Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- Seite 404 (sequence 8)
- Language
- German
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404 Dominikaner traten zu jedem derselben ins Gefängniß, um sie zum Abschwören zu bewegen, und um 3 Uhr Morgens wurden dieselben gespeist und angekleidet, um gegen 6 Uhr zu der Plaza mayor gefiihrt zu werden. Dieser heute noch erhaltene, von Häusern und Säulengängen eingeschlossene große, viereckige Platz war zur Hälfte in eine Schaubiihne verwandelt, die sich bis zum ersten Stockwerk der Häuser und bis zu dem in der Mitte des Hintergrundes befindlichen königlichen Balkon erhob. Wie sehen auf Rizis Bild deutlich den König Carlos II. und seine Gemahlin, Marie Luise von Orleans, in den Logen rechts und links die Hofdamen, die Granden, die Hofbeamten, Gesandten u. s. w. Unterhalb des königlichen Balkons steht in stolzer Haltung der Großinquisitor, den Krummstab in der Hand. Zur Rechten des königlichen Balkons und denselben bezeichnenderweise um etwas überragend, befindet sich ein Amphitheater für den Juquisitionsrath, links diesem gegenüber ein entsprechendes Amphitheater mit den Angeklagten, deren religiösen Beiständen und den Vertretern des Santo oficio. König Carlos II., der schon zuvor dem Anführer der Glaubenssoldaten ein Holzscheit mit den Worten überreicht: „Se. Majestät befiehlt, daß dieses Scheit in seinem Namen zuerst in das Feuer geworfen werde", hat dem Großinquisitor den Eid abgelegt, „die Ketzer und Abtrünnigen zu verfolge» und der heiligen Inquisition in der Bolleudung ihres Gott so gefälligen und zum Glanze der Religion so nothwendigen Werkes beizustehen." Ein Priester hat die Messe zur Hälfte gelesen, die Predigt ist gehalten, und nachdem der Großinquisitor mit einer Glocke das Zeichen gegeben, hat das Verlesen der Richtersprüche begonnen. Dasselbe dauerte den ganzen Tag bis 9 Uhr Abends; der Priester las dann die des Morgens unterbrochene Messe zu Ende, und der König zog sich, nachdem er den ganzen Tag den Platz nicht verlassen und sich schließlich zur Beruhigung seines Gewissens erkundigt hatte, ob Alles in ver rechten Weise vor sich gegangen, mit seinem Hofstaate zurück. Im Vordergründe sind die lebensgroßen Puppen aufgepflanzt, ivelche die 34 der in e.mlimui.-üiin Verurtheilten vorstellen, von denen 32 im Gefängnisse gestorben, zwei entwichen waren; in ihren Händen halten sie Kistchen mit den Gebeinen der verstorbenen Verrirlheilten und sie tragen auf der Breist eine Inschrift mit der Angabe des Namens und des Verbrechens und das rothe Kreuz des heiligen Andreas; auch an diesen Puppen wurde die Sentenz, nachdem sie vor ihnen verlesen war, votlstreckt. Wie den Puppen ist auch den 05 nicht zum Feuertode Verurtheilten eine hohe, spitzige Mütze auf das Haupt und das rothe Kreuz nebst der Inschrift auf die Brust gesetzt und eine ausgelöschte Kerze in die Hand gegeben. Statt des rothen Kreuzes tragen die zum Feuertode Verurtheilten Bilder von Drachen und flammendem Feuer auf der Brust; 12 von ihnen sind die Hände gebunden mit) Knebel in den Mund gesteckt. Jeder Angeklagte befindet sich zwischen zwei Dominikanermönchen, die mit leidenschaftlichen Geberden und Kruzifixe schwingend ihn zur Bekehrung anffordern. Hier schreitet festen Schrittes ein Weib einher, mitleidig über ihre geistlichen Quäler lächelnd; dort ist ein Unglücklicher unter der Last körperlicher und moralischer Pein zusnnunengcbrochen, ohnmächtig, Die zudringlichen Bekehrer länger abzuwehren. Hier schleppen sie auf einer Bahre eine altersschwache, kranke Frau herein; dort zwingen sie einen Ketzer, vor dem Altar niederzuknieen; der Eine hört mit sichtlicher Verachtung, der Andere mit stumpfer Ergebung die Mönche an, und wieder ein Anderer hat sich mit denselben auf eine letzte Disputation eingelassen. Dem geschichtlichen Berichte Olmos zufolge wurden die Vermtheilten nach 9 Uhr zu dem Scheiterhaufen geführt, der 7 Fuß hoch ppttuan