Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 der Berichterstatter sich nicht zunächst durch Anfragen bei dem betheiligten Lehrer oder dem Direktor genau informirt hat. Xsi. Samter, 22. Mai. Am vergangenen Bußtage hielt der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen zu Posen im Keiler'schen Hotel seine zweite Generalversammlung ab. Dieselbe war von 24 Mitgliedern besucht. Nachdem der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Herbst-Lissa, den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr erstattet hatte und dem Rendanten nach erfolgter Prüfling der Rechnungen Entlastung ertheilt war, hielt Lehrer Jacob Eohn ans Lissa einen sehr anregenden Vortrag über: „Die Verwendung der Psalmen im Religionsunterrichte". Die sich an diesen Vortrag anschließende Debatte wurde mit Annahme folgender Thesen beendet. 1. In öffentlichen Schulen bilden die Psalmen keinen besonderen Lehrgegenstand, sondern dienen nur zur Belebung und Vertiefung der übrigen Unterrichtsfächer in der Religion. 2 Ein näheres Eingehen auf den dichterischen Werth der Psalmen bleibe dem privaten Religionsunterrichte überlassen. 3. In den privaten Religionsschulen vermeide man bei Durchnahme der Psalmen möglichst grammatische Erklärungen. Ueber ein zweites Thema, näinlid): „Tie Rothwendigkeit eines deutschen Lehrerbundes", konnte nicht verhandelt werden, da der Referent nicht erschienen war Rach einem kurzen Hinweis des Vorsitzenden ans die Vortheile der Unterstützungskasse israelitischer Lehrer- Schlesiens und Posens wurde die Versaunnlung geschlossen. Die nächste Generalversammlung findet im Oktober ebenfalls in Posen im Anschluß an die Provinziallehrerversammlung statt. K. Hannover, im Mai. Tie obrigkeitliche Bestätigung des O b e r k n n t 0 r s H e r rn L i n h a r d t ist nunmehr erfolgt, nachdem die 'Angelegenheit, auf deren Verlauf zur Warnung und zur Lehre für Gemeinde-V0rstände und Beamte hier näher einzugehen geboten erscheint, Monate in der Schwebe war. Wie seiner Zeit berichtet, wurde Herr L., ein geborener Oesterreicher, nach einem beifällig aufgenommenen Probevorrrag sofort engagirt, und zwar mit dem Vorbehalt der obrigkeitlichen Bestätigung, an der man jedoch nicht zweifelte, da seine Vorgänger im 'Amte trotz ihrer fremden Nationalität unbeanstandet bestätigt' wurden. Im Vorstande trug man so wenig Bedenken, daß mau Herrn L. veranlaßte, seine feste, gute Stellung in Basel schleunigst aufzugeben und seinen Antritt zum!. Januar zu ermöglichen. Zur größten Ueberraschung wurde das Beüätigungsgesuch abschläglich beschieden, mit dem Hinweis auf die nicht geniigend bekannte unt> beachtete allgemeine ministerielle Verfügung, daß nur Einheimische und nicht Ausländer angestellt werden dürfen. Ehe der abschlägliche Bescheid hier eintraf, wollte Herr Landrabbiner Tr. Gronemann, dem umu von Seiten des Gemeindevorstandes die Verhandlungen übertragen hatte, und der sich der schwierigen 'Aufgabe mit großem Eifer und strengster Gewissenhaftigkeit unterzog, in einer Audienz bei dem Herrn Minister Herfurth durch Darlegung der besonderen lokalen Verhältnisse einen günstigen Bescheid erwirken. Er erfuhr jedoch von dem Dezernenten, daß Tags zuvor das Reskript bereits abgegangen war. Ein zweites ausführliches Gesuch, dem die guten Zeugnisse des Herrn Linhardt sowohl von seiner heimathlichen, als von der schweizerischen Behörde beigefügt waren, ging an den Herrn Minister ab Inzwischen waren die beiden'Abgeordneten unserer Stadt, die Herren Archivrath Sattler und Baurath Walbrecht, von ihnen befreundeten Herren mit Befürwortung angegangen worden, und in entgegenkommendster Weise unterstützten sie in einer von ihnen nachgesuchten Audienz beim Minister die Wünsche des Vorstandes. Herr Anstellung des Oberkantors Linhardt ausnahmsweise gestattet werde. Es beweisen diese Verhandlungen, wie entschieden die Regierung den Standpunkt, keinen Ausländer anzustellen, festhält, und wie vorsichtig daher Gemeindevorstände bei der Wahl der Gemeindebeamten vorzugehen haben. -AK" Düsseldorfs 20. Mai. Der Bericht über die Wirksamkeit »des „Vereins zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden" beginnt mit einem warmen Nachruf auf den Heimgegangenen Begründer und Leiter des Vereins, Herrn Rabbiner Dr. W edell. Der darauf folgende Rechenschaftsbericht weist erfreuliche Resultate auf. 70 Lehrlinge, von denen sich 56 unter der unmittelbaren Aufsicht der Düsseldorfer Direktion befinden, standen im letzten Jahre unter der Obhut des Vereins. Die Einnahmen beliefen sich bei der Hauptkasse in Düsseldorf auf 11,263.20 M., bei dem Bezirksausschuß in Köln auf 42356,07 M Die 'Ausgaben beider Kassen betrugen zusammen 15,382 76 M. Davon entfielen auf Unterhalt, Beköstigung, Uuterstützung und Unterricht der Lehrlinge in Düsseldorf 10,047.89 M., in Köln 4077.09 M B. Karlsruhe, 13. Mai. Herr Liebermaun von Sonnenberg hielt vorgestern in Bruchsal und gestern hier eine