Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 Auch die beliebte Annahme von der körperlichen Unfähigkeit russischer Juden zu schwerer Arbeit hat sich als unbegründet erwiesen. Sie handhabter: in Maurieio den Schmiedehammer mit derselben Wucht und Gelenkigkeit, sie zeigten bei der sehr ermüdenden Arbeit an den Mäh- und Dreschmaschinen in südamerikanischer Sommerhitze die gleiche Ausdauer, wie Arbeiter irgend einer anderen Nationalität. Ich bin sogar auf Grund meiner ärztlichen Beobachtungen davon überzeugt, daß sie im großen Ganzer: befähigter zu ausdauernder Arbeit sind, weil bei ihnen die zwei großen Feinde des Arbeiters: der Alkoholismus und die Syphilis, die Eltern rücht geschwächt und die Kinder nicht degenerirt Haber:. Der chronische Alkoholismus ist unter der: russischer: Juden äußerst selten (obgleich sie „ein Gläschen Schnaps" durchaus nicht verachten und sich bei Hochzeiten und dergleichen Anlässen gern betrinken), die Syphilis überhaupt nicht vorhanden; in Folge dessen habe ich unter ihnen rrur 1 Prozerrt Arbeitsunfähige durch konstitutionelle Schwäche (meist Skrophulose) konstatiren können. Dagegen habe ich 1889, bei meinen Untersuchungen argentinischer Kolonien im Aufträge der argentinischen Negierung, unter den Kolonisten und Eirrwandererr: aller Nationalitäten bis 8 und 10 Prozent, selbst 14 Prozent, Ausschuß durch Trunksucht, Syphilis und Skrophulose gefunden. Diese Zahlen und ihre wissenschaftlich zureichende Begründung sprechen überzeugender für der: mindestens ebenso hoher: und höchst wahrscheinlich höherer: Werth der russischen Juden als Kolonisten, namentlich im Hinblick auf die jüngere, in der befreienden und kräftigender: Landarbeit aufwachsende Generativ::, als alle das Gegentheil behauptender: Phrasen derjenigen, welche in ihrerrr Leben weder jüdische noch andere Kolonisier: gesehen haben. Freilich muß man, un: günstige Resultate zu erziele::, auch russische Juden als Menscher: betrachten und gerecht, ihrer Eigenart entsprechend, behandeln, diese ihre Eigenart also kennen, ihre Sprache sprechen, ihre Gefühle ur:d ihre Lage würdigen. Eber:so darf inan nicht erwarten, daß Hausirer und sonstige der Handarbeit ungewohnte Städter vor: heute auf morgen, ohne jede Lernzeit, perfekte Ackerbauer werden. Beides aber gilt fü: Kolonisten aller anderer: Nationalitäten in genau derselben Weise" Professor Löwenthal giebt den Auswanderungslustigen, welche er in mittellose, bemittelte und Industrielle eintheilt, noch folgende Rathschläge: Die gänzlich mittellosen bittet er ruhig zu warten, bis das Kolonisationswerk so weit gediehen sein wurde, un: auch sie aufzunehmen. Ten bemittelten räth er, sich vor Allem zu größeren Korporationsgruppen von mindestens 30 Familien zusammenzuschließen; die Industriellen und Fabrikanten aber könnten nach seiner Ansicht nur dann auf Erfolg rechnen, wenn sie über genügende Mittel und gute Fachkenntnisse verfügen und eine richtige Wahl des Niederlassungsortes treffen. Sein Endurthcil über das gesannnte Kolonisationsunternehmen weicht gar sehr von den Berichten und Mittheilungen ab, die wir bis jetzt aus und über Argentinien gehört; es erweckt die besten Hoffnungen für die Zukunft des großen Humanitätswerkes, wenn wir aus dem Munde des berufensten Vertreters desselben das Urtheil hören: „So hat also dieser erste Versuch in Argentinien zu dem eben so wichtigen wie erfreulichen Ergebnisse geführt, daß die Befähigung russischer Juden zur Kolonisation nicht mehr ernstlich in Zweifel gezogen werden kann, — gute Leitung und richtige Behandlung der Sache natürlich vorausgesetzt." d Christen und Inden 9. Von Tr. Josef Ruff. Seit Jahren sah ich dem Erscheinen eines Buches nicht mit solcher Spanung entgegen, wie dem des oben genannten, nur nun vorliegenden. Hatte mir doch der Verleger, der auch der meine ist, *) Christen und Juden. Licht- und Schattenbilder aus Kirche und Synagoge. Vor: A. Fürst, Doktor der Theologie. Verlag der Straßburger Druckerei und Verlagsanstalt. 