Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1892)
- Date
- 1892-08-12
- Page
- Seite 4 (sequence 14)
- Language
- German
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- Baku 1× ep/1000527
- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
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4 Juden noch mehr geschmälert worden. Die antisemitischen russischen! Zeitungen haben vollkommen Recht, wenn sie sagen, daß die neue ' Städteordnung den Juden sowohl das passive als auch aktive Wahlrecht raubt. Nach der neuen Städteordnung sind die Juden von den städtischen Wahlen gänzlich ausgeschlossen, und nur in den von Juden bewohnten Städten können jüdische Stadtverordnete von den Behörden ernannt werden, wobei aber ihre Zahl nicht mehr als ein Zehntel der gesannnten Stadtverordneten ausmachen darf. In den westlichen und südwestlichen Städten machen die Juden 60 und bisweilen 70 Proz der Gesammtbevölkerung aus, im Stadtrath sollen sie aber nicht mehr als durch Vio der Gesammtzahl der Berordneten vertreten sein, welche dazu von der Negierung ernannt werden. Ein besonderer Paragraph der neuen Städteordnung sagt noch aus, daß Beschwerden seitens der Juden über etwaige Ungerechtigkeiten und Willkürakte bei der Ernennung der jüdischen Stadtverordneten nicht gehört werden. Wie weit die Juden unter dieser neuen Beschränkung zu leiden haben werden, läßt sich leicht übersehen. In Rußland nämlich haben der Staat und die städtische j Verwaltung nicht mit einzelnen Bürgern zu thun, sondern mit Körperschaften, welche in den Adel, das Bauernthum, Bürgerthum und die Judenschaft, wo eine solche da ist, eingetheilt werden. Bei der Vertheilung der Steuern, sowie aller Bürgerpflichten, sucht naturgemäß jede Körperschaft ihre Interessen zu wahreil, was eben durch die Vertretung im Stadtrath erzielt wird. Wenn aber die Juden nur h j0 der gesammten Stadtverordneten ausmachen werden, trotzdem sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden, werden sie selbstverständlich nicht mehr die Macht besitzen, ihre Interessen in gehöriger Weise zu vertheidigen. Die Zurücksetzung der Juden durch die neue Städteordnung wird aber auch eine Schädigung der ganzen Bevölkerung zur Folge haben. Es steht nämlich fest, daß diejenigen Städte, deren Stadträthe aus vielen Inden bestehen, wie z. B. Odessa, Warschau, Jekaterinoslaw u a., viel geordnetere Verhältnisse haben als die Städte des inneren Rußlands. Bankerotte der Stadtbanken und ungesetzliche Verschwendung der Gemeindegelder kommen in den russischen Städten regelmäßig vor, nicht aber in denjenigen, wo Juden wohnen. Während die inneren russischen Städte noch ganz asiatisch und ein Herd von ansteckenden Krankheiten sind, wie es gegenwärtig die Cholera zeigt, haben die sogenannten jüdischen Städte ein europäisches Aussehen und zeichnen sich durch ihre sanitären Vortheile aus Zustände, wie in Baku oder Astrachan, sind in Poltawa, Krementschug oder Wilna unmöglich, allein die russische Regierung scheint ernstlich die Absicht zu haben, das Land zu russifiziren, d. h. das Elend, sowohl das materielle als auch geistige, wie es im Innern des Landes herrscht, für das ganze Land heraufzubeschwören. Petersburg, 3. August. Ein heute veröffentlichtes Gesetz gestattet der jüdischen Kolonisationsgesellschaft, ihreThätigkeit in Rußland zu eröffnen. Dem Gesetze ist ein Reglement für diese Thätigkeit beigegeben. Zugleich wird aus dem Süden von einem auffallenden Stillstand der Judenaustreibungen berichtet: Es heißt, daß die Verrvaltungsbehörden in Volhpnien von hier aus den Auftrag erhalten haben, gegen die seit mehr als zehn Jahren auf dem flachen Lande ansässigen Juden nicht mehr so strenge wie bisher vorzugehen. — Der bevollmächtigte Vertreter des Barons Hirsch, D F. Feinberg, macht bekannt, daß die Uebersiedelung von Personen, welche unter dem Schutze der Hirschffchen Komitees auszuwandern wünschen, nicht vor dem Monat Januar 1893 beginnen soll, da vor diesem Zeitpunkte in den dortigen Kolonien nicht alle Vorbereitungen für Aufnahme der Auswanderererledigt werden können. Daher sei es von keinem Nutzen, wenn Personen, die auszuwandern beabsichtigen, schon jetzt Anmeldungen in dieser Angelegenheit vorstellen. Im Herbste laufenden Jahres eröffnet das Komitee zu Petersburg seine Wirksamkeit; späterhin werden auch nach Maßgabe der Nothwendigkeit an verschiedenen Punkten im Innern Provinzialkomitees eröffnet. Dahin haben alle diejenigen ihre Anmeldungen zu richten, welche durch Vermittelung der Komitees nach Argentinien gebracht zu werden beabsichtigen. * Kiew, 1. August. Der energische