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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-13 · Heft 20 (13.5.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 20 (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ebenso einer der 'Angreifer, ein polnischer Arbeiter, die Zahl der Verletzten und Verwundeten läßt sich gar nicht konstatiren. Die Straften waren bis in die s äte Nacht hinein mit lärmenden und trunkenen "Arbeitern gefallt. Einige hundert Personen wurden verhaftet. Türkei. * Kvttstantinvpel, s. Mai. "Am 14. o. M. feierten die Juden der Türkei das vierhundertjährige Fest der "Aufnahme der Spaniolen in den türkischen Staaten. Bei dieser Gelegenheit hat die Alu.-mce isr. universelle an Se. Maj den Sultan folgende 9ldresse gerichtet: „Sire! Im Jahre 1402 fanden die aus Spanien vertriebenen Israeliten ^Aufnahme in der Türkei. Während sie in der übrigen Welt unterdrückt wurden, fanden sie in den Staaten Ihrer glorreichen Vorfahren einen sich stets bewährenden Schutz. Derselbe ermöglichte ihnen, daselbst in Nutze zu leben, zu arbeiten itnb sich zu entwickeln. Sire! Diese Tradition in unter Ihrer Negierung beibehalten worden. Die Israeliten hatten an Eurer Majestät einen Beschützer, Höchstdessen Wohlwollen sich bei aücit Gelegenheiten gezeigt hat. Sie werden sich bemühen, sich beffeUen würdig zu erweisen. In den Schulen, die von der Alliance israelite universelle unterstützt werden, wird den Kindern die Liebe zu ihrem Vaterlande und die Treue zu ihrem Herrscher eingeprägt. Sie unterrichten sich und bereiten sich darauf vor, sich in; Ackerbau, im Handel, in der Industrie und in der Wissenschaft nützlich zu zeigen. Eure Majestät giebt diesen "Anstalten ununterbrochene Beweise von Fürsorge und Güte. Die Israeliten gedenken vergangener Wohlthaten und sind voll Dankbarkeit für die Gegenwart. "An diesem feierlichen Tage, der ihnen das Ende der Leiden ihrer Väter ins Gedächtnis; zurückruft, sind sie in ihren Tempeln versammelt und bitten den Allmächtigen für Eure Majestät und danken ihm, das; er ihrem Lande einen so groftmüthigen Herrscher verliehen. Die Alliance israelite universelle schließt sich den Israeliten der Türkei an: unsere Glaubensgenossen alter Länder vereinigen sich mit uns, um die vierhundertjährige Niederlassung der Israeliten in der Türkei zu feiern. Wir entbieten Eurer Majestät die Huldigung unserer Verehrung und unserer Dankbarkeit. Genehmigen Ew. Majestät dieselbe mit dem Wunsche, daß Gott Eurer Majestät eine lange tmd stets glückliche Negierung verleihe." Amerika ' Buenos "Ayres, 15. April. Mit dem Dampfer „Elpde", dessen Passagiere, sich momentan noch in Quarantäne befinden, ist nunmehr Herr Oberst Goldsmid angekommen, welchen bekanntlich Baron Hirsch zu seinem "Ilepräseutauten und Eher der philanthropischen Kolonisations- Unternehmung ausgewählt hat. Herr Oberst Goldsmid, der bisher der Suite des Prinzen von Wales angehört hatte, wird ein überreichliches "Arbeitsmaterial in seinem neuen Wirkungskreis vorfinden; man kann wohl sagen, das; seiner "Ankunst allenthalben mit großer Erwartung entgegengesehen wurde. Es ist in der Thal höchste Zeit, das; eine autoritative itnb über den leider mir zu rasch entstandenen Parteistreitigkeiten stehende Persönlichkeit die Leitung des wichtigen .Kolouisationsunternehmens an sich nehme, denn die seinerzeit von Tr. Löwenthal hiuterlassene Erbschaft war so wenig erfreulicher Natur, das; die interimistischen Verwalter beim besten Willen nicht alle begangenen Fehler sofort wieder gut zu machen vermochten. Der Mangel einer einheitlichen und unbedingt respektirten Centralleitung rief in der Folge jene häßlichen Preßpolemiken und ungerechtfertigten, vom Uebelwollen eingegebenen Verdächtigungen hervor, welche das ganze, ohnedies schon vom einhei;nischen Publikum nicht allenthalben mit freundlichen "Augen betrachtete Unternehmen vollends zu disaccreditiren drohten. 'Alte Freunde des letzteren erwarten mit Necht, daß es Herrn Goldsmid in seiner doppelten Eigenschaft als vollendeter Kavalier und bewährter Organisator gelingen werde, nicht nur in den leitenden Kreisen ein größeres Interesse für das ebensosehr philanthropische als praktisch nützliche Unternehmen zu erwecken, sondern auch in der inneren Verwaltung desselben im Verein mit dem Gereuten Herr Tr. Noth durch Eliminiruug unnützer oder schädlicher Elemente Ordnung zu schaffen. Von Val; und Fern. Dem Professor in der juristischen Fakultät der Universität Berlin, Dr. Earl "Bernstein, ist der russische St. Ann en-Ord en 111. Klasse verliehen worden. — Seitens des preußischen Kriegsministeriums wird, wie dem „H. Korr." von