Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-05 · Heft 6 (5.2.1892) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 6 (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227938--48598-3269241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Dr. Arthur Jelliuek in NaßOo und Dr. Armin Neumann in Berecz wiedergewählt. Als neue Mitglieder traten mit großer Majorität aus der Wahl hervor: Baron Armin Popper in Czaeza, Dr Paul Mandel in Alst', Leudva, Dr. Julius Rosenberg in Nemet Ujv-,r und Dr. Soma Visontai in Neusalz. Außer Visontai gehören sämmtliche jüdische Reichstagsmitglieder der Regierungspartei an. Eine Antiselniten-Partei eristirt im ungarischen Reichstage nicht ueehr. * Budapest, 25. Januar. Kultusminister Graf Csaky, der in Temesvar eine jüdische Deputation in Angelegenheit der Rezip irung der jüdischen Religion empfing, erklärte derselben gegenüber: Die von ihr verlangte Gleichberechtigung ihrer Religion werde bei ihm, da er ein Liberaler sei, auf keine Schwierigkeiten stoßen, und dies um so weniger, als die Juden durch ihren Patriotismus, ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten längst die Grundlage geschaffen haben, auf welcher fußend sie die gesetzliche Gleichberechtigung ihrer Religion fordern können. Er halte die gesetzliche Jnartikulirung dieser Gleichberechtigung nur für eine formelle Sache, welche nur dann einen wirklichen Werth und eine entsprechende Wirkung haben werde, wenn sie gesellschaftlich angemessen vorbereitet ist. Er wisse übrigens, daß für die gesetzliche Jnartikulirung der Boden bereits vorbereitet sei und die Lösung der Aufgabe auf keine Schwierigkeiten stoßen werde. Amerika. * New-'))ork, io. Januar. Das vor acht Jahren mit etwa zwanzig Schülern begründete H e br ew - Techn ica l - I nst it ut zählt gegenwärtig, wie bei der am Sonntag abgehaltenen Jahresversammlung des Direktorenraths konstatirt wurde, mehr als 150 Schüler, worunter 10 Insassen des jüdischen Waisenhauses. Ter Gründer und frühere Direktor des Instituts, Dr. Henry M. Leipziger, ist während des verflossenen Jahres zum Hilfs-Superintendent der städtischen Schulen ernannt worden; an seine Stelle trat als Direktor Tr. Otto A. Moses. Tie Zahl der „Patrone" des Instituts beträgt z. Z. 140, die der Mitglieder 519; die Einnahmen betrugen in dem am 31. Dez. abgelaufenen Jahre $21,071, die Ausgaben $18,541. Die Beamten des Instituts sind James A. Hoffmann, Präsident; Josef B. Blvomingdale, 1. Bize-Präsident; Otto A. Moses, 2. Bize-Präsident; Leo Schlesinger, Schatzmeister; Josef Wetzler, Sekretair, * Cincinnati, 11. Januar. Ueber den von uns bereits gemeldeten Beschluß desKongresses der Verein igten Staaten bringt die „Teborah" nachstehenden interessanten Bericht: Der Kongreß der Bereinigten Staaten verwarf den "Antrag, hunderttausend Dollars aus der Staatskasse für die Nothleidenden in Rußland zu spenden und ein Schiff den Spenden: zur Verfügung zu stellen, das Niehl und Getreide für dieselben nach Rußland befördere. Es wäre auch höchst unvernünftig gewesen, den Antrag anzunehmeu, da Rußlands .Kaiser uitb Adel die reichsten in der Welt sind und unsere Regierung nicht mit so einer Lumperei von Almosen anfangen muß. Rußland hat seit Jahren die Welt mit Bettlern überschwemmt und hat in ben letzten fünfundzwanzig Jahren einige Hunderttausend seiner erdrückten unb beraubten Unterthanen an uns abgesetzt, es ilns überlassend, für dieselben zil sorgen. Wir schulden Rußland nichts und Sympathie für Rußland wäre ein Verbrechen cm der Menschheit. Ueberdieß würden die Hungernden von hunderttausend Dollars doch keine Huilderttausend Cents bekonnnen. Tie Beamten fressen Alles. Das ist aber nicht die Hauptsache, die wir berichten wollen. Tie Hauptsache ist der derbe Nasenstüber, ben Rußland im Kongreß der Vereinigten Staaten bekommen hat, nicht von ben südlichen Demokraten, wie unser republikanischer Nachbar gemeint, sondern auf Veranlassung eines nördlichen, christlichen Republikaners, Herrn Mörse. Dieser Repräsentant im Kongreß, wie im offiziellen Organ des .Kongresses auf sechsunddreißig Seiten zu lesen ist, beantragte, als Zusatz zürn Anträge, daß in der Vertheilung der nach Rußland zu sendenden Lebensmittel für die Nothleideudeu kein Unterschied gemacht werde zwischen Christen und Juden. Dari'iber entstand eine Debatte, in welcher Jenlaud vorbrachte, daß der Kongreß kein positives Wissen davon habe, daß überhaupt irgend eine religiöse Sekte in Rußland vom Genüsse der bürgerlichen Rechte ausgeschlossen sei. Das konnte sich Herr Mörse nicht gefallen lassen. Er legte also das