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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-01 · Heft 27 (1.7.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Geschenk von 550,926 Frcs. zu verzeichnen ist; die Ausgaben betrugen 072,395 Frcs. Das Vermögen der Gesellschaft ist 1,428,859 Frcs., wozu noch die Stiftung des Baron Hirsch zur Erziehung der israelitischen Jugend in der Türkei, mit einem Vermögensbestand von 1,195,578 Frcs. hinzukommt. Die Zahl der beitragenden Mitglieder betrug Ende 1891 int Ganzen 30,873. * Paris, 25. Juni. Allgemeine Trauer herrscht hier über den unglücklichen Ausgang eines aus den antisemitischen Skandalen der letzten Zeit hervorgegangenen Duells. Hauptmann Mayer, Professor an der technischen Hochschule, ein Jude, ward von dem anarchistisch-antisemitischen Marquis Mores im Duell erstochen. Marquis Mores, sowie seine Zeugen, zwei antisemitische Journalisten, wurden verhaftet. Die Zeugen Mayers, die Hauptleute Delorme und Pongade, erklären, daß Marquis Mores unmittelbar nach dem gegebenen Zeichen zwei Schritte vorwärts trat, wodurch allein er einen so starken Stoß zu führen vermochte, daß die Brust Mayers durchbohrt wurde. Dieses Vorgehen war gegen die vereinbarten Bedingungen, die angeblich einen tödtlichen Ausgang des Zweikampfes unmöglich erscheinen ließen. Die Angelegenheit ruft eine große Bewegung gegen den Antisemiten Drumont hervor, dessen Hetzereien dieses blutige Duell veranlaßten. Am 22. d. Abends sammelte sich eine große Volksmenge vor der Druckerei von Drumonts Blatt „Libre Parole" und rief: „Nieder mit Drumont! Nieder mit dem Mörder!" Die meisten Pariser Blätter veröffentlichen heftige Artikel gegen das Treiben Drumonts. Heute richtete der radikale Teputirte Dreyfus an der: Kriegsminister die Anfrage, ob die israelitischen Offiziere, die aus Anlaß ihres Glaubens beleidigt würden Satisfaktion zu geben verpflichtet seiend Freycinet erwiederte: Die Erregung, welche Herr Dreyfus zu erkennen gegeben, wird von uns Allen getheilt, besonders aber vom Kriegsminister, welcher in der Blüthe seiner Jahre einen Offizier sterben sieht, der das Vaterland mit den größten Hoffnungen erfüllte. In der Armee kennen wir weder Protestanten, noch Katholiken, noch Israeliten, wir kennen nur französische Offiziere. (Lebhafter Beifall) Wir kennen nur Soldaten, die zu Allem bereit sind, was das Vaterland von ihnen erwartet. Wir sagen diesen Offizieren, daß sie in keiner Weise in ihrer militärischen Ehre durch die Herausforderungen, die wir aufs Entschiedenste verurtheilen, noch durch einen Appell an Leidenschaften beleidigt werden können, Leidenschaften, welche früheren Jahrhunderten angehören und welche die Revolution abgethan hat. Wir werden ihnen sagen, diese Kbllektiv-Beleidigungen treffen Euch nicht: Ihr müßt über denselben stehen, Ihr seid in dieser Anschauung vor: der Regierilng, vom Parlament, von der öffentlichen Meinung getragell, die Euch decken. (Lebhafter Beifall.) Der Kriegsminister wacht, lmd wenn neue Herausforderullgen ftattfinben sollten, wird er geeignete Maßregelli anwenden, um sie 31t ahnden. Wir werden diese Aufreizungen! zmn Bürgerkriege, von betten man zu sprechen gewagt, nicht dulden. Wenn es eine niederträchtige Handlung ist, die Bürger zu gegenseitigen Haß mtb zur Verachtung aufzureizen, so ist die 'Aufreizung unter Offizieren ein llatioirales Verbrechen. (Wiederholte Beifallssalven) Rußland. * Petersburg, 25. Juni, lieber die Zustimmung der russischen Regierung zu dem Auswanderungsprojekt des Barons Hirsch entnehmen wir hiesigen Blättern Folgendes: Laut einer vom Bevollmächtigten Baron Hirschs vertretenen Schätzung könnten nach und nach im Verlaufe voll 25 Jahren über die Grenzen Rußlands an 3,250,000 Inden zur Auswauderllng gebracht werden, wobei die Zahl der Auswanderer sich von Jahr zll Jahr progressiv steigern würde; im ersten Jahre, also 1892, kölvltell bereits 25,000 Juden nach Argentinien übergesiedelt werden. Nachdein das Ministerium des Innern die Petition Hirschs zur Kenntnißnahlne des Ministerkomitees unterbreitet, erachtete dasselbe für angezeigt, die Wirksamkeit der Association für Kolonisirung der Judell zll gestatten, unter der Bedillgullg der vollkomlnenen Abhängigkeit ihrer Maßnahmen in Rußlalld von der Kontrole der Regierung. In den diesbezüglichen Erwägungen des Ministeriums wurde darauf hingewiesen, daß es llothwendig sei, in Sachen der von der Association nachgesuchten Griindllllg des Central- und der örtlichen Filial-Auswanderungskomitees dem Ministerium sowohl die Bestätigung der vom Vorsitzenden des Verwaltungsrathes der Gesellschaft