Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-15 · Heft 16 (15.4.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227948--48753-3269406
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Fest bei f Fische! In einer n unserer zender im dneter. - Lichts der eil erhöht, t und vor zt worden in Bonn rntnehrnen, Wien hal )r. Morin, ger Woche l)onnerstasi Rabbiner l der er die ob. Ober Weise. - )lung über atholischeu :aeliti scheu Freiherr e zu der rß. — Ju irz wurde (man Levn für litte e erklärte stände der ich welcher chtfertigeu te dieselbe u vorigen lngetreten: wderungs mgeheunm sburg geetrunkeneu Die Polizei tbestandes. ^ngniß ge- Zrzeglond" n ist er in üdischen ver Schul er kündigte lonie zum an. Die drien ist Gemeinde,!etheiligteu rmnt dem »alität, die sämmtliche zählendes r mehrere et, daß er )ffen habe, lben. Als . die ver (len Arten 56. Jahrgang. Nr. 16. Allgemeine Berlin, 15. April 1892. eitung öes Audenthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen oierteljährl. 3 M. Nedacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Uablrrner Ludwig Philippson-Nonn. Verlags-Trpedition: Berlin, Lerufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Leitartikel: Das Testament eines Weltweisen. — Ter i?Miaatorische Religionsunterricht in der Schule. Von Dr. S. May bäum. — Ein Jubiläum. — Wiener Briese XVII. Von T. — Die Rassenmischung im Judenthum. Von EdmundGroag. — FeuilletonrHeimweh. Erzählungvon Eduard Kulte (Forts.). — Zwei Berliner Synagogen-Chvrle-iter. — Ein holländischer Wereschagin. — Literarische Mittheilungen. — Miseetten. — Bei der Redaktion eingegangene Bücher. — Briefkasten der Redaktion. Der Oemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Hamburg, Köln, Frankfurt a. M.. Wien, Prag, Budapest, London, St. Petersburg. — Bon Rah und Fern. Bas Testament eines Meltweifen. Berlin, 10. April. sollte nicht jedes fromme Gebet, möge es nun an Buddha, an Allah oder Jehova gerichtet sein, an denselhen Gott gelangen, außer dem eS ja keinen giebt? Die Gesetze, welche die menschliche Gesellschaft sich gegeben hat, ziehen nur das Handeln vor ihren Richterstuhl, nicht auch das Denken und Empfinden. Selbst die verschiedenen Religionen fordern Anderes bei anderen! Völkern. Sie verlangen die Heiligung hier des Sonntags, dort de» Sonnabends oder Freitags. Die eine erlaubt Genüsse, welche die andere verbietet. Ohnehin bleibt zwischen Erlanbtein lind Berbotcnem ein weiter Spielraum, und eben hier erhebt mit feinerem Gefühl das Der talmudische Begriff der Cliasside uinotli haolam, d. h. „der Frommen aller Völker der Welt", denen nach rabbiinscher Auffassung ein Antheil an der ewigen Seligkeit zufällt, deckt sich wohl mit dem modernen Begriffe eines Weltweisen. Niemals ist uns aber diese Uebereiiistimmung so klar geworden, wie in den letzten Tagen, wo ans dein Nachlaß des Grafen Moltke dessen Glnubeiisbckenntniß veröffentlicht wurde. Tic Betrachtungen, die in demselben über Gott und Welt, über Religion und Menschenleben enthalten, sind Zeugnisse einer großen, von Vorurtheileu unbeeinflußten Weltanschauung und eines erhabenen philosophischen Standpunktes. Und was für uns bon besonderem Interesse ist: diese Anschauungen über Gotte? Weltregierung, über die Beziehungeil des Menschen zur Gottheit stimmen fast vollkommen mit denen unserer großen Moralphilosophcn überein! Ist es »ns nicht, als lasen wir ein Kapitel des „More" von Mannnni, wenn wir bei Moltke