Buch, in dein die russischen Gesetze gegen die Juden zusammengestellt sind, auf den Tisch des Schriftführers und beharrte darauf, daß die ganze Kvnzilation dein Kongresse vorgelesen werde, was auch geschah, so daß jetzt die ganze infame Gesetzgebung Rußlands gegen seine jüdischen Unterthanen bem amtlichen Protokoll des Kongresses Wort für Wort einverleibt ist. Darauf hin wurde der Antrag verworj i hunderttausend Dollars zu bewilligen und ein Schiff zur Verfügung stellen, um Getreide, Mehl und andere Lebensmittel nach Rußland : eroediren. Und jetzt weiß alle Welt, wahrscheinlich auch die ritffifd.c Politiker, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten gegen die in dlxm land an den Juden verübte Barbarei so nachdrücklichst prvtestirt, da! derselbe einer projektirten Wohlthätigkeit seine Zustimmung verweige muß, was ohne Präzedenzfall in diesem erlauchten Körper dasteht. Rußland von diesem derben Nasenstüber Notiz nehmen wird, ist nid voraus zu sehen, jedenfalls aber ist dieses die stärkste moralische Zücb gung, die Rußland für seine Judenverfolgung noch erhalten hat. Von Voll nnd Fern. Aus zahlreichen preußischen Gemeinden gehen uns Berichte ül. Synagogen- und Schulfeierlichkeiten zu Ehren des Geburtstag Seiner Majestät des Königs zu. Festrede, Chorgesang, die Re tirung von Psalmen und das Königsgebet bildeten gleichmäßig de Programm der Festveranstaltungen. — In dem Prozeß gegen den früher. Rektor Ahlwardt, den Gras Caprivi Namens des Staatsministeriun angestrengt hat, habe::, wie man hört, schon eine Reihe voll Zeugenve nehnlilngen stattgefunden. — Nach einex Zeitungsnotiz ist der Teruu zur Hauptverhandlung in der Strafsache Paasch in 3 bis 4 Wochc zu erwarten. — In Rybnick starb am 16. Januar Herr Saunt. Sch äff er, Stadtverordneter und Vorsteher der Synagogengemeind Der Magistrat und die Stadtverordneten rühlnell von ihm in eine. Nachruf: „Er war uns stets ein treuer Berather von den ausgezeichnetst: Charaktereigenschaften." In der ungewöhnlich großen Trauerversammluu befand sich auch, wie der Oberschl. Anz. meldet, der Landrath dc Kreises. Herr Rabbiner Dr Blumenthal aus Ratibor hielt die Traue, rede. — Mau telegraphirt aus Oppeln am 1. Februar: Unter altgmeiner, lebhafter Theilnahme der Bürgerschaft wird hier heilte de 81. Geburtstag des Rabbiner Dr. Wiener gefeiert. Magistn und Stadtverordnete überreichten ihnr aus Alllaß dieses Tages de Ehrenbürgerbrief. Abends findet ein Banket statt, an dem u. A. d Spitzel: der katholischen und evangelischen Geistlichkeit theilnehmc werden. — Im Verein „Mekor-Chajim" zu Frankfurt et. M. hielt gestcr Abend Herr Dr. Sulzbach vor einem zahlreich erschienenen Publikm eilten mit lebhaftestem Beifall aufgenomtuenen Vortrag über Je hu tu Halevi. — In Hamburg wird die Gründung einer jüdischen höhere Töchterschule geplant. — Der unseren Lesern wohlbekannte öfter rei ch ische Antisem itenführer, Mechaniker mtb Reichsrathsabgeorduel Schneider wird, wie von antisemitischer Seite mitgetheitt wird, de Verhandlungen des vom 14. bis 16. Februar in Berlin ftattfinbenbei deutschen Handwerkertages beiwohnen und ultutittelbar darauf in eine öffentlichen Versammlung über die „Lösltug der Judenfrage" sprechen. Prof. Tr. Glu ge in Brüssel, Arzt und :ned. Schriftsteller, wurb anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Akademie der Medizin zun Ritter des Leopoldordens ernannt. Tr. Gl::ge ist der einzige Jud Belgiens, welcher dieser Auszeichnung theilhaftig wurde. — Der Präsiden der französischen Republik Carnot besuchte das Atelier des berühmte russischen Bildhauers Antokolsky. Unser Künstler, welcher Jude in hat mehrere hervorragende Kunstwerke vollendet, voll welcher: einige von Zaren angekauft wurden. — Am 27. Januar beging die Londone Reformgemeinde das Fest ihres fünfzigjährigen Bestehens. Ausführ liehen Bericht bringen wir im Hauptblatt. — Aus Warschau n:elde man: Herr Bernhard La über, der Hauptagent des Baron Hirscb bereist das ganze Königreich Pole:: in Betreff der Uebersiedelung de Juden nad) Argentinien. Ueber 2000 Familien haben sich bis jetzt ge meldet. Tie Noth wlter den Inden in den einzelnen Gouvernements ii herzzerreißend. In: Frühjahr wird eine Massenauswanderuug der Inder über den Ozean erwartet. — Eiue Festlichkeit zu Gunsten des jüdische: Waisenhauses in Brooklyn, das gegenwärtig 101 Kinder beherberg: ergab einen Ueberschuß von 10,000 Dollars :40,000 Mark); eine Samm Klug zu Gunsten des „Israelitischen Waisenhaus-Uuterstützungsvereills' in Newark brachte 2100 Dollars. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.