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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-24 · Heft 26 (24.6.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Telegramm an den Herzog von Meiningen und erhielt als Antwort folgende Depesche: „Cadenabbia bei Como, 18. Juni. Herzlichen Dank für freundliches Gedenken Angesichts der Versuche, der Verirrung des Antisemitismus auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningeils auf mich zählen. Georg." * Köln, 20. Juni. Der Ahlwardtskandal hat hier reinigend gewirkt. Denn neben der „Kölnischen Zeitung", deren deutliche Auslassungen Sie tu Ihrer vorigen Nummer wiedergegeben haben, beeilten sich auch nufere anderen größeren Blätter, dem Antisemitismus einen Fußtritt zu versetzen. Die ultramontane „Kölnische Zeitung", welche noch jungst die bekannten „Thesen" veröffentlicht hat, schreibt jetzt: „Das Wesentliche ist, daß wir den landläufigen Antisemitismus für uuvereinbar halten mit den Geboten unseres Glaubens wie mit dem Programm nuferer Partei. Centrum und katholische Kirche wollen mit dem Evangelium, das die Herrerr Zimmerurann uild Dr. Danneil in Köln und anderswo gepredigt haben, nichts gemein haben." Hoffentlich bezieht sich oas auch auf die Verkündigungen der Herren Rohling und Briman. Auch die „Westd. Allg. Ztg." leuchtet Herrn Dr. Danneil und seinem hiesigen Anhang in einer Sprache heim, der wenigstens durch keine antisemitischen Erinnerungen die Schärfe geirommen werdell kann. Hoffentlich hat die böse Hetze hiermit in unserer Stadt ausgespielt. H. Lauphcim, 12. Juni. Dem als Bezirksrabbiner nach Heilbroirn beförderten Rabbiner Kahn wurde am ö. d. M. seitens der israelitischen Gemeinde hier eine ehrenvolle Abschiedsfeier verarlstalt, an der außer sämmtlichen Gemeiudemitgliedern auch die k. Bezirksbeamten, die städtischen Behörden, sowie der katholische Stadtpfarrer theilnahmen. Rechtsanwalt Dr. Heumann würdigte die Verdienste des Scheidenden, der sich durch sein Wissen wie durch seine Wohlthätigkeit, Bescheidenheit, Berufstreue und Friedensliebe die Hochachtung Aller in seltenem Maße erworben hat. Als Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm ein werthvoller silberner Pokal überreicht. Unter den verschiedenen Reden verdient die 'Ansprache des katholischen Stadtpfarrers Dr. Sautter besondere Erwähnung, welcher die Verdienste des Rabbiners und die Erhaltung des lonfessionellen Friedens hervorhob und hinzufügte, daß auch seinerseits sein Bestreben wie bisher dahingehen werde, daß derselbe durch Niemand und in keiner Weise gestört werde. Die besten Wünsche begleiten den Scheidenden auf feinen neuen Wirkungskreis. Oesterreich - Ungarn. ' Wien, 20. Juni. Widerwärtiger Ausschreitungen haben sich elftem Abend die Antisemiten bei der Ankunft des Fürsten Bismarck schuldig gemacht. Schon vor Ankunft hatten die sogenannten „nationalen" Studenten und deren Gesinnungsgenossen beit abgesperrten Bahnhof geil ürmt und wüste Szenen aufgeführt. Später zogen etwa viertausend Menschen von der Nordwestbahn her, lärmend, die „Wacht am Rhein" singend, tobend nach der inneren Stadt und wollten zu Bismarcks Abuetgequartier in der Wallnerstraße. In der Nähe der letzteren sperrte die Polizei die Zugänge zu dieser Straße ab. Die Demonstranten vernichten aber an der Ecke der Freiuug und der Strauchgasse den Polizeikordon \u sprengen. Sie beschimpften die Polizei und griffen dieselbe mit Stöcken an, ein Kommissar wurde sogar verwundet. Als sich die Menge uuner bösartiger geberdete, zog die inzwischen auf einige hundert Mann verstärkte Wache vom Leder und trieb die Ansammlungen mit blanker Waffe auseinander. Es kam schließlich zu einem förmlichen Straßen- :ampf. Die Verhaftungen sind sehr zahlreich; erst gegen Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt. Die Regierung ist über diese Exzesse 'ehr verstimmt. A Klasno bei Krakau, 3. Juni. Als Abonnent Ihrer werthen Leitung fühle ich mich veranlaßt, über einige Fortschritte der „Kultur" m berichten, welche mir in der Mitte einer festen Chassidim-Burg gestern erueulich auffielen. Beim Spenden vor der Thora verursachten zwei Vorfälle allgemeines Aufsehen und theilweise Bestürzung. Als ein Spender ein Mischeberach auf die Gesundheit des erkrankten Baron Hirsch verkünden ließ, entstand bei der Majorität der Chassidim ein Murren, als ob es der Geumdheit von Stöcker oder Ahlwardt gegolten hätte. Dies veranlaßte alle folgenden Spender, welche der gemäßigten Partei angehören, das Mischeberach zu wiederholen. Sodann lehnte der hochwürdige Herr Schames ein