Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 weihuugsfeier unter großer Solennität statt. Herr Prediger Dr. Jellinek hielt die Einweihungsrede. M. Prag, 11. Januar. Auf Einladung des Centralvereines zur Pflege jüdischer 'Angelegenheiten hielt jüngst der geistreiche Schriftsteller Carl Emil Franzos im Konviktsaale vor einer überaus großen Zuhörerschaft einen Vortrag über das Thema: „Das Ghetto und seine Dichter". Nachdem der Präsident des Vereins Herr Sigmund W.authner den Gast in einer herzlichen 'Ansprache willkommen geheißen hatte, ging dieser sofort in medias res ein. Er befaßte sich mit den drei Schriftstellern Verthold Auerbach, Kompert und Bernstein und zeichnete in fesselnder Weise das Verhältniß dieser drei Männer zur Ghettonovelle. Der Vortrag war voll der interessantesten Details, und Franzos schmückte denselben auch durch fesselnde Erinnerungen aus seinen eigenen Beziehungen zu den drei Dichtern. Das Interesse des Publikums wußte der Vortragende bis zum Schlüsse ungeschmälert wach zu erhalten, und als er geendet, lohnte ihm das Auditorium mit stürmischem, lang anhaltendem Beifall für die erhaltenen Anregungen und Mittheilungen. Schweiz. Zug « Schweiz), 8. Januar. Bor dem Strafgericht stand dieserTage ein .v> ochst a p l e r Ed mit n d Hu g o 9! emin a r (vorehelicher Sohn des Grafen Nemithy aus Ungarn) unter der Anklage der Urkundenfälschung, des Betruges im Betrage von ca 50,000 Fr. und des leichtsinnigen Falliments. Ter 'Angeklagte entpuppte sich als ein mehrfach (wegen leichtsinniger Erida, Betrugs, llrkundenfälschung, Psanddefraudation) zu Gefängniß resp. Zuchthaus bestraftes Individuum. Cr war früher Privatdozent in Wien, außerordertlicher Professor der Mineralogie in Innsbruck, dann in Wien Redakteur der antisemitischen „Tribüne", desselben Blattes, in welchem Prof. Rohling feine „Antwort an die Rabbiner" veröffentlichte. Rußland. * Petersburg, 10. Januar. Es verlautet zur Zeit viel von einem; Wechsel in Hoheit Beamtenstellen. So wird der Rücktritt des Ministers! des Innern Turnowo als wahrscheinlich erachtet. Der Minister wird unzweifelhaft zum Süudenbock für viele amtliche Fehlgriffe im Zusnnnnenhang mit der Hungersnoth gemacht. Es verlautet, daß Ignatieff, der Gouverneur von Kiew, an seine Stelle treten werde. 'Andere melden, daß Letzterer den Großfürsten Sergius in dem Stadthalterposten von Moskau folgen solle. * Riga, 7. Januar. Der bekannte Polizeimeister unserer Stadt! 'Wlassvwskj ist an Stelle des Generals Iurkowski zunt Oberpolizei-! meister von Moskau ernannt worden. In der Stadt Olszanka, Gouvernement Radow, hat eine Räuberbande Nachts das Haus des reichen jüdischen .Kaufmanns Feibel überfallen und die ganze Familie, aus 8 Personen bestehend, ermordet. Geld und Kostbarkeiten wurden entwendet. Von den Räubern, die theilweise maskirt waren, ist noch keine Spur entdeckt. Von Nah und Fern. - Wir Juden bekommen immer neue Genossen. Jetzt klagt ein österreichisches 'Antisemitenblatt darüber, daß Oesterreich in Berlin durch den „Juden Hansemann" konsularisch vertreten sei. — Aus Crefeld wird uns geschrieben, daß in dessen Umgebung sich ein jüdischer Bettler ntit Familie herumtreibt, der sich als Busch off ausgiebt und so das Mitleid und die Unterstützung erschwindelt. Der Hochstapler sott im Besitz russischer, auf t>cu Namen Schön seid lautender Papiere sein, wonach er vor einem halben Jahre ausgewiesen sei: er scheint aber kein Russe zu sein und führt auch den Namen Stern. Das Publikum wird mit dem Bemerken getvarnt, daß jeder Bettler, der sich für beu .Tantener Busch off ausgiebt, ein Schwindler ist. — Der Einweihung des von Geh. Kommerzienrats) Moritz Becker zu Königsberg für die Bewohner seines Gutsbezirks Palmuicken erbauten evangelischen Gotteshauses wohnte auch Rabbiner Dr. Bamberger bei. — In Tarnowitz ist Herr Tr. Loeweuthal, ein Zögling des Berliner Seminars, zum Rabbiner gewählt worden und hat seine Stelle bereits angetreten. In Leipzig ist die Musikschriftstellerin Frau Dr. Helene Jadassoln, yvr einigen Tagen verstorben. Sie war die Gattin des bek.