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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-29 · Heft 31 (29.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin. 29. Juli 1892. Volffsohn >ohxxt HE, an seineurl irbens, doch! Mohn hutj les Waiseni. Junten euer Mon> assen m dl h Kirchbei^ m sich jenn ber den a n m, daß ein | Bauhand ixen Mark! u der ihren| über diesen r sie wißen j hsozialen > r E. IXIrtd i irxnerhai'l )t mit de: n die mit I aus dee ollziehen.__ h en, He e und sein n 5künstler:n xvorden. geachreLst' n ne xvar c „Wien n esse", an! rsteher d e t gestorben, ute sich b-'-i ängnisse n! oe mbeu § einstige gestorbei eanzösischn -alomon :s höchsten eines Au insignie. Blamon: in NNne )0 Frank egenwärli )lla, den Bitte null Länder.: rrn Selig hützt Hab-. )er gewesen i Zahl de. xßland be i wird an dexxjenigen -genommen ürfen nich sein. - jum Jahr aus seän usgeraubn »e schwe: in. 56. Jahrgang. Nr. 31. Allgemeine eilung des Dudenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von derExpedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Nedcrcteur: Gustav Karpeles. Begründet von Nablirner Bc- Ludwig PHMppson-Äonn. Verlags-CrpeLitlon: LerUn, Lerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Jndenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Nndolf Masse, Berlin. 3 tt l) 0 11 ♦ Leitartikel: Nack dem Sturm. — Eine That. — Der Knabenmord in bauten (Schluss. — Zur Geschichte der Nlutluge in Deutschland. Von Dr. M. H. Friedländer. — Wanderungen durch Jberien. Bon Dr. Nt. Levin. I. — speuilleton: Avrohmche Nachtigall. Erz.ililnng von Nt. A. Goldschmidt. — Littcraeische Mitl Heilungen. — Sprechsaal. — Miscellen. Der Gemeindebote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin. Salzbrunu. Leivüg, Essen. Nachen. Aldenhoven. Darmstadt, Stuttgart. Wien, Lemberg. Paris, Amsterdam, Petersburg. — Von Nah und Fern. Mach dem Sturm. ' B crlin, 27. Juli. (£rf«0mnncmäfj tritt nach jedem große» antisemitischen Sturm gegen die Veste des Jndenthmns, wie wir deren im letzte» Jahrzehnt ja leider schon mehrere erlebt haben, in unfern eigenen Reihen bei Manchen eine gewisse Mnthlosigkeit und Verzagtheit, bei Andern eine bedenkliche Neigung zur Fahnenflucht ei». Was man im Getümmel der Schlacht für schändlich hält, die angegriffene Fahne zu verlassen, das thnt man unbedenklicl, sobald ein Augenblick der Ruhe eingctreten ist. Oder, wenn man nicht den Math hat, cs selbst zu thun, thnt man es für seine unmündigen Kinder. Hie nnd da sogar ans übergroßer Pietät für noch imgeborcne Enkel. Mit den Muthlosen können wir nicht rechten. Man kann Niemand znm Mnthe zwingen oder auch nur überreden. An Feigen hat cs nie nnd in keinem Lager gefehlt, und schließlich ist die Zahl der Muthlosen gar nicht so groß, als man gemeinhin glauben möchte. Ja, man muß sich sogar davor hüten, diese Zahl zu überschätzen. So hat vor einigen Wochen einer unserer Freunde und beste» Mitarbeiter an einer anderen Stelle die Behauptung ausgesprochcn, daß „in de» maßgebenden Kreisen der jüdischen Gemeinde zu Berlin eine gewisse Mnthlosigkeit cingeriffen sei." Niemand wird sich mehr freuen, als der wackere Mitstreiter im Kampfe gegen Unrecht nnd Lüge, wenn wir dem gegenüber aus eigener Ueberzcugnng behaupten, daß von dieser Mnthlosigkeit in den maßgebenden Kreise» unserer Gemeinde an ch nicht das geringste Symptom wahrzunehmen sei, ja, daßimGegentheil sogar eine erhöhte Theilnahme für die