Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. — An, rftovbenei; kel, stall Baß in »zwanzig ldu ugs Stöcker 56. Jahrgang. Kr. 13. Allgemeine Berlin, 25. Mär; 1892. eitung des Audenthums. ) - ft ir d) — All! Populns Schell in , Reiuholr )ielt Her, elcher siel; g wurden lugeu von fl4 Juden chtet man uarchisten rpräfektc. Dies in ndeu heu r Frai:( - uudet. »es ueuen lr chrisl kehrt, w?re zu b< eem )lua isll (.lull nt-Broct Dem Fon rische Ge D a n o u. ut. — D>- O b e r s> >cew-Von er wähl inner oe M e n t> c, llte ßenv Uuqestüin Glauben: ihiu bici' tver. Der Iftwletznn, l d e l p h i, -Bahn! lreal, von hil ad e, ameritn Philadrn itteln il n ftomiter. ui Trau' teutgeltl,!i shingtonV ud Säet i> lz, Fleisnn engebran-! dortig-'' treten, nn' schell. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Naülrrner 0*- Ludwig PhiNppson-Bonn. Verlags-Crpedition: Lerlin, Ierufalemerstr. 48/49 Alle Zuseilduilgen für Redaktion nnd Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem.Zeitnng des Judenthums", Berlin Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Nudolf Masse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Nedacteur: Gustav Karpeles. Jllljolt. Leitartikel: Aus dem Abgeordnetenhause. — Aus England. Bon Benas Le vH. — Wissenschaft und Litteratur: Autobiographische Blätter von Leopold Dukes. Von Prof. Tr. David Kau s in a n u. (Forts.) — Feuilleton: Heinrich Heine in Frantsnrt a. M. II. Von Gustav Karpeles. — Bkendel lanziger. Von Maria Konopnicka. (Schlnsp. — Sprechsaal. — Miseellen. Der Gemeindedote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Hamburg, Braunschweig, Hannover, Lüneburg. Köln. Tarmstadt, Wien, Petersburg, Sofia, New-Aork, Buenos-Ayres. — Bon Rah und Kern. Aus dem Abgeordnelenhause. Berlin, 22. Mürz. Tie dritte Berathung des Justizetats hat wieder ein antisemitisches Nachspiel gehabt. Dasselbe hat mit einem kläglichen Fiasko der Antisemiten geendet. Selbst das Centrmn schüttelte die Verfechter des „Ritualmords" von seinen Rockschössen. Ja, offiziell mußte dies auch die konservative Partei thnn — allerdings sehr leise und sehr vorsichtig. Auf eine Widerlegung der antisemitischen Argumente noch einmal einzugehen, nachdem dies schon zu Hunderten Malen geschehen, hieße ihre Natur, ihre Absicht und ihren Charakter völlig verkennen. Sie waren im letzten Grunde nicht einmal gegen die Inden, als vielmehr gegen die Minister gerichtet. Die Juden waren nur, wie stets, die Prügelknaben. Daher ist auch jede Widerlegung vergeblich und zwecklos. Und sprachen wir mit Engelszungen — diese Leute wollen nicht belehrt sein! Interessant war in der ganzen Affaire nur die Verbindung konservat i v - an tise mitischer Elemente mit den Juden Hetzern in Korfu, die nun authentisch feststeht und nicht mehr wird abgeleugnet werden können und die kühne Behauptung des Herrn v. Wackerbarth, daher den Talmud „gelesen habe". Mit besonderer Wärme trat der Abg. Rick er t für unser gutes Recht ein. Seine Argumente waren schlagend, unwiderleglich; ebenso kräftig trat der Abg. Virchow gegen Herrn Stöcker auf. Wir lassen nunmehr die Verhandlungen selbst folgen: Abg. Frhr. v. Wackerbarth (kons.): Bei der zweiten Berathung des Etats hat Herr Rickert die Ansicht ausgesprochen, das; man frei und offen seine Stellung zur Judenfrage erklären soll. Das ist ein rechtes Wort zur rechten Zeit. Ich möchte wünschen, das; das deutsche Polt frei und offen seine Meinung über die Judenfrage ausspricht. Millionen deutscher Männer im Lande sind noch nicht vom jüdischen Geiste angesteckt. Eine unter dieser Parole gewühlte Volksvertretung würde erkennen, das; eine ernste Gefahr hier