-nntc» Cellisten Jadassohn. — Herr Rechtsanwalt Thalmann in Frankenthal (Bayern) ist zum Justizrath ernannt worden. — Nach dem Ergebnis^ der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 waren von den 2,040,112 Eiuwohnern Württembergs 12,622 Israeliten. — Oberlandesgerichtsraih Heinsheimer aus Karlsruhe wird, wie badische Blätter berichten, seit dem 4. d. M. vermißt. Mau vermuthet zunächst, daß er sich in dem Zustande von Geistesstöruttg im Hardtwalde umhertreibe. Es sind bereits Nachforschrmgen unter Mithilfe von Militär angestellt worden, indeß bisher ohne Erfolg. Heinsheimer war ein sehr tüchtiger Beamte eund auch als juristischer Schriftsteller thätig. Matt nimmt jetzt au, das; er sich in den Rhein gestürzt habe; Hut und Schirm des Vermißte», sotten bei Maxau gefunden worden sein. — Der Schriftführer des anl; semitischen Bauernvereins, Konrad Haub in Niederweisel, der gleich: zeitig Korrespondettt des „Reichsherold" ist, hatte sich beim Schöffengericht in Butzbach tvegen einer im Oktober au einem jüdischen Ein wohuer von Niederweisel begangenen Rohheit zu verantworten. Da Urtheil lautete auf zwei Monate Gefängnis;. — In Folge jahrelangen Bemühens des Lehrers Germatt Sender zu Tholey sind der jüdischen Gemeinde daselbst von der königl. Regierung zu Trier — nach Mas gäbe des Gesetzes von 23. 7. 47 — die Korporationsrechte verliehen worden. Die Oeffentlichkeitserklärung der Schule ist nur noch eit e Frage der Zeit. — Banquier Moritz Beer hat der Stadt Essen zun; Andenken an seinen in Paris verstorbenen Sohn Karl die Summe von 30,000 Mark für eine „Karl Beer-Stiftung" überwiesen, aus deren Ertrügttissett strebsame junge Leute, die eine Berg-, Hütten- oder ähnliche Schule besuchen wollen, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses Unterstützung erhalten sollen. — Ein außergewöhnliches Jubiläut» beging dieser Tage der Stadtverordneten-Vorsteher in Gleiwitz, Dr. Freund. Er wurde zum fünfundzwanzigsten Male zu;;; Stadtverordneten-Vorsteher wiedergewühlt. Die städtischen Behörde, feierten das Vorkomunüß und die Verdienste, die sich Dr. Freund in Gleiwitz erworben, dadurch, daß sie ihnt das Ehrettbürgerrecht verliehe;;. — Die Herren Gebrüder von Guttmaun in Wien begingen au; O. o. M. unter T heilnah me weitester Kreise ihr 40jähriges Geschäftsjubilä uni — Ein vor Kurzem erschienenes französisches Buch: „Juden und Antisemiten in Europa von Jeatt de Ligneau" bringt nicht nur, wie wir der „Autis. Corr." entnehmen, eine Schilderung des Lebens Stöckers sondern der Hosprediger a. D. wird dort sogar im Bilde vorgeführ; Wir glaubend wohl, daß Männer, die in Deutschland Uttfrieden stiftet;, den Franzosen angenehm sind. — Laut Meldungen aus Moskau habe;; iu verschiedenen Ortschaftett der Gouvernements Pensa und Saratow netterdings In den Hetzen stattgefunden. Den Anlaß dazu bot das aus gesprengte fatsche Gerücht, daß die Juden heimlicherweise große Getreide mengen aufgehäuft Hütten, um eüie Preissteigerung desselben herbeizusühreu. In Sindorowo wurdet: gegen 100 Häuser zerstört und mehrere Mensche;; getödtet itub verwundet. In Saransk wurde der Versuch gemacht, ein jüdisches Bankhaus in die Luft zu sprengen. Es ward indessen nur die Thorhatte zerstört. — Im Jahre 1888 sind zur orthodoxen Kirche in Rußland im Gaitzeu 15,668 Personen übergetreteu. Von diesen Ueber getretenen waren Lutheratter 1660, römisch-katholisch 981, Juden 79!, Muhamedaner 3113. — Der in Kairo eingetroffene katholische Missionär P. Ohrwalder (ein Oesterreicher), der tu Begleitung zweier Nonnen ans der Gefaugettschaft des Khalifen Abdullah, des Nachfolgers des Mahd;, iu Chartutn etttflohen ist, berichtet, daß sich in der Gewalt desselben nebst mehreren Griechen und Italienern auch noch acht Israeliten beftitben. — Madame Bliden in Safed (Palästina), Gemahlin des Herrn Dr. Bliden, befindet sich auf einer Reise nach Amerika, um Betrüge für die Errichtung eines jüdischen Waisenhauses in Safed zu fammeln. Dieselbe hat auch die Safeder jüdische Knabenschule und das Krankenhaus (mit Unterstützung der Baronesse Edmund von Rothschild und die jüdische Mädchenschule gegründet. Truck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. 56. 3 Diese , SlbomiL Post ob unter E Neda 3 zur Bett meine» - beit Jud Wissens Juden. Orzesz «Forts.) De Eharlotl Budapej — Lpr< D D v. Hanse: kvatljt waren Denn gcordn in wel eicht sei sätzlich Relig durch in die« i» zwe des nmwn Goßle Segens Gesetz« Man des C der L sache i wied« ntclifti sätzlicl a n n t C den i rathn Knltn