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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-25 · Heft 13 (25.3.1892) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 albernen Märchen zu kommen, aus Zeiten, die weit hinter uns liefen. Ich kann nur bedauern, das; otn Volksvertreter ans solchen Quellen wie dem Antisemitenspiegel seine Angaben schöpft. (Beifall links. » Schon 1834 hat der Oberstaatsanwalt in Düsseldorf, als es sieh auch um einen angeblichen Ritualmord handelte, die Behauptung, daß christliche Binder von Juden ermordet werden, als einen aus der Barbarei früherer Jahrhunderte kommenden Aberglauben b e z e i ch net, de r z u g r o b e n G e w altth äti gkeiten g eführt habe. «Hört! hört! links.) Da haben Sie einen Beweis dafür, wie gefährlich es ist, mit derartigen albernen Märchen dem Volke zu kommen. Wem; Millionen draußen im Laude hier 'Abgeordnete mit der Autorität des Volksvertreters solche Dinge Vorbringen hören, muß dann nicht Haß und Ingrimm in ihre Herzen gesäet werdend (Sehr richtig! links.» Dann sind die Folgen Fenstereinwerfen und Vernichtung des Eigenthums Sehr wahr! links. Unruhe rechts.» Ich wundere mich, das; aus der großen konservativen Partei, welche die Führung im Hause beansprucht. 'Niemand gegen derartige Dinge protestirt hat »Lebhafter Beifall links Lachen rechts», daß man in solcher unerhörten Weise unsere Justiz Verwaltung angreift. Das ist die konservative Partei von heule. Au- Rohliug beruft sich Herr v. Wackerbarth. Delitzsch, ein Professor der evangelischen Theologie, hat Rohling nachgewiesen, das; er gelogen, tendenziös dargestellt, falsch übersetzt und gewissenlos gehandelt hat »Hort! hört! links», noch dazu vor einem gerichtlichen Verfahren. Dieser Rohling, den Sie als Autorität anführen, hat unsere Reformatoren Luther, Calvin und Zwingli Schurken genannt. »Lebhafte Bewegung links. — Große Unruhe rechts.» Das ist die Autorität des Herrn Freiherrn v. Wackerbarth. In der Petitionskommission des Reichstages hat der Kommissar des Reichsjustizamts eine Petition welche die Regierung zur Untersuchung des Talmuds aitfforberto, als schlechten Witz bezeichnet. »Heiterkeit links.» Auf dieser Hohe stehen allerdings solche 'Angriffe gegen die Juden. Wenn Herr Wackerbarth erklärt, das; er die Judenfrage auf die Tagesordnung der nächsten Wahlen stellen will, so habe ich nichts dagegen. „Volksschulgesetz und Juden frage!" das wäre ein ganz vorzügliches Wahlprogramm. ».Lebhafte Zustimmung links und bei den Nationalliberalen.) Ich bitte die Herren, das; Sie mit diesem Programm sich offiziell einverstanden erklären. Wir aeceptiren die Entscheidung des preußischen Volkes darüber, ob man die Juden als gleichberechtigte Staatsbürger gegen derartige Angriffe schützen soll. Ich habe die Hoffnung, das; in dem preußischen Volk noch etwas von dem Geiste des „alten Fritz" lebt, der aussprach: Jesus war ein Jude — wir verbreu neu die Juden, Jesus predigte eine gute Sittenlehre, wir ahmen sie nicht nad»! (Hört! hört! links und Beifall.» Ein wahres, schönes Wort! Wir haben eine christliche Moral, aber diejenigen, welche mit solchen Waffen gegen ihre gleichberechtigten Staatsbürger kämpfen, da find keine Christen. »Lärm rechts.) Das sind Vertreter eine Moral, ie Recht, Vaterland und Tpuastie an den Abgrund bringt. »Lebhafter Beifall links und bei den 'Nationalliberalen. Zischen rechts.) Minister des Innern Herr für th: