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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-27 · Heft 46 (27.11.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 46 (27.11.1890)
Date
1890-11-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Wärmsten Aufdrucken ihre Sympathien für das Meeting bekannt. Eine Menge anderer Briefe ähnlichen Inhaltes find gleichfalls all den Lordmayor gelangt. Letzterer hat als Tag der Abhaltung der Protest-Versammlung den 10. Dezember bestimmt. — Ter Lordmayor und der Oberrabbiner haben bau der Ev a n ge l i s ch e n A l l i a n z folgende Resolution erhalten: ..Ter Rath der Britischen Abtheilung der Evangelischen Allianz wünscht aufs Rene seine Stimme in einem starten Proteste gegen die Grausamkeiten zu erheben, welche gegen die Juden in Rußland verübt werden, und er drückt feine inbrünstige Hoffnung aus, daß der Druck der öffentlichen Meinung die russische Regierung veranlassen möge, die Härte der Gesetze zu mildern, welche noch immer bei der Verfolgung lind Ausweisung der Juden airsgeführt werden." Bulgarien. * Lofia, 5. November. Während in Rußland mit allen Mitteln daran gearbeitet wird, den Juden das Leben im Zarenreiche unerträglich zu machen, ist es im Fürstenthum Bulgarien, dem ehemaligen „prote^e" Rußlands, ganz anders, Fürst Ferdinand hat seit seiner Thron-Besteigung verwirklicht, was während der Regierung seines Vorgängers wenig mehr als ein löblicher Wunsch, eine humane Absicht, ein ethisches Postulat war — die vollständige Emanzipation der Juden. Die Wirkung hiervon zeigt sich darin, daß eine Menge Stellen im politischen Dienste, in der Arnnee. bei den Gerichteil mit jungen Juden besetzt sind, die ihren ersten Unterricht in den über ganz Bulgarien verbreiteten Schulen der Alliance Israelite erhielten und ihre weitere Ausbildung auf den Universitäten in Oesterreich und Deutschland genossen. U Non Nah und Fern. ~ Der Vorsitzende des Oberschlesischen Syrragogengemeindeverbandes, Herr Sanitätsrath Dr. Freund inGleiwih, ist als Mitglied in den Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes gewählt worden. Die Generaldirektion des Dresdener Hoftheaters hat das in Verseil geschriebene einaktige all Effekten reiche Drama eines jungen Berliner Dichters. Leopold Adler, „Das Buch Hiob", zur Aufführung angenommen. Ter Verfasser des Dramas ist von Beruf Theologe. -Im Garten der llliiversitäts-Augenklinik in Königsbergi.Pr. wurde die B üst e des verstorbenen O p h t h a l m o lo g e n Professors I a c o b sohn, modellirt von Professor Reusch, feierlich enthüllt. Aus Witten a. d. Ruhr wird urls geschrieben: Endlich haben sich die hiesigen liberalen Kreise ermannt und einen Mann ans einer Stellung entfernt, in der ihn jeder rechtlich Denkende nur mit innerstem Widerstreben sah. Der durch seine gehässigen Agitationen zu einer traurigen Berühmheit gelangte antisemitische Agitator Dr. König ist trotz gewaltiger Anstrengung seiner Partei ans dem Magistrate lnnausgedrällgt und somit die hiesige städtische Behörde hoffentlich für immer von diesem Mitgliede befreit. Als Kuriosum verdient bemerkt zu werden, daß die Polizei der Stadt Frankfurt am Main hinter dem flüchtigen Balltier Adolf Reiß einen Steckbrief her sendet, in dem auf das „jüdische Aussehen" des Durchgängers hingewiesen wird. Reiß ist nun aber weder Jude, noch jüdischer Abstammung, was schließlich auch die Polizei hätte bemerken können. Im Frankfurter Verein für Geschichte und Allerthumskunde hielt Herr D r. G. Schnapper-Arndt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag „lieber Geldverkehr, Preise und Lebenshaltung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts." Professor Weigert in Frankfurt am Main, dessen Name und Thätigkeit von Geheimrath Koch bei Gelegenheit des Vortrages über sein Mittel gegen die Tuberkulose ehrend erwähnt worden ist, war früher an der Universität Leipzig thütig, hat aber diesen Ort vor einigen Jahren verlassen, weil die sächsische Regierung ihil als Juden bei der Besetzung der ordentlichen Professur übergangen hat. - Der bisherige Staatsanmalt ilnd Privatdozent Tr. Harburger ist als Landgerichtsrat h am Landgericht Münchell II, Herr Dr. H. Rose z. Z. Rechtspraktikant und Koncipient in s.Uürnberi], zum 3. Staatsanwalt in Schweinsurt ernannt worden. — Das baierische Staats Reiseftipendium ist vom Prinzregenten dem Dr. Perl es jun., Sohn des Münchener Rabbiners, verliehen worden. Diese Auszeichnung wird nur denjenigen zu Theil, welche ihr erstes Examen glänzend bestanden haben. Dr. Perles hat in einem Semester die Universitüts- und die Staats-Preisarbeit getiefert. — Das täglich! erscheinende, bisher die Interessen der deutsch-freisinnigen Partei vertretende! Darmstüdter Blatt.