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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-15 · Heft 16 (15.4.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 zu gewinnen. Herr Professor Kaufmann sott — so berichtet der „Egpenlösig" — die Leitung der Anstalt übernehmen. — Gegen die Emanzipationsbewegung hat der P ozso nyer Oberrabbiner B. Schreiber einen „Hirtenbrief" an die Gemeinden des „ungarischen Israels" gerichtet, in welchem er selbe aufs ordert, sich der Bewegung nicht nur nicht anzuschließen, sondern mit allen 51t Gebote stehenden Mitteln zu vereiteln. Nichtsdestoweniger haben sich viele orthodoxe Gemeinden angeschlossen. — Unter der Bevölkerung Oberungarns herrscht seit Monaten ein Nothstand, von dem aber unsere Glaubensgenossen bisher verschont blieben. Jedoch lauten die neueren Berichte nicht mehr so günstig Die Nothleidenden im Bereyer K omitat sind zumeist Inden. Großbritannien. * London, 12. April. „Jewish Chroniele" publizirt in einer Separat-Beilage einen Auszug aus dein Berichte, welchen die beiden amerikanischen Spezial-Kommissäre Col. John B. Weber und Dr. Walter Kempster über die Verfolgung der Juden in Rußland dem Parlamente in Washington erstattet haben. Der Bericht enthält die schwersten Anklagen, welche je in neuer Zeit gegen eine Regierung erhoben wurden. Die Kommissäre haben die Judenfrage an Ort und Stelle ohne jedwede Voreingenommenheit studirt. Ihr einziges Bestreben war, die Wahrheit zu erfahren und die erhobenen Thatsachen zur Kenntniß ihrer Regierung zu bringen. Sie waren in der Lage, Scenen mit anzusehen, welche, wie der Bericht besagt, „niemals aus ihrer Erinnerung schwinden werden". Das Ergebnis; ist, daß alle jene erschreckenden Beschuldigungen, welche bereits auf Grund privater Informationen gegen die Regierung des Zaren erhoben wurden, sich als zweifellos begründet darstellen. Nnßland. * St. Petersburg, 2. 'April. Das von Baron Hirsch bestellte Kouiitee zur Begünstigung und Förderung der Emigr ation der russischen Juden hat an die Regierung soeben das Ansuchen um Genehmigung des Reglements gerichtet, rmter welchem die Auswanderung sich vollziehen soll. Das Komitee hofft, daß diese Genehmigung bald ertheilt werde, und daß es sodann seine Thätigkeit unverweilt wird beginnen können. Die Auswanderer sollen in zwei .Kategorien eingetheilt werden; in solche, welche noch über einige Mittel verfügen, so daß das Komitee sich darauf beschränken kann, die Auswanderung derselben 31t leiten und sie in Argentinien mit Grundparzellen zu betheilen, und in solche, welche aller Mittel entblößt sind und denen auch die Kosten der Ueberfahrt int Betrage von fünfhundert Rubel per Kopf bezahlt werden rnüssen. Da indessen die in Argentinien zu gründenden Kolonien noch nicht vollständig organisirt sind, wird das Komitee bestrebt sein, die Zahl der Auswanderer in diesem Jahre noch soviel als möglich zu beschränken, und die Agenten desselben bemühen sich schon jetzt, durch entsprechende Rathschläge und 'Aufklärungen die Auswattderungslust der Juden zu zügeln und die Emigration zu einer langsamen und allmählichen zu gestalten. Diese Bemühungen werden durch die Thatsache unterstützt, daß die deutsche Regierung in jüngfter Zeit die Auswanderung durch Abschließuug der Grenze erschwert hat. Das erwähnte Komitee wird daher die Auswanderung der Juden nach Südamerika derart organisiren, daß dieselbett in Gruppen i zu je hundert Mann vor sich geht. Von Nal; und Fern. Bon zuverlässiger Seite wird uns mitgetheilt, daß zwei anständige > Damen, welche am Sonntag in der Centralmarkthalle etwas einj kaufen wollten, die Flucht ergreifen mußten, weil zwei Schlächtergesellen durch die Halle riefen: „In eilten: jüdischen Hanse haben sie ein Ehristenmädchet: gebunden und tobt gemacht; sie haben ihr das Blut abgezapft. Kommt alle tnit!" Aus solchen Anfänget: entstehen die Fabeln von Ritualmorden. — Zu Handelsrichtern sind ernannt worden: Bankier Otto Boas, Kaufmann Emil Jacob, Bankier Emil Salomon, Buchhändler Leonhard Simiott, Kaustnatm Leander St ein - t h a l und Kaufmann H u g 0 D e u t s ch, ztl st e l l v e r l r et e t: d e t: H a nd e l s - richtern die Bankiers Louis Paderstein, Alfred Loewenberg, Louis Rothschild und Fabrikant Julius Kaufmann. — Am vorigen Dienstag wurde in einer antisemitischen Buchhandlung die soeben erschienene Druckschrift: „Eilte P rote st - E inga b e an Sc. Excellenz eit Herrn Reichskanzler v. Eaprivi von Karl Paasch. (Druck und Verlag von Karl Paasch, Leipzig)" auf Grund des Beschlusses des föuigi. Amtsgerichts mit Beschlag belegt. — Gedruckte Jahresberichte von R e l i g i 0 n s sch u l en liegen uns heute vor: von Hrn. Dr. Bamberget in Königsberg, Herrn Dr. Knoller in Breslau und Herrn Dr. Appel in Mannheim. — In der