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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-09 · Heft 37 (9.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 37 (9.9.1892)
Date
1892-09-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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[56, Jahrgang. JU\ 37. Seifall seiner 1. Ist die Tempels zv 2. Ist di,, in Lebensan lindung einec- >es. — Der: Kommerziell )n Pommern I welche aus > aen, die hier die Gefahr rd. — In . feierlich er an ein neue-' lnabhängige" serl. königl. liathssekretär „Lehranstalt llabbiner der ihlt worden. > zleichfalls ein >ums", Herr Dr. O. in apenheim in Glichen Pro ' a u ernannt! Brody in Bei dieser t begründen >en für dar;aria" Buch x der Weist, oniruug der nr, eventuell rs Penstons un hat Herr : Studeutei' orstande der vergeben. - lnterschriften die Bundes , daß dar msnahmslo s Schächten >en muß. — »lkerung ein n, zu Thät > td die Schul tramontanen! rllein gelesen e dargesteln ,r bedürftig arf man sin' ixb der Rat mb Heraue len erworben m Rabbiner l Sedan, ge ellen vakant, rn Eduard and Heralle England di. rd gemeldes. ilder Form. ulin. Allgemeine Kertin, 9. September 1892. eitmg öes Audenthuins. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint w ö ch e n t l i ch. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Nedactcnr: Gustav .Narpeles. Begründet von Nabbtner Ludwig Philippson-Äonn. Vertags-Erpedition: Berlin, Äerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Jndenthmns",Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag vou Nndolf Masse, Berlin. 31t (| (111 ♦ Leitartikel: Ta? Corpus delicti. - Die Cholera itnb der Ber- '^hnuilgstar Von Dr. mell. Steint hat. — Die Hillspredjger. Bon T . mall. David Ca spar i. — Brief' au - Ameri a. Bon Dr. G. Teilt sch.--- Eili Berein id scher Schlihmacher in Saragossa. Bon De. Bt. Kap serling. — Beiträge zur Denntniß Michael Beer?. II. Bon Dr. Ci. Manz. — Fettilleton: Ein neuer König eear. Erzählung von B. Gin?herg. (Schluß.) — Sprechsaal. — Misceltcn. Der Gemeindebote. Korresvandenren «nd Nachrichten: Berlin, -lönigsberg, Breslau, Hannover. 2 uieburg. Zittau. Bi.-Gladbach. Köln. Herford. Stuttgart. Budapest, ^ember', Baris, Brüssel, Sheringham. — Bon Nah und 3-mt. — Geschäftliche Notizen Vas Corpus delicti. Berlin, 7. September. Jetzt ist dos Geheimnis; enthüllt. Die antisemitischen Blätter rufen es in alle Welt hinaus; siegeslnmken zeigen sie den glücklichen ,yunb den erstaunten Schnuren ihrer getreuen Anhänger — und zwar;ii Gestalt eines Bettelbriefes, eines Jerusalemer Bettelbriefes, der an wohlhabende Glaubensgenossen verschickt wird. Mit diesem Siegeszeichen in der Hand rennen sie gegen offene Thüren und glauben, vaß sie sie eingestoßen Hütten. „Da haben wir es," verkündet eines dieser Blatter aller Wett mit innigem Behagen, „es giebt nur eine jüdische Nation." Den Beweis, nach dem alle Bücher und Schriften, die ans Judenthllm Bezug haben, sorgsain und liebevoll dnrchftöbert wurden, den Beweis haben sie nun in Händen und lassen ihn nicht los um alle Schütze der Welt. Nach so langem, qualvollem Suchen haben sie endlich, endlich das aoipus delicti gefunden, und wer sollte so grausam sein, ihnen den eine ganze Welt anfwiegenden Fund zu entreißen, wer sollte ihnen die Freude nach so langen;, bänglichem Ausschauen nach dem rettenden Beweis mißgönnen? In einem Bettelbriefe selbst steht es ja „schwarz auf weiß", und was also unwiderleglich geschrieben steht, das muß bcn Antisemitenorganen zum unleugbaren Dogma werden, so wenig sonst sie bereit sein dürften, das