die folgenden Aussprüche finden: „Der denkende Geist schweift durch die eudloseu Fernen der teuchteildeil Sterne, er wirft das Senkblei aus in die unergründlichen Tiefen des kleinsten Lebens, nirgends findet er Grenzen, aber überall die Regel, den lukmittelbaren Ausdruck des göttlichen Gedankens. Nirgends Willkür in der Natur, überall Gesetz." Aber weit über die Denker früherer Zeit erhebt sich der Geist des modernen Weltiveisen bis in die Region jener großen altbibtischen Propheten und ihrer Idee einer alle Menschen umfassenden Weltreligion, wenn er die Moral über das Dogma setzt und an feinem Lebensabend feierlich erklärt: „Wir können die Glaubenssätze hiiinehmen, wie man die Versicheruilg eiiles treuen Freundes hinnimmt, ohne sie zu prüfen, aber d e r Ke rn a l l c r R ei i gi o n i st d i e M o ral, welche sie lehren." Und wiederum ein Hauch von dem Geiste Lessings imd seines „Nathan" weht uns aus den folgenden Sätzen entgegen: „Und doch spricht man achselzuckend von einer trockenen Moral und macht die Form, in welcher sie gegeben, zur Hauptsache. Ich fürchte, daß der Eiferer auf der Kanzel, welcher überreden will, wo er nicht überzeugen kann, die Christen aus der Kirche hinauspredigt. Uebcrhaupt, Gewissen seine Stimme. Es sagt uns, daß jeder Tag dem Herrn geweiht sein sollte, daß selbst der erlaubte Zins, vom Bedrängten erhoben, unrecht sei, mit einem Wort, es predigt die Moral in der Brust von Christen und Juden, von Heiden und Wilden. Giebt cs einen überzeugenderen Beweis für das Dasein Gottes, als das Allen gemeinsame Gefühl für Recht und Unrecht, als die Ucbereinstinmmng eines Gesetzes, wie in derphysischen, so in der moralischen Welt!" Und mit dem Bekenntnis; allumfassender Liebe schließt der große Weltweise seine Darlegungen in wahrhaft ergreifenden Worten: „Die Freundschaft zwar beruht ans Gegenseitigkeit, bei ihr spricht noch die Vernunft mit, aber die Liebe kann bestehen ohne Gegenliebe. Sie ist die reinste göttliche Flamme unseres Wesens. Nun sagt lins die Schrift, wir sollen vor Allem Gott lieben, ein unsichtbares lind völlig unfaßbares Wesen, welches uns Freude und Glück, aber auch Entbehrung lind Schmerz bereitet. Wie können wir es anders, als indein wir seinem Gebote folgen und unsere Mitmeilschen lieben, die wir sehen und verstehen." Das sind wahrhaft goldene Worte eines reichen und reinen, eines freien und großen Geistes, den wir ebenbürtig in die Reihe der Weisen und Denker aller Völker stellen dürfen. In einer Zeit voll Neid und Haß, wie die Gegenwart es leider ist, in einer Zeit, wo Unglaube lind Afterglalibcn, Atheismus und Orthodoxie nebeneinander hergehen und die Botschaft der Alles überwindenden Menschenliebe nur selten gehört wird, thut es wahrhaft wohl, ein solches Bekciintniß aus solchem Munde zu vernehmen. Und diesen hehreil Denker hat man allf das Schild des niedrigen Rassen- und Gtallbenshasscs zu setzen gewagt! Und mit seinem Namen brüsteten sich diejenigen, welche die Verfolgung und die Feindschaft gegen die Bekeniier des Judenthlllns lehren und predigen! Es ist ein großes Verdienst von bleibender Bedeutung, daß wir ail der Hand dieses bedeutniigsvollen Schriftstückes alle jene Verdächtigungen niiiimehr entschieden zurückweisen köiliien. Für die Gliten und Edlen aber, welcher Religion sie auch angehören mögen, bleibt dieses Glaubensbekenntnis; ein überaus werthvolles Vermüchtniß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.