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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-13 · Heft 44 (13.11.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 44 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Mitbürgern gleichgestellt sind." Was zunächst nufere Gemeinde betrifft, so scheint der Berfasser keine Ahnung davon zu haben, daß dieselbe von der in Rorrköping. einer ziemlich weit von hier entfernten Stadt, verschieden ist. Ganz unbekannt scheint ihm ferner zn sein, daß die Gvthenbnrger Gemeinde die erste in Schiveden ivar, die, nachdem sie ein schönes Gotteshaus erbaut, einen würdigen den modernen religiösen Anschauungen entsprechenden Gottesdienst mit erhebenden Gesängen und Orgelbegleitung einsührte, ein eigenes Gebetbuch (hebräisch und schwedisch) und eine Sammlung gottesdienstlicher Lieder herausgab und daß diese gottesdienstliche Ordnung dann vollständig von der kleinen, aber opferfreudigen Norrköpinger und später zum großen Theil von der Stockholmer Gemeinde angenommen wurde. So lange nun u n s e r Gotteshaus existirt, findet allsabbathlich regelmäßig Gottesdienstünit Predigt^oder kürzerer religiöser Betrachtung) statt; in Norrköping muß allerdings in Folge der durch Fortzüge und Todesfälle verringerten Anzahl der Gemeindemitglieder der Gottesdienst am Sabbath öfter ansfallen. — Hierzu sei beiläufig erwähnt, daß zu den Instituten unserer Gemeinde außer einer Religion s s ch u 1 e noch eine, vornehmlich für ärmere Kinder bestimmte Volksschule gehört, deren Schüler mit Kleidern, Büchern imb Schreibmaterialien versehen werden und aucb, nachdem sie dieselbe verlassen, anderweitig Unterstützung finden, wie überhaupt durch verschiedene Wohlthätigkeitsvereine und Stiftungen für hilfsbedürftige Gemeindemitglieder in liberalster Weise gesorgt wird. Betreffs der politischen.Stellung der Juden in Schweden kann nur Erfreuliches mitgetheilt werden. Wie sie schon lange vor der 1870 erfolgten staatlichen Gleichstellung in s ozi a ler Beziehung die vollste Achtung uitb Anerkennung ihrer christlichen Mitbürger sowohl, wie auch der Regierung sich erworben, so sind sie seit jener Zeit als vollkommen berechtigte Staatsbürger anerkannt und können zu allen Staatsämtern, außer den mini st er i e Heu, zu gelassen werden. Die letzteren sind deshalb ausgeschlossen, weil das Ministerium in Abwesenheit des Königs denselben auch als Oberhaupt der Kirche (summus episcopusj zu vertreten hat. Wir haben Beamte im Justizwesen, im Medizinalwesen. ordentliche Professoren, Lehrer an höheren Schulen tGymnasium, Polytechnikum, Navigationsschule, Kriegsschule), Reichstagsabgeordnete, Offiziere, Konsuln und General-Konsuln, ja sogar in Stockholm einen Polizeipräsident. Somit „läßt die Stellung der Juden in Schweden" nicht, wie es in jenem Kalender-Bericht heißt, „Vieles 311 wünschen übrig", um so weniger als nur hier von antisemitischen Hetzereien, wie sie leider jetzt selbst in freiesten Ländern Vorkommen, Gott sei Dank verschont sind. * Von Kali und Fern. - Der Haupt - Stiftnngstasse des Magistrats sind 10,400 Mart als Geschenk der Erbell des v e r st0 r b e n e n K o m m e r z i e il ra t h s Simon für die Armen Berlins ohne Unterschied der Konfession, dem Deut s ch - I s r a e l 11 i s ch e 11 Ge 111 ei ndebnnd i ft von dem Sohn des verstorbenen Konnnerzienraths Simon, Herrn James Sinion, eine Spende voll .">00 Rkk. zugeweudet lvorden. Im Verlage von Philipp Reclam juu. ist soeben der zwölfte Band der Musiker-Biographien erschienen, welcher von unserem Mitarbeiter Herrll Dr. Adolph Ko Hut verfaßt ist und beit Lebensgang Gi a c 0 m 0 Meyerb eers von seiner Kindheit an bis zur Höhe künstlerischer Vollendung schildert. — Der Frei h e it str 0 mm l e r v 011 1848, Herr Alarkus Reinach in Homburg, dem es vergönnt war, vor zwei Jahren sein 50chhriges Jubiläum als Bürgergardist zu feiern, beging am 2. d. M. mit seiner Gattin das schöne und seltene Fest der goldenen Hochzeit. Von alleit Seiten wurden dem Jubelpaar die herzlichsten Glückwünsche und Erinnerungszeichen zu Theil. Jit Danzig hielt am 30. Oktober in einer sehr besuchten Versammlung des Gew erb euere ins Herr Rabbiner Dr. Werner einen Vortrag über Toleranz. Im Leseverein zu Gollnb sprach Herr Dr. Albert Katz. Schriftsteller ans Berlin, über das Thema-. „Eine Wanderung durch die duftenden Fluren der Poesie und Dichtung Israels". - Der Versuch der Antisemiten, bei den Stadtverordnetenwahleu der III. Abtheilnng in W ikt en einen der Ihrigen durchzubringen, ist kläglich gescheitert. Die drei ansscheidenden, der gemäßigt liberalen Richtung angehörenden Stadtverordneten sind mit etwa 500 und 600 Stimmeil wiedergewählt. Der Kandidat der Antisemiten und Zünftler, Wagenbauer Burckhardt, erhielt nur 106 Stimmen. — Am 7. März f. I. werden es 25 Jahre, daß der allgemein geachtete, verdienstvolle Schulmann