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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-02 · Heft 36 (2.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 36 (2.9.1892)
Date
1892-09-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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: man, daß irement der e Vorschrift Drucksachen & durch den eibmaterial. mbar rührt llpost" noch leipnik ist worden. — ntorenschast ihres Hoch- Verlust zu n Böhmen, men sollten, m 24. Juli terreich und urger Ne- >6. Jahrgang. Ar. 36. Allgemeine Berlin, 2. September 1892. eilung des Zudmthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erfrfieint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oderdirekt von derExpedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Rcdacteur: Gustav Karpetes. Begründet von Nablrrner Dr Ludwig Phitippson-Äonn. Vertags-Vrpeditwn: Lerlin, Jerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition ftuD an die Aoresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mossc, Berlin. von 15,000 n der Stadt in Pariser Zioline einzuerkannt. lein Weinin, Blanc, Glailbensei, der im kannt habe, lg. — Der irzem ver- Leitartikelr In ernster Zeit. — Die Hilfsvredlger für die l "beit Festtage. Von Her man n Becker. — Elise Heule. Ein Erinnerungsblatt veil Dr. B. Kuttner. — Die erste Judenverfolgung in Deutschland. Von Otto b'ildemeister. — Beiträae zur Kenntniß Vtichael Beers I. (Forts.) Von iv Pianz. — Feuilleton: Ein neuer König Lear. Erzählung von B. Ginsberg, l^orts.) — Sprechsaal. Der Geweindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, T'ieit, Samter, Nenenkirchen. Vom Rhein, Grevenbroich, Ans Elsaß-Lotbringen, Diraßburg. Aus Hollattd, Paris, Petersburg. — Bon Nah und Fern. — Miscellen. — Bei der Redaktion eingegangene Bücher. In ernster Zeit. Berlin, 29. August. ohnung in;ahlen, vcrvertheilung is sich i»! m >! s aus. , religiösen jevölkeruug ine Lektion hui che Ge- > sollte." — Marseille nach ihrer I) dann nach aet worden, tirten Pro- -t. Moritz- Meilen von! von einer en, samml ermordet anten ans ud 400 in oeitere Zn f das entirausain- Namentlich loskau und halte angc rt würde», zssträslinge Der „Re .den gegen alle hierlin. Die Furcht vor der Cholera, deren hebräischer Name (Clioli m - böse Krankheit) eigentlich nur begreiflich ist, wenn mau daran ,»kt, welche besouderu Leiden unsere Ahnen in der Zeit großer i pibemten zu erdulden hatten, hält augenblicklich die Gemüther fast tu allen Thdilen unseres Welttheils in Aufregung. Als im vierz hüten Jahrhundert zuerst der „schwarze Tod" durch Europa zog, da hieß es allgemein, die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Der erdacht entstand daher, daß die Juden, wahrscheinlich in Folge ihrer ästigen Lebensweise, weniger von der Seuche hinweggerafft wurden, a -uuderttausende unschuldiger Menschen erlagen damals und auch »mter noch diesem Wahn. Heute wird selbst der wahnwitzigste diitisemit derartiges nicht behaupten dürfen. Und so kann man wohl - gen: „Gelobt sei, beribic Zeiten ändert!" Heute rückt ein allgeu-emes Unglück die Menschen im Gegentheil näher zu einander; es ' dien religiöse und nationale Schranken, und wiederholt schon hat l ue solche Epidemie den Bacillus einer vorher grassirenden geistigen 1 i'ibemie getödtet. Gleichwohl soll es uns nicht wundern, wenn man aus Rußland demnächst berichten würde, daß auch dort das alte Wahngebilde in ngend einer veränderten Form wieder aufgetancht sei. Denn that- -achlich hat sich auch diesmal die von Aerzten und Statistikern bereits »»'gestellte Thatsache wiederholt, daß die Juden der Epidemie gegenlcr eine größere Widerstandsfähigkeit