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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-09 · Heft 37 (9.9.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 37 (9.9.1892)
Date
1892-09-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 700, aus beut Skalater Bezirk 200 Bauern aus.gewandert. Jetzt hat aber die Regierung geeignete Vorkehrungen gegen die herrschende Auswanderungssucht getroffen. FnniKrcich. * Paris, 1. September. Der russische Botschafter Baron von Mohren heim verweigerte die Annahme eines durch die Subskription von Drumonts „La libre parole" aufgebrachten Betrages von dreißigtausend Francs für die Opfer der Hungersnoth in Rußland. Als Grund der ablehnenden Haltung Mohrenheims, welche auf einn direkten Befehl des Zaren zurückgeführt wird, wird eine Reihe von Taktlosigkeiten genannt, welche sich die antisemitischen Spender erlaubt haben. Die ganze Sammlung hatte einen Radau-Charakter. Die ^Anhänger Drumonts spendeten 10 Centimes und begleiteten diesen „Akt der Wohlthätigkeit" mit Bemerkungen, wie z. B.: „Es lebe Morö- und der Zar! Nieder mit den Juden!" „Dem Zaren, welcher versteht, die Juden zur Thür hinauszuwerfen!" ttrigiru * Brüssel, 2. Septemb.'r. Die königliche Akademie der Wissenschaften Belgiens hat die Preisaufgaben für die ihr zur Verfügung stehenden Sonderpreise bekannt gegeben Darunter verdient folgende "Aufgabe Erwähnung: 2750 Francs für die beste Lösung der Frage: „Eine kritische Studie über die öffentlichen und privaten Beziehungen, welche zwischen den Römern und Juden bis zur Einnahme Jerusalems durch Titus bestanden haben." AmrriKtt. # Shcringham (Norfolk), 24. August. Der Staatssekretär der Vereinigten Staaten, Mr. John Förster, hat kürzlich in einer Unterhaltung mit Herrn Simon Wolfs aus Washington über die russischen Judenverfolgungen sich folgendermaßen geäußert: „Ich habe meine Meinung seit 1882 keineswegs geändert. Ich finde, daß es unwürdig ist, auf eine so barbarische Weise wen auch immer zu behandeln. Ich kenne viele russische Juden; nichts in ihrem Betragen könnte die grausamen und harten Maßregeln rechtfertigen, die gegen sie angewandt worden sind. Die unterdrückten und fanatischen Juden sind in gewisser Hinsicht ihrer Umgebung noch überlegen. Die griechische Kirche ist weder zur Belehrung, noch zur Erhebung der Menschen so geschaffen, wie die jüdische Religion. Zudem sind die Juden den Andern überlegen. Sie haben ein großes und ernstes Problem zu lösen: Die Assimilation dieser Leute erfordert Geduld und Wohlwollen. Die Juden verdienen dies wohl. Was mich persönlich betrifft, so können Sie auf die Negierung der Vereinigten Staaten von Amerika rechnen " Von Nah und Fern. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat die Bibliothek des verstorbenen Kriminalisten Ave Lallemand, soweit sie Judaica enthielt, käuflich erworben. Die Sammlung umfaßt etwa 80 Bände, welche größtentheils Jorganlitteratur enthalten. — Ueber die Religionsverhältnisse im deutschen Reich, wie sie sich nach der Volkszählung von 1890 herausgestellt haben, werden jetzt die amtlichen Ziffern veröffentlicht. Wir fügen in Klammern die betreffenden Ziffern nach der Volkszählung von 1885 zum Vergleich hinzu: Evangelische 31,026,810 (29,309,847), Katholische 17,647,921 (16,785,734), andere Christen 145,540 (125,673), Israeliten 567,884 (553,172), Bekenner anderer Religionen und Personen unbekannter Religionen 13,315 (11,278). Der prozentuale Zuwachs der Juden ist danach der geringfügigste von allen. — Dr. Ludw ig Frankel, bisher an Brockhaus' Konservationslexikon Redaktionsmitglied für neuere Litteratur und Germanistik und jetzt Dozent an der staatlichen Post- und Eisenbahnschule zu Leipzig, folgt am 1. Oktober einem Rufe als Direktorialassistent am Germanischen National muscum in Nürnberg. — Auf der in Mai nz stattgehabten „General Versammlung der Katholiken Deutschlands" wurde von verschiedenem Seiten die Unveräußerlichkeit der Gewissens- und Religionsfreiheit betont und die Anwendung dieses Prinzips aus die Juden ausdrücklich vcp langt. Wie sieht's aber in der Praxis mit der Haltung der ulkramontam'i Führer aus? — Das Fest der diamantenen Hochzeit beging Heu Moses Schwarz in Worms mit seiner Ehefrau geborene