Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- Seite 451 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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451 ir\ der in es Werkes dem Titel sandte sich Vorstande älden, die ine schleck)- >er in die itigkeit die heutzutage sprachlich :r deutsche athenischer ische Jude i, Türken durch beih der ihn ider, daß ide eiues- :n bürgerillcht, um Ser älteste teuer aus Bildung is geschah > daß die stenplützen ästenthum nden mit reu weder copüischen tsche, und lsammenpotismus listeriums »läge vertrieb eine en Juden Rath es igein und Majestät Genug, > Elemenl t welchem i Theilen die große lwandercr sen anzu- - jüdisches und alle für ganze n Bayern lit einem este damit >nvon ab tüchtigste Führung wache sich » eigen niachen und, von dem Streben beseelt, der neuen Heimath dienen zu wollen, mußten sie diese Sprache so zu beherrschen trachten, daß sie in der Lage waren, am öffentlichen Leben Antheil zu nehmen, jo wurden auch sie der Muttersprache entfremdet, und der Antii mitismus in Europa trug keineswegs dazu bei, diesen Prozeß unfzuhalten. Als drittes Bevölkerungselement kamen seit zehn Jahren die tussen hinzu, und sie, die überhaupt keine Sprache besaßen, akkomodirten sich der englischen Sprache am schnellsten. Ihre Kinder aber, die die öffentlichen Schulen besuchen, amerikanisiren sich so vollkommen, l aß ihnen Niemand ihre Herkunft ansieht und daß ihnen der Jargon gerade so fremd ist, wie den Kindern gebildeter Juden in europäischen < roßstädten. So ist das Schicksal der deutschen Sprache in diesem Lande besegelt. Die ältere Generation fragt nicht viel danach und die jüngere versteht es nicht. Das Schwinden der deutschen Sprache bedeutet eiereineMac-Kinley-Bill, ein unausgesprochenes, aber um so mächtigeres > rohibitiv-System gegenüber europäischen Rabbinern. Der Deutsche, d r als erwachsener Mann ins Land kommt, wird kaum jemals die englische Sprache so beherrschen, das man ihm den fremdländischen ,'kcent nicht anmerkt, vorausgesetzt, daß er den reichsten Wortschatz rad das feinste Sprachgefühl besäße. Der Jude aber fühlt es als >uie Art von Stigma, wenn seine Synagoge nicht als vollblut- > aierikanisch gilt und darum wird er „our american boys“ vorziehen. Die Folge dieser Zustände ist ein tieferes Niveau der theologischen 7 urchschnittsbildung. Der englische Chazan, der hier der erste Seeli rger war, konnte neben dem gelehrten deutschen Rabbiner eine heri tragendere Stellung einnehmen, und je älter die Gemeinden wurden iub je ausschließlicher englisch die führenden Congregations sich gekitteten, desto mehr mußte sich das Berhältniß zu Ungunsten der geologischen Bildung und des Deutschthums verschieben. Endlich I an auch die theologische Schulbildung solche Resultate nicht erzielen, >! -e sie selbst heute noch Deutschland aufzuweisen hat. Das rituelle ' eben mit seiner bildenden Praxis begegnet hier einer für Europäer! ute noch ganz unverständlichen Gleichgiltigkeit. Ein moderner abbiner, der nicht trepha ißt, der nicht am Sabbath mit der Pferdei uh» fährt er wäre ein wüthender Orthodox, und würde hier gerade so r ".gesehen werden, als wenn ein Rabbiner in einer unserer modernen nopäischen Gemeinden sich weigern würde, die Kopfbedeckung in um öffentlichen Saale abzunehmen oder einer Dame die Hand zu i' licken, und gerade so gut, wie man es in Europa einem Rabbiner - rzeihen würde, wenn er am 9. Ab sein Mittagbrod einnühme, ohne darum gleich seinen orthodoxen Kollegen in einen Badeort zu 1 chten, so kann er hier am Versöhnungstage unbehelligt sein Dinner : Haien. Cs soll sogar vorgekommen sein, daß ein Rabbiner vor k r Gebetpause am seiner Gemeinde die Unterbrechung mit de» - orten ankündigte: Ich gehe jetzt zu meinem Gabelfrühstück und - de Jedermann ein, mir Gesellschaft zu leisten. (Schluß folgt.) U Ludwig Koffuth und die Juden. Von Dr. Adolph Kohut. Der „Alte von Caprera", den Befreier seines Vaterlandes, Guiseppe Garibald i" ist längst tobt, aber der „Alte von Turin", lvclcher seit mehreren