Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 43 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- Seite 560 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227869--47483-3269007- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
560 ■ Mehrere Wochen »och diesem Borgange. dessen unr hier und do scherzweise Erwähnung geschah, kam daS Tischgespräch auf eine neue Oper von Ander, welche, großes/Aufsehen machte, in Poris vielen Beifall.gesunden hotte und auch in Rom bald zur Ansjührung gelangen solle.. Keiner aus der Gesellschaft wußte etwas Näheres, weder vom Libretto, noch von der Musik.. Man konnte mir den Memden nicht zu verkennen. Stoff zur Unterhaltung boten »eben, dxp laufenden Tagcsücuigkeiten die Erzeugniffe der alten und neuen/, Kunst, ivie denn ein guter Theil der Tafelrunde selbst zu den Jüngern Ader letzteren zählte. Auch ein Mann reiferen Alters, in den sogenünnten x besten Jaliren, mischte sich bisweilen in das-Gespräch! wenn es be- Ddeutende Kunstwerke alter Meister zum 'Borwnrf hotte, und sein Mrthril darüber war ein so gewiegtes und eingehendes, daß er da-! Ramen und machte sich-mit der spöttelnden Bemerkung über dcn- Würch die gute Meinung, welche die' Feinheit, man darf sagen. Bor-! selben Her. das; er orthographisch unrichtig sei.- ' Wo man etwas über Wnehinhcit seiner äußeren Erscheinung der Tischgesellschaft beigebkacht die Oper zu lesen bekomme.' laute ihr Titel Fra Tiavolo. während Watte, sehr bekräftigte. Mau gewoun ihn lieb und sühlte eine-gewissc - es doch korrekt Diabolo Heißen, müsse. A Hochachtung vor ihm. - . - ' „Ich kann bei orthographischen und vollends elymologische» Eines-Täges brachte eines der jüiigsten Mitglieder derselben nur - Erörterungen nicht mitthun/ bemerkte Herr Oscr — so hieß der Wienigkeit mit zu Tische, aus die es als eine höchst seltsame aüsmerksam f-ältere Herrleichthin; „ist eS Ihnen aber angenehm , so erzähle Dinachte. „Jä, hätte sic ninnnermchr geglaubt, wenn --sie-unr nicht ans ich Ihne» eine wundersame Geschichte von dem leibhaftigen «Imlwl" M§Miz zuverlässiger Quelle mitgetlieilt worden wäre. Es befiiihen sich! mnlvävtku. -de» man hier, zu'Lande -so fleißig in» Munde führt. Ich Wtzt zivci Jiideiijungen in der eivigen Stadt, welche dem Kttnstlcrberufc habe sie vor Knrzem in einer deutschen Zeitung gelesen." . Miachgchc».-Für de» einen, welcher sich'der Musik widmet/ hätte ich j.^- : Aus die Versicherung, daß man ihn sehr gern hören werde. mich nicht sonderlich iiitrrcssirt. er wärt mir wohl hier nicht eingefallen, : theilte er das bekannte Märchen von dem Schmied zu Jüterbog mit. Mein Zujannnenlresse» mit ihm im engere» Raume wird mir kaum! welchem cs durch List gelang, den Teufel in einem ledernen Sack zu. A begegnen. Aber der Andere hat cs gcwagt.däs Gebiet unserer hohen! fangen, in welchem er ihn . dann ans seinem Amboß mit seine» HKunst zu betreten, wll darin schon weit fortgeschritten sein, und von! Hämmern-so lange auf's Greulichste bearbeitete, bis er daS Bcr- Mtzem Verlangen. Kunststudic» in der ewigen Rbma zu machen, getrieben, j sprechen' ans ihm herausgeilöpst hatte, nie nicht einen Versuch zu seinen längeren Auscnthalt hier »ehinen wollen. Ta könnte cs mir z machen, ihn zu holen, ihm vielmehr aus dem Wegezum Paradiese Dvöht widerfahren, in einer Gemäldesammlung oder einem Atelier! in jeder Lveise-förderlich zu sei». - - D? mit ihm znsainmenzutrcsicn. und es bangt mirfür meine Genichs-! ' Mitten in der Erzühlnng. welcher die- Tischgesellschaft mit großer!!! nerven, denn,wo ein Jude ist, da stintt's/' . . M, .Tic milgctheille Rcnigkeil wurde nun vielseitig besprochen und! A dabei die Frage erörtert, was wohl ans der Kunst werden 