Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- Seite 143 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Toch Eines trübt der Gatten Blick, Tenn Eines fehlt zum vollen Glück, 'nein lieblich Kind, der Gatten Luft, Trückt froh das Paar an seine Brust. ,Jn Stillen klagt des Mannes Herz, ,Jn Stillen weint des Weibes Schmerz; Tenn hat der Herr auch Ueberfluß gegeben. Bleibt einsam doch ihr ganzes Leben. Wohl heiter sucht der Mann zu scheineil. Die Frau mit Lieb' die Lust zu einen; Doch das, was Beide schwer bedrückt, Tllrch Lieb' lttld Lust und Freude blickt. To waren ballg der Jahre zehn vergangen, Ts stillt kein Gott ihr heiß Verlangen, Des Weibes Rosenwangen bleichen, Tie letzte Hoffnung will entweichen. Tenn was schon längst des Mannes Herz bestürnlte Was hoch den Wogeudrang der Seele thürnite. Es brach des Schweigens Damm entzwei: stöhnt die Brust den Schmerzensschrei: .Ein grauenvoller Fluch aus Himlnelshöhen, .Läßt Kinderfreud' uns nimmer sehen. Und laffen muß der Väter Erbe Ich fremder Hand, wenn einst ich sterbe. Kein theurer Sohn schließt nttr die Augenlider, Nicht eine Thräne fällt aufs Grab mir nieder; Mir rneine Seel' keill fromul Gebet, Wenn sie vor Gottes Throne steht. Drum theures Weib, so sehr mein Herz Dich liebt. Wie schwer Dich auch mein Wort betrübt. Ein Mahnruf will's, wir müssen scheiden: Ich luuß nach dem Gesetz Dich meiden!" Wie wenn sie kalte Todeshalld ersaßte, Stand stulnm das Weib, stand ltnb erblaßte. Kein Seufzer hob das arme Herz, Das Aug' nur blicket himlnelwärts. Vor Rabbi Simon ben Jochai tritt Das arme Paar mit scheuem Schritt: „Du bandst uns einst das Eheband, „Nun lös' es ivieder Teilte Hand." So sprach der Mann, „denn killdertos zll sterben. Daß Freulde lachend uns beerbell. Das bleibt in Israel ein Spott, Wir trennen ulls, so will es Gott." „UndDu, mein arrnesWeib, zieh hin in Frieden, Trag in Geduld, was Gott beschieden; Nimlu Hab' und Gut, ja llimnl Dir dralls Das Liebste mit ins Vaterhaus." „Nun gut, so sei's", sprach Simeon der Weise, „Jedoch, bevor ihr trennt die Lebensreise, Rust wie dereillst zllUl Hochzeitsfest Zullt frohen Mahl die Freund' uub Gäst'. Wie ihr gefeiert einst die Herzenswahl, So trennt Euch auch nach frohenl Mahl." Bell Jochai baut auf seinen Witz, Tie Frall dllrchfährt eilt Hoffnungsblitz. Ein Gastmahl wird mm hergerichtet. Weil draus der Rabbi nicht verzichtet. Es tommen Freunde, jung und alt. Der Becher klillgt, das Lied erschallt. Doch bei dein sonderbaren Trinkgelage, Das fördert Lust und Scherz zll Tage, Mußt keilier all der frohen Zecher, Daß man hier trinkt ben Wermuthsbecher. Tenn Wenn nt h war's, ein bitt'rer Kelch der Leiden, Mit ihm verschloß das Hails sich allen Freliden: Drum trinkt der Wirth, den Schmerz zu bannen. Bis mall berauscht ihn trägt von dannen. Da ruft das kluge Weib ben Trägern zu: „0 bringt den Mann mir sanft zur R uh, 0 tragt ihn in mein Vaterhalls, Dort nlht er llugestörter aus." Im Vaterhaus, aur weicher Lagerstätte Läßt sie ihn nlh'n, und an dein Bette, Sitzt trelltich sie die gallze Nacht, Bis aus dein Schlaf der Manll erwacht. „Wo bin ich hier? Wie kam ich in dies Haus hinein"? Fragt staunend er beim Morgenscheill. — „Nimm Hab' und Gut, ja nimm Dir dralls, „Das Liebste mit ins Vaterhaus," Versetzt das Weib, „das, Thelirer, siild ja Deine Worte, Tu sprachst sie aus aul heiligell 0rte. Das Liebste llun Hab' ich gellommcn, Ulld bin ills Vaterhaus gekolllmeu." Da gtüllzt im Aug' ihm eine heiße Thräne, „Tu bist mir werther, ruft er aus, als neben Söhne, Nicht Scheidung, Weib, nicht Treunung, nein! Ich bi ll lllld bleib auf ewig Deili! Spvechsaat. Geehrter Herr Redakteur! Verschiedene in der in Rr. 8 Ihres Blattes veröffelltlichten Korrespondenz ans Hamburg enthaltene Jrrthümer veranlassen den Unterzeichneten, Sie freundlichst um Aufnahme der llachfolgellden Berichtigung zll bitten: 1. hat Hamburg keineswegs nur Konfessions-Schulen aufzuweisen, >m\ neben den hiesigen staatlich geleiteten Schulen, welche sämmtlich i onfessionslos sind, eristirt hier noch eine Anzahl privater Simultanschnlen. 2. ist mir persönlich ein an einer hiesigell Staatsschllle wirkender Lehrer jüdischen Bekemltnisses bekannt: 3. schicken die hiesigen Eltern ihre Töchter llicht in christliche LUldern in theils von Juden, theils von Ehristen geleitete Simultan- 'chulen und werden hoffentlich dabei bleibell, trotz der Gründung einer lüdischen Töchterschule; 4. ist für den Religions-Unterricht durch zwei Religions-Schulen eie eine orthodoxer, die andere freisinniger Richtung, in ausreichellde, Weise gesorgt. Schließlich luag noch darallf hingewiesen werden, daß gerade llächst >er Toleranz llnserer Behörden ltnferen Simllltallschulell das zwischen Juden und Ehristell hier bestehende gute Verhältnis; zu verdanken ist, so daß der Ailtiselllitislnns hier nie Boderl finden kolmte. Hamburg, den 23. Februar. Ein Ham du rger. MisceUen. * Vor neunzig Jahren. Die „Mittheilnngen alls dem Verein zur Abwehr des Antiselnitisllllls" bringen eine Llbschrift des uachstehew den Reskripts: Es ist der nnterzeichnetell Landes-Polizep-Stelle zur Kenntnis; gekommen, daß zwischen den christlichen Unterthanell mld jü^ dischen Eingeseßenen in Uhlstadt und Sllggenheim im Neustädter Kreise darüber Mißhelligkeitell entftanben sind, daß man dell Gedanken gefaßt, es sep der im letzt abgewichenen Monalh März vernlißt und nach einigen Tagell auf einem Acker tod gefllnden wordene 2jährige Knabe des von Frankensteinischen Pächters Atatthäus Makel auf dein Buchhof ohnweil Uhlstadt von Juden Behufs der Feper ihres 0ster-Festes ermordet worden. Je thörigter dieses längst widerlegte Borurtheil einer intoleranteren Vorzeit schon an sich ist, und so wenig dessen Fortpflanzung delll gegenwärtigen helleren Zeitalter zllr Ehre gereicht, desto weniger hätte lnan in delll vorliegenden Fall, wo durch eine gerichtliche Unter