Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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174 tu cm aus der Veränderung des Adeelaßblutes entnehmen kann, genannt. Auch wird es daselbst als Heilmittel angeführt, ganz wie dies in den Büchern mittelalterlicher medizinischer Leichtgläubigkeit geschieht, deren Ansichten (S. 2) unter den christlichen Böllern verbreitet waren. Unwiderleglich ist die Beweisführung des Herrn Verfassers, daß selbst dieser Aberglaube durchaus nichts mit der jüdischen Religion zu thun habe. Der Verfasser hat sich beflissen, seinen Gegenstand objektiv zu besprechen, die Quellen wissenschaftlich zu beleuchten und hat auch einige Fälle, in welchen trotz der vorgeschrittenen Jahrhunderte die schreckliche Anklage erhoben wurde, auf ihre wirkliche Bedeutung zurückgeführt. Wir könnten diese Geschichten und Erzählungen um ein Bedeutendes vermehren und sind in der Lage, Orte und Namen zu nennen. Denn in früheren Zeiten war es in Orten, an welchen Juden und Christen vereinzelt wohntn, und auch in Gemeinden nicht selten, so oft ein Christ aus irgend einer Ursache für eine Zeit verschwand, die Anklage des Ritualmordes zu hören. Fand man gar einen Christels ermordet, so war man gleich bei der Hand, Juden als Mörder zu bezeichnen. Der ehem. Hofprediger Stöcker, welcher sich gegen die Beschuldigung des Ritualmordes aussprach, bemerkte in einer Sitzung des preußischen Landtages, es sei doch sonderbar, daß man die Mörder jener Opfer, in Bezug auf welche die Beschuldigung gegen die Juden erhoben wurde, nicht gesunder! habe. Dies ist die Erklärung hierfür. Tie Zahl der Anklagen war groß. Weitaus die meisten derselben zerflossen in ein leeres Nichts, da man die Mörder fand, oder es sich herausstellte,daßdieVerschwundenen gar nicht getödtet wurden. Diese Fälle wurden aber nicht registrirt. Für jede seltene Begebenheit eines wirklich vollbrachten Mordes aber, der in Dunkel gehüllt blieb und dessen Urheber nicht entdeckt wurde, fand sich ein Registrator, der, von dem alten Vorurtheil befangen, den Verdacht auf den Juden sitzen ließ. Die Angst der Juden im späten Mittelalter vor schrecklichen Anklagen war so groß, daß die Gasse für dieselbe einen eignen Ausdruck erfand. In den mittelalterlichen Chroniken, in den Responsen und gesetzausführenden Schriften wird die fälschlich erhobene Klage „Aliia", (biblisch auch lila, Dan 6, 5. (>.) genannt. Die Gemeinden gaben ihr die charakteristische Bezeichnung Bilbul. (von Bilbel, eine in der syr. Version vorkommende Bezeichnung für Balal ----- Verwirrung.) Wir wissen nicht, ob der Ausdruck die Genmthsstinnnung der falsch Angeklagten darstellen oder ob er den Geistes- und Gemüthszustand der Ankläger bezeichnen soll. Solche augenblickliche Anklagen wurden, sobald ein Christ aus der Umgebung oder aus dem Bekanntenkreise eines Juden fehlte, leicht erhoben, richteten nicht wenig Störung in den Geistern an und setzten die Gemeinde der Juden in Schreck und Furcht. Schon in den Chroniken des 16. Jahrhunderts sind derartige Fälle verzeichnet; man liest die Bemerkung, daß der Entschwundene als Lebender zum Vorschein am, oder daß sein wirklicher Mörder entdeckt wurde. Auch wird verzeichnet, daß manchmal der von dem Feinde eines Juden ausgesprochene Verdacht, ohne daß der Fall geprüft wurde, sofort die Bestrafung der Judenschaft nach sich zog. Wir verweisen auf die beiden martyriologischen Quellschriften, Emek habacha des Joseph ha Kohen, (Wien 1875) S. 43, 55f., 94, 114f. — Schebet Jehuda des Salomo di Virga (Zolikow 1807) S, 23 b., 27a., 33a. Eine dritte Schrift, welche die Leiden der Juden im Mittelalter verbucht, „die Tröstungen" (Cosolagam ect) lag bisher nur in spanischer Sprache vor. Herr Dr. Julius Steinschneider, welcher eine deutsche Uebersetzung des Buches Herstellen ließ, gestattete uns, die Punkte, welche sich auf die Blutbeschuldigung beziehen, aus seiner Uebersetzung, welche alsbald dein Druck übergeben werden soll, hier mitzutheilen. (111. B. S. 137.) In Frankr eich sah ich, wie ans Haß gegen die Wechsler das arme israelitische Volk, welches in Paris wohnte, beschuldigt wurde, einen Christenknaben getödtet zu haben, um mit seinem Blute die Peßachkuchon zu bereiten. Diese Nachricht gelangte znm König, als er auf dein Wege nach Hause war. Die übelgesinnten Rathgeber, welche er bei sich hatte, wußten ihm dieses falsche Zeugniß so zu färben, daß er es für voa\)x hielt. Ohne abzuwarten, bis die Zeit, oder die Untersuchung, welche er deswegen hätte anstellen müssen, die Wahrheit ans Licht brächten, bestieg er, so wie er dort stand, mit dem Falken