war und 60 Quadratfuß umfaßte. Jeder Verurtheilte wurde oii einen Pfahl gebunden, die Begnadigten vor dem Anzünden de Holzes erdrosselt und die Anderen lebendig verbrannt. Wieda damalige französische Gesandte, de Villars, meldet, hatten „dich Unglücklichen vor ihrem Tode tausend Qualen zu erdulden. T« anwesenden Aiönche brannten dieselben, um sie zu bekehren, an der schiedenen Stellen des Körpers mit ihren Fackeln; mehrere Persona versetzten ihnen Stiche mit dem Degen, nnd das Volk warf sie tiü Hesse Steinen. Sie zeigten aber in allen ihren Bewegungen bis zum Tor« eine einer besseren Sache würdige Ausdauer und einige stürzten sich selbst in das Feuer." Von den Märtyrern nennen wir besonders den vieruudzwauzijährigen Franziskanermönch Diego de la Assension, der wegen feiun Verherrlichung der jüdischen Religion in den Kerker geworfen n»i am 3. August 1603 auf dem Ribeiroplatze in Lissabon verbräm, wurde; den Diakonus und Universitätsprofessor Antonio Homem, de am 5. Mai 1624 den Feuertod erlitt, weil er in einer unterirdische, Synagoge heimlich als Rabbiner fungirt hatte; den christlichen 6>c lehrten Don Lope de Vera y Alarcon, der gleich Diego die Wahr h auf heilen des Judenthums anerkannte, seinen altadligen Namen mit de« einfachen Namen „Juda der Gläubige" vertauschte und in Valladolii am 25. Juli 1644, als Jüngling von 22 Jahren den Scheiterhanf bestieg, indem er die Worte sprach: „In deine Hand, o Herr, cmpfelil ich meinen Geist!"; Jsak de Castro Tartas, ein fünfundzwanzig io riger Marrane, der am 22. Dezember 1647 seine Treue mit dcii Opfertode besiegelte; sein „Sch'ma Israel!", das er aus den Flamme, rief, machte auf die Volksmenge einen solchen Eindruck, daß die In quisition sich veranlaßt sah, das Aussprechen dieses Wortes zu verbieten den als Dichter und Politiker geschätzten portugiesischen Konsul « Paris Don Manuel Fernandes de Villareal. Dieser hatte den danken entwickelt: Die Anhänger einer Religion dürfen nicht mii Strenge, mit grausamen Mitteln geplagt werden. Es steht den Ac genten die Befugniß nicht zn, die Geheimnisse der Seele zu erforsche Niemand darf seine Herrschaft auf die verborgenen Gedanken, am das Innerste des Herzens erstrecken. Die Unterthanen haben ihn' Pflicht Genüge geleistet, wenn sie die erlassenen Gesetze und Versii gungen befolgen." Am 1. Dezember 1652 erlitt Billareal in Lissabon den Märtyrertod. Endlich nennen wir den als den „portugiesische» Plautus" gefeierten Dichter Antonio Jose da Silva. Als Antonio im Kreise der Seinen ein Familienfest beging, drangen die Scherge, der Inquisition ein und zerrten den Unglücklichen in den Kerler Auf die Aussage seiner Sklavin wurde der einer Marranenfannlie Entstammende des Rückfalls in das Judenthum für schuldig befunden und am 9. Oktober 1739 in Gegenwart seiner jammernden Mutier und seiner Gattin öffentlich verbrannt. Grausam wie die Exekution auf dem Quemadero ivar die Handlung der Bedauernswerthen im Kerker. In Evora gewährt »>ü noch heute ein solcher Jnquisitionskerker einen furchtbaren Anblick Von einem Lichte erhellt zeigen uns die Wände rothfarbige Schrift zöge. Die armen Gefangenen hatten sich in ihrer Seelenqual mi den Nägeln die Haut aufgcritzt, um dann mit Blut Gebete eiin» graben, die doch unerhört verhallen mußten, da das K^rz der Peiniger gleich diesem Maucrwerk von Stein war. Ja, bis zur Stunde können wir die Seufzer von einem Geschlecht vernehmen, das auf den Balearen ein eigenthümliches Dasein flicht. Wir betreten Palma, die Hanptstadt Mallorcas. Dort wohnen die Abkömmlinge der Marrane», die man spottweise Clmetas uamll d. h. Speckfresser; man weidete sich an ihnen, wie sie zum Gennisi Schn ule aus gen dei Der ck. in n Nach immun Zrag io nur, [,ni!" iiv tuti or Na» Miss limt N da «gos V, uger komi n Flau ihm Lied riiunph äieiterk min t Noc dulden Mir ei der ifiigen chter i - das De, i’vl)in c Von „Kl. innntei litnisse Di. e mir hnisch mt n u. da >d str. 9 I preo