Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, 5. Februar 1892. lpistischei Ztadtver Ordmlng enlen der l worben 56. Jahrgang. Ur. v. Allgemeine ettung des Zudenthums. . Stiebe! nnlungs lung der tona isl zestorben. 3ett fand Januar tt. Bei Großh. it Seiner Gm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Nalilrrner SW Ludwig Philippson-Bonn. Verlags-Expedition: Gerlin, Ierusalemerstr. 48/49 Diese Zeitung erscheint w 5 ch e n t l i ch. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedacteur: Gustav Karpeles. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Iben von er neuen n Herrn d Straßs Unterchen hat, den vom Vertreter als neu- Andienz ckt. Arzt, n Wohl- Fan tl. ölkerung Z ist Herr n.—Von >ben vor: Kling" dienten mm in pariser e öffentrurtheilt l Henri Spiegeldinals kt. Der »ew ährte ^folgten eineldet: äug der die Be- >en, da s Roth- Herren Armen Kongreß 0011 der üt einer Beschluß ng, mtb lthenden Juden, lte Zeit Leitartikel: Der neue Vvlksschnlgeseh-Entwurf. Aon Dr. H. Boaelstein und Tr. I. Biberfeld.--Praktisches Judentbum. Von A.Levy. — Religiöse Bedenken. Von Dr. jnr. H. Levisoli. — Die Vergeßlichkeit und ibre Folgen. Bon Dr. Stern. -- Zum 50jährigen Jnbiläum der Reform- Gemeinde in London. Von Benas Levy. — Wissenschaft und Litteratnr: Römer und Juden. Von Marcus Landau. (Forls.) — Neuilleton: Eine Blume. Von Elise Orzeszko. (Schluß. — Der heilige Herr. Roman voll Ferdinand Dieffenbach. (Forts.) — Der Gemeiudebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Breslau, Gnesen. Kattowist. Jnowrazlaw. Detmold. Aachen, dkiedervlm, Hannover. Eallstatt. Budapest. New-Bork. Eincinnaii. — Bon Nah und Nern. — Sprechsaal. — Miscellen. — Bei der Redaktion eingegangene Bücher. Brr neue Uolksschulgeseh-Gntwurf. Berlin, 2. Februar. Das neue Boltsschnlgesctz steht natürlich »och immer int Vordergrund der allgemeine» Diskussion. Obwohl ruisere Sonderinteressen i»! der siinftägigen Redeschlacht des Abgeordnetenhauses »och nicht in Frage j standen, haben die Herren v. Hammerstem und Stöcker es doch für gut j befunden, bereits schon jetzt das Jndenthum anzugrcifc» und den Kampf j gegen den Entwurf der „liberalen jüdischen Presse" in die Schuhe zu j schieben. Bedauerlicher Weise hat sich auch der alte Peter Reichen-! sperger diesem edlen Dioskurenpaar angeschlossen. Wir bringen mm in i Folgendem zunächst eine Antwort auf die Anklage, welche in der Rede i des greisen Centrumsfnhrers enthalten, sodann aber eine materielle Darlegung des Gesetzentwurfs, insoweit derselbe für die jüdische Rej ligionsgesellschaft, ihre Schule und ihre lernpflichtigen Kinder von! Bedeutung ist. Der erste Tag der Bvlksschnldebatte, an welchem mit Ausnahme der Freisinnigen alle Parteien zum Worte gekommen sind, hat nur die Ansicht bestätigt, daß der von der Regierung vorgelegte Entwurf in seinen wichtigsten Bestimmungen bei der Volksvertretung Annahme finden und das; im günstigsten Falle einige Härten des Gesetzes etwas gemildert werden. Aber eine lleberraschmig, und zwar eine recht unangenehme und betrübende, haben die Verhandlungen uns dvch gebracht. Ter Abgeordnete Reichensperger hat sich veranlaßt gefühlt, seinen Aerger über den Widerspruch der liberalen Presse gegen das Prinzip der strengen Kvnfessionalität