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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-06 · Heft 19 (6.5.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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öffentliche. Dieselbe ist wesentlich eine Richtigstellung der von verschiedenen Zeitungen verbreiteten Nachricht, der großbritannische Premier, Marquis of Salisburv, habe den englischen Generalkonsul in Petersburg, Mr. John Mitchel, beauftragt, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um die rusfischen Juden von der Emigration nach | England abznhalten. Herr Mitchel erklärte nun, dem Gewährsmann der Otowosti die Vorschrift Lord Salisburys sei mehr ein guter Rath als ein! Verbot, da der Emigranten thatsächlich nur Elend und Noth erwarte,. - da sie ausgesogen würden. Im Hinblick darauf, daß sie auch den eng-;!isehen Arbeitern das Brod vom Munde nähmen, sei eine Kommission! 0lomission on sweaiin,ir) mit der Prüfung dieser Frage betraut worden,! die zum Resultat gelangt sei, namentlich den mittellosen russischen Enli- ' granten abzurathen, England aufzusuchen. Der Generalkonsul glarrbt nicht, daß die englische Regierung die Emigration ja gänzlich unterj sagen werde, sollte es aber dennoch geschehen, so würden entsprechende! Maßregeln an den Grenzen und aus englischen Schiffen genügen, um! ein derartiges Verbot auch effektiv durchzuführen. Die Emigranten > sollen vorzugsweise in der City sozusagen von der Hand in den Mund! leben. Im Jahre 1891 sollen circa 25,000 Auswanderer Berlin j passirt haben, von denen ein großer Theil in England verblieb. Der! Konsul werde in nächster Zeit genauere Daten über die Emigrations-! bewegung erhalten; er könne aber schon jetzt konstatiren, daß die Mehr-! zahl derselben russische Juden seien; hierauf folgen Juden aus Oester-! reich und Galizien. j ££•> Mi tau, 18. 25. "April. In Nr. 12 der „Allgemeinen Zeitung das! Judenthums" u. c. findet sich in der Rubrik „Von Nah und Fern" die j "Notiz, daß Bürger von Philadelphia für die russischen Flüchtlrnge i eine Sammlung von "Nahrungsmitteln ins Werk gesetzt haben, und daß diese Gabe aus dem Dampfer „Indiana" nach Libau transportirt wurde. Wohl ists der Fall, daß bereits 2 Dampfer „Indiana" und „Missouri" mit Lebensrnitteln aus Amerika in Libau eingetroffen sind, und daß ein dritter nach Riga unterwegs ist. Diese großartige Gabe ist aber nicht für russische Flüchtlinge, unter denen, da ja die „ Zeitung des Judenthums" die "Nachricht bringt, doch nur die ausgetriebenen Juden vernanden werden könnten, sondern für die russischen hungerleidende Landbevölkerung in den inneren Gouvernements bestimmt. Da die "Notiz in der Zeitung des Judenthums erschien, die doch nur derartige "Nachrichten zu registriren pflegt, die in irgend einer Beziehung zum Judenthum stehen, so schien es nicht unangebracht, um mögliche Mißverständnisse zu zerstreuen, zur Richtigstellung Ihnen diese Zeilen zuzusenden. Don Nah und Fern. — Die „Historische K o m m ission für Geschichte der Juden in Deutschland" hat soeben den zweiten Band der Ouelleneditiouen j erscheinen lassen. Derselbe enthält eine kritische Textausgabe! nebft lieber setzung der jüdischen Kreuzzugsberichte. — Nachdem Herr Konsistorialrath I). Dry ander die Behauptung des Leipziger "Antisemitenblattes, daß er „mehrere Hundert" Juden getauft, als Unwahrheit erklärt hatte, veesteckte sich der Gewährsmann des; Blattes hinter die Ausrede, dann seien es die anderen Geistlichen an der; Dreifaltigkeitskirche gewesen. Jetzt giebt Herr Pastor Schultz von der , Dreifaltigkeitskirche die Erklärung ab, daß er innerhalb der 26 Jahre,! die er an dieser Kirche snngirt habe, keinen Juden unterrichtet, noch getauft habe. — In Neuruppin ist der jüdische Friedhof von verbrecherischer Hand demolirt worden. — Wie verlautet, soll zum Nach- , folger von Deutsch der Opernsänger vom Stadttheater in Breslau,! Herr Eerini, in Aussicht genommen sein. Die Unterhandlungen mit demselben sind bereits im Gange. Herr Eerini ist unter dem Namen Steifmann seinerzeit von Polen nach Deutschland gekommen und hat in Berlin seine Ausbildung genossen. — Im Laufe des vorigen Monats fand ein Karnevalsfest der höheren Gesellschaftskreise in Breslau statt, und es verdient als Zeichen von Toleranz hervorgehoben zu werden, daß das veranstaltende Komitee von dem Ertrage, der zum Besten dortiger Wohllhätigkeitsanstalten verwendet werden sollte, auch dem israelitischen! Mädchenheim 2(>oo Mk. überwiesen hat. — Dem Kreisphysiküs! Sanitütsrath Dr. Wiener