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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-26 · Heft 35 (26.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 35 (26.8.1892)
Date
1892-08-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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,d'i,?derÄ6. Jahrgang. Ur. 35. Lektüre auf vierten Seite orquemada c De Stelle: „ im Vorgehen 9 Für und Sßjj sition narnen eußerungen r itentaba als ules Simon \ uch Torqueu len Protest c Bourgeosie, 'utionen, die Allgemeine Kerlin, 26. August 1892. eitung öes Audenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Ncdactcur: Gustav Karpeles. Begründet von Nubbrner H*. Ludwig Philippson-Konn. V erlags-Grpedition: Gertm, Jerusatemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find au die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. dem Somn ue Militärka u, daß mal mehr beim? - £)., bis Juli Friedrich 1., > Zriefe an Sr * Sellarttkel: Die Wiener Konferenz. — Briese aus Kurland I. Wiener Briefe XVIII. Von T. — Beiträge zur Kemitnih Michael Beers 1. 'on Dr. G. Manz. — Wanderungen durch Jberien V. Von Dr. M. Levin. — ' rs Urbild des ^Adepten". Von Eduard Mnenz. — Feuilleton: Ein neuer * tifl L ar. Erzählung von B. Ginsberg. — Von Rmmnelsburg nach Ostend, 'eiter Badebrief. — Sprechsaal. — Briefkasten. Der Oemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin reslan. Glogan. Leipzig. Wvtfenlüttel. Hannover, Frankfurt a. M.. Aus Unterranken. Wien. Petersburg. Moskau. Alexandria. — Bon Nah und Fern. — Niseellen. m Sammll : Entschiede lenburg ist in mden, einfthin : worden. — : 'er" sind ii*i n zurnckgete leiterbeförden ktor Dr. P t> :s 25 Jahre, mrs steht. — auptschule, Direktor di lammtvermög. thätigen Zwe ergeben. — ' ie „Libre Pan t mit dem il Oppen l>c u können, de ei einem Fen ein neues t o;u der Form , Geldjuden" n Anzahl S w Benutzung abe von Gre - Aus Warnl ow zwischen rage des Bezn tragen begour Wiederherste lli auer Bezir egen Aufreiz eilten gelegen! Arbeiter zu ter zu ein P Die Verhai'.dl! >er stattfinw.u, tabbiner der < -lin. in Berlin. Me Wiener Konferenz. Berlin, 24. August. Das Rundschreiben des Vorstandes der Wiener Gemeinde an >>ie Vorstände in Berlin, Laudon, Paris und Budapest, welches dieclben zu einer Konferenz in Wien selbst am 6. September d. I. >inlädt, ist unfern Lesern bereits bekannt. Wir haben dasselbe in '*Jr. 31 mitgethcilt und schon damals als eine wackere That begrüßt. Zweck der Konferenz ist zunächst die Berathung über die frage, wie dem überhandnehmenden Jndifferentismus innerhalb des Zndcnthums abznhelfen sei. Es ist schon ein wesentlicher Schritt zur Besserung, wenn unsere reichen und gebildeten Juden die Hebung des Judenthnms und die Vekämpfling des Jndifferentismus selbst in die Hand nehmen wollen, r>enn sie Miitel schaffen wollen, „mn die Mission des Judenthums, invie dessen glorreiche Vergangenheit unser» Glaubensgenossen zum Jewußtsein zu bringen." Wie gesagt, wir begrüßen diesen Schritt mit aufrichtiger Genugthuung und sehen den Verhandlungen der Konferenz mit großer Spannung entgegen. Nur zwei Punkte möchten wir hervorheben, wo wir mit :cn Perfassern des Rundschreibens nicht in Uebereinstimmung nd. Es betrifft dies zunächst die Auswahl der Großcrnrcindcn. Warum sind nur solche eingeladen? Und warum i.Tiiöe nur London, Paris, Berlin, Pest? Sind Hamburg, Frank- ' nt a. M. und Breslau, Lemberg, Prag und Amsterdam keine l'boßgemeinden? Und haben die kleinern Gemeinden im Grunde nicht unter derselben Nothlage