'würde,, Mvmn..auch. Juden der Eintritt in ihre Tempel nicht nur' znMBe-! ^haucn, sondern zum Mitschaste» gestattet sei.! - j Aufmerksamkeit znhörte, brach Herr Qscr ab und rief, nach allen Seite» hupiechend: „Sapperment! Ich glaube gar. der tMtseibciuns ninnnt es mir übelIdaß ich ihn zum Gegenstand des Spottes mache,!nnd will sich anmirrächen,/ iiidcni er sich mir als „der Herr im . Trecke und des Gestankes" vorstcllt. - alswelchen gelehrte Theologen Eine Besorgnis;, tvelche der Veranlasser dieses GkjprächsgrgkNzjh,, dx^jchgx,,s Jrxc> ich/michnicht, so gicbt er sich bereits dnrch H.wird stets-sehr vorsichtig mit llrlhcilen umgehen, welche allgemein ,i«r fort." Herr Oser folgte der Ansfordening. Als er aber ^giltig fein sollen, den» der Schluß von einem Theil auf das Ganze die Erzählting beendigt hatte, roch er wieder nach allen Dichtungen ^ist immer ein logisches Wagnii;. Al» solches sehe ich auch die Be-./ „„g-cr „nd sagte:' „Ich kann cs mir nicht'ansredcn lassen :- cs riecht Häuptling an. daß alle ouden einen üblen Geruch verbreiten. „Ich; höchst widerwärtig im Zimmer,»tag es von« Satan oder von einer ^habc dieses Wagnis; nnternonnnen, versetzte sein Tischnachbar in etwa» r anbcrcit Ursache herrühren." „Einbildung, nichts als Einbildung. ^gereizter Slimmung. ..und stelle »leine Behauptung jetzt erst recht auf. . d^r nun »och etwas Eigensinn-bcigeniijcht ist. Unsere.Gcruchsnerven ^Sic sprichtja nur dasaus, was in aller Welt als Thatsachc gilt. sj„d so fein als die Ihren mld diese widersprechen ganz entschieden ^.„Und doch la»n cs falsch sein," crwiedcrte der ältere Herr ruhig. . grundlosen Behauptung." „So »ms; ich dieselbe allerdings '-„Eiwasversetzte der Andere. „Widersprechen, »nd Zweifeln Ist!- ^„ lasten." äußerte nun Herr Qscr ganz rnhig, „aber auch Sie. keine Kumt. ..So mn,-. ick wohl." crwiedcrte der ältere Herr, „um! Herr! die Ihrige', aus die Sie eine Weite mit mir civgeqanqcn W-MtintEmyte zur Knnftlcistung zu machen,»c zu beweise».,m Stande 'jh.^„, id) erkläre Ihnen hiermit feierlichst, daß ich ein Jude Estin. Wohlm-! ßzch nehme c>.>. auf mich, den Beweis dafür zu liefern, [,ju ^>ib und Seele ein Jude, als solcher geboren tvürde und .nur muß mir' einige Zeit dazu gewahrt werden. Auch möchte ich /nicht ohne Aussicht ans einen Lohn mir die dabeierforderliche, wenn auch nur geringe Mühe geben. Ich schlage deshalb eine Wette vor. Vermag ich die Richtigkeit meines Widerspruchs geget» die Behauptung ^unseres verehrte» Tischgcnossc» nicht unwiderleglich darguthun, so Mahle ich sechs Flaschen Ehampagner, gelingt mir dies jedoch, so fjflljlt er sic. Tic verehrte Tischgenostrnschaft hat dabei unter allen /Umständen einen Gewinn, welchen ihr mein Widerpart und ich sichcr- Mch gleichmäßig göimm." £■ Ter Vorschlag fand sofort großen Beifall und wurde auch von |b«ft jungen Maler ohne Bedenken und n»ter der scherzhaften Be- Nerkuntz angenommen, er wolle keineswegs den Bauern seiner «Math gleichen, welchen ihre Lästerer den- Borwnrf machen, daß Mwohl schwärm, aber nicht wetten. als solcher,;» sterben gedenke." .In dem Speisesaal gab es nach dieser Erklärung leine übclassizirten Rasen, Wohl aber lange Gesichter, und das längste darunter war das des jungen Künstlers, welcher so besorgt um seine Gcruchsncrvcn war. Wir haben nichts-Weiteres von seinem LebensgoNgc erfahren, von den beiden Kunstjüngern aber: deren Aufenthalt, in Rom ihpi zu seiner Besorgnis; Anlaß gegeben hatte, misten wir, daß aiis de,» einen Profeffor Moritz Oppenheim in Frantfnrt a. M. und ans dem anderen Musikdirektor Ferdinand Hitler in Köln gcivordc» ist. - Druck und Vertag von Rudol» Motte in Berlin. Verantwortlich für dir Redaktion: Mar Bauck.ivitz in Berlin. » w-.ix,