antisemitische Versammlung. Er suchte nachzuweisen, daß das deutsche Nationalgefübl durch die „jiidische Nation" geschädigt würde, sprach gegen die Vermischung von Juden und Deutschen und behauptete, die Juden hätten alle Nationen, unter denen sie wohnen, zu Grunde gerichtet. Da nur Gesinnungsgenossen gegen Karten zugelassen waren, hatte der Redner mit seinen schlechten Witzen die Lacher auf seiner Seite. Die schon oft angeregte Frage der geordneten und sicheren Anstellung der israelitischen Neligionsschullehrer und Vorsänger Badens, die bis jetzt zu keinem Ergebniß geführt hat, tritt durch das neue Volksschulgesetz in ein mehr Erfolg versprechendes Stadium. Es hat sich infolge dessen, wie der Neckarzeitung mitgetheilt wird, ein Komitee israelitischer Lehrergebildet, das in Bezug auf die Gehaltsfrage und die Alterszulagen Vorschläge macht, über die in einer auf den 22. d. M. nach Karlsruhe einberufenen Hauptversammlung berakhen und beschlossen werden soll. die Landrabbiner Tr. Gronemann hatte von Herrn Regierungspräsidenten von Bismarck wenigstens die Genehmigung erlangt, daß der Gewählte sein Amt provisorisch antreten durfte, während die Audienz den Erfolg hatte, daß der Minister sich wohlwollend zeigte und das Gesuch zur nochmaligen Berichterstattung an den Regierungspräsidenten zurückging. Mit peinlicher Genauigkeit wurde die nähere Information über die in lem Schriftstück für die Anstellung angegebenen Gründe im höheren 'Austrage von Seiten der Polizeibehörde eingeholt. Dieselbe fiel jedenfalls günstig aus, und da auch der Herr Oberpräsident v. Bennigsen, der von berufener Seite auf's Eingehendste von den Verhältnissen unterrichtet worden war, seine Zustimmung nicht versagen würde, so konnte man den erwünschten Erfolg erwarten. Bereits vor vierzehn Tagen hat der Minister den oben genannten Abgeordneten die Mittheilnng gemacht, daß die Bestätigung erfolgt sei, und es ist dann auch am 14. dem Landrabbiner ein Reskript des Regierungspräsidenten zugegangen, daß die Oesterreich - Ungarn. * Wien, 21. Mai. Im österreichischen „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hat vorgestern Abend der berühmte Professor der Medizin an der Wiener Universität, Hofrath Dr. Hermann Nothnagel, einen Vortrag gehalten, welcher wegen der wissenschaftlichen Tiefe und Schärfe, mit welcher darin Genesis und Ziele des Antisemitismus einer zersetzenden 'Analyse unterzogen werden, die größte Beachtung und weiteste Verbreitung beanspruchen d rf. Herr Professor Dr. Nothnagel sagte unter Anderm: „Die ethische Pflicht, die schmachvollen Angriffe gegen unsere jüdischen Mitbürger abzuwehren, hat diesen Verein ins Leben gerufen. Keinerlei Idee und keinerlei noch so verschrobenes Ideal liegt in Wahrheit dieser Bewegung zu Grunde. Ich muß sagen, daß es mir widerstrebt, das traurige Gewirr von Beschränktheit und Schwäche, von Neid und Haß, von Allem, was klein und häßlich in der Menschennatur ist und was in seinem Zusammenwirken die empörende Fratze des Antisemitismus erzeugt hat, psychologisch zu analysiren Nur von den klaren Höhen der historischen Anschauung möchte ich die Sache, für welche wir mit Ernst und Treue zu wirken uns bemühen, in wenigen Bemerkungen beleuchten. Gleichsam zu ihrer Rechtfertigung und mit eiuent gewissen Hohn weisen die Antisemiten öfters darauf hin, daß ja nicht sie zuerst und nicht gegenwärtig zuerst gegen die Juden Stellung genommen hätten, sondern daß, wie sie meinen, schon seit den ältesten Zeiten dies von allen Völkern geschehen sei. Zunächst ist natürlich in dieser Fassung diese Behauptung unzutreffend. Denn gleichwie es heute noch in einer Reihe von Staaten ist, so sind auch früher Jahrhunderte vergangen, in denen die Bekenner des mosaischen Glaubens vollständig unbehelligt neben den anderen Staatsbürgern leben konnten. Und wenn Gegensätze entstanden sind, was lehrt die Geschichte, was war der Grund derselben? Wenn die Stämme mosaischen Bekenntnisses von den Völkern um sie herum (nebenbei, auch diese waren Semiten! angefeindet wurden, dürfen, können wir mit unseren heutigen Anschauungen daraus den Juden einen Vorwurf machend Wenn weiter gesagt wird, daß die Römer den Juden mit besonderer Feindseligkeit begegnet seien — woher kam dies und was beweist es? Zunächst muß festgehalten werden, daß die gegen Zudei auch in 0 Abneigun setzt. 2 x höchst! otter zu erehrun, lachtfüll and jene genannt ristenz. worden i ter den nicr Zus ui leitet, irche in fühl sel crten. l Ggenscha d die e sbreche ausame setze stell wclhunde rst im ausingen, i cchens praktisch is solche . htliche md Koch g.-gen mV lkurell ud für ' wg rissen Iiche Tri lWgensatz würdigt nagt siä dw..- Rasst uamentlic mosaische den Slav ii'mnter! klein, wi< seiche Ar chwarzi Mansch, lnoitung, und Gert ins 000; bcwußt r ärmsten i nagen; 1 ermöglich treten — und erwe Memitisi t'umieinei Warte de die Erft z aen da Vorsitzen Wiron v des Vere Ruegori lchriften als Eidk traut, sic