zu leiden wie die Großgemcinden? Ja, ist nicht ihre Lage oft eine weit schlimmere, da sie außer mit dem Grundübel, an dem das moderne Judenthum leidet, noch mit io vielen kleinen, aber darum nicht minder schweren Leiden zu kämpfen haben? Alles, was unsere Gemeinschaft in Berlin und Wien bedrückt, das hemmt auch in Königsberg und in Brünn die Entwickelung des religiösen Lebens, und der trostlose Jndifferentismus Hai nicht blos in London und Paris, sondern auch selbst in Pose» und Nikolsburg Wurzel geschlagen. So Hütte nach unserer Ansicht d>e Wiener Konferenz von Vertretern aller Großgenieinden des Kontinents und auch von kleinen Gemeinden, deren sich je mehrere «nen Vertreter hätten wählen können, beschickt werden muffe». An dem guten Willen der Gemeindevorstände ist ja wohl nicht zu zweifeln — und die Konferenz wäre schon durch die imposante Vertretung des Gesammtjndcnihums zn einer ansehnlichen Macht geworden. Der zweite Punkt, in dein unsere Ansichten von denen der Verfasser des Rundschreibens sich scheiden, betrifft den Ausschluß des rabbinischen Elements von der Wiener Konferenz. Es wird allerdings ausdrücklich betont, daß man keineswegs „über Traditionen oder über Formen entscheiden oder überhaupt Erörterungen von Fragen anfstellen wolle, deren Erledigung in das Gebiet der Theologen gehört, deren Beuriheiluug ausschließlich den dazu berufenen Rabbinern überlassen werden muß." Dieser Vorsah ist ja sehr löblich, aber nach unserer Meinung — unausführbar. Die Verschiedenheit der religiösen Anschauungen wird schon bei der erste» Frage über die Mittel zur Hebung des religiösen Sinns im Judenthum hcrvortreten. Wir glauben bestimmt, daß die Vertreter der Berliner Gemeinde ganz andere Mittel Vorschlägen werden, als die Herren von London, und wahrscheinlich auch umgekehrt. Alles aber, was die Hebung des religiösen Gefühls im Judenthmn betrifft, geht ja doch in erster Reihe den Rabbiner an. Alle Vorschläge, die zur Bekämpfung des Jndifferentismus gemacht werden können, schlagen in sein Ressort. Wir weichen in dieser Beziehung auch durchaus von den Anschammgen ab, die der geschätzte Verfasser der „Wiener Briefe" in seinem dieswöchentlichen Artikel über die Stellung des Rabbiners in der Gegenwart entwickelt. Handelte es sich um eine Konferenz zur Hebung der materiellen Lage der Gemeinden, zur Bekämpfung des Antisemitismus oder ähnlicher Nothständc, so würden wir die Ausschließung der Rabbiner begreifen. Wo es sich aber, wie gesagt, nur um Mittel handelt, den religiösen Sinn zu heben, das weibliche Geschlecht >l»d die Jugend für das jüdische Leben wiederzngewinnen, de» Besuch des Gottesdienstes zu heben, das Interesse für jüdisches Wissen zn wecken, da müßte in erster Reihe der Rabbiner gehört werden, zunächst als der kompetenteste Sachverständige, und sodann als der vornehmste Vertreter jener religiösen Gedanken, die für die Gemeinde wieder fruchtbar gemacht werden sollen. Wir bedauern, daß der Wiener Gemcindevorstand diese beiden Punkte außer Acht gelassen hat. Aber wir wünschen nichtsdestoweniger den Konferenzen den besten Erfolg. Seit der Synode zu Augsburg ist dies der erste Schritt, der innerhalb des Jahrhunderts wieder nnetrnonnnen wird, um dem beklagenswerthen Abfall und Jndifferentismus zu steuern, um das religiöse Gefühl zn beleben, wo es erstorben, und zu erwecken, wo es überhaupt nicht vorhanden ist. Das ist ein großes Werk, dem die innige Theilnahme aller Guten und wahrhaft Frommen nicht fehlen wird.

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