Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Louis Cohen, Baron Henry de Worms, Sir Julian Goldsmid, Baron Ferdinand von Rothschild, Mr. Samuel Montague, Mr. Sydney Stern und Mr. Herbert S. Leon. Portugal. * Lissabon, 19. Juli. Die portugiesische Regierung erhielt von ihrem Generalgouverneur am Congo telegraphische Mittheilung, daß mehrere jüdis ch e F a m i l i e n ans Llrgentinien daselbst angekonnnen seien und um die Bewilligung zur Niederlassung als Oekonomen und Pflanzer ansuchen. Ter Minister für die Kolonieen antwortete dem Gouverneur, er möge die neuen Ankömmlinge freundlich empfangen und ihnen unentgeltlich einen passenden Plag für ihre Niederlassung anweisen. Ter General-Gouverneur hat den 'Ansiedlern demgemäß einen Landstrich in der Nähe der Stadt Kavangombo unweit der Seeküste angewiesen. Amerika. * Cincinnati, 1. Juli. Das Hebrew Union College hat letzten Freitag das siebzehnte Jahr seiner Thätigkeit beschlossen. Von Dienstag bis Freitag fand die jährliche öffentliche Prüfung aller Klassen statt im Beisein der ganzen Fakultät, der Beamten des Direktoriums! und des Publikums, das ab und zu ziemlich zahlreich erscheint. Die! Prüfung erstreckt sich auf alle Lehrfächer in allen Klassen und wird vom! Präsidenten unb dem Professor des respektiven Faches geleitet. Je nach! bcu Leistungen der Studenten bei der Prüfung findet Promotion von > .Klasse zu .Klasse statt. Der Lehrkörper besteht jetzt wie folgt: Dr. Miel-! z iner, Talmud und rabb. Disziplin in den Oberklassen, dann Rabbiner j Davidson in den Mittelklassen und Herr Feldmann in der Unterklasse.! Tr. Deutsch, Geschichte und Litteraturgeschichte und das philosophische! Hebräisch, hat dieses Semester auch in Mischnah und in einer Klasse Exegese unterrichtet Dr Philipsou, Homiletik, Assyriologie und in einer Klasse das philosophische Hebräisch. Dr. Wise, rationelle Theologie, Einleitung zur heiligen Schrift und das philosophische Hebräisch. Rabbiner Davidson, Talmud, rabbinische Kommentare, Targumim, Syrisch und Exegese in einer Klasse. Herr Rev. Mannheimer, Exegese in allen Klassen, "Aramäisch und Raschi in Unterklasse. Rabbiner Charles Levi, Mischnah, das Buch Madda und Geschichte im Präparatorium. Herr Feld mann, hebräische Grammatik, Talmud in der Unterklasse. Das College verlor während des letzten Jahres vier Schüler, promovirte einen und achtunddreistig verbleiben in der Anstalt, die am ersten Montag im September ihr achtzehntes Jahr eröffnen wird. Darunter sind zwei 'Ausländer, die eben ihr Abiturienten-Examen gemacht und somit nächstes Sernester im College eintreten. Einer dieser Ausländer kommt von der Budapester Rabbinerschule, der andere vom Poffner Gynulasium. Bei der Prüfung sind Alle bis auf Einen bestanden, fünf haben Nachprüfungen in einzelnen Gegenständen zu machen. Freitag Nachmittag beit 24. Juni, nach Schluß der Prüfung, erhielten vier Kandidaten den Grad, was den Uebergang vom Präparatorium zur akademischen Aluheilung bezeichnet. Die Kandidaten sind: Cohn ans Providenee in Rhode Island, Mayer ans Pittoburg, Pa., Messing aus Chicago und Meyer aus St. Louis. Am Freitag 'Abend im Tempel Bene Israel fand die Ertheilung des Rabbiner-Grades an Leo M. Franklin statt, wobei Herr Tr. Hirsch aus Chicago eine vortreffliche Rede hielt. Sofft das siebzehnte Jahr dieser Lehranstalt zum Abschluß gelangt, die 'Amerika amerikanische, akademisch gebildete Rabbiner giebt. Non Nah und Fern. — Der antisemitische „Verein deutscher Studenten" hat ein charakteristisches Zeugnis; von der Pietät der urarischen Jugend abgelegt. Wie mitgetheilt wird, beabsichtigt der Rektor der Universität, Geh. Rath Förster, eine gemeinsame Trauerfeier für den berühmten Chemiker Professor 'A. W. von Hosmanu seitens der Professoren und Studenten stattfinden zu lassen. Ter Verein „leutscher" Studenten hat sich aber veranlaßt gesehen, eine Betheiligung abzulehnen, da er durch Theilnahme an dem Leichenbegängnis; seinen Anstandspslichten gegenüber dem Verstorbenen bereits genügt habe. - In Königsberg i. Pr. hat Herr Stadtrath Tr. Walter Simon der Stadt einen recht geräumigen Spielplatz geschenkt und aus eigene Kosten einrichten lassen. Vor einigen Tagen wurde dieser Platz, vor dem Steindammer Thor gelegen, der freien Benutzung übergeben. — Der in Heidelberg verstorbene Kaufmann Wolffsohn hat der Stadt Breslau, in der er durch lange Jahre gewohnt hatte, letztwillig 40,000 