Herr Dr. Stein. Semi n a rd i rekto r in Kassel, an die Lehrer-Bildungs-Anstalt in Kassel als Lehrer null Leiter dieser Anstalt voll der damaligen kurfürstlichen Regierung berufen worden ist. Die zahlreichen Schüler des Jubilars wollen es sich! nicht entgehen lassen, diesen festlichen Tag ihres hochverehrten Lehrers! entsprechend zu feiern, zu welchem Zwecke sich schon jetzt ein Komitee > gebildet hat. Der Tag und die Art der Feier wird später bekannt gegeben t werden. — In der Generalversammlung des Vereins für jüdische I Geschichte uitb Litteratur z u Franks urk a.M. wurden die Herren ' Dr. Heinemann, Alfred Geiger, Wilhelm Posen, Leo Ellinger, Hugo j Frünkel, Hermann Rothschild und Jacques Snatich in den Vorstand ge! wühlt (Herr Dr. A. Sulzbach hatte eine Wahl abgelehnt). Der Beginn des! Geschäftsjahres wurde auf den 1. April verlegt. Der Verein zählt! 170 Mitglieder, hat günstige Kassenverhältnisse und eine stets wachsende l Bibliothek, die im Gebäude der israelitischen Religionsschule am Hainer . weg aufgestellt ist. Die Vortrüge werden demnächst wieder beginnen. Im Verein Me kor Eha jim daselbst hak jüngst Herr Dr. A. Sulzj bach mit einem Zyklus von Vorträgen über jüdische Litteratur begonnen! und allgemeinen Beifall gefunden. Auf vielseitiges Verlangen finden! diese Vorträge nunmehr alle 14 Tage ihre Fortsetzung. — Der Arabien j Reisende D r. Eduard Glaser ist von der Anthropologischen Gesellschaft I in München zu deren korrespondirendem Mitgliede ernannt worden. -! Der Prediger im israelitischen Tempel des Wiener Gemeindebezirkes! Mariahilf und Reubau Dr. Leopold Weinsberg wurde zum Feld j robb in er zweiter Klasse in der Reserve ernannt. - In Triest fiavb! Fre iherr Sal 0 m 0 n von Pa renke nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren. Baron Parente lvar durch mehrere Jahre Präsident der Handels- und Gewerbekanuner und wurde wegen seiner Verdienste im Jahre 1873 vom Ritterstand in den Freiherrnstand erhoben. Die Leichenrede hielt der Reichsraths-Abgeordnete Herr Raphael Luzzattv. - Die jüdische Gemeindeschul e i 11 Plojesti wird auch von 30 christlichen Schülern besucht, von denen mehrere am Unterricht! im Hebräischen freiwillig theilnehmen. In den Oberklassen des Gym j nasiums befinden sich mehrere christliche Studenten, welche ihren Elementar > unterricht in der jüdischen Schule empfangen haben. Diese Bevorzugung l einer jüdischen Schule vor den christlichen ist nicht nur ein Beweis von! den vortrefflichen Leistungen jener, sondern auch von den freundlichen! Beziehungen zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung. In Kurland ist unlängst ein Jude, Namens Freimann, im Alter von 115 Jahren gestorben. Der Verblichene hat am Feldzuge 1812 I theilgenommen und wurde für seine Tapferkeit durch Verleihung des Georgenordens ausgezeichnet. Er hatte fünfmal geheirathet und alle! seine fünf Frauen überlebt. — Der „Ganlois" vom 28. Oktober ver! öffentlicht folgende Mittheilung aus St. Petersburg: „Der Zar hat; befohlen, zum Zwecke der Abschaffung der Gesetze und Verordnungen. > welche Russen jüdischer Religion von öffentlichen Beamtenstellen aus! schließen, eine Enquete zu veranstalten. Die ersten Resultate dieser von Kaiser Alexander III. vorgeschriebenen Maßregel find schon; an's Licht getreten, indem der kaiserliche Gerichtshof in feiner Sitzung vom gestrigen (27. Oktober) beschloß, 100 jüdische Advokaten, welche durch die allgemeinen Judengesetze ausgeschlossen waren, wieder in ihr Amt einzusetzen, (h; Den von Votney gestifteten Preis für Sprachforschung hat das Pariser „Institut" dem bekannten Forscher Herrn James Darm stad ter 1 für sein Werk über die „Volkslieder der Afghanen" zuerkannt. — Herr Theodor Reinach, Doktor der Rechte und der Philosophie, der Vize Präsident der „Societe des Etudes juives", gehl demnächst nach Griechen land, um dort archäologische Forschungen zu machen. — Der auf dem Berliner Schützenfeste mit vielen Prei'en gekrönte Herr Philo Iacobp ist bei seiner Rückkehr nach San Franzisko von einer Anzahl dortiger Vereine mit einem Fackelzuge empfangen worden. — Die israelitische ' Gemeinde in Saida (Oran) hat den Bau eines Friedhofs beendete; zu welchem sie das Terrain bereits 1857 erworben hatte. — Die Gemeinde in Alexandrien hat sich nach langem Zögern entschlossen, eine Mädchenschule zu errichten, welche allen Ansprüchen der neuen Zeit vollkommen entsprechen wird. — Der britische Konsul in Jerusalem.! Herr Noel Temple Moore, ist zum Generalkonsul in Tripoli befördert worden. Herr Moore war 30 Jahre in der heiligen Stadt und : hat der jüdischen Gemeinde sowohl außeramtlich als amtlich manchen! wichtigen Dienst geleistet. | Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. > Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauch Witz in Berlin.

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