Mischeberach, d. h. eine Spende für den neugegründeten Verein „Agudath Achim" ab. Erst am Nachmittag erfuhr ich die Ursache dieser Reiberei. Baron Hirsch hat nämlich den Bezirk Krakau ganz besonders berücksichtigt und läßt monatlich 6000 Gulden unter würdige Armen vertheilen. Die Chassidim nennen dies Geld „treifeh", trotzdem Hunderte geradezu ihr Leben dem Baron verdanken, denn das Geld wird zum großen Theite zur Rehabilitirung gefallener Existenzen verwendet. Der Groll der Chassidim gegen Baron Hirsch hat aber den Höhepunkt erreicht, seitdem der bisherige Vorsteher Herr I. S. Perlberger durch eine aufopfernde zeitraubende Thätigkeit die Begründung einer jüdischen Fröbelschen Schule von Baron Hirsch erlangt hat. Nachdem Hr. Perlberger das Hirsch'sche Exekutiv-Komitee davon überzeugt hatte, daß den Uebelständen in Galizien in erster Reihe dadurch abzuhelfen ist, daß man die verwahrlosten Kinder anständig ernährt und erzieht, bewilligte Hirsch eine jährliche Subvention von circa 2500 Gulden. Hr. Perlberger, der einflußreichste Mann der Gegend, hatte viel zu kämpfen, denn der Fanatismus der Chassidim kaut ihm bei jedem Schritte in den Weg, und wenn es ihm endlich gelungen ist, die Schule mit 40 Kindern vor einigen Tagen zu eröffnen, so hat er dies wesentlich dem Damenkomitee zu verdanken, welches ihm eifrig hilft. Die Kinder erhalten Alles unentgeltlich, sehen in ihren Uniformen hübsch aus und es herrscht in der Schule eine inustergiltige Zucht, die natürlich den Gegnern nicht in den Kram paßt, zumal bei der gründlichen Säuberung auch die Seitenlöckchen nicht verschont wurden. Der Verein „Agudath Achim" ist vorläufig ein Leseverein, meines Erachtens, aber ein Vorläufer einer Bne Brith Loge, denn die 42 Mann, welche demselben angehören, sind wackere junge Männer, welche das große Ideal vor Augen haben: positives Judenthum mit ntoderner Bildung zu vereinigen. Hieraus erfahren Sie, daß die Kultur sich auch hier unaufhaltsam Bahn bricht; hoffen wir, daß die moderne Partei den Sieg davon trägt. Frankreich. * Paris, 19. Juni. In dem Beleidigungsprozeß des Deputirten Burdeau gegen den Herausgeber der Zeitung „La libre parole", Dru mont, welcher Burdeau der Käuflichkeit beschuldigt hatte, verurtheilte das Geschworenengericht Drumont zu drei Monaten Gefängniß und! 1000 Francs Geldstrafe, außerdem wurde Burdeau das Recht zugesprochen,! das Urtheil in 80 Zeitungen zu veröffentlichen. Der Staatsanwalt! brandmarkte in dem Strafantrage Drumonts System der Verleumdung.! Ein Zwischenfall zwischen dem Staatsanwalt und dem Vertheidiger ver-! anlaßte Kundgebungen im Saale, in Folge deren der Präsident den Saal , räumen ließ. Drumont schloß seine Ausführungen mit dem Rufe: I „Nieder mit den Juden, es lebe Frankreich, Frankreich den Franzosen!" j Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes bereiteten Freunde Drumonts dem-; selben eine Ovation, wobei sie riefen: „Es lebe Drumont, nieder mit den i Juden!" Einige Personen wurden verhaftet. 'Außerdem kam es im : Laufe des Abends vor den Büreaus des Journals „La libre parole" zu 1 lärmenden Kundgebungen der Antisemiten und ihrer Gegner, welche ein! Einschreiten der Polizei nothwendig nrachten. Gegen das Urtheil hat i Drumont die Nichtigkeitsbeschwerde eingereicht, i Großbritannien. ■f- London, 10. Juni. Seitens des Chief Rabbi Dr. Hermann Adler wurde für Mitte Mai eine Versammlung der Rabbiner! Englands berufen. Dieselben sollten über die von einigen Synagogen! beantragten Abänderungen im Ritus berathen, aber trotz vier Tage; langer angestrengter Arbeit scheint die Konferenz zwecklos gewesen zu sein. Sonderbar genug ist es, daß die Rabbiner es für nöthig befunden! haben, die Oeffeutlichkeit bei ihren Berathungen auszuschließen. Nicht : einmal den Vertretern der jüdischen Presse war es gestattet, den Sitzungen beizuwohnen. Man könnte danach annehmen, daß es sich um wichtige Berathungen gehandelt hätte, an denen das ganze Wohl der englischen Juden hing. Aber weit gefehlt! Die Punkte der Berathungen sind bekannt geworden, und eine öffentliche Diskussion derselben hätte jedenfalls der Sache besser gedient, als die Debatten bei geschloffenen Thüren. Seitens der 30 Rabbiner, welche zusammengekonnnen waren, wurden unter Anderem folgende 5 Anträge berathen. 1. An jedem Sonnabend soll; zweimal Gottesdienst abgehalteu werden, um 8L2 Uhr und um 11 Uhr, I und jede Andacht soll nicht länger als 2 Stunden dauern. 2. Wieder- 1 Holungen von Gebeten beim Gottesdienst am Sonnabend sollen abgeschafft

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