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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-03 · Heft 23 (3.6.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Auge; wir erkundigen uns, ob die Verpflegung eine angemessene ist, ob der Junge dem Meister gegenüber seine Schuldigkeit thut u. s. w., und wir sind bestrebt, etwa entstehende Mißstände und Differenzen zu beseitigen. Ebenso sehen wir streng darauf, daß unsere Zöglinge die Fortbildungsschule regelmäßig besuchen und bezahlen denselben die hierdurch erwachsenden, nicht unbedeutenden Kosten für Unterricht, Lehrbücher und nöthige Utensilien, da wir von dem Grundsätze ausgehen, daß nur diejenigen, welche sich auch geistige Ausbildung angeeignet haben, befähigt sind, einst tüchtige Meister und nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu werden." — Die Aufwendung für Lehrlinge betrug im Jahre 181)0 11,422 M., im Jahre 1891 9,028 M. Mit diesen Summen wurden 189o im Ganzen 102 Lehrlinge, 1891 deren 108 unterstützt. Hierzu kommen noch 49 bezw 29 aus der H. S. Goldschmidt'schen Stiftung mit einem Aufwande von 1572 bezw. 1140 M. unterstützte Lehrlinge, der Caroline Goldschmidt'schen Stiftung wurden an 0 bezw. 8 Meister Subventionen ertheilt. Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. Mai. .Heute Vormittag wurde im Alsergrund, Grünethorgasse 20, ein neues Lehrlingshaus seiner Bestimmung übergeben, welches der Verein zur Beförderung der Hand werke unter den inländischen Israeliten errichtet hat, nachdem Moriz Freiherr o. Königswarter sich bereit erklärte, die Bau- und fernerhin die Erj haltungskosten zu tragen Vor \.212 Uhr hatten sich hier eine große! Zahl von Würdenträgern eingefunden, darunter: der Landmarschall in! Niederösterreich Christian Graf Kinsky, Central-Gewerbe-Jnspektor Hofj rath Ritter v. Migerka, Vice-Bürgermeister Dr. Borschke. Um 1 212 Uhr | erschien Baron Königswarter mit seiner Familie. Die Feier wurde mit! einem Choral eröffnet. Sekretär Dr. Weiß brachte vorerst Telegramme j vom Herrenhausmitglied Nikolaus Dumba, Prediger Tr. Jellinek u. A.! zur Verlesung, in lvelcheu die Herren ihr Bedauern über ihr Fernbleiben! ausdrücten und dem Hause Glück wünschen. Kommerzialrath Leinkauf! gab hierallf eine Darstellung der Geschichte des Baues und des Vereins. ) Zur Zeit zähle der Verein schon 1000 Zöglinge, welche mit .Kleidungs-; stücken und Schuhen versehen werden Am Schlüsse drückte der Redner dem Baron Königswarter für die hochherzige Stiftung den Dank aus.; Sber-Rabbiner Dr. Güdemann wendete sich in seiner Rede gegen den i Vorwurf, daß die Israeliten arbeitsscheu seien, und sprach dann .den; Tank- und Wcihespruch. Vice-Bürgermeister Dr. Borschke hob in lo- ' beildster Weise die Freigebigkeit des Stifters des Hauses hervor; namens 1 der Stadt Wien wünsche er dein Lehrlingshause eine glückt.che Zukunft : nud füge den Wunsch bei, daß aus diesem Hause brave Handwerker,! tüchtige Bürger und Patrioten hervorgehen mögen. (Beifall). Central - Gewerbe - Inspektor Hofrath Ritter v. Migerka betont,! mit wie großer Geuugthuung es ihn erfülle, daß eine Zeit, die zünden-! den, zerstörenden itut> vernichtenden Haß in alle Gaffen schleudere, ein solches Werk hervorgerufen habe; es sei lein Grund zum Verzagen da,! denn der Mensch müsse sich im Innersten erfreut fühlen, wenn er eine j solche Betätigung der Menschenliebe und der die Gesellschaft erhalten-! den Kraft sehe, die alle Schäden heilt und bessert, und durch opferbereite! Mitwirkung nützliche und kräftige Leute der Gesellschaft zuführe. Redner j beglückwünscht den Verein und schließt mit den Worten: „Halten Sie | fest auch weiterhin die Fahne des Fortschrittes und tragen Sie sie weiter- > hin für und für!" Hieraus erwiederte Baron Königswarter mit einigen Worten. Cr hob die Hindernisse hervor, die sich dem Unternehmen in den Weg stellten, und brachte auf den .Kaiser, dem die Volker in Liebe und Treue als ihrem Schützer und Beschirmer an hängen, ein dreimaliges Hoch, in das die Versammlung begeistert einstimmte, worauf die Volkshymue gesungen wurde. Mit einem Rundgange durch alle Räume wurde das zweckmäßig erbaute Haus eröffnet * Wien, 21. Mai. In der am vorigen Sonntag stattgehabten öffentlichen Sitzung des Kultus-Vorstandes theilte Herr Moritz Karpeles mit, daß das hiesige 9t ab b i n er- Sem i u ar mit Beginn des nächsten Schuljahres eröffnet werden wird, und daß die Kultusgemeinde demselben eine jährliche Subvention von 4000 Gulden bewilligt hat Bis zum Ban eines Seminar-(Gebäudes