zu Graudeuz ist^der Eharakter als Geheimer! Sanitätsrath, sowie dem praktischen Arzt Dr. Lissaner zu Danzig der! Eharakter als Sanitätsrath verliehen worden« — Der KultusbeaufteZ Herr Groddeck in Schivelbein begeht am 12. Mai sein fünfzigjährige.. Amtsjubilüum. — Ueber die israelitische Religionsschule in Kiel giebt der dortige Rabbiner Herr Dr. M. Stern einen Druckbericbl heraus, dem als werthvolle litterarische Beigabe eine Abhandlung „Aus der Vergangenheit der israelitischen Gemeinde zu Kiel" angefügt ist. - "Auch die Religionsschule in Göttingeu veröffentlicht einen gedruckten Jahresbericht über ihre Leistungen während des Schuljahres Ostern 1891 bis Ostern 1892. — Der Professor der semitischen Sprachen nun orientalischen Geschichte in Marburg Dr. Julius Wellhausen, hm den an ihn ergangenen Ruf nach Göttingen, an die Stelle des ver storbeuen Paul de Lagarde, abgelehnt. — Dem Baron v. Cohn ist vorn Gemeinderath in Dessau das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen. Die entsprechende Urkunde wurde ihm durch eine Deputation des Ge meinderaths unter Führung des Oberbürgermeisters Dr. Funk überreich!. Außer dem Genannten wurde diese Auszeichnung auch dem Staats minister v. Krosigk im vorigen Jahre zuerkannt. — In Wien iu am 28. v. M. Joseph Ritter von Fürth, Präsident der Baron Hirsch-Stiftung, Kurator des k. k. österreichischen Handels-Museums, gestorben. Bor Jahren war er Mitglied des böhmischen Landtages uns des Abgeordnetenhauses, in dem er eine bedeutende Rotte spielte. - Anläßlich der Berathung über das Kultusbudget in Ungarn wird auch die Frage der Rezeption der jüdischen Religion aufgeworfen werden. — Den: Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Varaza. Moritz Mosinger, ist das goldene Verdienstkreuz verliehen worden. — Aus Najarow (Galizien) verlautet, daß dort eine Juden hetz? hervorgerufeu wurde durch das Gerücht, die Juden hätten den kathe lischen Pfarrer mißhandelt. Daraufhin sollen dreitausend Bauer, auf die Verkaufsläden der Juden gestürzt fein und sie geplündert habe,, Der Gendarmerie gelang es, die Ordnung wiederherzustellen. — Zu Lemberg fand in den Mittelfeiertagen im Tempel aus Veranlassung und unter Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Ears ein militärischer Feldgottesdienst statt, an welchem sämmtliche dori garnisouirenden Israeliten theilnahmen. Mehr als 600 Mann waren in Paradekleidung unter Führung der Vorgesetzten erschienen. — Tee Dekan von Worcester predigte Eharfreitag iu der Kathedrale de City und legte von der Kanzel herab beredten Protest ein gegen die Ver folgung der Juden in Rußland. — Der „Verein zur Aufklärung der Juden in Rußland" eröffnet eine Konkurrenz wegen Erlangung der auf den Namen des verstorbenen Wohlthäters I. 21. Zeitlin gc stifteten Prämie im Betrage von 350 Rubel. Diese Summe wird vom Vereinskomitee dem Autor der besten Schrift über die in den rabbinischen Korrespondenzen des XVI. und XVIl. Jahrhunderts verstreuten historischen Daten über die russischen, polnischen und litthauischen Juden zuerkann! werden. — Der Kaiser von Rußland hat Herrn Israel Ratner in Mohilew in Anerkennung seiner hervorragenden Wohlthätigkeit den "Annenorden 3. Klasse verliehen. — Der Schüler Jecheskel Zwir vom Breslauer Rabbinerseminar erhielt von der Universität Breslau den großen Preis für seine Arbeit über slavische Sprachen und d-? unentgeltliche Doktorpromotion. Zwir ist ein armer junger Mann aus Ezenstochau, Russisch-Polen. Der Rektor verkündete seine Ehrung öffew lich vor der Festversammlung. — Das „Warschauer Amtsbl." bezeichn! die Nachricht, daß Baron Hirsch sein Juden-Kolonisationsprojell aufgegeben habe, als unbegründet; die russische Regierung werde im Gegentheil schon demnächst einen neuerlichen Vorschlag des Abgesandte des Barons Hirsch, wonach innerhalb der nächsten fünfundzwanzig Jahre die Auswanderung von 3,250,000 Juden aus Rußland geregeN werden soll, in Erwägung ziehen und eine endgiltige Entscheidung treffen. — Der Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten empfahl die Einnahme der Resolution, durch welche der Präsident aufgefordert werden soll, Erkundigungen ein zuzieheu, ob jüdische Bürger der Bereinigten Staaten, wenn sie na!> Rußland kommen, sich Beschränkungen gefallen lassen müssen, weübc gegen den zwischen beit Vereinigten Staaten und Rußland geschlossene!' Vertrag verstoßen. Druck und Verlag von "Audols Motte in Berlin. Berantwortllch für die Redaktion: Map Bauchwitz in Berlin.

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