Gouverneur von Nischny-Nowgorod, General Baranow, hat am 28. Juli nachstehenden überaus charakteristischen Tagesbefehl veröffentlicht: Heute verstarb im Hospital an der Chaussee der Arzt Jakob Jdelsohn an der Cholera. Ter Verstorbene war einer der Ersten, die bereitwilligst nach Nischny-Nowgorod kamen, mit den Kranken zu helfen. Mit Selbstverleugnung für das Wohl Anderer wirkend, wurde er selbst ein Opfer der Krankheil « mußte sein Leben für seinen Nächsten lassen. Er bewies rein chriüliD Eigenschaften, obgleich er zu den Befolgern des mosaischen Gesetzes hörte. — Ich werde das Andenken dieses würdigen Mannes zu ei suchen, indem ich seiner Beerdigung beiwohnen werde. Ili. I Von Nah und Fern. Bei der Preisvertheilung an der Berliner Univern wurde die juristische Arbeit des Herrn Berthold Klemperer Landsberg durch eine ehrenvolle Erwägung ausgezeichnet. — O stend- T h eater werden, wie die Direktion mittheilt, Vorbereitung zu einem großen Sensations-Melodrama: „Die Juden von Wm getroffen — Aus Sachsen wird gemeldet, daß manche Amtsbla antisemitische Tendenzen verfolgen. Es befinden sich darunter ..Bautzener Nachrichten", die ./Oberlausitzer Zeitung" und der „@äci)üi| Postillon " — Der österreichische Reichsrathsabgeordnete Dr. Edui Ritter v. Gniew osz hat auf die Stelle eines Mitgliedes des Präsiden im Kuratorium der B ar o n H i r s ch - Sti ft ung mittelst eines Schreib an die.Kuratoren resignirt und den Sekretär des Kuratoriums ernn dieses Schreiben den Kuratoren bekannt zu geben. — Dr. Gust Tiring in Wien wurde vom König von Italien mit dem Osfiüei kreuz des italienischen Kronen-Ordens ausgezeichnet. — Zu Pr starb in dieser Woche der außerordentliche Professor an oer deuls Universität, Dr. Joseph Fischl. — Im Haag starb Herr J> Belinfante, einer der Beteranen der holländischen Presse. Ale die Journalistik in Holland noch so zu sagen in ihrer Kindheit bstai bemühte sich Herr Belinfante als Chef des Korrespondenz-Büreau? die Tagesblätter in hervorragender Weise um ihre Entwickelung leitete dieses Büreau zusammen mit seinem Sohne bis vor wenig Jahren. Herr Belinfante nahm einen lebhaften und thätigen s) an der Führung fast aller jüdischen Institutionen im Haag, -e Familie ist eine hervorragende und wird von den Tosaphisten in nie ihrer Schriften erwähnt. - Der „Temps" meldet, daß ein gewii Abraham (!), ein eifriger Mitarbeiter Drumonts und selbst P fasser einer Broschüre: „La ligue contre la juiverie“, von dem Geric in Tülle als Vagabund zu 4 Monaten Kerker verurtheilt nur Man merkt, die Antisemiten gleichen einander in allen Ländern. riefe r 15! bomtei 1 iaii't odk;ntcr<ö »' cda < Int , Aon' Tie! [Uraiti (cuitteti n Mil itttetlii Del indsbu ■U'H, K fl Die Paris er Anklagekammer beschloß, den Marquis Mores \m des Zweikampfes mit Hauptmann Maier vor die Geschworenen stellen. Der Fall gelangt in der zweiten Augusthälfte zur Verstu lung. Der Pariser Kassationshof verwarf den Rekurs Drumrni in dem von Burdeau gegen ihn angestrengten Prozesse. — Der Sonnabend Vormittag vermißte Redakteur der„Kjöbenhavns Börstidene Ernst Brandes, ist am 9. in Dprehaven bei Kopenhagen li ti-lagen aufgefunden worden. Wahrscheinlich liegt ein Selbstmord vor. Herr Oberrabiner Dr. H. Adler hatte die Ehre, bei einem vom Hag von Connaught im Namen seiner königlichen Mutter, Ihrer Maies der Königin Victo ria von Großbritannien, im königl. Palais zuLvuv abgehaltenen Empfange durch Lord Rothschild vorgestellt zu werden. Herr Charles E. Oppenheimer, der englische Konsul in Franm ist von der Königin in den Ritterstand erhoben worden. — Die dem Neuseeländer Nepräsentantenhause seiner Zeit beschlost Adresse an den Zaren, in welcher um Milderung der gegen die rus'stcii Juden ergriffenen Maßregeln gebeten wurde, ist, wie vorauszuick nach Neuseeland zurückgeschickt worden. Ein von dem Chef des faiii lichen Hauptquartiers, Generaladjutanten von Richter unterfertig! Begleitschreiben enthält die kurze Mittheilung, daß das Gesuch, weil inneren Angelegenheiten Rußlands berührend, dem Kaiser Aleranl nicht vorgelegt worden sei — Aus Padang (Nieder!. Indien) wi uns berichtet, daß die dort angesehene Firma M.B. Adler un d Bruder! Gelegenheit der Einweihung eines zweiten Waarenhauses ein Kiul> fest veranstaltet hat, an welchem 280 Kinder theilgenommen haben, r Fest verlief zur vollsten Zufriedenheit aller Geladenen. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für bte Redaktion - Mar Bauchwitz in Berlin. nd ver ä) mij -r. I' ment ‘Huna ollig ml gc chen arü bei rissen, Mr I reisen mb zw uiturf rnchsch (ci [tau .'am i M5 lv! l"s ZI 'lrtikel