vorliegt. (Oho! links.» Die Erklärungen, welche der Minister bei der zweiten Berathung öder den Fall Buschoff abgegeben hat, haben die Gemüther in weiten Kreisen erregt. Ich gehöre keineswegs zu einer antisemitischen Partei, und mir ist es gleiehgiltig, ob Buschoff schuldig ist oder nicht. Das Gerichtsverfahren ist ja nun in die Wege geleitet. Versehen sind im ersten Stadium des Verfahrens wohl vorgekommen. Ob der Wechsel in der Person des Untersuchungsrichters damit im Zusammenhänge steht, darüber erlaube ich mir kein Urtheil. Aber die THatsache ist nicht abzustreiten, daß die Rabbinerkreise für Buschoff Partei ergriffen und die öffentliche Meinung irrezuleiten gesucht haben. Die Solidarität des gesammten jüdischen Volksstannnes tritt als Macht auf. Vielleicht sind auch tiefer liegende Beweggründe vorhanden. Ich würde nicht wagen, das anzndeuten, wenn Herr Rickert nicht in dieser Beziehung eine Diskussion provozirt hätte. (Abg. Rickert: Wodurch?» Tie Beweise des Herrn Rickert, daß die durch B lu t e n t z i e h e n v e r u r s a ch t e n M orde nur auf die finstere Zeit des Mittelalters zurückzuführen sind, haben sich als haltlos erwiesen. (Lachen links.» Tie Aeußernng des Ministers, daß der Schnitt nicht dem beim Schächten üblichen entspreche, ist in der gesanunten Rabbinerpresse mit großer Freude begrüßt worden, weil man darin eine erhebliche Entlastung des Buschoff sah. Ich frage aber: Wo ist das Blut hingekommen, welches dem .ftnaben abgezapft ift? Es ist doch merkwürdig, daß in allen diesen Füllen, wo Judenmorde in Frage kommen, niemals völlige Klarheit über die Sache verbreitet wurde: stets blieben sie in geheimnißvolles Dunkel gehüllt. Die Aantener Bevölkerung hat sofort den Wunsch ausgesprochen, den jüdischen Schächter zu verhaften. Das geschah erst nach längerer Zeit, und bald darauf wurde der Schächter wieder entlassen. Ich erkenne es selbst ohne Weiteres an, daß die preußischen Richter, die die Freilassung verfügten, nach bestem Recht und Gewissen gehandelt haben Aber dieser Fall fordert doch zu einem Vergleich mit einem anderen Verfahren heraus. In kanten sehen »vir einen des Mordes verdächtigen Menschen, gegen den keinerlei Entlastnngsmaterial vorgebracht war, als nicht fluchtverdächtig freigetassen, ans der anderen Seite den bekannten .Kaufmann Paasch, einen achtbaren Mann, der eigens von China nach Deutschland kam, um gewisse Dinge unter Beweis zu stellen. Dieser Mann, der in Preußen lediglich sein gutes Recht suchte, wird als fluchtverdächtig verhaftet und unter Nichtberücft sichtigung der sächsischen Grenze nach Berlin geschleppt. Hier liegen doch zwei ganz verschiedene Rechtsauffassungen vor, und ich kann mich nicht wundern, wenn sie in der Oeffentlichkeit lebhaft besprochen werden, zumal solches Verfahren sich mit den Wünschen des gesammten Judenthums parallel bewegt. (Unruhe links.) Auf einen weiteren Punkt möchte ich Zurückkommen, darauf, daß auf Wunsch der jüdischen Gemeinde in kanten zwei Polizeikommissare für jüdisches Geld ertra hingeschickt wurden zur weiteren Untersuchung der Sache. Hier liegt doch eine sehr wohlwollende Rücksichtnahme ans die jüdische Bevölkerung vor. (Unruhe links.» sAbg. Rickert: Das geht auf den Minister! — Widerspruch rechts.) Herr Rickert wollte oder sollte augenscheinlich das Judenthum vor der Welt als unschuldig hinstellen. » Große Unruhe links. » » Abg. Rickert: Was heißt das „sollte"?» Herr Rickert sagte, das; solche Ritnatmorde nicht mehr in unser Jahrhundert passen Gewiß, es ist auch meine Ansicht, sie passen nicht in unser Jahrhundert, sie paßten auch nicht in frühere. Und trotzdem sind sie vorgekommen, wie wir aus den Werken tit