Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- 4 Redner geschätzt, sondern als stets bereiter Helfer und Berather der 'Armen und Vertheidiger der Unterdrückten und Verfolgten geliebt und verehrt. Bezeichnend für seine Denkungsart und Gesinnung ist der Brief, den er dem Komitee der Protestversannnlung gegen die russischen Greuel (Mausion House-Versammlung) im Jahre 1882 zusandte. Er schrieb: Ich bedauere unendlich, daß früher eingegangene Verpflichtungen mich, verhindern, mich im Mansionhaus gegen die an den Juden verübten Exzesse auszusprechen. Indessen fühle ich mich in den: Glauben getröstet, daß Englands Herz eines Schlages ist in dem Gefühl der Entrüstung über das unmenschliche Handeln der russischen Horden. Wir Alle, Männer und Frauen, empfinden die innigste Theilnahme für unsere Brüder, über die man Plünderung und Tod, und noch mehr für unsere Schwestern, über die man noch Schlimmeres als Tod, Schändllng, gebracht hat. Unter solchen Umständen wird es des rednerischen Schmuckes nicht bediirfen. Als „Christ" finde ich den Namen unsers Erlösers durch solches Vorgehen seiner Bekenner geschändet: als „Noucorformist und Liberaler", der allen Menschen das gleiche Recht zugesteht, in Freiheit und Sicherheit zu leben, muß ich gegen einen Stand der Dinge protestiren, der die Juden für vogelfrei erklärt; als „Mensch" endlich trauere ich im innersten Herzen, daß Menschen solcher Verbrechen fähig sind und Rußlands Boden mit jüdischem Blute beflecken. Wozu aber selbst diese wenigen Worte? Die Unterdrückten finden sicher überall dort Vertheidiger, wo Engländer sich finden. Rußland. ' Petersburgs 18. Februar. Wie gemeldet wird, hat die ft o m m u n a l v e r w a l t u n g v o n ft i e w ihren diesjährigen Voranschlag mit einem Ausfall von 188,000 Rubel abschliefien müssen, welcher ausschließlich auf den durch die Ausweisung fremder Juden verursachten Einnahmenentgang znrückzuführen ist. Diese Ziffer stelle übrigens, wie eingeweihte ft reise versichern, den thatsächlichen Abgang nur annähernd dar, da mit Bestimmtheit noch ein weiterer namhafter Rückgang der Kommunalei nnahmen von .Kiew vorauszusehen sei. Auch andere größere Städte Rußlands werden in Folge der Judenausweisungen beträchtliche Einbußen an ihren Einnahmen zu erleiden haben. Nach dem vom Domänen::: in: sterinm vorgelegten Projekte eines Bergwerkstatutes für die Weichsel-Gouvernentents ist den Israeliten der Bergwerkbetrieb nicht gestattet. Bulgarien. X Sofia, im Febr. 'Nach bangein und langem Schmachten in der Untersuchungshaft wegen der Blntbeschuldigung in Wrazza, trat endlich eine Wendung in den Gang der Untersuchung ein. Wir haben bereits vor mehrereil Wochen über die Enthaftung dreier Angeklagten berichten können. Bor ilngefähr o Tagen wurden auch die andern in der Untersuchungshaft befindlicher: Juden auf freien Fuß gesetzt. — Wir wollen nicht unterlassen, zu berichten, wie hilfreich die Spaniolen sich ihren Brüdern in dem Unglücksfalle gezeigt haben. Schon im Beginn des Prozesses, als die Intervention der spanischen Gemeinde bei der Behörde nicht den gewünschten Erfolg versprach, da übernahmen es einige Gemeinden kollektiv, die Lasten des Prozesses zu tragen — und bestellten den renommirtesten Advokateii Herrn Stoilow zum Vertheidiger. Letzthiii, als es sich darum handelte, die Kaution zum Zwecke der Enthaftuilg zu erlegen, welche die nrinen Opfer der infamen Blntbeschuldigung nicht aus eigenen Mitteln zu decken in der Lage waren, da wurde dieselbe in der Höhe von 10,000 Frcs. von Privatpersonen der hiesigen wie der Rustschuker Gemeinde aufgebracht. — Mail sieht, daß die Solidarität unter den spaniolischeil Juden noch eine goldene Münze alter Prägung ist, welche in Zeiteii der Gefahr ihren vollen Kurs besitzt, lieber den Gang der Untersuchung, welche noch immer geheim gehalten wird, verlautet, daß 'Alles darauf schließen lasse, der Mord sei von der Verwandtschaft des ftiildes angezettelt. Die Verhandlung wird hoffentlich bald Licht in dieses Dunkel bringen und die Unschuld der Juden beweisen. Die Verhandlung betreffs der Demission des Herrii Rabbiners Dr. D a n - kovitsch haben noch zu keinem Endresultate geführt. Dr. Dankovitsch hat nun seine Bedingungen (!i gestellt, er verlangt die Auszahlung eines 0 monatlichen vollen Gehaltes sowie freies Ouartier und Reisespesen — das Komitee seinerseits will dem scheidenden Rabbiner 400 Frcs. geben. — Es will