zu ernennenden Mitglieder des Centralkomitees, sowie die Ausführung der Komiteebeschlüsse vorzubehalten; schließlich wllrde allch die Nothwendigkeit der jährlichen Rechenschaftsablegung der Komiteewirksamkeit betont. Ferner erachtete es das Millisterillm für angezeigt, die Wirksamkeit der örtlichen Filialkomitees in Abhängigkeit von den Gouvernements-Obrigkeiten zu bringen, so zwar, daß den örtlichen Gouverneuren das Recht anheimgestellt wurde, die Ausführllng der Komiteebeschlüsse unter gleichzeitiger Meldung an den Minister zu dessen Kenntnißnahme und Begutachtung zu inhibirerl. Schließlich erachtete das Ministerium als zweckmäßig, zu verfügen, daß, falls die Wirksamkeit der Association im Verlaufe von zwei Jahren seit ihrer Konzession keine Erfolge aufzuweisen haben sollte, dieser Mißerfolg die Sistirung ihrer weiteren Wirksamkeit nach sich ziehen könnte. Die Vorlage des Ministers des Innern in Sachen der Auswanderung der Juden nach Amerika wurde vom Ministerkomitee in den Sitzungen vom 21. April und 5. Mai verhandelt. Angesichts des Umstandes, daß die Aktiengesellschaft unter der Benennung „ Jüdische Kolonisirungs-Association", welche laut ihren Statuten ausschließlich philcutthropische Ziele verfolgt durch ihr Grundkapital garantirt erscheint, daß ferner die künftige Wirksamkeit der Gesellschaft in Rußland von der Regierung weder irgend welche Unkosten, noch irgend welche Regierungsgarantieen erfordert, erachtete es das Ministerkomitee für angezeigt, der genannten Gesellschaft ihre Wirksamkeit für die Uebersiedelung von Juden aus denr Reiche in Rußland zu gestatten. Auf obiger Grundlage erfolgte die am 8. Mai Allerhöchst bestätigte Verfügung des Ministerkomitees, laut welcher der in London seit September v. I. bestehenden Aktien-Gesellschaft „Jüdische Kolonisirungsaffociation" mit einem Grundkapital von 50,000,000 Francs gestattet wurde, in Rußland ihre Wirksamkeit durch Einrichtung der ihr unterstellten Komitees: eines Centralkomitees in St. Petersburg und vier örtlicher Komitees in anderen Städten, Zwecks Erleichterung der Auswanderung von Juden aus Rußland in die von der genannten Association gegründeten Kolonieen, zu eröffnen. Von Nah und Fern. Im Alter von 84 Jahren starb am Montag der Rentier M. S. I a c o b. Potsdamerstraße 114, der Ehrenbürger von Reppen und 25 Jahre hin durch Repräsentant der hiesigen jüdischen Gemeinde war; er war Mitglied bezw. Vorstand vieler Wohlthätigkeitsvereine, in denen er stets mit großer Aufopferung thätig gewesen. — Der Oberpräsident der Provinz Branden bürg hat dem geschäftsführenden Ausschuß des deutschen Centralkomitees für die russischen Juden in Berlin die Genehmigung ertheilt, in der Zeit bis 1. Oktober d. I. in der Provinz Brandenburg und Berlin bei den Deutschen jüdischen Glaubens eine Haussammlung zum Besten seiner Zwecke zu veranstalten. — Rektor Ahlwardt ist auf Beschluß des Kammergerichts aufs Neue verhaftet worden. In Gerichtskreisen verlautet, daß an eine nochmalige Entlassung nur gegen eine hohe Kaution, welche auf 50,000 Mk. geschätzt wird, gedacht werden könne. — Dem antisemitischen Agitator, Oberlehrer Dr. Paul Förster, ist nach der „Neuen Zeit" der Abschied aus seinem Militärverhältniß ertheilt worden. — Bei einern Kongreß der dänischen P r o t e st le r in A p e n r a d e wurde seitens der Leiter dieser Partei die Bundesgenosseuschaft mit den deutschere Antisemiten lobend hervorgehoben. — Auf eine Beschwerde wegen dec- Verbots sozialistischer und antisemitischer Versammlungen unter freiem Him mel erwiederte der hessische Staats minister Finger in der Kammersitzung, gesetzlich könnten unter gewissen Voraussetzungen Versammlungen tmter freiem Himmel verboten werden, und die Regierung müsse solchen Versammlungen, welche Haß predigen und Unfrieden säten, besondere Aufmerl sanrkeit widmen. — Laut Bekanntmachung im Centralblalte für das deutsche Reich vom 21. Mai ist der Samsonschule in Wolfenbüttel vorn Reichskanzleramte die Berechtigung zuerkannt worden, Befähigungszeugnisst für den einjährig-freiwilligen Militärdienst auszustellen. — In der Schweiz beträgt nach der jüngsten Volkszählung die Zahl der anwesenden Be völkerung 2,933,334, davon: Protestanten 1,716,548, Katholiken 1,183,828, Israeliten 8069, anderen Konfessionen Angehörende 9309. - Zum Sekretär der Alliance israelite universelle an Stelle des verstorbenen Isidore Loeb ist dessen Assistent, Herr I. Bigart, gewählt worden. Druck und Verlag von Rudolf MoNe in Berlin Verantwortlich für dre Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin

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