Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-12-04 · Heft 47 (4.12.1890) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 47 (4.12.1890)
Date
1890-12-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227873--47536-3269064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Berlin, 4. Dezember 1890. 54. Jahrgang. Nr. 47. Zeitung des Zuöeiitbums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner D* Ludwig Pbilippson-Sonn. Verlags-Crpedition: Gerlin, Zernfalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosfe, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Redactenr: Gustav Karpeles. Inhalt. Leitartikel: Zinn Ehanukaseste. Aus dem Nachlasse von Tr. M. Joel. — Häusliche Erziehung. Bon I. Weis. I. — lieber die gesetzliche Regelung der Geulemdeverhältuisse der Juden in Preunen. Bon Mar Klein. II. — Wiener Briese von T. III. — Wissenschaft und Litteratnr: Fanny Lewald. Bon Gnftav Karpeles. — Feuilleton: Der unbekannte Gast. Bon Eduard Kulte (Fortsetzung). — Der alte Arzt von S. L. — Litterarifche Mittheilungen von A. Levv. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Lissa. Tauberbischofsheim. St. Johann. Essen, Wien, Petersburg. Bukarest. — Bon Rah und Fern. - Miscellen. — Briefkasten Zum Lhlttiukafeste. Ans dem Nachlasse vv» Dr. M. Jod. Die Eriniicmng, die wir heute begehe», wenn sie auch »»reine der viele» thenrcn »»d große» Erinnerungen ist, deren Israel aus seinem Gange durch die Zeiten rnid Völker gar manche in seinem Gedächtnisse bewahrt, hat doch gerade etwas, was sie auszeichnet, was geeignet ist, sie unserem Herzen besonders nahe z» bringe», es zu erfüllen mit einer Theilnahnie, wie selbst folgenschwere Ereignisse es kaum vermögen. Das ist der Umstand, daß dabei menschliche Größe und menschliche Leistung am meisten zum Vorschein kommt, daß die göttliche Gnade zlvar wirksam ist, aber das menschliche Verdienst nicht verdeckt und beschattet, daß kein Wunder Israel rettet, cs sei denn die wunderbare Seelengröße und Charakterstärke einer Familie, deren Name Heller strahlt in der Geschichte der Menschheit als alle die Lichter, dir wir zu ihrem Andenken anzünden. Die Maltaöäerfamilie: Sage und Dichtung hat sich ihrer bemächtigt, aber sie bedürfen keiner Sage und keiner Dichtung, ihr geschichtliches Thun und ihr geschichtliches Wirken übertrifft an dichterischem Gehalt 'Alles, was menschliche Phantasie Schönes und Erhabenes ersinnen tan». Tic Sage spricht voii einem Oelkrüglein, das allein rein und lauter geblieben war, als die -Heiden alle andern durch götzendienerische Greuel verunreinigt niid zum Tempeldienst unbrauchbar gemacht hatten. Wahrlich, dieses Oelkrüglein, das sind die Makkabäer selbst. Sie allein nährten die -lautere Gottesflainnie zur Zeit, als fremdes »»heiliges Feuer in den Herzen vieler Abtrünniger gar arge Verwüstungen anrichtete. Jst's ein Wunder, wenn ihnen unsere Bewunderung verbleibt diirch die Jahrtanscnde, wenn wir gern ihr leuchtendes Bild noch einmal betrachten, wenn ihr Name uns gleichbedeutend ist mit Begeisterung für das Wahre, selbstlose Hingebung an das Große, Opferwilligkeit, Charakterstärke nn Seelenadel! Da sehen wir wieder im Geiste den betagten Priester Mathatias, wie ihm heiliger Zorn die Streitart in die welken Hände drückt, wie er allein es wagt, der heidnischen Schaar entgegenzutreten, wie er aus seinem Sterbebette seine Söhne ermahnt, nicht sich zu schonen, sterbend zu kämpfen und, wenn es sein muß, zu fasten für die Erhaltung des Gutes, das höher steht als das Leben. Da steht wieder vor uns das Bild seines mächtigen Sohns, des Juda, mit dem Beinamen Makabi, der Hannner, weil er wie ein Hammer auf die Feinde fiel, weil vor seiner Begeisterung die Sklavenhorden des Antiochus nicht Stand hielten, weil er der Welt die erleuchtende Lehre gab, daß man anders kämpft für eine Idee und anders um schnöden Gewinn. Und nach erfochtenem Siege, da sehen wir ihn nicht im Uebermnth sich seiner Siege freuen, sondern nach dem Tempel zieht er hin, nach dein Tempel, der entweiht durch ein Götzenbild, um ihm loieder den alten Glanz und die alte Herrlichkeit zu geben. Ja, das Tempelweihfest, das Ehanutafest, es erinnert an einen Moment in Israels Geschichte, wie er erhebender nicht ausgedacht und nicht ersonnen werden könnte. Aber, so erhebend die Erinnerung ist, bei der bloßen Erinnernng es bewenden zu lassen, heißt nicht, seine Pflicht erfüllen. So schön auch die Erinnerung ist, die Nachahmung und Nacheiferung ist noch besser. Müssen wir nicht fragen: Was hat Israel in jene Lage gebracht, die nur durch Makkabäische Gesinnung und That gebessert werden konntet Müssen wir nicht fragen, ob nicht vielleicht jene alte Zeit noch geeignet ist, ihre Schlaglichter auf die gegenwärtige zu werfen? ob wir nicht aus ihr Lehren »nd Mahnungen gewinnen können, wie sie der Bedeutung jener Ereignisse entspricht? Wenigstens ist cs eines Versuches werth. Man ist gewohnt, die Schuld jener traurigen Zustände, die den Maktabäerkampf hervorriefen, dem tyrannischen Gelüste des Antiochus zuzuschreiben, der religiösen Gemeinschaft, die den wahren Gott ans ihre Fahnen geschrieben hatte, das Heidenthum und den Götzendienst auszuzwingen. Auch ist das eine geschichtliche Thatsache, die keinen Zweifel znläßt. Wer aber, sagen wir, hat den Antiochus ans diesen verhängnißvosten, für ihn selbst so verderblichen Plan gebracht? Die Antwort ist nicht gerade erhebend, sie fällt zu unserer Beschämung ans. Abtrünnige Israeliten, die vom äußern Glanze des Heidenthllins geblendet, an dem ziigellosen Leben desselben mehr Gefallen fanden, als an dem ernsten, von Sitte und Zucht gebändigten, aber innerlich glücklichen Leben des alten Israel, hatten die Verräther an einem Hofe gespielt, für den es weder religiöse, noch überhaupt höhere Interessen gab. Das Unternehmen des Antiochus, es erinnert leider gar zu sehr a» die alte schöne Sage von der Erschaffung des Eisens. O'NNIV Smn jroatp si'2 sagen die alten Lehrer. Als das Eisen erschaffen wurde, da fingen die Bäume zu zittern an. Jetzt meinten sie, sei ihr Feind

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.