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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-06 · Heft 19 (6.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Vertags-CrpeLition: Gertin, Lerusatemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Inhalt. Leitartikel r Der jüdische Religionsunterricht und die „Krmz- Zeitung". Von Arnold Bu dwig. — Die Feier des vierzigjährigen Regierungs- Jubiläums des Großherzogs Friedrich von Baden. — Plaudereien eines Ausgewanderten. III. — Warum und womit erhalten wir unsere Kinder dem Juden! hum? Von I. Wiener. — Keiriüetonr Heimweh. Erzählung von Eduard Kulte. (Fortsetzung). — Wer nur den lieben Gott läßt walten. Erzählung von N. I. Anders. — Miseellen. Der Gemeindevote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin. Posen, Thorn, Rogowo, Rogasen, Breslau, Königsberg Rm.. Leipzig. Karlsruhe. Heilbronn. Petersburg, Mitau. — Bon Nah und Kern. — Sprechsaal. -- Geschäftliche Notizen. Der jüdische Religionsunterricht und die „Krew-Ieitung". Von Arnold Budwig. Eine friedlich stille Arbeit vereint seit fast einem Bierteljahrhundert Deutschlands jüdische Gemeinden. Armuth nnd Bildnngsbedürfniß der Angehörigen zahlreicher kleiner Korporationen auf der einen, Mangel staatlicher Fürsorge aus der anderen Seite liehen den Deutsch-israelitischen Gemeindebund entstehen, zu dessen vornehinsten Bildungsanfgaben von jeher die Hebung des Religionsunterrichts gehört. Am 27. März dieses Jahres hat der sechste Gemeindeiag, die Generalversammlung dieses Bundes, stattgefundcn, und die bei dieser Gelegenheit gepflogenen Debatten sind in einem größeren Umsange als je zuvor Gegenstand der öffentlichen Kritik geworden. Hierbei konnte man die alte Erfahrung wiederholen, daß die Heißsporne aller Richtungen mit ihrem — natürlich abfälligen — Urtheil am schnellsten bei der Hand waren. Ultra orthodoxe nnd Hyperliberale reichten sich in wunderbarer Einmüthigkeit die Rechte nnd glichen sich auch darin, daß sie ihr Anathema gegen den Gemeindebnnd und seine Bestrebungen auf Grund eines flüchtigen Berichtes ansriesen, ohne auch nur an den Versuch einer genaueren Prüfung zu gehen. Nimmt es Wunder, daß diese Kohorte der Unzufriedenen in dem Antisemitismus einen willigen Bundesgenossen gefunden hat? Freilich hat es lange gedauert, bis das Hauptorgan dieser Richtung, die „Kreuz-Zeitung", geeignete Worte gefunden hat, um in einen Kampf gegen Bestrebrnrgen zu Gunsten der Religion einzutreten. Sic thut es in ihrem Leitartikel vom 29. April: „Was lehren uns die Verhandlungen des deutsch-israelitischen Gemeindebundes?" und es ist nicht unintereffant zu sehen, wie der Verfasser dieses Artikels sich zwischen Judenhaß und Scheu vor Angriffen auf religiöse Bestrebungen hindurchzuwinden sucht. Die Logik der „Kreuz-Ztg." kommt zu folgendem Schluffe: Der Gemeindebund sucht Schäden innerhalb des Judenthums zu heilen, folglich gesteht er zu, daß Schäden vorhanden sind. Er sucht in Gemeinden, welche keinen Religionslehrer haben, für Unterricht zu sorgen, erkennt mithin an, daß viele Juden noch der religiösen Unterweisung entbehren. Die deutschen Inden sind also nach Aussage ihrer eigenen Vertreter religionslos, nnd das ist ein Grund zur Aufhebung der Emanzipation. Aber die „Kreuz-Ztg." geht noch weiter. Wären selbst die Juden nicht religionslos, und würden selbst die Bemühungen des Gemeindcbundes von Erfolg begleitet sein, so würde die religiöse Unterweisung, da sie eine jüdische ist, dennoch nicht genügen. Darum sind diese Erfolge gar nicht erst abzuwarten, sondern es muß in jedem Falle „durch eine Minde rung der bürgerlichen lind staatsbürgerlichen Rechte der Inden jedem schädigende» Einflüsse derselben vorgebeugt werden." Wir haben nicht nöthig, gegen diese Logik aiizutämpfcn; sie richtet sich von selbst. Wir sind nicht so optimistisch, zu glauben, daß ein Nachweis der Haltlosigkeit aller Voraussetzungen, von welchen die „Krenz-Ztg." ausgeht, diese Zeitung zu einer Berichtigung ihres Urtheils führen würde. Denn bei allein Vertrauen in die sieghafte Kraft der Wahrheit fühlen wir doch die Unmöglichkeit, de»ienigen zu überzeugen, dein die Unwahrheit mehr zusagt. Wohl aber hat das unparteiisch denkende Publikum einen Anspruch darauf, achtungswerthe Bestrebungen gegen ungerechte Angriffe vertheidigt zu sehen, und das allein ist der Grund, warum wir die wichtigsten Punkte des Kreuzzeitungsartikels hier beleuchten wollen. Wir wollen hierbei der Redaktion der „Kreuz-Zcituiig" voll vornherein den mildernden Umstand bewilligen, daß alle die Unrichtigkeiten jenes Artikels lediglich auf Unwissenheit und nicht auf Böswilligkeit beruhen. Freilich ist auch Unwissenheit in denjeiiigeii Dingen, über welche zu schreiben man sich berufen fühlt, recht beschämend. Mit gesperrten Lettern druckt die „Kreuz-Zeitring" es ab, daß! 800 jüdische Geineinden weder einen Lehrer, noch eine» Kultus-; beamten haben, der im Stande sei, Religionsunterricht zu ertheilen. j Was aber verschwiegen wird, das ist die Thatsache, das nicht fehlendes l Interesse an religiöser Unterweisung, sondern bitterste Armuth! den Grund für diesen Mangel abgiebt, das; in vielen dieser Ge-! meinden bereits durch Hilfe des Gemeindebrmdes ein Unterricht j durch Wanderlehrer eingerichtet ist, daß ferner diese 800 Gemeinden j doch nur einen geringen Theil der 2700 in Deutschland vorhandenen! Gemeinden bilden. Ein noch geringeres Berhältniß zur Gesammtziffer ergiebt sich, wenn man erwägt, daß diese 800 Gemeinden die an Seelenzahl kleinsten sind. Auch berechtigt noch nichts zu dem Schluffe, daß der Mangel eines Lehrers in jedem Falle den Mangel eines Unterrichts in sich schließe. Uns sind Fälle zur Genüge bekannt, in denen Privatleute mit Eifer und Erfolg der religiösen Belehrung der Jugend sich widmen. All das zu erfahren, wäre für einen ernsten Benrtheiler der Sache ein Leichtes gewesen. Der Leit-

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