Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 ^-vac\e, ob vor Wortlaut der talmudischen Stellen über die Entstehung der Septuaginta den Gedanken einer Inspiration enthalte. Das zweite Referat hielt Herr Dr. med Rawitzki über die Frage, ob der Talmud von den Mikroben als Krankheitserregern schon eine 'Ahnung gehabt habe? Der Vortragende bejahte diese Frage im Hinblick ans die verschiedenen talmudischen Stellen über die Erregung von Unreinheit. 'Auch an dieses Referat knüpfte sich eine längere und interessante Debatte, all welcher sich die Herren Dr. Pagel, Müller, ftcuniufci, Mandelkern u. A. betheiligten. Es folgte die Erledigung verschiedener Fragen, so z. B. über die Falascha's, und dann Vereiusmittheilungen. Die Sitzung schloß gegen 11 Uhr. — Ter neue Verein gewinnt immer mehr Freunde und Mitglieder. Wir bitten alle unsere Leser, Alle, die ein Interesse an der jüdischen Geschichte unb Litteratnr habell, diesem Beispiel 511 folgen und sich dem neuen Vereill anzuschließen. Der Jahresbeitrag ist nur auf 0 Mk. festgesetzt, um eine allgemeine Betheiligung zu ermöglichen. Meldungen nimmt Herr Dr. G K arpeles, Winterfeldtstr. 3-1, entgegen. * Berlin, 11. März. Mit polizeilicher 'Auflösung endete eine stark besuchte Volksversammlung, von der Vereinigung zur Bekämpfung der Rassenhetze einberufen, am Mittwoch Abend in Mund's Lokal, Köpnicker-Str. 100. Als Redner waren die Schriftsteller Dr. Jacobowski und Blankenburg angekündigt, die über „die neueste Entwickelung des 'Antisemitismus" unb über „die Jrrthümer der Antisemiten" sprechen sollten. Tie 'Antisemiten waren in der Mehrheit und setzten es unter großem Toben durch, daß ihnen die Leitung der Versammlung zufiel. Dr. Jacobowski wurde durch laute Zwischenrufe unb betäubenden Lärm, welcher den überwachenden Polizei-Lieutenant veranlaßte, mit der Auflösung zu drohen, schon nach den einleitenden Sätzen am Weitersprechen verhindert. Herr Blankenburg wußte sich aber durch energisches Auftreten wenigstens bis zu einem gewissen Grade Gehör zu verschaffen, so daß er seinen Vortrag, wenn auch gekürzt, zu Ende bringen konnte. Nachdem dann noch die Herren Küchenmeister, der Begründer des Vereins, und ein 'Antisemit namens Müller zu Wort gekommen waren, stimmten die Antisemiten „Deutschland, Deutschland über Alles" an und erhoben einen derartigen Lärm, daß der Polizei-Lieutenant die Versammlung für aufgelöst erklärte. Erst nach mehrfacher polizeilicher Aufforderung leerte sich langsam das Lokal. * Berlin, 13. März. Irl der Angelegenheit des Herrn Carl Paasch, der vom antisemitischen Standpunkte aus gegen den deutschen Gesarldterl in Peking, Herrn von Braridt, die schwerster: Anklagen in Druckschriften erhoben hat, versendet „mit deutschem Gruß" Dr. Danneil- Bielefeld ein aus Breslau, 5. März, datirtes „streng vertrauliches" Rrrndschreiber:, welches lautet: „Heil! Wie Ihnen bekannt sein wird, findet am 22. d. Ri. vor dem Landgericht in Berlin die Verhandlung gegen unseren tapferer: Vorkärnpfer und treuer: Gesinnungsgenossen, Herr:: Earl Paasch, statt. Leider ist, wie mir von gut unterrichteter Seite uritgetheilt wird, zu