bedrohten Interessen unseres Glaubens, eine freudige Bereitschaft zu Opfern und zinn Kampfe für das Gut der Väter selbst in Kreisen, die bisher sich fernhielten, allenthalben bestimmt wahrgenommen werden könne. Wir inüssen dies ausdrücklich konstatiren, selbst wenn wir unseren Gegnern damit keine große Freude machen sollten. Anders steht es jedoch mit den Fahnenflüchtigen. Allerdings wollen wir hier gleich bemerken, daß auch in diesem Punkte vielfach übertrieben wird. Man ist nur zu leicht geneigt, die Zahl dieser Fahnenflüchtigen zu übertreiben, umsomehr, da eine genaue Statistik der Jndentaufen aus vielfachen Gründen kaum aufznstcllm ist. Aber auch vor einer Unterschätzung dieser Gefahr muß man sich hüten. Die Anschauung, daß man, sobald der Kampf aufgehört, die Fahne wohl im Stich lassen könne, ist leider nicht selten zu hören. Nun denn, so wenig wir den Uebcrtritt zu einer anderen Religion ans Ueberzeugnng, aus sittlichen und religiösen Motiven irgendwie bekämpfen, so verächtlich, so frivol nnd erbärmlich erscheint uns dieser Glaubenswechsel um der Motive willen, die man jetzt hie und da für denselben als Entschuldigung oder als Ausrede anzuführen geneigt und genöthigt ist. Ein Philosoph und ein Dichter zugleich, S. L. Steinhcim, hat schon vor fünfzig Jahren über diese Fahnenflüchtigen als Obadjah den Ainos ein Prophetenlied angestimmt, das leider auch heute noch, ja, vielleicht gerade heute, wahr und wirksain ist. Wir werden diese poetische Strafrede gelegentlich einmal mittheilen. Für heute begnügen wir uns damit, den Gedankcngang derselben uns zu eigen zu machen. Der Dichter spricht zuerst von dem Feigen, der in der heißen Schlacht die Banner seines Heeres perläßt, „Schmach und Tod dem Feigen!" Sodann führt er den Berräther vor, der die Thore der heimalhlichen Burg dem Feinde Preisgiebt: „Tod und Zorn dem Verruchten!" Ferner den Elenden, der in des Vaters Dach zur Nachtzeit Feuerbrände wirft; ihn treffe das heilige Schwert des Gerichtes. Doch wer die gramgebeugten Brüder Pcrleiignct nnd in der Stunde der Noth dem Feinde sich fügt, „über den Elenden verstummt das Saitenspiel des Sängers!" Alich wir haben wenig mehr hinzuzufügen. An Bcrräthern, die im Augenblick der Gefahr oder unmittelbar nach derselben die alte Mutter verlassen, hat cs leider nie gefehlt. Aber der Bestand des Judenthnms ist dadurch auch niemals gefährdet worden. „Nicht weil etwa ihr die Mehrheit seid unter den Völkern," dies Schrifiwort ist allezeit für Israels Zukunft maßgebend gewesen. Trotz aller Kriege nnd Verfolgungen des Altcrthums wie des Mittelalters und der neuen Zeit, trotz aller gezwungenen nnd freiwilligen Itebertritte ist die Zahl der Juden ans dem Erdenrund gegenwärtig eine viel größere als je zuvor, auch selbst als in den Tagen nationaler Selbstständigkeit nnd politischer Blüthe. Der religiöse Gedanke nnd die historische Tradition allein haben uns erhalten und sie bürgen auch für den künftigen Bestand des Jndenthmns. Es ist ein ewiges Naturgesetz, daß die welkeu Blätter vou den Bäumen fallen müssen. Dies Naturgesetz wiederholt sich auch im Menschenwie im Bölkerleben. Aber der Baum bleibt stehen. Und er wird sicher in jedem Frühling neu sich belauben. Für die Treulosen aber gilt das herbe Dichterwort: „Verschweigt den Namen, den Schande deckt, — Nennt mir den Ueberläufer nicht — Ausgelöscht im Buche Gottes — Den feilen Renegaten!"

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