichnet zubereitet, und drittens wohl auch das Faktum, daß der Schächter in seinem Keller einen Rothwein lagern hat, wie man seinesgleichen zehn Meilen in der Runde nicht findet. Wenn wir all' dies subtrahiren, was bleibt? Es bleibt ein etwas zu großes, zu dickes, zu plumpes Mädchen, das durchaus nicht schön, nicht einmal, hübsch ist. Aber Gitele hat zwei sammetschwarze, prächtige Angen und einen Mund zum Küssen, so roth und voll ist er. Und es giebt Menschen, welche das „ewig Weibliche" lieben, selbst wenn es etwas zu groß, zu dick, zu plump ist, so nur die Angen schön und der Mund zum Küssen ist. Solch ein Mensch ist Schickele, der Sohn des Getreidemaklers Perez. Schickele ist ein „Lamden", ein jüdischer Gelehrter, der den ganzen lieben Tag über seinen dicken Talmudbünden hockt und brütet und studirt. Was aus dem zwanzigjährigen, kleinen, hageren, stillen Gelehrten werden wird? Wenn Rabbi Nathan, der siebzigjährige Rabbi Nathan, zu seinen Vätern versammelt werden sollte, so ist zehn gegen eins zu wetten, daß Schickele seine Stelle einnehmen wird. Aber diese Eventualität liegt noch in weiter Ferne, denn Rabbi Nathan ist nämlich aus jenem Holze, ans dem die Natur ihre Methusaleme schnitzt. Schickele denkt übrigens nicht an den Tod des Rabbi, denn er ist ein seelenguter Mensch, so seelengut, daß er selbst die Fliegen, die sich, während er über den Talmudbänden brütet, auf seiner Nase niederlaffen, in ihrem Krabbeln zu stören nicht übers Herz zu bringen vermag, denn eine Fliege ist ja auch ein lebendes, schmerzempfindendes Wesen. Wie man einem lebenden, schmerzempfindenden Wesen ein Leid zufügen kann, ist dem stillen Talmudisten unbegreiflich. Schickele hat daher gegen den Schächter Berisch Kloper eine tiefe instinktive Abneigung. Aber Berisch Kloper und Gitele sind zweierlei. Freilich, wenn es mit rechten Dingen zuginge, dann würden Giteles schwarze Augen und ihr rother Mund nicht zwischen den Zeilen der dicken Folianten herumtanzen und ihr Lachen nicht verwirrend in die dialektischen Spitzfindigkeiten, in das Frage- und Antlvortspiel der Gelehrten des Talmud hineinklingen. Wenn es mit rechten Dingen zuginge, würde ,