hier aus gemeldet wird, in nächster Zeit das l Ergelmis; der wegen der angeblichen „Enthüllungen" Ahlwardts eilige- ' leiteten Untersuchung veröffentlicht werden Wie hinzugefügt wird.! handele es sich „lediglich um „Erfittdnngen". — Die „Mittheilungeu i aus dem Verein zur Abwehr des "Antisemitismus" veröffentlichen in ihrer jüngsten "Nummer den "Artikel „Der katholische Talmud" von Rabbiner Dr. Bloch in Wien, ltm dessen twillen die „Oester. Wochenschrift" j der Konfiskation anheimgefallen ist. — In Geldern wurde am 4. Mai! Herr L. Hey mann bestattet. Der Kriegerverein, dessen Mitglied der | Verstorbene war, gab demselben, ein Militär-Musikkorps an der Spitze, das letzte Ehrengeleite. — Als trauriges Zeichen der Zeit verdient j ein Vorfall Erwähnung, der aus Kletzko (Provinz Posen) berichtet wird:! In dem genannten Städtchen war es seit undenklichen Zeiten üblich.! daß jüdische Bürger ihren christlichen Mitbürgern zu dem Passahfeste einige Pfund Mazze zum Präsent machten. In diesem Jahr ist diese Gabe znrückgewiesen worden, weil in den Mazzen „Christenblut" enthalten sei. So ist die traurige Saat des Antisemitismus leider auch im Osten der Monarchie aufgegangen. — In der am 25. April statt gehabten Sitzung des Vorstandes des Wiener Vereins zur Abwehr des Antisemitismus verkündete der Präsident Frhr. v. Suttner mit aufrichtiger Genugthuung, das; ihm Seitens vieler angesehener Päda gogen aus allln Theilen der Monarchie schriftliche Kundgebungen zu gekommen seien, in welchen sich diese freidenkenden Bildner der Jugend in offener, ja sogar enthusiastischer Weise gegen den Antisemitismus aussprachen und ihren Beitritt zum Vereine erklärten. — Der Herr Hvfj Prediger n. D. Stöcker hat auf die Einladung des Herrn Ernst > Schneider versprochen, im September nach Wien zu kommen, um dort in einer Versammlung der Antisemiten und Ehristlichsozialen über die Judenfrage zu sprechen. Par nobile fralrum. — Dem Negierungsrathe im k. und k. Ministerium des Aeußern, Dr. Theophil Pisling in Wien wurde vom Kaiser von Oesterreich der Orden der eisernen.Krone 4. Klasse verliehen. — Tie Budapest er Akademie der Wissenschaften hat den Sekretär der israelitischen Religionsgemeinde in Pest, Herrn Dr. Ignatz Goldziher und den Dozenten Herrn Dr. Bernhard Alerander zu korrespondirenden Mitgliedern gewählt. — Der Verein zur Unterstützung jüdischer Hochschüler in Lemberg feierte Samstag den 24. v. M. den 25. Jahrestag seines "Bestandes. Nach einem solennen Gottesdienste im Tempel folgte eine feierliche Generalversammlung im Rath Haussaale und endlich ein "Bankett, bei welchem über 1500 fl. für Vereinszwecke subskribirt wurden. — In Amsterdam hat der vor Kurzem verstorbene Herr I. I. Vedder 500,000 fl. für die Gründung von "Armen Häusern für zehn alte Personen der Aschkenasim-Gemeinde vermacht. Für die Geistesverfassung der Antisemiten ist es kennzeichnend, daß der bekannte Drumont in dem Tageblatt ..La 1 ihre parole“, „Das freie Wort", das er seit acht Tagen herausgiebt, seinen Lesern enthüllt, daß Ravachol ein Jude ist und im "Aufträge Rothschilds handelt. Die Regierung wird ihn demnächst begnadigen, dann wird er sich nach einer kleinen italienischen Stadt zurückziehen und ruhevoll die Renten eines Kapitals verzehren, das bei Bleichröder für ihn angelegt ist!! klebrigem hat Drumont auch herausgebracht, daß Behanzin, der König von Dahomey, ebenfalls eine Jude ist. Seine Menschenopfer sind um eine Erweiterung der jüdischen Ostermorde. — Der CH ach am B a s ch i Herr M. Levp hat eine Hymne verfaßt als Ausdruck des Dankes gegen die türkischen Sultane, welche im Jahre 1402 die aus Spanien vertriebenen Juden gastfreundlich ausgenommen haben. Dieses Dank gebet wurde am 1. Tage des Passahsestes in der türkischen Synagocp vorgetragen. — Der Vorschlag des Baron Hirsch über die Juden emigration fand, wie verlautet, in der gestrigen Sitzung des rns fischen Miuisterkomitees prinzipielle Zustimmung. Tie definitive Entscheidung ist wegen der nothwendigen redaktionellen "Ab änderungen des Projekts noch verschoben worden. — Einer Draht Meldung aus O dess a zufolge mußten daselbst in Folge strenger Hand habung des Fremdengesetzes mehrere Tausend Juden die Stadt verlassen. - In 9kew - 2)or k eristirt ein koscheres Restaurant ersten Ranges, in welchem täglich gegen 1000 Personen, Damen und Herren, ihre Mahlzeit einnehmen. — Seit April dieses Jahres erscheint in New Bork unter den; Titel „Haiwri" ein Wochenblatt in hebräischer Sprache. Truct und Verlag von "linde!; Mone in Berlin Verantwortlich für die Aedattwn Mar Bauchwitz in Berlin

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