H ei l - und P f l e g e an st a l t für Epileptiker zu Carl 5 Hof bei Rastenburg ist durch die Bemühungen eines dortigen Komitees eine jüdische Abt Heilung eingerichtet worden. — Der Kriegerverein it, Labes in Pommern hat den Kaufmann L. Leyser bei seiner kürzlich er folgten Uebersiedelung nach Charlottenburg zum Ehrenmitglied ernannt. — Am Samstag den 2. April beging der Lehrer der israelitischen Volks schule, Herr Katzenstein in Warendorf, sein 25jahriges Amtsjubiläuw. Die israelitische Gemeinde ließ es sich angelegen sein, den Jubeltag fest lich zu begehen. — In Gers selb verschied Herr Distrikts-Rabbiner Wormser am vorigen Mittwoch. — Eine für den 6. April in Haut bürg anberaumte Antisemitenversammlung, in welcher der bc kannte Oesterreicher Schönerer als Redner auftreten sollte, wäre polizeilich aufgelöst, ehe derselbe zu Worte kam. — Dieser Tage siedelte der Dichter-Philosoph Hieronymus Lorm (Landes mann», der im Vorjahre seinen siebenzigsten Geburtsag feierte, von Dresden nach Brünn, der Hauptstadt Mährens, über, nachdem er beinab-' zwei Jahrzehnte in der sächsischen Residenz gelebt hat. Lorm, der selbst aus Mähren stammt, hat in Brünn einen Sohn, der ein vielbeschäftigter Arzt ist. Ein jüngerer Sohn des Dichters lebt als junger Banquier in Berlin. — Literaturprofessor Dr. Guido Menasci, der Librettist der j Mascagnischen Opern, hat Wien wieder verlassen. Meister Mascagu: hat das Libretto Dr. Menascis die „Rantzau" bereits komponirt und dürste diese vieraktige Oper schon im November d. I. in Florenz zur ersten Aufführung gelangen Gegenwärtig komponirt Maseagni ein weiteres Libretto Menaseis „Ratclif", nach einer Bearbeitung der gleichuamigett Dichtung Heinrich Heines und später soll das Libretto! Menascis „Zanetto" au die Reihe kommen. Kompositeur wie Dichter entwickeln eine ebenso fruchtbare als e ’ ' ' "e Thätig keit. — Die Tumultuanten, welche auläp^ep uei .numeusut^yeia* lärmen0 die Straßen Prags durchzogen, versuchten unter den Rusen: „Jehl gehen wir gegen die Juden!" in die Josefstadt einzudringen. Die Polizei war aber rasch zur Stelle, sperrte die Straßen ab und vertrieb die Cxzedenten. — Baron Albert von Rothschild in Wien hat aus dem Nachlasse seiner verstorbenen Gattin den hiesigen Woblthätigkeits-An statten Summen im Gesammtbetrage von 100,000 Gulden gespendet. — Nahezu 78 Jahre alt, ist dieser Tage in Genf der Biotin virtuose und Tanzkompouist Anton Watlerstein gestorben. In Dresden geboren, wurde er 1820 als Violinist in der Dresdener Hofkapelle ange stellt und ist dann eine lange Reihe von Jahren in Hannover thätm gewesen. Als Tanzkomponist, insbesondere auf dem Gebiete des Walzers, hat er in den 1840er bis 1860er Jahren eine ungemein fruchtbare Thätig keit entfaltet und viele seiner graziösen, melodienreichen Kompositionen sind in ganz Europa gespielt worden. In den letzten Jahren hat Walle: stein, als Komponist von der Tagesordnung abgesetzt, vorwiegend in Wiesbaden gelebt. — Man meldet aus Korfu: Der Präfekt theilte dem Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde mit, daß während der Osterfeier tage, an denen viel Volk in der Stadt zusammen zu strömen pflegt, das .Judenviertel durch Gensdarmen bewacht werden würde. — Der bekannte Afrikareis ende Dr. Eduard Glaser hat vom Sultan in Anerken unng seiner wissenschaftlichen Verdienste um die Erforschung der arabischen Halbinsel die Kounnandeurklasse (ll.Klasse) des Medjidijjeordens erhalten. — In R 0d 0 st0, einer kleinen Stadt, einige Meilen von Constantinoo.t entfernt, trat eine junge Jüdin, Simcha Pardo, in einer schwachen Stunde zum mohamedanischen Glauben über. Nach einigen Tagen schon bereute sie den übereilten Schritt, wünschte in der: Verband der jüdischen Gemeinde wieder ausgenommen zu werden und floh in der Nacht zu ihren Eltern. Die fanatische, muselmännische Bevölkerung gerietst darüber in grobe Aufregung und verlangte vom Gouverneur, er solle das Mädchen mit Gewalt zurückfordern. Die jüdische Gemeinde war klug genug, um ernn liche Unruhen zu verhüten, das Mädchen gutwillig auszuliefern. Doeb unternahm der Oberrabiner von Adrianopel energische Schritte, die von Erfolg begleitet waren. Das junge Mädchen wurde ihren Eltern bereits wieder übergeben. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe ut Berlin. Verantwortlich für die Redaktton: Max Bauchwitz in Berlin. 56. I Diese * Aboniun Post obe unter S Neda 3 m n r i t; S Aus sJUn t x a cf. ärzäblun Von T: De^ Scbriumi St. Pete Hi' der Zeil Völker!, eine Fi prediget Juden werden ihre At Thaksa, Waten es ist, Wissens, W leben.! erschien Freund trostlos Prinz'b einzum bespreä welcher schuft, Wohl ziliren, Folger fassers üblen findet. judenf ans de nicht s Schar' gegen

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