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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-24 · Heft 26 (24.6.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Y Einladung des Verbandsausschusses eine Anzahl oberschlesischer Rabbiner j gefolgt. Nach der Begrüßungsrede seitens des Vorsitzenden, Hrn. Sanitätsraths Dr. Freund-Gleiwitz sprach Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz im Namen seiner Kollegen sein Bedauern darüber ans, daß der oberschlesische Gemeindebund bisher die Rabbiner von den Berathungen, die sowohl religiöse als pädagogische Fragen berühren, fern gehalten habe. Der Vorsitzende verwahrt sich energisch gegen diesen Vorwurf und erklärt, einen Rabbiner-Verband Oberschlesiens noch nicht zu kennen. — Aus dem Berichte des Vorsitzenden über die Thätigkeit des Verbandes im verflossenen Jahre ist besonders hervorzuheben, daß der Bund für den'Religionsunterricht in zwei Landgemeinden Sorge getragen, ferner, daß - er die Gemeinden angeregt hat, Vereine zur Förderung des Handj w er k s unter den Juden z u gründe n. Der wichtigste Gegenstand > der Tagesordnung war die Beschlußfassung über den Bau eines israeli-! üfd)en Waisenhauses in Oberschlesien. Der Vorsitzende referirte über diesen; Punkt in eingehender Rede. Herr Ferdinand Haase in Rybnik hat ein! Bauterrain in Rybnik und 20,000 M. baar für das Waisenhaus ge- | schenkt; arr einzelner: Beiträgen sind außerdem etwa 30,000 M. einge- > gangen. Stadtbaurath Kelm in Gleiwitz überreicht der Versammlung j einer: Plan der Anstalt und erläuterte den Plan, der aller: sanitären und! rnodernen Ansprüchen vollauf genügt und 50,000 M. kosten würde. Die! Versammlung beschließt, den Bau des Waisenhauses noch in diesem Jahre j zu beginnen und es räumlich für 30 Kinder zu errichten; ein weiterer > Anbau wird jederzeit möglich sein. Das Kuratorium der Anstalt soll j aus 5 Mitgliedern bestehen, unter denen ein oberschlesischer Rabbiner sein! soll. Auf eine Anfrage des Rabbiners Dr. Blurnenthal, womit der; Direktor bezahlt und die Anstalt erhalten werden solle, antwortete Amtsgerichtsrath Levp, daß außer der:: Zuschüsse des Gemeindebundes in erster Reihe stär:dige größere Beiträge der Bundesgemeinden allerdings j erforderlich seien. Insbesondere wünscht die Versammlung, daß der israelitische Waisenverein in Ratibor aus seinem bedeutender: Fonds einen größerer: Betrag dern Zwecke zurvenden möge, wofür diese Gemeinde Vorrechte bei Besetzung vor: Stellen erhalten solle. Fabrikbesitzer Präge? in Rybnik hat eineu Theil der Ziegel, Herr Schaal in Sohrau einen Theil der Steine für den Bau geschenkt. Amtsgerichtsrath Glogauer verliest die Statuten des Waisenhauses, welche vor: den Vertretern der Gemeinden nach eirrgehender Erörterung genehmigt werden. Diese Genehmigung fordert der Regierungs-Präsident Dr. von Bitter als Vor-! aussetzur:g der Verleihung der Rechte einer juristischen Person an den! Gemeindebund. Ein Normalstatut für alle Bundesgemeinden Oberj schlesiens ist von Rechtsanwalt Berger-Königshütte, Amtsgerichtsrath; Levy-Beuthen und Amtsgerichtsrath Glogauer-Tarnowitz entworfen und; wird den Gemeinden dernnächst zur Begutachtung übermittelt werden.; Mit einen: Diner in Schäffers Hotel schlossen die Verhandlungen.! GD Hannover, im Juni. Der „Verein jüdischer Lehrer in! der Provinz Hannover" hielt am 5. und 0. d. M. seine jährliche! Versa:nml:n:g ab, für die drei Vorträge angemeldet waren. In der Hauptversammlung des ersten Tages referirte nach Erledigung der eintettenbei: Geschäfte, der Berichterstattung, der Vorstandswahl, welche die! Wiederwahl des zeitigen Vorsitzenden, des Lehrers Blumenfeld-Adelebseni und dessen Stellvertreters, des Lehrers Stern-Hildes heim, sowie der zwei! Schriftführer Weinberg-Bodenfelde und Speyer-Hannover, ergab, Lehrer- Bach-Münden über das Thema: „Der Geschichtsunterricht in der jüdischen! Volksschule". Es knüpfte sich an diesen Vortrag eine sehr erregte Debatte, : in der die Ansichten des Referenten lebhaft bekämpft wurden. Es wurde schließlich folgende, von einer Kommission entworfene These einstimmig! angenommen: „Der jüdische Lehrer hat in der Volksschule den zu behandelnden geschichtlichen Stoff in der Weise darzustellen, daß dadurch unter steter Hinweisung auf das Walten der göttlichen Vorsehung Gottesfurcht und Menschenliebe, insbesondere Vaterlandsliebe, Treue und Hingebung zum angestammten Herrscherhause in den Herzen derKinder gepflegt und befestigt werde." In der zweiten Hauptversammlung hielt Rabbiner Dr. Jacob-Göttingen seinen angekündigten Vortrag: „Zwecke und Lehrziele des jüdischen Religionsunterrichtes. Die erste von den: Redner aufgestellte These: „Der Zweck des jüdischen Religionsunterrichts ist, zu einer auf jüdischer Weltanschauung und Lebensauffassung beruhenden Lebensführung zu erziehen", wurde unverändert angenonnnen, während