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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-29 · Heft 31 (29.7.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 während sonst sein Leserkreis auf Limburg beschränkt blieb. FrägtmanE nach den tiefer liegenden Gründen dieser wegen ihres plötzlichen Auftretens verblüffenden Erscheinung, so kann man nur sagen, daß sie aus-! schließlich in dem enorm gesteigerten Macht- und .Kraftbewußtsein wurzelt, I mit welchem der Uttramontauismus hier bei jeder Gelegenheit anfzntreten! gewohnt ist, ohne auf irgend welchen ernstlichen Widerstand zu stoßen.; Rußland. 8 Petersburg, 24. Juli. Laut einem vor einiger Zeit veröffentlichten j Utas werden jetzt ans den Dörfern und kleineren Städtchen des | Grenzgouvernements Wolhynien die Inden ausgewiesen und das bekannte! Jguatjewsche Gesetz vom 8. Mai 1882 wird auch auf dieses Gebiet anj gewendet. Hunderte von Juden werden täglich gezwungen, ihren Ge- : burtsort zu verlassen und nach dem Wanderstabe zu greifen, wobei die; meisten Ausgewieseuen sich nach den nächsten Gonverneurcntsstädteu,? welche schon ohnehin von Juden überfüllt sind, begeben. Dabei muß j besonders auf den Umstand hingewiesen werden, daß unter den in den j Dörfern wohnenden Juden zahlreiche arme Fabrikarbeiter und Tage-! töhner sind. Bor ^kurzem sind wieder vielfach Juden ans Nowogradwo-! lünsk und Kowel ausgewiesen worden, sowie aus anderen! kleineren i Orten jenes Gebiets, welches bekanntlich eine große jüdische Bevölkerung! aufzuweisen hat. Jnnuefern diese Jndenausweisungen die christliche Bevölkerung selbst schädigen, namentlich aber den Bauernstand, erhellt aus den unter den Bauern sich laut machenden Klagen, daß die Lebens-! mittel und sämmtliehe Produkte seit der Bervanu.ung der Juden im Preise gestiegen sind. Ter russische Kaufmann sieht hauptsächlich auf j den hoben Verdienst, und wo keine Befiirchtungen wegen Konkurrenz . aufkommen, verkauft er seine Waare für das Doppelte und das Drei- I fache sei ins Eigenpreises. Daß die Juden nicht zu der Kategorie der : Ausbeuter und Halsabschneider im russischen Dorfe gehören, haben die j Bauernzustände in den östlichen Gouvernements bewiesen. In diesen j Gebieten wohnen bekanntlich gar keine Judnn, trotzdem aber wird der; Bauer dort durch die Wucherer und die Kaufleute so ausgeschunden, - daß die Lage des westlichen Bauern, welcher das Opfer der vernieint-! liehen jüdischen 'Ausbeutung ist, im Vergleich mit derjenigen des Bauern! in Saratow, Samara, Kasan n. s. w. als eine beneidenswerthe an-? gesehen iverden darf. — Soeben ist die Entscheidung eingetroffen, daß i die in M oskau noch nicht zu Ende gebaute Synagoge in der Spaßo-! Golenischtschewskistraße bis zum kommenden Neujahr entweder verkalkst j oder in eine Wohllhatigkeitsanstalt umgebaut werden soll. Der Bau j dieser Synagoge ist von der reichen jüdischen Kaufmannschaft Moskaus! vor einigen Jahren unternommen worden, und das Bethaus sollte die übrigen Synagogen Moskaus an Größe und 'Ausstattung übertresfen. j Auf höheren Befehl aber ist plötzlich der weitere Bau der Synagoge | untersagt worden, worauf jetzt die genannte Entscheidung voni Minister! des Innern bei der Uebereinßinnnnng mit dem Gcneralgouverneur j Moskaus, dem Großfürsten Sergius, eingetroffen ist — Wie weit sich! die Grausamkeit bei der Behandlung der Juden in Nußland erstreckt, - kann rnan leicht aus einer die Lage der Juden im Zarenreiche charak-; terisirenden Verfügung ersehen, welche im Kaukasus gemacht worden ist.! Danach sollen Kranke jüdischen Glaubens, welche nach den Mineral-! quellen des Tergebiets behufs Heilung reisen, binnen 24 Stunden ausj gewiesen werden, da Juden im Kaukasus kein Necht haben, zu '.vohnen.! Solche Maßregeln sind auch in den Badeorten am baltischen Meer ge-! troffen worden, wo russische und polnische Juden kein Wohnrecht haben, 1 ebenso in sämmtlichen Badeorten und Sonnnerfrischen, welche nicht zu der Kategorie von Städten, sondern zu den Dörfern gehören. Von Moli und Fern. — Aus die Beschwerde, die ein Berliner Bürger wegen des Vertriebes der Broschüre „ I u de n b o r d el l e" au den Polizeipräsidenten : gerichtet hatte, ist nunmehr ein Bescheid erfolgt, aus dein hervorgeht,? daß das 'Amtsgericht! Berlin die genannte Druckschrift als unsittlich iul Sinne des £ 1*4 St.-G.