M. hinterlassen, deren Zinsen alljährlich an seinem Todestage an bedürftige Personen ohne Unterschied des Glaubens, doch mit Ausschluß von Geistlichen, vertheilt werden sollen. Wolffsohn hul ferner seiner Geburtsstadt Jnowrazlaw zur Errichtung eines Waisenhauses für jüdische Waisenkinder 400,000 M. vermacht. - Dr. Junker mann in Kirchberg, der Sohn des bekannten Zeugen im Xantener Mordprozeß, hat es für gut befunden, seinen Wohnort zu verlassen tti d seinen Freunden mitzutheilen, daß er nicht die Absicht habe, nach Kirchbetg zurückzukehren. Wir wollenes gern glauben, daß der Mann sich jetzt etwas schämt. — Nachträglich verlautet in einem Berichte über den am 19. Juni in Dresden abgehaltenen Parteitag der Antisemiten, daß ein Schlossermeister Haase, als Abgeordneter der Berliner Bauhand werker, den Antisemiten eine Unterstützung von zwei Millionen Mark zugesichert habe, wenn die Partei die Sache der Handwerker zu der ihren ntache. Die Berliner Bauhandwerker werden jedenfalls über diesen „Abgeordneten" sehr erstaunt sein. Sein Name ist Haase, aber sie wissen von nichts. - In einer Versammlung der Chemnitzer Deutschsozialen sprach sich ein Vorstandsmitglied des konservativen Vereins, Herr E. Ulrick, dahin aus, daß man vorerst noch die bevorstehende Klärung innerhack der konservativen Partei abwarten möge. Geschehe diese nicht mit denn gewünschten Erfolge (im Sinne der Antisemiten), so würden die cm\\ semitisch gesinnten Konservativen unter Führung Stöckers aus dec Partei ausscheiden und den Anschluß an die Deutschsozialen vollziehen. __ Der erste Kantor der israelitischen Kultusgemeinde München, He r Emanuel Kürschner, ein wegen seines prächtigen Barytons und sein e Meisterschaft als Stimmbildner in weitesten Kreisen geschätzter Künstler in zum Professor an der Königlichen Akademie der Tonkunst ernannt worden. Am 13. starb Dr. Philipp Mark breiter, einer der geachretstn Aerzte Wiens, im Alter von 83 Jahren. Der Verstorbene war u früheren Jahren schriftstellerisch und als Begründer der „Wien r Medizinal-Halle", der späteren „Wiener medizinischen Presse", an! journalistisch thätig. — Ezechiel Fischel, Alt-Kultusvorsteher dr israelitischen Kultusgemeinde Jungb unzl au, ist 72 Jahre alt gestorbe rn Der Verblichene, einer Patrizierfamilie entstammend, erfreute sich t-ü Lebenszeit großer Sympathien, welche bei seinem Leichenbegängnisse m jeder Richtung zürn Ausdrucke gelangten. — Die Wittwe Alberi Cohns, des bekannten ungarisch-jüdischen Gelehrten, des einstige Almoseniers des Hauses Rothschild, ist in Paris hochbetagt gestorbei zwei ihrer Söhne und ihr Schwiegersohn sind Präfekten französische Departements. — Eine jüdische Lehrerin, Mme. Mathilde Salomon. wurde von der französischen Regierung zum Mitgliede des höchstem Rathes für öffentlichen Unterricht ernannt. — Während eines Au enthaltes in Luneville verlieh der Präsident der Republik die Jnsignie der Ehrenlegion dem Gründer der Sammtfabrik in Blamoi: M. Edemund Blechmann. — Die städtischen Behörden in NNne haben zum Ausbau der Synagoge die Summe von 6200 Frankvotirt. - Herr Jesse Seligmann aus New-Iork, der gegenwärti in Rom weilt, hatte eine Audienz beim Kardinal Rampolla, den. Sekretär Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII., und ihm die Bitte um Intervention des Vatikans zu Gunsten der in verschiedenen Ländern verfolgten Juden unterbreitet. Der Kardinal bemerkte zu Herrn Selig mann, daß das Papstthum noch zu jeder Zeit die Juden beschützt habe und wo immer dieselben verfolgt wurden, sie stets in Rom sicher gewest: feie i. — Wie der Petersburger „Herold" meldet, wird die Zahl dc. vereidigten Rechtsanwälte jüdischer Herkunft in Rußland be schränkt werden. Die Prüfungszeit der Rechtsanwaltsgehilfen wird au vier Jahre bemessen. Nach Ablauf dieses Termins wird denjenigen welche nicht in die Zahl der vereidigten Rechtsanwälte ausgenommen werden, noch eine Frist von 20 Jahren gewährt. Juden dürfen nick Mitglieder von Konseils der vereidigten Rechtsanwälte. fein. - Jüdische Kaufleute aus Ni sch, welche sich nach Alexinatz zum Jahr markte begaben, wurden knapp vor dieser Stadt von einer aus secltz Mann bestehenden Haidukenbande überfallen und total ausgeraubu Der Kutscher wurde getödtet. Ein Kaufmann wurde schwe: verwundet und ein Wagenpferd niedergeschossen. Druck und Verlag von Rudolf Mone m Verlrn Verantwortlich für bte Redaktion-- Mar Bauchwitz in Berlin.