„Hessische r Volksfreund" ist, wie Zuverlässig verlautet, in den Besitz eines Konsortiums durch Kauf übergegangen mtb wird fortan — auch ein Zeichen der Zeit . die christlich-sozialantisemitischen Tendenzen wahrnehmen. Als Kaufpreis wird die Summe von 20,000 Mart genannt. Der Präses der Verwaltung des deutschisraelitischen Waisenhauses in Hamburg, Herr Moritz Marburg, feierte vorigen Sonntag das 25jährige Jubiläum des Eintritts in die Verwaltung desselben. — Aus dem schriftlichen Nachlasse Heim ann Michaelas wird in den nächsten Tagen ein bibliographisches und litterarhistorisches Wörterbuch unter dem Titel „Or-Hachajim" die Presse verlassen. Dasselbe, auf Kosten der Söhne, E. Z. und I. Michael, gedruckt, enthält in hebräischer Sprache mehr als 1200 Artikel, begleitet von ergänzenden Noten der Herren Oberrabbiner Dr. Löb-Mona und Dr. A. Berliner-Berlin. Letzterer hat zugleich in einem ausführlichen Vorworte die Bedeutung des Verfassers und seiner Schrift dargelegt. — Zum Nachfolger des Herrn Oberrabiners Weil in Metz ist sein Mitbewerber um das Straßburger Nabbinat, Herr Uri aus Brumath gewählt worden. — Die türkisch-israelitische Gemeinde in Wien erhielt von der niederösterreichischen Statthalterei die Weisung, ein Musterstatut vorzulegen. Diese Gemeinde wurde im Jahre 1736 in Wien bind) den nachmaligen niederländischen Rath und Hofjuden Moses Lopez Pereira Diego d'Aguilar gegründet. — Das Kuratorium : der Zunz-Stiftung in Berlin hat Herrn Arthur S. Weißmann, i in Wien behufs Herausgabe des „Schein Olom" von Rabbi Jonath an Eibenschitz aus der Handschriften - Bibliothek des Herrn Dr. Adolf Jellinek 200 Mark votirt. — Wie die „Wiener Zeitung" meldet, hak der österreichische Kaiser dem Journalisten Ignaz Wilhelm den Titel eines kaiserlichen Rath es verliehen. Die Auszeichnung ist dem berufstreuen und gewissenhaften Herausgeber der „Correspondenz Wilhelm" aus Anlaß feines kürzlich gefeierten sünftmdzwanzigjährigen Jubiläums zu Theil geworden. — Herr 9tathan Levin in Arnhem hat eine heldenmüthige Thal vollbracht, die verdient, in weitesten Kreisen - bekannt zu werden. Bei einer in dem Hause seines Nachbars ausgebrochenen Feuersbrunst wurden von ihm, mit Gefährdung des eigenen Lebens, nicht weniger als 5 Kinder gerettet. Die Kinder befanden sich im Schlafzimmer des untersten Stockwerkes, wo das Feuer entstand. Ihr muthiger Netter mußte durch die wogenden Flammen und den dicken Qualm, bevor er sie erreichen tonnte. — Eine Interpellation über Antisemitismus wurde im holländischen Parlament von Herrn A. E. Wertheim aus Amsterdam, einem angesehenen jüdischen Bankier und Philanthropen, an die Regierung gerichtet und betraf die I Unruhen, welche während des Sommers in Paramaribo (Holländisch! Westindien) stattfanden. Herr Wertheim sprach wohl den Gouverneur > von der Beschuldigung des Antisemitismus frei, drückte jedoch die Meinung j aus, daß seine offene Unterstützung des „Voltsbode", eines Blattes mit j antisemitischen Tendenzen, mit seiner öffentlichen Stellung unvereinbar : gewesen sei. Der Minister für die Kolonien, Baron Mackay, vertheidigte i den Gouverneur, welcher persönlich sich bei den von Herrn Wertheim; berührten Unruhen ins Mittel gelegt hatte, und erinnerte daran, daß! der Oberrabbiner von Amsterdam nach Westindien ein Schreiben ge-; richtet habe, in welchem er den in mehreren heimischen Blättern er! hobenen Beschuldigungen gegen den Gouverneur entgegentrat, j Herr B. von Poljatoff in St. Petersburg ist zum Ritter der j Ehrenlegion ernannt worden — Ministerpräsident Erispi hat zur! Wiederherstellung der baufälligen Mauer des jüdischen Friedhofes j in Siena 500 Lire gespendet. - - Wie die „Nowoje Wremja" mittheilt,! hat die orthodoxe Geistlichkeit der westlichen Gouvernements in Rußland! beim Reichsrath den Erlaß eines Gesetzes beantragt, welches den Juden den geschäftlichen Verkehr an Sonntagen und christlichen Feiertagen verbietet. - Die jüdisch - amerikanischen Zeitungen „Debora" und „A meriran - Isra el it e“ sind in Rußland verboten worden - Angesichts der noch immer fortdauernden armenischen Wirren dürfte es interessiren , daß nach der neuesten Zählung die acht Vilayets der kleinasiatischen Türkei bei einer Gesammtbevölkerung von 3,879,019 Seelen 13,900 Juden zählen, n. z. das Vilayet Erzerum 6, Bilitis 0. Vanet Hekiari 2900, Diarbetir 1179, Mamouret Aziz 2, Sivas 220, Haleb 9599 und Adana 3. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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