-B. nicht auzusehen vermag, mithin ein? Verkauf des Heftes schlechthin nicht verboten werden könne. Hingegen! seien die Polizeibeamten angewiesen, darauf zu achten, daß der Vertrieb j der Bergschen Schrift nicht in lärmender Weise geschehe, daß vor Allem! das Ausrufen des Titels zu unterbleiben habe. Schließlich stellt der Polizeipräsident anheim, diejenigen Vertreiber der Druckschrift, die trotz des Verbotes das Publikum mit Ausrufen oder zudringlichem Vorweisei! des Broschürentitels belästigen, dem nächsten Sicherheitsbeamten zuzu führen oder zur Anzeige zu bringen. — Dem .Komitee für die Samm lungen zu Gunsten Buschhoffs sind ferner beigetreten de Präsident der Akademie der Künste Professor Karl Becker, de Präsident der Aeltesten der Kaufmannschaft, Geheime Konuuerzicn rath Ad. Frentzel, der Prediger Lic. Hoßbach. — Einen schmerz lichen Verlust hat die hiesige jüdische Gemeinde durch das Ableben des Herrn Siegmund Lipmau-Wulf erlitten, der seit länger ah zwanzig Jahren das Ehrenamt eines Synagogenvorstehers bekleidete. - Zeitungsberichte melden, daß der preußische Minister des Innern di Aufnahme aus Rußland auswandernder Inden untersagt habe. Von anderer Seite wird das Bestehen einer solchen Verfügung in Abred gestellt. Sicherlich würde ein derartiges Verbot sich auch nicht aw j ü d i s ch e Auswanderer beschränken. — In Schildberg (Posen) feiert Rabbiner Salomon Schreiber mit seiner Gattin das Fest der goldene Hochzeit unter allgemeiner Theilnahme. — In Ezarnikau starb an 8. Juli der emeritirte Lehrer Herr Rieß im Alter von 79 Jahren und wurde am Montag unter großer Betheiligung, besonders von Seiten der hiesigen christlichen Lehrer, zu Grabe getragen. Herr Lehre Walter hielt die Trauerrede, in welcher er in kurzen Zügen da- Leben des Verblichenen schilderte. — In Breslau soll der Syna gogen-Gesang künftig von Damen und Herren (statt wie bisher von Knaben) ausgeführt werden. Auf die diesbezügliche Aufforderung hi: sollen bereits zahlreiche Meldungen stinnusähiger Kräfte ans den bessere'. Kreisen eingegangen sein. — Der Bürgermeister von Grevenbroie hat mit Bezug auf die von uns gemeldeten Verwüstungen auf der dortigen israelitischen Friedhof einen Aufruf erlassen, in welchem dem jenigen, der die Thäter so nachweist, daß deren gerichtliche Verurtheilun erfolgt, 500 Mark Beio hnung zugesichert werden. Tie Grevenbr. Ztc lheilt übrigens noch mit, daß die Vandalen nicht einmal d.s Gottee Haus geschont haben; in der Synagoge wurde durch einen schwere Stein ein Fensterrahmen ganz zertrümmert, während außerdem neu mehrere Scheiben eingeworfen wurden. — Herr Rabbiner Tr. Alexande Stein in Worms begeht am 8. September d. I. sein fünfundzwanzig jähriges Dienstjubiläum — Eine im „Frankfurter Hof" zu Mail' abgehaltene Versammlung der dortigen Eentrnmspartet hat sie. entschieden gegen die (antisemitische) Haltung des uUmnunitaiui „Mainzer Journ." in der Buschhofs - Affaire ausgesprochen. - Mit dem Postdampfer kamen in Bremen 187 russisch-jüdischeKolonisten ans der Kolonie Mauricuo in Argentinien in elendestem Zustande au Nach ihren Berichten ist die Lage der dortigen Kolonisten entsetzlicb Sie werden wie Sklaven behandelt, von Soldaten bewacht und auf' Gröbste niißhandelt. Auf Veranlassung des Baron Hirsch wurden sn nach Europa zurückgebracht. — Wir erfahren aus Raudnitz in Böhmern daß zu dem am 10. Juli stattgehabten feierlichen Akte der Einweihuru eines Altars in der dortigen Dekanatkirche auch die Vertreter dc israelitischen Kultusgemeinde geladen waren und ihnen in der christ lichen Kirche ein Ehrenplatz zugewiesen war. Dieser Zug religiöse Toleranz ehrt die christliche Geistlichkeit von Raudnitz und beweist, da' Böhmen kein Boden für antisemitische Verhetzung ist. — Der Kam von Oesterreich hat den ungarischen Großgrundbesitzer in Bndapest uu Szalauta, Herrn Adolf Srernthal, mit dem Franz Josef-Orden aus gezeichnet. Herr von Sternthal genoß auch die Auszeichnung, bei deletzten Krönungsfeierlichkeiten zu allen Empfängen und Festlichkeiten iv jaden zu werden. — Das österreichische Ministerium des Innern ho die Londesbehörden von Lemberg und Czernowitz angewiesen, während der Dauer der Cholera-Epidemie in Rußland gegen die Massen zuzüge russischer Israeliten zu den sogenannten Wunderrabis i Galizien und der Bukowina Maßnahmen zu ergreifen. — Herr Em - Emanuel Oppenheim, Kapitän im 1. Tonkiuer Tirailleur-Regimen ist durch besonderes Dekret zum Ritter der Ehrenlegion ernams worden. Der Dekorirte, welchem nach seiner jüngst erfolgten schwerm Verwundung diese Ehre zu Theil geworden, hat in 10 Dienstjahren fiinf Feldzüge mitgemacht. — Am 0. August begeht der Oberrabbim Marco Mortara in Mantua die Feier seines 50jährigen Dien! jubiläums. Druck und Verlag von Rudolf Mo Ne ui Berlin Verantwortlich für die Redaktion - Mar Bauchwitz in Berlin

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