uns bedünken, daß die Gratifikation eine recht anständige Sumlne für eine arme Gemeinde voll kaum 14,000 Seelen ist, in welcher die materiellen Verhältnisse von Tag zu Tag zurückgehen. Von Nah und Fern. * Der Prozeß A hl warbt hat am 10. d. M. begolmen und neu.' Daten zur Beurtheilullg der Antisemitenbeweguug gebracht. Wir werde:, über Inhalt und Ergebllis; der Gerichtsverhandlungen in der nächster Nummer berichten. — Die sogenannte T Heuerungs-ft ommission de: Stadt Berlin hat u. A. auch an den Israelitischen Miethe-Hilfs verein 500 Mark bewilligt. — Gegen das Gebühren der „Kreuz-Ztg? in der Judenfrage zieht nun auch das „Konservative Wochenblatt" mst energischen Worten zu Felde. — Die goldene Hochzeit feierte an: 15. Februar Herr Michael Bermanski in Berlin, ein Mann, der durch seine Uebertragung hebräischer Werke ins Polnische sich groß« Verdienste um die Wissenschaft des Judenthums erworben hat. — Sein sünfzigjö hriges Bestehen beging in festlicher Weise am 18. Januar der Verein „Segulath hanefesch" in Rogasen. — In Breslau hieb jüngst Herr W. Bambus einen Bortrag über die Kolonisation Palästinas. Der Vortrag bildete den Ausgang zur Gründung eines Zweigvere ns des „Esra". — Nachdem die Antisemiten in den letzten Wochen die Neumark zu ihrem Versuchsfeld gewählt hatten, leitete am 10. und 11. Februar Herr Lieentiat Gräbner durch Vorträge in Friedeberg unb Woldenberg in erfolgreicher Weise die Gegenagitation ein. — Der bekannte 'Antisemit Dr. Hentschel, der vor Jahresfrist aus Baden ausgewiesen wurde, hat sich nunmehr int .Kreise Frey stad t in Schlesien ein Rittergut gekauft. Danach scheint das Geschäft nicht unein träglich zu sein. — Zum kanten er Knabenmord meldet die „Kreuz Zeitg.", daß der Untersuchungsrichter Brix ins, der Schwiegervater des Rechtsanwalts Fleischhauer «Vertheidiger des Schlächters Buschoff» um seinen 'Abschied eingekommen sei. Nach anderen Meldungen wäre Brixins vom 'Amt suspeudirt worden. — Die „Saale-Zeitg." schreibt: „In den: benachbarten Hohenthurm hielt am Sonntag Pastor Vogeler aus Beckendorf bei Halberftadt Probepredigt. Auf Antrag des Patrons und des Kirchenrathes hat das königl. Konsistorium als Vermittlung und zur Herbeiführung friedlicherer Verhältnisse in der Gemeinde eine:: Stellentausch angeboten. Der tmrrf) sein Auftreten in konservativen und antisemitischen Versammlungen bekannt gewordene jetzige Geistliche de: Gemeinde, Pfarrer Werner, wird somit voraussichtlich nach Ostern itacl' Beckendorf übersiedeln." — Der polizeilichen Auflösung verfiel ein« Antisemitenversamlnng in Kevelaer, als Tr. König aus Witten das Verhalten der Behörden in der Aantener 'Angelegenheit kritisirte. — Ter Vorstand des deutsch-sozialen Reformvereius in Leipzig erläßt eine Erklärung, welche darin gipfelt, daß er trotz der Veröffent lichungen des Herr Lucko sein Verhältnis^ zu Herrn Fritsch nich: ändern werde. Das hat auch Niemand erwartet. — Montag, den 1. d. M hielt Herr Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Schwarz in Karlsruhe in dem großen Rathhaussaale einen 1h 2 ständigen Abend-Vortrag übe: Baruch Spinoza. — In einer Versammlung der Studirender der Wiener Universität provozirten die antisemitischen Stu denten einen Skandal, der zu einer Schlägerei ausartete. — In Galatz fand am 4. Februar ein glänzender Ball zu Gunsten des israelitischen Spitals statt. Außer der (kerne der israelitischen Be völkerung nahmen viele distinguirte christliche Familien an demselbe: Theil, darunter auch der Präfekt U. G. Poenaru, wie auch der Bürger meister E. F. Robescu sammt Gemahlin. — Anfangs Januar wurde: die ersten vollendeten vierzig Kilometer der Eisenbahn Jaffa Jerusalem behördlich geprüft und dürften demnächst dem Verkelp übergeben werden können. — Von der Leitung der lünpre^n (lolonisudor des Baron Hirsch in Buenos Avres sind die Herren Prof. Dr. Wilhelu« Loewenthat aus Berlin und Arthur Goldschmidt ans Hamburg soeben zurückgetreten. In die Leitung des Unternehmens sind an ihrer Stelle die Herren Roth und Eullen delegirt. Warum? Druck und Verlag von Rudolf Mvsfe in Berlin Verantwortlich für die Redaktion- Mar Bauchwitz in Berlin Diese Abom Postl unter Ned 3 Von T mann.!«s La Auerba Masvc D Königs! Wern, Miscei nie L Art ti iiai* kn über, cnthäl gewür aller 3 stamm «min windei Achtm und k letzt h and ' noebet aachdc thisch x'icbe 3 :>cS re iitnei Nldlsck iiinb§. i;a()ii Aus '.Wäljr i'creit iileutl 3