befürchten, daß mit Hilfe einiger Irrenärzte konstatirt werden wird, Herr Paasch sei temporär geisteskrank gewesen. Damit wird dar::: die ganze Angelegenheit irr China begraben. Es liegt uns fern, über die Vorgänge auf der deutschen Gesandtschaft in Peking ein Urtheil zu fällen, aber dies können wir im Interesse des deutscher: Rechtsbewußtseirrs verlangen, daß die urrgeheuren Beschuldigungen des Herr:: Earl Paasch auf ihrer: Thal bestand hin untersucht werden. Da es in: Interesse rnrseres Gesinrrungsgenosser: liegt, daß seine Angelegenheit vor dem 22. Mürz im deutschen Reichstage oder im preußischer: 'Abgeordnetenhause gelegentlich der dritter: Lesurrg des Justiz-Etats erörtert wird, bitte ich die geehrten Vereinsvorstärrde, umgehend diesbezügliche Petitionen ar: ihre Reichstagsabgeordneter: und, soweit Preußen, an die Landtagsabgeordneten ihrer Wahlkreise «ohne Unterschied der Parteirichtung) zu senden. Das einmüthige Eintreter: unserer Partei für die Vorkämpfer unserer deutschen Sache möge die Streiter ermuthigeu, die Genossen stärker: und die Gegner dämpfe::." Diesem Anschreiber: ist ein Petitiorrsscherna beigesügt, in welchem die beruferren Vertreter der Reichs, resp. Landtagswahlkreise ersucht werde::, die 'Arrgelegenheit Paasch rrröglichst schnell zur Sprache zu brirrger:. 'Aun weiß man doch, wie's gemacht wird. -0- Breslau, 7. März. Als erfreuliches -stächen der Arrerkerrnrnrg darf ein von der königlicher: Regierung Hierselbst dem Begründer und Dirigenten der hiesiger: „Hebräischer: Unterrichtsanstalt", Herrn Rabbiner Dr. P. Neustadt, zugegangener Erlaß bezeichnet werden. Während nämlich bisher genannte Anstalt ihre Korrzession vor: Jahr zu Jahr von Neuem bei der Schuldeputation nachsuchen mußte, wurde nunmehr auf Antrag der letzteren durch ein Reskript vorn 7. Februar d. Is. die Konzession nach 25jähriger Wiederholung für irrnuer ohne Dauerbeschränkung verliehen. Zugleich hat die Anstalt auch die Berechtigung zur Ausstellung vor: Zeugnissen über der: Religionsunterricht erhalten. In der: Motiven ist hervorgehoben, daß die Anstalt in einern Zeitraum vor: beinahe 30 Jahren sich das Vertraue:: eines großer: Theiles der Mitglieder der Gemeinde durch Hebung der religiöser: Bildung, durch Berbreitur:g hebräischen Wissens, Organisirung von Unterrichtskurser: in verschiedenen Stadttheilen, Einrichtung eines Jugendgottesdienstes und besonders durch Fürsorge für den unbemittelten Theil der Bevölkerung in humanitärer unb wissenschaftlicher Hinsicht erworben habe. Es sei auch bernerkt, daß die 'Anstalt dadurch, daß sie zugleich Gelegenheit bietet, sich auch in der: Talmudischen Disziplinen auszubilden, zu einer Präparandir: für das Rabbinerserninar geworden. — Nachdem au: vergangenen Mittwoch, 2. d. Mts., die offizielle Amtsübertraguug an der: r:euen Rabbiner unsrer Gemeinde, Herrn Dr. Guttmann, erfolgt war, fand an: letzter: Freitag Abend seine Einführung in den neuer: Tempel stall. Beim Eintritt des neuer: Seelsorgers intonirte Orgel unb Chor eine Hymne, worauf Herr Dr. Guttmann das übliche Gebet sprach. — Arr: nächsten Tage (Sonnabend» hielt derselbe seine Antrittsrede, ir: der er sein warrrres Interesse für die Pflege des Jndenthums aussprach und anlehnend an die Eir:gar:gsworte des Wochenabschuittes, die Mitglieder feiner Gemeinde aufforderte, eifrigst mitzuarbeiten ar: den: Werke der Merrschheit. — Bei beider: Gelegenheiten war der Tempel bis auf der: letzter: Platz gefüllt. ) Hirschberg i. Schl., io. März. Ter hiesige israeliti sche Kr ar:ker:pflege - ur:d Beerbig::ngs-Verei n, welcher au: 20. Januar v. I. gegründet wurde, feierte arr: 0. d. Ri. <7. Adar: unter reger Be theiligung seiner Mitglieder im Saale des Hotel zum Deutscher: Hause sein erstes Stiftungsfest. Die in: Statut vorgesehene Abhaltung eines Gottesdienstes am N ach mittag des 7. 'Adar in hiesiger Synagoge wurde verweigert, obschor: Kultusbearnte, Vorsteher und Repräsentanten, sowie drei Viertel der Gemeinde Mitglieder des Vereirrs sirrd. Die Feier, welche daher nur ir: einem Festmahl bestand, wurde vor: dem Bereinsvorsitzeuder: Herr:: Gattet durch Begrüßung der Aruvesender: eröffnet. Der: erster: Toast brachte der Kassirer des Vereins, Kaufmann W. Pollak auf Se. Maj. der: Kaiser aus. Weitere Toaste galten den Ehrerunitgliederu, der: Gründern des Vereins, sowie den derzeitiger: Vorstehern. Nach Aufhebung der Tafel verblieber: die Mitglieder rwch bis nach Mitternacht gemüthlich beisammen, und wird das Stiftungsfest, das in jeder Beziehung würdevoll verlief, der: Betheiligter: in angenehmer Erinrrerung bleiben.!<p. Samter, 7. März. Die Mitglieder des hier seit vieler: Jahrer: bestehender: Vereins „Sukkath Scholar:m", dessen Hauptaufgabe ir: der Förderung des Thorastudiums unter der: Gemeindemitgliederr: durch Unterricht und Vorträge liegt, begingen gestern, den siebenter: Adar, ein seltenes, aber auch erhebendes Fest. 'Anlaß hierzu bot der Urrrstand, daß Herr Rabbiner Dr. Wreschner in der: Vortrügen, welche er seil 3fä. Jahrer: regelmäßig zwischen derr: Mincha- und Maariwgebete im eigens dazu erbauten Lehrhause der Chebra gehalten hat, an: Schluß des letzter: Mischrratraktates ar:gelar:gt war. Vor zahlreich versarnrrrelterr: Publikurr: ergriff an: gedachter: Tage Herr Dr. Wreschner in demselben Raunre das Wort zu einem einstündigen Festvortrage, der anknüpfend ar: die Schlußworte der Mischrrah ur:d des Talmuds sich über die Nothweudigkeit der Förderung des Thora-Studiums verbreitete Hierauf folgte eine Bervirthung der Mitglieder durch der: Vereinsvorstand ,die Herrer: I. Gerslnann, L. Wagner und H. Posner», bei welcher Gelegenheit Herr Dr. Wreschner auf dieser: einen Toast ausbrachte. Nach einer Erwiederung durch das älteste Mitglied, Herrn Krakauer, schloß die schöne Feier, die beredtes Zeugniß dafür ablegte, daß in unserer Gemeinde noch Interesse für die Bethütiguug echt jüdischen Geistes herrscht, der aber besor:ders durch Herr:: Dr. Wreschrrer mit Wort und That reich genährt und gepflegt wird. -i- Rogasen, 7. März. Vorgestern veranstalteten im Hotel „Alexander park" die Schüler und Schülerinnen der Oberklassen unserer jüdischen Schule eine Abend unter Haltung zum Besten der jüdischen Ortsarmen. Eröffnet wurde dieselbe durch einen Prolog aus der Feder des Herrn