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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-20 · Heft 21 (20.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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£ eilige- \t wird, jeihmgen i in ihrer )on Rab mschrift" x 4. Mai;lied der r Spitze, verdient tet wird:!U üblich, assahfeste ist diese stenblnt" ider auch >ril statt Zlbwehr ttner mit ) Päda ngeu zu ' Jugend uns aus. rr H o f - n Ernst um dort über die ngsrathe -ling in m .Krone nschafteu st, Herrn ruh ard r Verein listag den solennen ilung im 0 fl. für c Kurzem ^(uncn nacht, daß der -)as freie üllt, daß ttt. Die ach einer ten eines iebrigeus ig von find nui Bafeln : Danken Spaniei: g Dant 4)nagog. Inden itng des 3- Tne llen Ab? Draht r Hand tadt ver at ersten Herren, in New brüisther 50. Jahrgang. Ar. 21. Allgemeine Berlin, 20. Mai 1802. eitwg öes Audenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von derErpedinon inBerlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Nedacteur: Gustav KarpeLes. Begründet non Uabdrner Ludwig Phllippson-Äonn. Vertags-Crpedition: Gerlin, Lerufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse.- Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Nndolf Mosse, Berlin. Inhalt. Leitartikel: Das Jndenthum in Amerika. — Atheismus. Von Ir. Adolf Jelliuek. — Der Juden tägliches Gebet. Von Prof. Dr. H. Steiuibal. — Shplock. —der nichtliistoriscke Jude. Von Dr. Joseph Krauskopf. — Der Sambation. Aon Prof. Dr. D. Kaufmann. — Feuilleton: Heimweh, inzählung von Eduard Kulte. — Wie der Vogel sang. Von M. A. Gold- 'chluidt. - Miscetten. Der Ke«reindeboie. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin' lessau. Breslau. Aus Ostpreußen. Braunschweig. Hamburg. Bayreuth. Stuttgart' Aus Württemberg, Soden i. Taunus. Budapest. Raab. Sofia. — Bon Nah und Fern. — Bei der Redaktion eingcgangene Bücher. - Geschöftuche Notizen. Das Jndenthum in Amerika. Berlin, 17. Mai. Bor einiger Zeit haben die amerikanischen Blätter ein amtliches '.'ittcuftütf kirchenstntistischen Inhalts veröffentlicht, das für die Ver- '■ lltniffc il»d Fortschritte des Iudenthuins daselbst von ganz besonderem Ziteresse ist. Wie wir demselben entnehmen, ist die erste jüdische Gemeinde in Amerika im Jahre 1654 gegründet worden. Sie erhielt den Namen .Scherith Israel" und eristirt »och heute. Gegenwärtig zählt das Zldenthum in Amerika aber schon 533 Gemeinden mit mehr als 300! »roßen Synagogen. Der Rest Israels hat sich also auch jenseits des! Szeans gesammelt und ist dort zur ansehnlichen Blüthe gelangt. Von besonderem Interesse ist dabei der Umstand, daß dieselben 'Dichtungen und Gegensätze wie im alten Europa so auch im jungen Anierika vorhanden und wirksam sind. Nur daß allerdings dort die . Orthodoxie so gut wie die Reform anders geartet sind als in Europa.?ie amerikanischen Fortschrittsgemeinden stehen zumeist ans dem Standpunkt der Berliner Reformgemeinde, die in Europa selbst bis-!>rr noch keine Nachahmnng gefunden hat; die orthodoxen Gemeinden! dagegen entspechen im Großen und Ganzen nur wenig dem Bilde,! das man bei uns sich von der Neu-Orthodoxic entwirft. Den Zu-;ug, den die russisch-jüdische Emigration gebracht hat, kommt dabei wohl kaum in Betracht. Jene Emigranten schließen sich auch in Anierika von der Gesammtheit ab und bleiben in ihrer religiösen und gesellschaftlichen Eigenart. Dieses seltsame Konglomerat eines russischamerikanischen Judenthlims wollen wir ein ander Mal besprechen. Als vor etwa fünfzig Jahren die ersten Rabbinerkonfereiizen in Anierika der Idee der Reform praktischen Ausdruck zu verleihen anj Uiigen, machte man sich bei uns in Europa große Sorgen über die! Ziikunft des Iudenthuins in Amerika überhaupt. Wie die Thal-! 