Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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c Krankheil o rein chriülil hen Gesetzes j mnes zu el| 1(1. Jahrgang. Ur. 34. Allgemeine Berlin» 19. August 1892. Univers! lemperer chnet. — Borbereitm l von WoriiD Amtsblal ) darunter ) der „©ächiiil >te Dr. ©omf des Präsid iu« eines Schreis toriums cvMil - Dr. G u ul dem Dffi'.iel et. — Zu s£r| tt ber beut i'd| b Herr Zresse. Ale Kindheit bc;a| mz-Bureau: ltwickelunsi;§ vor iiu'mii thätigen A. n Haag. eilung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 7icfe Zeitung erscheint wöchentlich. l'il)onnements-Preis: Durch Buchhandel, I laiit oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. bicfcactcnr: Gustav Karpeles. Begründet von Nabviner Dr Ludwig Philippson-Konn. Verlags-Drpedition: Berlin, Jerufalemerstr. 48/49 Me Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Jndenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Nndols Mosfe, Berlin. Inliall. Leitartikel: Die brennende Frage. I. Von Dr. S. Kalischer. , Aon Dr. Oskar Colin. - Etatsrath Moritz Levy. Von Dr. M. Katzserling. Tie Prager Judenstadt während der Schlacht am weißen Berge. Von Dr. I.rander Kisch. — Wanderungen durch Jberien IV. Von Dr. M. Levin.— cuilleton: Avrohmche Nachtigall. Erzählung von M. A. Goldschmidt. — u Mang eines Problems. Von Bernhard Traubenberg. — Miscellerr. — bitter liebe. Von B. Herwi. Der Slemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, indsbnrg W.-Pr., Neubrandenbnra, Hannover. Leipzig. Köln. Stuttgart, Gießen. l'Juit, Kopenhagen, Paris. — Sprechsaal. Nie brennende Frage. Berlin, 16. August. Diese brennende Frage ist und bleibt — die Blutbeschuldigung, agtcn nicht unsere lieben Freunde, die Antisemiten, dafür, so mßtcn wir es selbst thun, um ein Mittel zu ersinnen, das die phisten in!V'cB'JicberJel)r solcher abscheulicher Verleumdungen womöglich verhinderte. aß ein genuir und selbst 'J| oit dem ©o curtheilt t:it| en Säubern. Mores luoj Seschworeinn e zur Verba irs D r u m 0 > se. — Der l ns Börstidniv tenhageii lMiagen. Sämmtliche Organe des Antisemitismus von der leichten ud verschämten bis zu der entschieden gegensätzlichen Observanz haben i) mit diesem Artikel beschäftigt. Daß dieselben behauptet haben, W I. beanspruche ein Privileg für die Inden, zeugt entweder von iun» absoluten Mißverständniß oder von einer böswilligen Unterltung. Gerade das Gegentheil hat der Artikel verlangt, nämlich eilige Rechtsgleichheit, Eine andere Frage ist freilich, ob der rt gemachte Vorschlag ein praktischer ist. Diese Frage wird in zahlstniord vor, >em vom Heg Ihrer Most! ßalais zuLmiö 1 zu werden, ul in Franrn, den, — Die t Zeit beschieß vorausznie Chef des faif» :r unterfertig! Gesuch, it'c iaifer Alcran! l. Indien! wi UN d Bruder uses ein Kinn nen haben :lui in Berlin, iok glauben, es wäre jetzt gut, die Sache nun einmal schon ruhen lassen. Gewiß, wir würden es sehr gern thun, und wahrhaftig, u haben dringlichere Angelegenheiten genug zu besprechen. Aüein diese -age: Giebt es ein wirksames Mittel gegen die Blutbeschuldigung? doch vor allen anderen die dringlichste, so lange jeder beliebige leineidbauer einen Theil des leichtgläubigen Publikums durch die chauermär vom „Ritualmord" in angenehmes Gruseln versetzen u». Daruin hat auch der Aufsatz unseres allverehrten Dr. Jellinek!!! Ar. 32) wie ein Funke in das antisemitische Pulverfaß eilige-! gen die rusmci ,,iKn zusiimmenden und ablehnenden Aufsätzen besprochen, die wir «über erhalten. Von diesen Zuschriften haben wir heute