Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1892)
- Date
- 1892-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Serün. 3. Juni 1892. heilt wird, remonielle.;lernt und führte den )en verlies; icher Aus uinirte die welcher in mit sicht ud studirtc >er Schule, die oberen sische Kon Vergnügen, tirt wurde rbilder be i in hohe; ier weilte, it Fontige: kanten dei eu Schule: 'ur passirl. cur in de: Bahnhöfe teu Unter f ihn zu. Antritt in genommen, sprototoü in" Herrn l ästinen ne Jirsti^ sschutz ge ielfach ge ür unge einmal in das Ab 'verfahren Lantener zu Duid :nfey in kreise sein uns ein ätter, dan Lieber n eintrad cklagt, sim - Jgnalndirendee. r Wissen st G. de: sitzer, den die straf g oge an nung dee ' hat die sollte an: undschafl deration' arung der;en wird, fl. vorzn tt 56. Jahrgang. Nr. 23. Allgemeine eitung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Redactenr: Gustav Karpeles. Begründet von Uabbrner ü*. Ludwig Phrlippson-Sonn. Verlags-GrpeLition: iöerün, Jerufalemerstr. 48/49 I Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosfe, Berlin. 3 tt H U11 ♦ Leitartikel r Zum Wochenfeste. — Die Allgemeine Enchclopädie -nr die Geschichte und Wissenschaft des Judentbums. — Die Juden in den Balkanindern. Von Dr. Rüben Bierer. — Schrift und Dichtung. Von Dr. A. ■ äst ein und Dr. F. Fried mann. — Das Judenthum und die Nichtjuden, -on Dr. I. Eschelbacher. — Feuilleton: Heimweh. Erzählung von Eduard iiilke. (Forts.) — Aus Rache. Von E. P. — An Professor Steinthal. Von : n e r I ü d i n. — Miseellen. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, u'iite, Samter. Leipzig. Hannover, Paderborn. Steinheim, Köln, Rüdesheim, rantsurt a. M., Wien. — Von Nay und Fern. — Sprechsaal. — Briefuftcn. Zum Wochenfeste. Berlin, 29. Mai. Wieder naht das Fest, welches das lieblichste, zugleich aber auch -as weihevollste in der Reihe der israelitische» Feste ist, das Fest des irühlings lind der Offenbarung. Aber die Freude an der wiedernvachenden Natur, der Gedanke des grasten geschichtlichen Ereignisses ne vermögen die bangen Zweifel und trüben Gedanken nicht znrückndrängen, die am Rüsttage des Wochenfestes durch unsere Seele lärmen. Auf asten Fluren blüht der Frühling. Wald und Busch und Feld veidcn sich in frisches Grün, im Hag singt die Nachtigall ihre ibmelzenden Lieder, Frohsimi und Freude zieht in die Herzen der Ncnschen. Wmin wird es Frühling werden in äsrael? „Wann wird die Stimme der Taube vernommen in i eine in Lande?" Wann werden der Abfall, die Lauheit, der Herrath schwinden ans unserer Mitte, um Weg zu ebnen der " endigen Begeisterung, der sittlichen Würde, der geistigen Erkenntnis!^ Wann wird Israel wieder ein „mamlecliet Kolianim“, ein i-ricstervolk werden, das seiner grasten geschichtlichen Mission einedenk seine erziehliche Aufgabe auf Erden vollenden wird? Besäßen wie nicht die hohen und hehrenBersicherungen unserer Propheten und Dichter, wir kämen angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse wohl oft in die Lage, an jener Mission Israels ui verzweifeln. Aber die Hoffnungen der Propheten, die Tröstungen aer Dichter, sie vermögen uns in jedem Leide wieder aufzurichten. Nicht mit euch allein schließe ich einen Bund, sondern mit denen, -hi' hier stehen vor dem Ewigen, unserem Gotte, ebenso wie mit uenen, die