1892. in jahrelangen: Verkehr :u:widerlcgliche Beweise seines Gradsinnes und seiner absoluten Vorurtheilslosigkeit in punkto Glaubensverschiedenheit gegeben und mir, dem Gast seines Hauses, noch vor ganz kurzer Zeit die Zuversicht ausgesprochen, daß mit dem Buche des Herrn Dr. Fürst den: ibn: verhaßten Antisemitismus kräftig entgegengewirkt werden würde. Von dem in Stuttgart lebenden Verfasser hörte ich von Glaubensgenossen in Ausdrücken wärmster Anerkennung sprechen, und mir befreundete Christen bezeichneten ihn als freisinnigen Mann, wofür auch der Umstand spricht, daß Herr Dr. Fürst eifriger Förderer der Bestrebungen für Leichenverbrennung ist — Alles in Allen: Momente, die iu mir die günstigsten Erwartungen über Tendenz und Werth des Buches erweckten. Die Vorrede der Schrift bestärkte rnich in ureinen Hoffnungen, denn es heißt da: „Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß sie (diese Blätter) jedem echten Jünger Jesu, sowie jeden: wahren Menschenfreunde willkommen sein werden, denn sie sind in: Interesse der Religion und Humanität verfaßt. Sie sollen die Christen belehren, wenn sie dessen noch bedürfen, daß Haß und Verfolgung Andersgläubiger, gleichviel unter welchen: Vorwand, ihnen stets nur Schande und Schmach eingebracht haben und eine Entweihung des heiligen Nauiens waren, den sie tragen. Liebe und Wohlwollen schulden sie allen Menschen ohne jegliche Ausnahme, was leider der widrige Antisemitismus ganz unberücksichtigt läßt." Ich las das Buch, und was enthält es — eine Glorifizirung der getauften Juden aller Zeiten und Völker! Und wenn es noch die getauften Juden waren, die nach der vollzogenen Taufe nicht Feinde ihrer gewesenen Brüder geworden sind; Herr Dr. Fürst holt aber mit zwei Ausnahmen, aus dem wohlverdienten Grabe — der Vergessenheit solche Proselyten hervor, welche zu streitbarer: Männern der Kirche geworden und den Juden mehr geschadet haben, als dies der moderne Antisemitismus mit all' seinen! wüsten Treiben thun kann. Indem der Verfasser das Leben und die Schriften der von ihn: aus den Archiven geholten Proselyten bespricht, versäurnt er es nie, sein eigenes Urtheil über sie mit einfließen zu lassen, und da begegnen wir einem merkwürdigen Umstande, der uns lebhaft an das Goethe'sche Wort „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust!" erinnert. Wo Dr. Fürst über Beschuldigungen berichtet, die von waschechten Christen ausgingen oder ausgehen, da tritt er mit solch' edlem Eifer, mit solch' warmer Beredtsamkeit gegen dieselben auf, daß man versucht ist zu sagen, so kann nur ein Jude fühlen und denken, und wo c* wieder gilt, die getauften Juden vor den ungetansten in Schutz zu nehmen, da tritt eine Animosität zu Tage, die dem Verfasser Worte in die Feder diktirt, aut die jeder Antisemit stolz sein könnte. So schreibt Herr Dr. Fürst an einer Stelle: „Der Judenhaß hat sich seit einiger: Jahren trotz Christenthum, Kultur und Fortschritt recht breit und fühlbar gemacht. Eine Partei hat sich gebildet, welche der: 'Antisemitismus, d h. die Anfeindung der Jude::, deutlich auf ihr Banner geschrieben hat. Sie ist sehr rührig, ganz besonders bei Wahlen, lärmend und herausfordernd in ihrer: Versammlungen, lügenhaft und giftig in ihrer Presse sind ihre litterarischer: Produktionen. Sie ist zwar klein an Zahl, wenn man diejenigen in Betracht zieht, die sich öffentlich zu ihr bekennen. Jedoch das Betrübende an der Sache ist, daß sie recht viele heimliche Gleichgesinnte hat, die aus Grürrden, ihnen nur bekannt, in: Stillen den Judenhaß nähren und ihn bei passender Gelegenheit zur Geltung bringen. Darüber macht der intelligente, gefühlvolle Jude rnanche bittere Erfahrung unter gläubiger: Christen sowohl als unter denen, die vorgeben, gar kein religiöses Glaubensbekenntniß zu Haber:, ja sogar unter denen, die die Humanität auf ihre Fahnen geschrieben. Der Rassenhaß scheint rnächtiger zu sein als die Macht der Religion der riebe, als Rechte de Drei „Nac nur es r ioerblicker n: dem j r-eutung indischer! lein Zwe nnd noch een Ausg 0 s wäre ohristi u ümunenha n-' in Sar l-u-Schat, nch von: i'cnn er Polemik, werde, ur dichter: di ihre Nacks r> auf baren Wir er nick o idenhasj i m mad!' r zum I :ncht als iw;en und "usPassi. ei dort d, lwrd. In t li.nlet: „Dies Puffes w 1-72. Nr Prunken." SBari Pemvertit i!’-t der 2 Wir wollten n »cheS Zk» WvhllvM indit die :!■ :'U zu,! i’U'lcr Fei dil) und c fitmit wir Wcim Si mich auch Möglichkei tonnen; Z 0" ithnstj Öudcnthui Burger ui nicht -Missionar l-chtc sind vvrurheils