Wort eines Rabbiners als heilig beschwören zu wollen. Der Herr Oberrabiner Salant in Jerusalem hat nämlich in einer Epistel an die Glaubensgenossen in Europa folgenden Satz geschrieben: „lind doch wird jeder gute Jehndi uns beipflichten, daß diese Anstalten allein berufen und befähigt sind, die wahre Frömmigteit, die Liebe zu unserer Thora imb zu unserer Nation zu erhalten und zu kräftigen." Hier ist also das Bekenntnis; eines Rabbiners selbst, dein das Wort unvorsichtiger Weise entschlüpft, olnvohl er's im Busen gern bewahren möchte. Wir wissen nicht, ob unsere Gegner so naiv sind, zu glauben, ein in weltlichen Dingen Don keiner Sachkenntnis; befangener Rabbiner des Morgenlandes habe eine einen hohen Grad von Civilisation voraussetzende Ahnung von den; Unterschied zwischen Stamm, Religionsgenossenschaft und Religion. Der gute Rabbi aber wird nicht wenig erstaunt sein, wenn er hören sollte, das; aus seinen Worten dem gesammten Judenthum der Fallstrick des Landesverraths, der Baterlandslosigkeit gedreht werde» kann. Den: ahnungslosen Mann ist natürlich — das müßten selbst die antisemitischen Blätter wissen — der Ausdruck Nation, Volk, Stamm lediglich ein Wort, um eine Gesammtheit 511 bezeichnen, gleichviel ob eine religiöse, nationale u. s. w. Dazu kommt noch, daß jener Rabbiner seine Episteln hebräisch abfaßt, die dann von irgend einem Uebersetzer, der gewiß auf keine höhere Stufe der Kultur als sein Meister zu setzen ist, ins Deutsche übertragen werden. Diese rabbinischeu Herren verstehen von den seinen Unterschieden der Sprache sowenig, wie die antisemitischen ^(utovitaten vom Talmud, von dem sie so viel zum Besten zu geben wissen. So späht die internationale antisemitische Gesellschaft umher, um irgend ein verdächtiges, unwissendes Wort, das irgendwo ans einem jüdischen Munde fallen mag, mit tendenziöser Sophistik für ihre Zwecke auszubeuten. Männer in der Stadt der Intelligenz, in dem Lande der germanischen Kultur, empfinden es nicht als eine Scham, zu solchen Wortklaubereien und Deutungskünsteleien ihre Zuflucht 31t nehmen, wenn sie sie nur ihrem Ziele ein wenig näher zu rücken vermögen. Aber freilich hat der Antisemitismus, der manchen jungen Menschen an der Zukunft verzweifeln macht, in einigen unreifen Köpfen das Phantom einer national-jüdischen Idee reifen lassen. Ja, die fortwährenden Angriffe und Vorwürfe der Jnternationalitüt, der jüdischen Nationalität haben erst diese phantastische Idee, ans die kaum ein Jude vou selbst gekommen wäre, geschaffen. Aber trotz aller Anfeindungen dürften die nationalen Träumer in Deutschland kaum nach Dutzenden — das ist eher zu viel als zu wenig geschätzt — zählen. Und das Nüssen die Antisemiten so gut wie wir, aber woher sollte der Stoff 311 Angriffen kommen, wenn man nicht die Thatsachen verdrehen und entstellen würde? Mit dem Dutzend durch den Antisemitismus scheu gewordener Köpfe hat aber der Rabbiner Salant oder dessen Uebersetzer, die in Unkenntniß weltlicher Dinge verwandte Begriffe nicht genügend weit auseinander halten können, herzlich wenig gemein. lieber den Inhalt des Briefes selbst wollen wir weiter kein Wort verlieren. Die Art und Weise, wie sich die Herren als die alleinigen Erbpächter aller Frömmigkeit unb Gottseligkeit anpreisen, ist von uns sehr oft gekennzeichnet worden. Aber allerdings, es handelt sich um Almosen — und alles Uebrige dürfte hier wirklich nur Nebensache sein. Darum erscheint uns auch jede Polemik nach dieser Seite hin in; gegenwärtigen Augenblick wirklich mehr als überflüssig.

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