Jahrzehnten die Gastfreundschaft Italiens ge- >ueßt, erfreut sich noch immer der süßen Gewohnheit des Daseins. Jahre wird er am 16. September alt, und trotz dieses „Uralters" >sl Ludwig Kossuth frisch und rüstig an Geist und Körper. Noch vor einigen Monaten schrieb er mir in seiner zierlichen, kalligraphisch schönen Schrift einen originelle», geistsprudelnden Brief. Die Ungarn werden mit Recht diesen Gedenktag ihres 90jährigen Heros festlich begehen, aber es ziemt sich auch, daß auch die Juden des berühmten Exdiktators und Exgouverneurs von Ungarn im Jahre 1849 gedenken, denn er hatte so manche Beziehungen zu uns, die nicht unerwähnt bleiben können. Den Antheil, welchen die Juden Ungarns an der revolutionären Bewegung der 48er und 49er Jahre nahmen, war kein geringer. Ausgeschlossen von allen bürgerlichen Rechten und von allen Nationalitäten in gleicher Weise verfolgt und bedrückt, gab weder dieses leicht zur Vergeltung aufstachelnde Verhültniß, noch ihre Nationalität und Anlagen den Ausschlag, zu welcher Partei sie sich bekennen sollten; als Bewohner des Landes, als Patrioten schlossen sie sich der Bewegung an, und daher fand man sie ebenso in den Reihen der „Rebellen" wie der „Schwarzgelben", und zwar nicht zaghaft in der Reserve, sondern im Vordertreffen, Leib und Leben, Gut und Blut für ihre Ideen einsetzend. Allerdings ist nicht zu leugnen, daß die Mehrheit der inagyarischen Juden schon damals vaterländisch gesinnt war. Es zog sie magisch zu dem Mann hin, welcher Freiheit und Gleichheit predigte und von dem sie eine Erlösung aus dem Ghetto, aus staatsbürgerlicher und politischer Erniedrigung erhofften. Thatsächlich kämpften im Heere der Magyaren etwa 1000 Juden, darunter ein General. Nicht allein die Jugend schloß sich begeistert Kossuth und seiner Partei an, sondern auch gereifte Männer erklärten sich für den Helden der nationalen Propaganda. In Wien sah man dieser Kossuth-Liebe anfänglich theilnahmlos zu, als aber die Juden ihrer Anhänglichkeit an den kühnen Führer gar zu stürmischen Ausdruck gaben, wurden die Rabbiner und Prediger für diese Sympathieen ebenso bestraft, wie die katholischen Domherren und protestantischen Pfarrer, und die berüchtigte Kontribution Haynaus, den Judengemeinden gemeinsam auferlegt, war eine Folge der den Israeliten Ungarns durchweg zugemutheten Anhänglichkeit an die Männer der neuen Aera. Diese Begeisterung legte sich auch dann nicht, als die oktroyirte Verfassung die volle Gleichberechtigung der Juden in OesterreH aussprach. Als Ludwig Kossuth seine glänzende politische Laufbahn begann, äußerte er sich zwar — was ja bei ihm selbstverständlich war — in liberalem Sinne über die Verhältnisse der Juden, aber er verschob; dennoch die Anerkennung der Bürgerrechte unserer Glaubensgenossen im Reiche der heiligen Stephanskroue immer auf spätere Berathungen, um nicht Antipathieeu rege zu machen, die seine Reihen lichten mußten; aber als die Regierung nach Szegedin flüchtete und die Russen ihr auf den Fersen waren, konnte er nicht umhin, die vollste Judenemanzipation durch den Reichstag aussprechen zu lassen. Der ungarische Staatsmann hatte große Liebe für die Jude»; einer seiner Geheimsekretäre war ein Jude, und einer seiner eifrigsten politischen Mitarbeiter hieß I. P. Horn (eigentlich Einhorn), welcher seine Laufbahn als Rabbinatskandidat begann, um später als königl. ungarischer Unterstaatssekretür zu enden. Dieser war es auch, der 1851 — bei Otto Wigand in Leipzig — eine für Kossuth sehr sympathische Schrift herausgab, welche den Agitator wie den Minister zu würdigen suchte. Er soll auch der intellektuelle Urheber jener Proklamation der ungarischen Juden vom 30. September 1848 sein, welche also lautete: „Bürger von Budapest! Die schweren Augenblicke der Gefahr und des Elends lasten auf unserem theuren Vaterlande. Tausende und Abertausende sind muthig auf das Schlachtfeld geeilt, um zu leben oder zu sterben fürs Vaterland. Zum Schutze unserer Stadt, zur Bertheidigung des Besitzes, zur Aufrechterhaltung der Ruhe und I