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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-17 · Heft 25 (17.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 17. Juni 1892. as. Dem lzwcrarenr Vereini- Beschlus; 'den. Die üblich. — As Landx Nechtsrath errelb aus 5 der Ner) ist. — hende des ifer verjährliche en Lage ^gehaltene s, Herrn huljugend Dr. Cohn aschhoff ankfn rt lg einen Christennus". — amburg in er um a'eins ist 'enstein. Vorstadtegen". — t Grundtcher den gemerkten Svcti’fcti ich. Der nur ans ungarische »ie freie lfessionen s in die -achtens schlachten bei jeder se Älktion r st i t u t e Königinifer und derte im Konfession > zustellen, jüdischen Kapitän hte Verrzö fischen sentlichen kämm er lies wird 'heben — 3. d. M. ago soll , welcher oll. Die äten und zresses zu 56. Jahrgang. Nr. 25. Allgemeine eüung des Audenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von derExpedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedactenr: Gustav Karpeles. Begründet von Rabbiner 21*. Ludwig P h Nipp so n-Sonn. Verlags-Expedition: Gerlin, Lerusalemerfir. 48/49 Alle Zusendungen fitr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Inhalt. Leitartikel: Das Kaddisch-Gebet. - Isidore Locb. Von Dr. Frank. — Mißslände der jüdischen Liturgie. Von Dr. B. Rippner. — Aus meiner Briefmappe. Von I. Singer. — Das Gebet des Arztes. Von Dr. I. Pagel. — Feuilleton: Heimweh. Erzählung von Eduard Kulte. (Fortseüimg.) — Aus dem Karlsbade. I. — Litter arische Mitth eit ringen. — Sprechsaal. — Miseellerr. — Briefkasten der Redaktion. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Rachrichten: Berlin. Krotoschin, Dresden. M.-Gladbach, Köln, Wien. Baris, Zürich, St. Petersburg. — Bon Rav und Fern. Mas Kaddisch-Gebet. Berlin, 13. Juni. Die große Wahrheit, daß die Wissenschaft ausschließlich Selbstzweck, daß sie keiner Partei und keiner Richtung zu dienen habe, daß aber auch andererseits das Leben unabhängig von ihren Forschungen sich auszugestalten das Recht habe, diese Wahrheit wird noch immer in unseren Kreisen nicht genügend anerkannt, Noch immer erregt es selbst bei Gebildeten 'ein gewisses Erschrecken, wenn wissenschaftliche Resultate den herkömmlichen rmd tiefwurzelnden Traditionen zu widersprechen scheine». Und doch ist dieser Widerspruch gar oft nur ein scheinbarer, ein künstlicher. Unsere Alten waren in dieser Beziehung viel freisinniger und vorurtheilsloser als die modernen Juden. Man muß nur daran denken, mit welcher Kühnheit und geistigen Freiheit die wichtigsten Lehrsätze des Judenthums, die Offenbarung, die Auferstehung, die Messiasidce, von ihnen erörtert und behandelt wurden. Und doch siel es keinem von ihnen ein, an diesen Lehrsätzen und Geboten zu rütteln oder gar deren Beobachtung zu vernachlässigen. Das war so in der talmndischen, wie in der arabischen und spanischen Periode. Nirgends wurde die Freiheit der Wissenschaft höher gestellt als in dem alten Bet-Hamidrasch. Der Satz: „die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei" galt im Judenthum lange schon, bevor er durch Kampfe und Leiden ohne Zahl ein Gemeingut der Kulturmeiischheit geworden ist. Ein Anderes ist die Forschung der Wiffenschaft, ein Anderes das Gesetz des Lebens. Und wenn wir auch jene für dieses nutzbar machen müssen, so dürfen wir darum doch keineswegs beide mit einander verwechseln oder in eine rmnatürliche Berbindung bringen. Was hindert uns z. B., das alte Kaddisch-Gebet nach wie vor in hohen Ehren zu halten, wenn die geschichtliche Forschung über dasselbe auch zu Resultaten gelangen kann, die dem Einen oder dem Andern nicht gefallen mögen. Das Gebet bleibt doch gleich erhaben »nd weihevoll , gleichviel, wann und wo und wie es entstanden. Wir begrüßen es deshalb mit aufrichtiger Freude, daß unser verehrter Mitarbeiter, Herr Oberrabbiner Dr. Adolf JelUnek in Wien, der Meister'jüdischer Kanzelberedtsamkeit, uns gerade in diesem Augenblick, wo wir eine wissenschaftliche Kontroverse darüber gebracht, eine Erklärung des Kaddisch-Gebetcs, vom religiösen und allgemeinmenschlichen Standpunkt aus, zusendet, die sicher auf alle gläubigen Herzen einen tiefen Eindruck hervorbringen wird. Diese Erklärung lautet: was ist das Raddisch-Gebet? Es ist die erhabene Umschreibung des kurze» aber inhaltsschweren Spruches: „Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen!" Bor dir liegen die Trümmer deines Glückes, die Ruine deiner Häuslichkeit, die Asche deiner heißesten Liebe, die welken Blätter deiner schönsten Hoffnungen, das geschlossene Auge, das gebrochene Herz, die starre Hand deines Seelenlieblings; das finstere Grab öffnet sich, verschlingt und verdeckt für immer, was dir das Thcuerste ans Erden war: du ringst nicht verzweiflungsvoll die Hände zum Himmel empor, sondern sprichst voll frommer Unterwürfigkeit: Gott hat gegeben diese Wonne meiner Seele, dieses Glück meines Herzens, dieses Licht meines Hauses, Gott hat genommen, von mir genommen, zu sich genommen, ich klage nicht und murre nicht, sondern rufe ans: der Name Gottes sei gepriesen — das ist die höchste Glaubensstärke, die wärmste Glanbensinnigkeit, die vollste Ergebung in den Willen Gottes, und das wiederholst du in erhabener Umschreibung Monate hindurch vor den Ohren der Gemeinde! Du sprichst: „Gepriesen und geheiligt sei der große, unvergleichliche Name Gottes, du unterwirfst dich seinem Wollen und Walten, seinem Weltgesetz über Leben und Tod, Geschlechter entstehen und vergehen, vergehen und entstehen, alle, alle bilden sie und bahnen sie den Weg zum Gottesreiche, zur Gottesherrschaft, zum Triumph der Liebe in der Menschenwelt, auch dein Bater und deine Mutter haben nach ihren Kräften und in ihrer Weise dazu während ihres Lebens mitgewirkt und genießen darob die ewige Seligkeit. Und immer kräftiger klingt deine Stimme und mit dem ganzen Wortreichthnm der hebräischen Sprache preisest, lobest, rühmst, erhebst, erhöhst, verherrlichest und benedeiest du den Namen des heiligen Gottes, den keine Sprache würdig zu preisen vermag; die Pforten des Himmels öffnen sich und Friedensengel winken dir, daß du so glaubensstark, so demuths- und ergebungsvoll dich bewährst, und mit der ganzen Glnth der Gottinnigkeit betest du: Möge der Gott des Friedens in den Himmelshöhen, wo meine Thenren in seliger Verklärung weilen und ungetrübten Friedens theilhaftig sind, Frieden senden den Kummerbcladenen, den trauernden Söhnen und Töchtern, den jammernden Wittwen und Waisen, Allen, Allen, deren Herz der Tod verwundet hat, und die Gemeinde ruft dir zu, Amen, ja, theurer Glaubensbruder, Frieden in den Himmelshöhen, Frieden auf Erden- Frieden den Seligen! Frieden den Trauernden! Amen. ,4»

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