der Volksschule in einem äußerst ungerechten Angriffe gegen die Inden Ausdruck zn geben. Er sagte nach dem Zeitungsberichte u. A.: ..Gewundert hat cs wich, wie wenig Achtung die liberale, namentlich die jüdische liberale Presse vor der Verfassung hat, denn sie will nunmehr eine VcrfassungSändernng, blos um jene Institution durchzufiihreii, hinter der sich die religionslose Schule versteckt. Diese Presse eifert auch so sehr gegen die katholischen Privatschulcn, warum thut sie nicht dasselbe auch gegen die jüdischen? Auch zur Zeit des Kulturkampfes war es gerade die jüdische Presse, die gegen uns in heftigster Weise Partei nahm. Und doch bin ich es gewesen, der im Jahre 1854, als ein Beschluß über die Aufhebung der bürgerlichen Rechte der Inden so gut wie zn Stande gekommen war, diesen Beschluß rückgängig machte. Ich möchte die Inden warnen, nicht zu weit zn gehe», denn sie tonnten sonst den Bogen überspannen." Eine solche Sprache konnte man von einem im parlamentarischen Leben ergrauten, sonst so vorsichtigen Manne nicht erwarten. Welche Blätter sind denn mit dem Kollektivbegriffe „jüdisch-liberale Presse" gemeint? Eristirt denn überhaupt eine solche? Oder will Herr Reichcnspcrger etwa all die Zeitungen, bei denen neben oielen christlichen Mitarbeitern und Korrespondenten sich auch ein jüdischer befindet, oder zu deren Miteigeiilhümern onch die jüdischen Aktionäre gehören, mit diesem Titel bezeichnen? Ein derartiges Schlagwort ist man wohl in der„Kre»zzeitung" oder in den antisemitischen Blättern zu finden gewohnt, hört man auch oft genug in den Versammlungen der Christlich-Sozialen. Aber in Parlamente, in dem Munde des 82jährigen Reichensperger, des Seniors des Abgeordnetenhauses, mußte es höchstlich befremden. Wer von den Juden hat denn so sehr gegen die katholischen Privatschulen geeifert? Uns ist keiner bekannt. Im Gegcntheil haben, soweit unsere Kenntnis; reicht, gerade die Bestinnnungen des Entwurfes über Privatschulen in jüdischen Kreisen allgemeine Billigung gefunden, weil sie den Anschauungen entsprechen, die hier seit langer Zeit gehegt werden. Eben weil die Inden jeder Religionsgesellschaft das uneingeschränkte Recht gewahrt wissen wollen, konfessionelle Privatschulen zu gründen, wann und wo immer sie dieselben für ersprießlich erachtet, halten sie ln dem Gesetzentwürfe dm Schulbehörden eingeräumte Befugnis;, auch gegen den Willen und ohne vorherige Anhörung der Vertreter der betreffenden Religionsgesellschaft für die Schulkinder der letzteren von Staatswegeil besondere Schulen zu errichten, für schädlich, sic »vollen, daß keine religiöse Minderheit, sei es nun eine jüdische oder katholische, von der Benutzung der öffentlichen Volksschule ausgeschlossen sei, das; sie aber sich selbst so viele Privatschulen ans eigenen Mitteln gründen möge, als ihr zweckdienlich erscheint. Wem» nun vereinzelte liberale Blätter, die diese unsere Anschauungen nicht theilcn, sich gegen die die Errichtung von Privatschulen erleichternden Bestinininngen des Gesetzes ereifern und hierbei ihre Bedenken gegei» die katholischen Schulen äußern, ohne gleichzeitig gegen die jüdischen Schulen Front zu machen, so ist es dvch lvahrlich höchst ungerechtfertigt, die Schuld au solchem Verfahren uns aufzubürden,