heute nicht mit uns sind." Also auch uns, den Kindern cer Gegenwart, gilt der Bund vom Sinai; auch uns gelten die!ehn-Worte, auch uns fällt die Verpflichtung zu, den Offenbarungsb'dankcn allen Stürmen der Zeit gegenüber in seiner vollen Reinheit nnd unwandelbaren Größe zu erhalten. Das ist ein trostvoller 'vedanke, ein Gedanke, der wohl geeignet ist, uns über alle Irrungen der iseit hinauszuführen nnd uns für aste kommenden Stürme zu kräftigen. Denn das geistige Leben der Menschheit ist an einem verhängnißvollen Wendepunkt angelangt. Allenthalben ertönt der Ruf nach einer Scheidung der Geister. Man will Moral und Religion gewaltsam trenne», man will an Stelle der alten zehn Gebote eine neue Ethik aufstellen. Mit kecker Hend hat man sich an eine „Modernisirung" der urewigen Sinaiworte gewagt. Man hat gesagt, daß die Forderung des ersten Gebotes für die modernen Menschen „gegenstandslos", daß der Gedanke: „Du sollst Gott über alle Dinge lieben," der „neusittlichen Ansicht durchaus zuwiderlaufe", daß das zweite und dritte Gebot antiguirt seien und „jüdische Knltnsverhältnisse betreffen", daß sogar auch das vierte Gebot in der neuen Ethik keinen Platz finden könne, weil „die Liebe der Kinder zu den Eltern und die Ehrfurcht Jener vor Diesen eine psychologische Thatsache sei, welche sie bei der Schließung ihrer Ehe wohl zu berücksichtigen haben, die aber nicht Gegenstand eines Gebotes zu sein brauche," daß das fünfte Gebot erst „durch den Sieg der modernen Weltanschauung" zur Geltung komme, während das sechste „ganz hinfällig" sei, und das siebente und achte selbstverständlich, das neunte und zehnte aber „überflüssig" seien. Solche sittliche Anschauungen sollen nun die Ethik der Zukunft begründen, das Leben ohne Gott, die Freiheit des Menschen von aller Religion. Und dieser neue Glaube verlangt energisch eine Scheidung der Geister. Nun wohlan, es sei! Es gilt, den Kampf aufzunehmcn für die uralte Wahrheit vom Sinai, die heute so wenig veraltet ist, wie sic jemals veralten kann, weil sie die Grundlage aller menschlichen Wohlfahrt, weil auf ihr das Heil des Menschen, das Wohl des Staates, die Zukunft der Menschheit beruht. Und in diesen Kampf müssen Alle eintreten, die da wollen, daß der Glaube an einen Gott, die Feier des Ruhetages, die Eltern-Liebe, die Heiligkeit der Ehe und des Eigenthums auch in alle Zukunft die höchsten Gebote der Menschheit bleiben sollen. Israel aber ist in diesem Kainpfe die Rolle des Führers beschieden. Ihm wurden die Bundcstafcln übergeben, ihm fällt die Aufgabe zu, der Wächter der Zehn-Gebote zu bleiben, sie zu wahren und zu erhalten, bis die Scheidung der Geister wirklich vollzogen, oder vielmehr, wie wir mit unseren Propheten hoffen wollen, bis jene Berirrten zurückkehren und die Gotteserkenntniß, die einst am Sinai unfern Vätern als leuchtende Sonne aufgegangen, die ganze Erde erfüllen wird, sowie „die Wasser den Meeresgrund erfüllen". Zu dieser schweren Aufgabe wollen wir uns am Schebuotfestc ausrüsten und kräftigen. Und mit dem Propheten wollen wir sprechen: „Herr, ich habe Deinen Ruf vernommen in Ehrfurcht, Herr, belebe Dein Werk in der Jahre Lauf, laß es kund werden in diesen Zeiten. Und in der Trübsal gedenke der Barmherzigkeit! Ich aber, ich will mich freuen des Herren und fröhlich sein in Gott, meinem Heil!"