Es ist die Andeutung gemacht worden, als ob der königliche Kommissar, der zur Untersuchung des Falls entsandt worden ist, jüdischem Gelde zugänglich gewesen ist. Ta die Entsendung des Kriminal-Kommissars Wolf auf meine Veranlassung stattgefundeu hat, halte ich miä) für verpflichtet, darauf hiuzuweiseu, das; für die Entsendung dieses Kriminalkommissars genau dieselben Gründsätze zur 'Anwendung gebracht sind, welche für derartige Entsendungen seit längerer Zeit innegehalten werden. Bei dem Mangel au kriminalistisch geschulten Beamten in der Provinz werden vom Berliner Polizeipräsidium Beamte entsandt, wo es sich um ein schweres Verbrechen handelt, wenn die Entdeckung im öffentlichen Interesse erwünscht ist, wo ein kriminalistisck) geschulter Beamter in Berlin zur Verfügung steht, wem: nach dem einzelnen Fall die Behörden keine Bedenken gegen die Entsendung haben und wenn die Mittel zur Verfügung gestellt werden. Diese Voraussetzungen waren vorhanden. Herr Wolf ist entsandt worden und hat ein Gutachten dahin abgegeben, das; zwar von einem Ritualmord nicht die Rede sein könne, daß aber dringende Verdachtsgründe vorliegen, das; der Schächter Buschoff urrd seine ganze Familie irgendwie an dem Mord betheiligt sind. Dieses Material hat ztl einer Verhaftung des Buschoff geführt. Die Kosten, welche die jüdische Gemeinde in .Wuilen trägt, belaufen sich mit Rücksicht ans die Besonderheit dieses Falles auf 712 Mt. Wenn die Entsendung des .Kriminalkommissars Wolf zu bcu Unbegreiflichkeiteu gehört, von denen Herr Stöcker ge sagt hat, das; sie dem Laienverstand unverständlich sind, so hoffe ich Herrn v. Wackerbarth für diese Entsendung ein Verstäudniß eröffnet zu haben. »Beifall links und bei den Nationalliberalen.» Abg. Simon v. Zastrow »kons.»: Ich hatte mich zum Wort ge meldet, um den Anschein zu zerstören, als ob mein Fraktionsgenosse und Freund Herr Stöcker bei der zweiten Lesung namens der konservativer Partei Angriffe auf die Justizverwaltung gemacht habe. Nachdem Her: Stöcker heute in loyaler Weise erklärt hat, daß er falsch verstanden fei »Gelächter links), habe ich keine Veranlassung, das Wort zu nehmen. Im Ganzen und Großen sind wir in unserer Partei einir (Zustimmung rechts) und wir haben keine Veranlassung, gegen die 'Aus führuugen des Herrn v. Wackerbarth anf die Aufforderung des Herr» Rickert zu protestiren. »Hort! hört! links.» Jeder vernünftige Meusc! weiß, das; die konservative Fraktion solche Ansichten nicht hat, welch. Herr Rickert bekämpft hat. »Abg. Rickert: Welche haben Sie denn. Heiterkeit.» Das sott ich Ihnen auch noch sagen. Auf die Fälle Buschoß und Paasch gehe ich nick)t ein, sie sind erst diskussionsfähig, wenn dm Urtheil gefällt ist. 'Abg. Dr. Birchow »dsr., Unruhe rechts»: Meine Schuld ist es nicht, wenn wir eine solche Diskussion haben. Die rechte Seite Hai dieselbe provozirt. Beschweren Sie sich darüber bei den Herren Stocke» nud v. Wackerbarth. Herr Simon v. Zastrow ist sehr tapfer gewesen er hat sich sehr zurückgezogen, als es sich darum handelte, offen zn bekennen, was die konservative Partei will. (Sehr richtig! links.) Abei wenn Sie selbst sagen, die konservative Partei fühle sich einig — (Zu ruf des 'Abg. v. Zastrow: Im Großen und Ganzen!) wenn ein. Partei im Großen und Ganzen einig ist, so muß sie also in Kleinig leiten differireu. Sie scheinen also den Antisemitismus für eine Kleinigkeit zu halten. »Große Heiterkeit