werden die Vorlesungen in den Räumen des Beth-Hamidrasch in der Tempelgasse in der Leopoldstadt und den Lokalitäten, deren Bewohnern bereits gekündigt wurde, stattfinden. Als Rektor der Anstalt ist Herr Rabbiner Dr. Schwarz in Karlsruhe (Baden) berufen worden. Ueber die Besetzung der übrigen Lehrstühle ist noch kein definitiver Beschluß gefaßt worden. Doch dürften für Talmud, Midrasch und Exegese wohl kaum bessere .Kräfte als die Lektoren des Beth-Hamidrasch, I. H. Weiß und M. Friedmann, zu gewinnen sein. — Wien, 25. Mai. Dem Rechenschafts-Bericht der Chewra Kadischa, vorgetragen in der Generalversammlung am 6. März vom Vereins- und Gemeindevertreter Herrn Moriz K arp el es, entnehmen wir folgende Daten: An Einkaufsbeträgen von 13 Mitgliedern, an Jahresbeiträgen, sowie aus 4 kleinen Stiftungen sind im letzten Jahre zusammen 7,802 fl. eingegangen. Das Zinsenkonto, Coupons aus eigenen Effekten beträgt 4,483.50 fl. Das Spendenkonto verzeichnet 5,141.94 fl. Der Gesammtbetrag der Einnahmen beläuft sich auf 20,734.44 fl. Die Auslagen belaufen sich zusammen auf 14,260.19, so daß der Vermögenszuwachs 3,880 53 fl. beträgt. Dem Berichte finb die bei dem Brudermahle am 7. Adar (0. März) gehaltenen Tafelreden, über die in diesem Blatte seiner Zeit berichtet worden ist, als Anhang beigegeben. Von Nah und Fern. Bewunderungswerth sind die dürfen der Antisemiterl. Ueberatt wittern sie Jueenthum und Judenschutz. Selbst zu der Verloburig des Grafen Herbert Bismarck mit der Gräfin Hoyos bemerkt das Stöckersche „Volk", diese Verbindung sei auch insofern bemerkenswerth, „als die Grafen Hoyos, soweit uns bekannt, dem jüdischen Liberalismus angehören itnb stark in „Judenschutz" rllachen". — Das im März erlassene Verbot der preußischen Negierung, die russisch-jüdischen Auswanderer durchzulassen, ist jetzt aufgehoben worden. Solche Auswanderer können nun ungehindert die deutsch-russische Grenze passiren. — Die „Deutsche Wacht" des Abg. Zimmermann, welche sich der Ahlwardt'schen „Jugendflinten" aufs Wärmste annimmt und alle Gegner mit Koth bewirft, hat bisher von der bekanntlich am 9. Mai erschienenen Erklärung des „Reichsanzeigers" nicht mit einem Wort Notiz genommen. Und das redet von Deutschthum! — Ueber den Vortrag, welchen Liebermatm von Sonnenberg ain 15. Mai in Nordhausen gehalten hat, bringt der „Nordhäuser Courier", das amtliche (!) Blatt für den Kreis Grafschaft Hohenstein, Stadtkreis Nordhausen, die Kreise Eckartsberg ilnd Ilfeld, einen im Großen lind Ganzen wohlwollendes Referat. — Die „Chewra .Kadischah" in Remagen, „Verein zur Hebung der sozialen Lage der Juden" giebt einen gedruckten Jahresbericht heraus, aus dem wir ersehen, daß im letzten Jahre 2 Knaben und 2 Mädchen auf Kosten des Vereins erzogen und ausgebildet worden sind. — Das Jahrbuch des „Düsseldorfer Geschichtsvereins" widmet dem verewigten Rabbiner Dr. Wedelt einen ehrenden Nachruf. — Ein hebräisch-deutsches Festgedicht ist dem Herzogspaare von Coburg-Gotha zur goldenen Hochzeit von Herrn Rabbiner Dr. Pick in Marienburg gewidmet worden. Die Gabe wurde mit Dank eutgegengenommen. — In Fegers heim (Elsaß) ist Herr Dr. E. Weil zum Rabbiner gewählt worden. — Die jungezechische Parteileitung hat nachstehende Mittheilung an ihre Mitglieder versendet: „Auf Grund eines erneuerten Beschlusses wird die vertrauliche Information dahin ergänzt, daß das Exekutivkomitee sämmtlichen Parteimitgliedern empfiehlt, sich jeder Aeußerung zu Gunsten des Antisemitismus zu enthalten". — Am 16. d M wurde Herr Arthur S. Weißmann in Wien zu Grabe getragen. Er war ein sehr gelehrter Forscher, Mitarbeiter an vielen hebräischen und deutschen Wochenschriften und gab selbst eine wissenschaftliche Monatsschrift heraus, in welcher er den Standpunkt der jüdischen Reform mit größter Entschiedenheit vertrat. — Bei der Trauung der Tochter des Barons Gustav Ro 1 hschild in Pari§ warfen gedungene Burschen unter antisemitischen Hochrufen kleine Kugeln mit übelriechenden Essenzen in den Brautwagen. Es wurden 14 Verhaftungen vorgenommen. Der antisemitische Marquis Mores, welcher diese Gassenbübereien veranlaßt hatte, wurde von der Polizei gezwungen, Paris zu verlassen Eine nette Gesellschaft! — Herr Dr. Roth, der bisher mit dem finanziellen Departement der Kolonisativnsunternehmung des Baron Hirsch in Argentinien betraut war, hat um seine Entlassung nachgesucht. Truck und Verlag von Nudols MoNe in Berlin. VeraMworUlch sür bte Redaktion. Ma? Bauckwitz in Berlin.

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