an den Tag legen. Hervor- ■ Agcnbe medizinische Forscher haben diese Thatsache tonstatirt und ■u dieselbe weitgehende Betrachtungen geknüpft. Wir glauben, man - rauche gar nicht so weit gehen, da die Ursachen auf der Hand Die mäßige Lebensweise, die ja auch gelegentlich schon Mi Juden zum Vorwurf gemacht wurde, ist sicher der Hauptgrund ruescr merkwürdigen Erscheinung. Auch die sanitäre Bedeutung der -peise- und Reinheitsgesetze darf hiebei keineswegs unterschätzt '»erden. Die Erhaltung der Gesundheit war ein dringendes Gebot dcr biblischen Gesetzgebung. „Damit ihr lebet und eure Tage sich »crlüngern", dieser Schlußsatz erklärt viele dem menschlichen Verstände '»»st unbegreifliche Vorschriften. Liest man die Anweisungen der talmndischen Makrobiotik, so wird man erstaunen, wie weit schon damals die medizinische Empirie gediehen und wie wenig sich darin inzwischen verändert hat. Gerade mit Bezug auf allgeineine Epidemien giebt der Talmud eine große Zahl von Vorschriften, die mit der modernen Hygiene übereinstimmen. Der Traktat Baba Kama enthält eine solche Anweisung für das Verhalten während einer Seuche. Da heißt es vor Allein: „Gehe nicht an die Ecken des Weges, denn der Todesengel weilt daselbst", d. h. vermeide alle Extreme, weil sie gefährlich sind! Bis in das geringfügigste Detail sind die Vorschriften für Essen, Trinken, Gehen, Schlafen ansgearbeitct. Hauptsächlich wird Mäßigkeit im Genuß dringend ans Herz gelegt. „So dein Mahl dir am besten schmeckt, beherrsche dich und höre auf", sagt ein talmudischer Lehrer, und zweitausend Jahre später sprach Hufeland, ohne ihn zu kennen, denselben Satz wörtlich nach. Andere Sätze des Talinnds lauten: „Wer seinen Magen mit allerlei Speisen füllt, verfällt der Seuche." — „Mache dich früh auf und genieße; im Sommer wegen der Hitze, im Winter wegen der Kälte, denn so heißt es: sechzig Schnellläufer können den nicht einholcn, der am Morgen gefrühstückt hat." Besonders wird vor frischem Brod, jungem Bier und schwerem Geinüse dringend gewarnt. Ferner heißt es: „Hat Jemand gegessen und nicht dazu getrunken, so wird ihm sein Essen schädlich; es ist die erste Ursache zu Darmkrankheiten."^— „Wer gegessen und darauf keine Bewegung gehabt, der muß krank werden, besonders nach dem Genuß schwer verdaulicher Speisen." — „Zerkaue mit den Zähnen und du wirst es in den Fersen fühlen, d. h. die nährende Kraft der Speisen wird dich stärken." Auch das Langsamessen wird dringend empfohlen. „Wer lange bei Tische verweilt, besten Lebensjahre verlängern sich." Ein besonderer Nachdruck wird auf Reinhaltung des Körpers und der Wohnung und auf Bewegung gelegt. Baden und Waschen ist religiöses Gebot. „Sitze nicht zu viel, es erfolgen sonst Unterleibsbeschwerden." Auch die regelmäßige Berdauung ist Gegenstand eifriger Fürsorge. Reine Luft, gleichmäßige Temperatur stehen als die ersten Bedingungen verzeichnet. Eindringlich wird vor allen Gemiithsaufregnngen, besonders in Zeiten einer Epidemie, gewarnt. „Seufzer zerstören den Körper des Menschen." „Das Leben der Schwermüthigen, der Jähzornigen, der Traurigen ist gar kein Leben." Von den Speisen werden besonders junges Geflügel und Eier, von Getränken alter Wein empfohlen. Als Moses Maimomdes, der ja bekanntlich einer der hervorragendsten Aerzte des Mittelalters war, tausend Jahre später die diätetischen Regeln des Talmuds sammelte, da hatte er wohl ein Recht dazu anszurufen: „Wer nach diesen Vorschriften lebt, muß gesund bleiben." Und wenn wir heute nach abermals tausend Jahren in ernster Stunde die alten Folianten aufschlagen und jene hygienischen Vorschriften

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