die zweite von der Versammlung modifizirt wurde und folgende Fassung erhielt: „Dieser Zweck wird erreicht durch den Unterricht in der Lehre im religiösen Leben und in der Geschichte des Judenthums mit möglichster Anlehnung an die hebräischen Quellen und das Gebetbuch." Bei der vorgerückten Tageszeit mußte von einer Beschlußfassung über die Lehrziele der jüdischen Religionsschule, sowie von dem noch angekündigten Vortrag des Lehrers Bachenheim er abgesehen werden und sie wurden für die nächstjährige Versammlung zurückgestellt. Unter Punkt 6 der Tagesordnung: Freie Besprechungen, beantragte Lehrer Selig-Emden, daß der Verein sich dem preußischen Landeslehrerverein anschließen möge; nach eingehender Besprechung wurde der Vorsitzende beauftragt, die einleitenden Schritte zu thun und in der nächsten Versammlung darüber Bericht zu erstatten. Als nächster Versammlungsort wurde wieder Hannover bestimmt, womit die Tagesordnung erledigt war. Hoffentlich tragen die vielseitigen Anregungen, welche die Lehrer hier wieder empfangen, sowie die im freundlichen, heiteren Verkehr mit Freunden und Kollegen verbrachten Stunden dazu bei, die Liebe und den Eifer zum Berufe zu stärken und zu kräftigen. — Herr Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, welcher als Landesrabbiner von Hildeshein: stets das lebhafteste Interesse für diese Versammlungen bezeigt hatte, begrüßte die Lehrer in einer Depesche, was mit großer Freude ausgenommen und erwiedert wurde. An: ersten Tage war bereits beschlossen, ihm eine Dankadresse für seine Thätigkeit im Vereine zu übersenden. — Ein Zuschuß zu den Reisekosten aus den Mitteln des D.-J. G.-B. war auch dieses Jahr gewährt worden. — Im Anschluß an diese Versammlung fand eine Generalversammlung der Mitglieder der Unterstützungskasse für jüdische Lehrer statt, in der nach Verlesung des Rechenschaftsberichts u A. eine Kommission zur Revision der Statuten gewählt wurde. [:J Eisenach, 13. Juni. Zu der an: 5. und 6. Juni hier stattgehabten Konferenz des „Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" hatten sich 17 Besucher eingefunden. Nach einem Begrüßungsgesang des Eisenacher Synagogenchors wurde die Konferenz von dem bisherigen 11. Vorsitzenden, Herrn Dr. Salzer, eröffnet. In: Geschäftsbericht theilte der Vorsitzende mit, daß der bisherige 1. Vorsitzende Herr Fackenheim-Mühlhausen aus Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand den Vorsitz niedergelegt habe. Hierauf erhielt Herr Heidungsfeld-Eisenach das Wort zu seinem Vortrage: „Moses, ein Charakterbild". Ihm folgte Herr Baumg art-Lengsfeld mit einer Probe« lektion der Unterstufe der Eisenacher Religionsschule über „Lots Trennung von Abraham". Bei der alsdann vorgenommenen Vorstandswahl wurden durch Akklamation gewählt: Herr Dr. Salzer- Lengsfeld zum I. Vorsitzenden, Herr Steinhardt-Magdeburg zum II. Vorsitzenden, Herr Baumgart-Stadtlengsfeld zum Schriftführer und Herr Heilbrunn-Gehaus zum Kassierer. Am Montag den 6. Juni wurde Vormittags 8l/2 Uhr die Konferenz fortgesetzt. Nach Vortrag der Finanzverhältnisse des Vereins und der Unterstützungskasse wurde u. A. beschlossen, alle Vereinsmitglieder mögen dahin wirken, daß durch Unterstützung seitens einzelner Wohlthäter und der Gemeinden das Vermögen der Unterstützungskasse derartig anwachse, daß diese möglichst bald lebensfähig werde. Hieran schloß sich die Beurtheilung der gestrigen Lektion, welche die Kritik als wohlgelungen bezeichnete. Die Debatte über die Lektion und der Meinungsaustausch über die Unterrichtspraxis befriedigte allgemein. Auch auf den systematischen Religionsunterricht lenkte sich die Debatte, und war man darin einig, daß als Ausgangspunkt am besten das biblische Beispiel zu wählen sei, woraus der Lehrsatz zu deduziren ist, während passende Gebetbuchstellen daran zu knüpfen und damit in Verbindung zu bringen sind, damit durch eine derartige Konzentration der Religionsunterricht an lebendiger Frische gewinne. Im Anschluß an eine Besprechung wichtiger Vereinsangelegenheiten wurde folgende Resolution einstimmig gefaßt: „Die am 5. und 6. Juni 1892 in Eisenach tagende Konferenz israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands erklärt, daß sie die Bestrebungen des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zum Wohle der jüdischen Lehrer Deutschlands dankend anerkennt und jede entgegengesetzte Auffassung ihres Verhaltens als unbegründet betrachten muß". Die Konferenz beauftragte schließlich ihren Vorstand, dem früheren Vorsitzenden Herrn Fackenheim ihren Dank für seine mehrjährige Leitung auszusprechen, verbunden mit dem Wunsche einer vollkommenen Genesung. Hiermit waren die Berathungen zu Ende. * Meiningen, 20. Juni. Die israelitische Gemeinde Bauerbach sandte anläßlich der Einweihung ihrer Synagoge ein Huldigungs

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