'achen beweisen, sind diese Besorgnisse Gott sei Dank ungercchticriigt gewesen. Man kann heute Anierika von New-Aork bis zum a rüsten Westen dnrchwaiidern, iind man ivird überall große und trachtvvlle Synagogen, gutgeleitetc Schulen, vorzüglich eingerichtete Alaisenhäuser und Hospitäler, reichausgestattete Wohlthätigkeitsanstalten kurz, Alles, was das Dasein einer jüdischen Gemeinde bedingt, oorsinden. Zivei Seniinare sorgen für die Ausbildung von Rabbinen, verschiedene Vereine für die Kcinitniß des Iudenthuins, seiner Geschichte und Litteratur. Ja, es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die Organisation des Judenthunls in Amerika in manchen Beziehimgen die in Europa übertrifft. Früher glaiibte man, daß, wer über das Wasser gehe, sein Judenthum vorher hineinwerfe, — das hat sich nun auch glücklicherweise als ein großer Jrrthnm erwiesen. Es herrscht dort dieselbe Begeisterung für die Ideen unseres Glaubens vor »ud dieselbe Opferfreudigkeit, dieselbe Theilnahmc an allen jüdischen Interesse» ivie in Europa. Und so darf man der Zukunft des Jildenthums in Amerika mit frohen Hossnungeil und mit voller Zuversicht ciitgegeiisehen. Eine ganz besonders eigenartige nnd charakteristische Erscheinung ist cs aber, daß das amerikanische Jndenthum zuerst durch zwei Männer auf den hohen Standpunkt gebracht worden ist, welchen es jetzt einnimint. Und diese beiden Männer waren R a b b i n e r, und zwar der eine ein Orthodoxer, der andere ein Reformer. Isaak Lceser hieß der eine, Isaak Wise heißt der andere. Das ist eine Erscheinung, die bei uns in Europa unmöglich gewesen wäre und die die Bedeutung der Individualität auf dem Boden des freien Welttheils ganz vorzüglich zu illustrireu im Staude ist, während sie uns auf der andern Seite den vollgiltigen Beweis dafür liefert, was auch unter den schwierigsten und seltsamsten Verhältnissen thatkrüftige, begeisterte und zielbewnßte Männer zu leisten im Stande sind. Und ganz besonders schwierig waren diese Verhältnisse in der That! Galt es doch, eine aus allen Theilen Europas zusammengewürfelte Gesellschaft, Deutsche, Polen, Engländer und Spagniolen, mit verschiedenen Bildungsstufen nnd sehr verschiedenartigen Lebeiisbedingungen zu einer 01cmeinschaft zu sammeln. Man inuß sagen, daß diese schwierige Arbeit den wackeren Pionieren, die sich ihr mit vollem Eifer gewidmet, in verhältnißmäßig kurzer Zeit wohlgelungen ist. Unter anderen Bedingungen hat sich das Jndenthum in Amerika als bei uns in Europa entwickelt. Es hat keine Vergangenheit, wohl ober eine Zukunft. Es fehlen ihm die großen Traditionen, dafür aber auch die hemmende» Fesseln, die hier jede freie Entwickelung hindern. Eine große Aufgabe ist also dem Jndenthum in Amerika beschieden. Möge cs seiner civilisatorischcn Mission stets eingedenk bleibe», möge cs de» Zusammenhang mit dem europäischen Judenthum immer aufrecht erhalten und, was über Allem ist, möge es die Liebe zu unserem Glauben, die treue Anhänglichkeit an unsere großen geschichtlichen Traditionen auch unter veränderten Verhältnissen, und in allen Zeitströninngen bewahren und in die Herzen der Jugend verpflanzen! 9

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