zwei Herausgemsen, weil sie uns besonders klar und zutreffend, aber auch charakteristisch afiir sind, wie inan dieser brennenden Frage in verschiedenen Lebenseisen gegenübersteht. Während in dem früheren Aufsatze der Prediger, >nd zwar unser erster Prediger, sprach, nimmt heute zunächst ein bekannter Naturforscher, Herr Dr. S. Kali scher, Dozent an der technischen >achschule in Berlin, das Wort. Und sodann ein eminent Sachrrständiger, nämlich ein Jurist von Fach, Herr Dr. Oscar Cohn, llan wird also auf gegnerischer Seite nicht mehr behaupten können, aß lvir die Frage einseitig oder blos vom religiösen Standpunkt lu'3 zu lösen verflicht hätten. Wir lassen nunmehr den ersten Artikel folgen: I. Es ist mir zweifelhaft, ob ein Nichtjude die Größe des Zornes zu ermessen vermag, der die Seele eines Juden, zumal eines Juden, der die Religiouslehren und die Geschichte des jüdischen Volkes kennt, gegenüber der sogenannten „Blutbeschuldigung" erfüllt; schwerlich empfindet jener, wie wohlwollend er auch sein mag, in gleichem Maße lvie dieser den Ekel darüber, daß diese Lüge, die wahnwitzigste, die je ein Menschenhirn geboren, noch an der Neige des neunzehnten Jahrhunderts ungestraft ausgesprochen werden darf. N'ur die elementare Kraft der Prophetensprache wäre im Stande, dem gerechten Unwillen darüber einen entsprechenden Ausdruck zu verleihen, das; der bessere Theil der Christenheit, in deren Mitte diese ungeheuerliche Lüge entstanden ist, derselben Christenheit, die dem Judenthliin die erhabensten Lehren ihrer Religion verdankt, so wenig thut, um jene Wahngeburt auszurotten. So sind denn die Juden, wie fast immer, wiederum auf sich selbst angewiesen, und so unglaublich es auch hoffentlich den Geschlechtern, die nach »ns kommen, erscheinen wird, daß man in einem Zeitalter, das die Hindernisse von Raum und Zeit in ungeahntem Maße überwältigt und bald den entlegensten Winkel der Erde durchforscht haben wird, das; man in diesem Zeitalter im „Lande der Dichter und Deuker" gezwungen war, sich gegen jene abgesmackteste Lüge von der Welt zu wehren. Es gewährt nur einen schwachen Trost, daß die Allermeisten, die sie aussprechen, wissen, daß sie lügen; dies vermehrt nur den Ekel über das gewissenlose Treiben. Es hilft also nicht, man miiß fortfahren, die Lüge, so oft sie auftritt, als solche zu brandmarken, damit das Gift, das sic ansspeit, nicht weiter um sich fresse, und dies nicht blos im Interesse der Juden, sondern im Interesse der Kulturentwickelung. Ja, wer diese nicht durch das verruchte Treiben jener Bande, die sich aus den zweifelhaftesten Elementen zusammensetzt — einer dieser Ehrenmänner wird ja immer von dem anderen abgethan —, gefährdet sieht, beachtet schwerlich genügend die Zeichen der Zeit. Die „Blutbcschuldigung" wie der ganze sogenannte „Antisemitismus" ist nicht der einzige finstere Dämon, der gar schlecht zu dem Zeitalter eines beispiellosen Weltverkehrs, zu dem Zeitalter der Eisenbahnen, des Telegraphen und des Telephons paßt: andere Dämonen der Finstcrniß — und das ist für jenen bezeichnend — erheben gleichzeitig mit ihm das Haupt. Aber wie soll der Lüge eutgegengetrcten werden? Wird das Mittel, das Herr Dr. Jellinek in Nr. 32 dieser Zeitung vorschlägt, an den kompetenten Stellen Anklang finden? Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Man wird, da zunächst auf den Xantener Fall exemplifizirt wird, sagen, daß die Anklage ja gar nicht wegen Mordes „aus rituellen Motiven" erhoben worden sei, daß die Anklagebehördc erklärt habe, daß sie nach den Motiven nicht zti