auf der Hand, einen Eilwageu, mn nach Paris zu fahren. Hier angekommen ließ er in seinem Zorn 84 Juden, welche ihm von ihren Feinden als Mitschuldige an bc-n begangenen Verbrechen bezeichnet wurden, verbrennen. Und doch waren die Armen, die Lannnesreinen, unschuldig und das, was sie begangen haben sollten, ist so streng untersagt und den Geboten ihres heiligen Gesetzes zuwiderlaufend: „Du sollst dem Feuer zur Speise werden, hnsi du, o Ezechiel, gegen mich gesagt. Hier siehst du, wie deine Drohung an mir in Erfüllung ging." Diese Erzählung scheint eine weitere Ausführung des Falles zu sein, der in Josef Hacohen's, Emek habacha S. 41 berichtet wird. — III. Buch 91. In Spanien sah ich mich zum zweiten Mal in eine andere nicht unbedeutende Angst versetzt. In der Stadl Salamanca ging an einem Festtage ein kleiner Knabe, der Sohn eine) reichen Kaufmannes, mit einigen Goldsachen, Spitzen und einem Gürtel mit Goldknöpfchen hübsch aufgeputzt, spazieren. Zwei Räuber knüpften mit ihm ein Gespräch in der Absicht an, ihn zu berauben; sie führten ihn hinterlistig vor die Stadt und nahmen ihm Alles, was er an sich trug. Als der Knabe unter Weinen zur Stadt zurückkehrte, fürchteten die Räuber, die Sache könnte entdeckt werden, da sie aus der nämlichen Stadt waren. Deshalb liefen sie hinter dem Knaben her, holten ihn ein, tödteten ihn sofort und vergruben ihn in schmählicher Weise an einen, verborgenen Ort. Sobald der Knabe vermißt wurde, stellte man grobe Nachsuchungen an, erließ Bekanntmachungen und versprach dem Belohnung, der ihn auffände, oder Nachricht über ihn brächte. Nach einigen Tagen geschah es, daß Hirten mit ihrer Heerde in der Nähe des Ortes, wo der Mord geschehen war, weideten. Da die Hunde stets herum spürten, se stießen sie auf den Leichnam des Knaben, scharrten mit den Füßen einen Arm heraus und brachten ihn ün Maule zu den Hirten, um ihn dvrl zu verzehren. Als die Hirten es sahen, stürzten sie sich auf die Hunde, entrissen ihnen den Arm und brachten ihn nach der Stadt, um ihn zu zeigen. Als der Vater des Knaben hiervon erfuhr, ging er nebst seinen Verwandten, Freunden und dem größten Theil der Stadt, geführt von den Hirten, zu dem Felde, damit diese ihnen die Stelle zeigten, wo die Hunde den Arm hervorgescharrt hätten. So hofften sie die Stelle zu entdecken, wo der Rest des Körpers lag. Als der Vater seinen Sohn erkannte, erhob er und die Verwandten ein großes Jammergeschrei und alle fragten sich, wer wohl eine solche Greuelthat begangen haben könnte. Ein Christ, meinten sie, könne es schwerlich gewesen sein, denn der Knabe wäre zu unschuldig und zu klein gewesen, als daß er scholl Jemand beleidigt haben könnte. Es mußte ein gefangener Maure oder Jude gewesen sein. Als sie von Juden sprachen, hielten es viele au* der Menge, welche große Feinde Israels waren, für Wahrheit; erzählte.: auch, daß bereits in vielen Ländern der Christenheit und besonders in Deutschland die Juden Knaben gestohlen hätten, um mit ihrem Blute das Opfer zu bereiten. Mit dieser unglückseligen, falschen Ansicht kamen Alle furchtbar erregt zur Stadt zurück Das Gerücht ging von einem zum andern und wurde so mächtig, daß behauptet wurde, die Juden hätten dein Kinde das Herz herausgenommen, gebraten luir gegessen. Als nun unter der ganzen Bewohnerschaft des Ortes diesem grausarne Gerücht umlief, begannen die Verwandten im Verein mit einer anderen Schaar die Schwerter zu schärfen und die Lanzen zu schwingen, um an meinen! Fleisch ein Opfer zu vollziehen, wenn nicht in dieser großen Bedrängniß der Herr des Himmels zu Hilfe gekomuren war.. Der König ließ eine große Untersuchung über den Fall anstellen, so dan die Wahrheit an den Tag kam, und zwar durch einen Goldschmied, an den die Goldsachen, welche die Räuber dein Knaben abgenommen hatten, verkauft worden waren. So endete der Sturm, der sich so wüthend erhoben Halle, um mich zum Sinken zu bringen, nachdenr ich den Tod schon hall' erlitten hatte. Seht hier, o Brüder, wie meine Sünden die Welt blind machen, so bald sie mich bestrafen wollen, und gerade sie, die mich anklagen, wissen, aß es ii agen sie, sie hätte mhnes e olle, um tivcm Blr HTbotea. 3. 78) a III. 2 u'v Regie Es 1 \vimmigei gingen hi las Eis «iuder ü lme daß Zchuldig ii it ihrer bestät sehen. 11 bei dieser sie hätten l^eld bes hätte, die von dies« iisäthe n aufzusind oiit schrec jedoch b« tiihlte, di Uder mb Ninder, Hieraus und Viell p-r Last inurde d nngeschet Hakohen, w'ettung Koi 7 er Vi neurthei treten, ünnneri weist er n'irsten welche demfelb die CH Protest!! 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