Michrl An der Feier betheiligten sich ihre sämmtlichen Kinder, Enkel und Urenlll, sowie ein zahlreicher Freundeskreis aus allen Ständen der Stadt. Tu Mann zählt 86, die Frau 84 Jahre. Beide erfreuen sich einer selteuu, Gesundheit und Geistessrische. — Ein Feuilleton der „Neuen Freiem Presse" aus Biarritz theilt eine Aeußerung des Königs Oscar vcn Schweden über die Antisemiten Oesterreichs mit. „Ich glaube," st sagte der König in einem Gespräche über die österreichischen Part.i Verhältnisse, „die Antisemiten haben gar keine politischen, sondern vomwiegend sozialistische Bestrebungen Sie theilen eigentlich die Welr in zwei Lager: die Semiten — das sind die, welche durch Fleiß itufc Schicksalsgunst Vermögen erwarben, und die Antisemiten — das siib ihre Gegner, die nichts haben und die das besitzen möchten, was Yk Anderen gewonnen haben." — "Am 15. September wird in Gr. Mogul die Synagoge eingeweiht werden; Berliner "Architekten, die Herren Mever und Kröger, haben den Plan entworfen und den Bau geleitet. — Jui Ministerium Gladstone ist "A l e x a n d e r A s h e r zum Generc! "Anwalt (Solid :or general) für Schottland ernannt worden. — Privu dozent %x. Edmund Lesser in Leipzig ist zum Professor mit' Direktor der Klinik für Hautkrankheiten in Bern ernannt word.r,. — Bei Villeneuve ertrank jüngst im Gcnfersce die 14jährige Tochm des Schweizer Divisionärs David. Sie wollte eine ertrinkende Freund retten und wurde dann selbst das Opfer ihrer muthigen That, währe n ihre Freundin von anderen Personen noch lebend ans User gebra lil werden konnte. Erst nach langem Suchen wurde der Leichnam des braven Mädchens gefunden. — Zu Rotterdam starb am 1. Augu'i Herr Dr. Symons, welcher als Bahnbrecher auf dem Gebiete des Taubstummenunterrichts sich weit über die Grenzen Hollands hina;« einen Namen gemacht hat. — Das israelitische Auswanderung? komitee von Paris benachrichtigte das Marseitter .Komitee, es sei angesichts der durch die gesundheitliche Lage entstandenen Schwierigkei em bis auf Weiteres unmöglich, Transporte jüdischer Auswanderer ans Rußland aufzunehmen. — Der russische Kriegsminister verbot, die in der Armee dienenden Polen und Juden bei den Militärbezirken als Schreiber zu verwenden, da wiederholt Verrath von Mobilisirungspläuen vorgekommen sei. Ob's nun besser werden wird? — Anfangs Oktober d. I. wird die neue Eisenbahnstrecke Jaffa-Jerusalem dem V r kehr übergeben werden. Der erste Probezug hat bereits die Strecke befahren. — Der Befehl des Sultans von Marokko an den Gouverneur von Mogador, einen Platz für ein neues Mellah (Judenquartstr ausfindig zu machen, ist nach einer unerklärlich langen Frist eingetrofien. Derselbe wurde durch den britischen Gesandten dem englischen Konml und durch diesen dem Kaid übermittelt. Der Gouverneur hat sosstrl einen sehr geeigneten Platz angewiesen und bleibt jetzt nur noch Ym Genehmigung des Sultans abzuwarten. — Der Rabbiner Stora in Bona (Algerien) erfuhr in Folge seiner von der Kanzel geäußerie« Lehrmeinungen eine Maßregelung seitens des französischen Kult:?- ministeriums.! Dies : Ado ' Post > nute Ne I, V- II I ' mit i ' ::0e Ir. G Die i'itfc D 21 mte viiei* : ade l'.H't* ' , ist uimft tv Killt; a ibci: ■:lbdl ' i' bi ■ obl :ciiti S 'djiii --cht i i i.CIt. 11 :i)(Cl V K-ibli I- -> T iTC XOir bitten alle unsere Leser und Freunde, im Interesse der Sache für die Verbreitung unseres Blattes ssi> •um ‘::iov ZU bemühen und uns namentlich recht viele Adressen aufzugeben, an welche wir probenummern schicken könnt! nHmistu Diesem Zwecke dient das der heutigen Nummer beiliegende Blatt, das wir recht bald mit Namen und Adressen amgefüllt zurückerbitten. Diejenigen unserer Freunde, welche selbst probenumniern zu vertheilen geneigt sind, bitten n » gleichfalls um baldige Mittheilung, damit wir ihnen die gewünschte Zahl derselben sofort zusenden können. Für alle Bemühungen im Interesse der Verbreitung unseres Blattes sprechen w^ j,n voraus unseren besten Dank aus. Die Expedition der „Allgemeinen Zeitung de? Indrnthunis was u bo u:u |i nibcn Truck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verautwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. -uiden

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