links.) Wenn Sie »nach rechts» in Ihre» Reihen den Antisemitismus dulden, so sind Sie dafür verantwortlich zr machen. »Sehr richtig! links.» So lange Sie Herrn Stöcker unter fiel haben, so lange sind Sie für ihn verantwortlich »Lachen rechts.» Wi» werden damit rechnen, das; die 5t o u s e r v a t i v e n s ich m i ß b r a u ch e i lassen zu solchen antisemitischen .Kunststückchen. »Unruhe rechts. Bei Herrn Stöcker sind wir auf solche Dinge gefaßt; wir wissen ja. daß sein innerer Mensch nicht gerade sehr feinfühlig ist. (Sehr gut links. Lärm rechts.» Das können wir ja aus gerichtlichen Verhandlungen konstatiren. (Unruhe rechts.»; in dem berühmten Prozeß hat er ja aus geführt, das; er einen gewissen Zeugen Namens Ewald znm ersten Malsehe. »Große Unruhe rechts.'» Wir müssen Herrn Stöcker darauf fest nageln. »Zustimmung links.) Wir müssen in der schweren Krise unseres Volkes, wo wir die Hoffnung haben, daß ein unglückliches System unter drückt wird ' »Unruhe rechts), die Gelegenheit wahrnehmen, die Aus wüchse zu beseitigen und sie dem Lande gegenüber in ihrer ganzen Schrecklichkeit darzustellen. »Lachen rechts und im Centrum.) Sie haben eine besondere Neigung zur Heiterkeit. Es scheint, aucl die Herren von der Ceutrumspartei. »Widerspruch im Centrum.) Daun bitte ich um Verzeihung. Ich kann konstatiren, daß, als in ernsthafte» Weise die Sd)äden des Antisemitismus behandelt wurden, Herr Stocke» und seine Freunde mehrmals ein Verlegenheitsgelächter hören ließen » Sehr gut! links.) Ick; hätte gewünscht, einen photographischen Apparat zur Stelle zu haben, ich würde mir das Vergnügen gemaä)t haben, diese Gesichter für die Nachwelt aufzubewahren. (Große Heiterkeit links. Herr Stöcker hat also damals erklärt, er sehe den Zeugen Ewald als diesen Ewald zum ersten Male. »Heiterkeit links. Unruhe rechts.) Es ist damals auch ausführlich über einen Eid »Unruhe rechts) verhandelworden, den Herr Stöcker abgelegt hat, und das gerichtliche Urtheil das auch das inkorrekte Auftreten des Herrn Stöcker und seine Erreg barfeit erwähnt, stellt fest, das; der Zeuge Stöcker sich bewußt mit de» Wahrheit in Konflikt gesetzt habe. »Lebhaftes Hört! hört! links, große Unruhe rechts.» Ich würde darauf nicht zurückgekommen sein, wenn du Herren heute nicht gegen unsere jüdischen Mitbürger so vorgegaugei wären, wie es in den Annalen unseres Vaterlandes und der meisten Länder vollständig unerhört ist. Solche Eingriffe auf die Justiz pflegten vorauszugehen, wenn sich eine Revolution entwickelte und das Staats wesen umgestürzt wurde. Wenn die Justiz nicht mehr über den Parteien erhaben ist, wenn sie als Angriffsobjekt spezieller Interessen dient, daun sind wir weit genug. Das ist ja das Unglück, daß Herr Stöcker durclseinen moralischen Charakter einen solchen unheilvollen Einfluß ausgeüb» hat. »La - eitslache» mau nich rechts.) tiefste be Dinge nc über sich!»t der a wesen. Nasse ei; 'eines Eil Die brau» mit den j Zerr Stc -ammlum non Men naß in d »ingehen cknks), u > er fügte Hunderte Gero mouserva ringen, mit den , ich dabei enüten c mit solch» i bunte le acht, nn (ähren ckeseitigm Abg. Minister egeben h abe nur m erkannt Es mischen i arth un o er fern, n ' 4 es gm ckoctschöß Am ach Arg Wrsch ei (»eise w( 'wffililiig Rand no! fähigtst' » abe. die Ruth, K nßerdem Teint nu ihres Gl T berft 5 Kirsch üb Wwere 2 efelbe zt welche bi 1 flehen i

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