Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-06 · Heft 43 (6.11.1890) · p. Seite 556

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 43 (6.11.1890)
Date
1890-11-06
Page
Seite 556 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
79% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227869--47479-3269003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

am Vftbtu zu finden. Roch am Abend seiner Dasein-, MUg» Wochen vor seinem Tode, erzählte Heine, d>»ß rr nie den pufetytn Emdruck vergessen, den er damalat» ächtjähriger Kzmbe Wfunden bade. Tie Fürstin de la Rveca. die Tochter von sslmrtotlc von Embde». ^Lhlt m ihre,, ..Erinnrr»»,ge>l" noch manche tieben-würdigr Geschichte qch der Kindheit Heine'- und tzin<rSch»vestcr. . A Da. sie in'»Heben eiMrat. »var Eharivite. die nicht nnr ein geift. che», sondern auch ein schöne» Mädchen war. bald die gefeierte ldin ans.atlei» Heften sind Bällen in Düssetdars. die alten junge» nern den Kopf verdrehte »nd da» Herz.schwer machte. Al» die ternDüsscldors verließen, wär e» ihre erste Sorge. EharloNe z»> verirathen. '.4i>enn ich recht unterrichtet bin. war e» Heinrich Heine selbst. lÜdischkiiKansmainieSMoritzCmbdri» »rächte nndmitditjeinsorlivadrend boit feiner tleinen Schwester sprach. Embdrn way ueügierig und wollte «ch schöne, merlwürdige Blädchen tmn^sttmie»». Alker sie sah. batte M auch bereil» sein Her; verlorensie wtrrde seine Ntaltin. »nd dä» Utzchzeitsgedicht. welche» Heine seiner Schwester dei der Bcnnühlung an» J»mi k82» ans den, Zollcnspietcr «vische»» Liineb»n»z nnd H,»ü>» bürg machte, soll alle, Kcstgenosscn entzürkt hade»». 'Er selbst schrieb WMoseS /Moser: „Es »dar ein-schöner Tag der Kestlichlrit .«nd ilntracht. D»r» Essen war gilt. die Betten waren schlecht nnd'mein )hein» Salonio» nmr sehr vergnügt." ... AI» Eharlotte von ihren» Bruder Abschied »ahm .' riether ihr, M Berst ihre» Gatten.- deyt» Moritz Embde»» versuchte sich ii» den. Mußestunden, die ihn» srin kanfinünnischer Berns ließ, auch als Dichter Mulir ja rechteikrig'znlobe»», - - biu o»t p fc Untcrfajftit Leicht eine Unciuigteit tu der Ehe chervörrufri». »Buch der Lieder" ^ndet-sich auch ein hübsches Gedicht . »vflche» diesen Rath an seine hwester »riiederholt ':< / , .sind tobst du mein« Berse nicht, :; '; - A'«6 ich »nichwo»» dir scheiden." M/Tje geistige .Entlviälnag Heine'» "u»»d.seinen »vachsendei» Dichtev Whin. verfolgte Eharlotte »nit der injllgstrn. und lebhaftesten Theil- Mhme. W»rr sie früher seine liebevolle Gespttlin. so »vurde fic nun Auch die aufmerksame, theilnehmkndt lind rathgebeitde Kreultdii» ihre» Bruder», an die er sich in allen seinen WenSnöthen »vrndrn dnrste. Mwischen ihn, »nid seilnr Schwester gab es keine Entsreindun«. wie M er auch mit de» Brüdern u»»d »nänchntal sogar'mit dem Schuiager ^n Zant, und Streit geiathen mochte. Sset^ war Eharlotte dir treue :'«»d liebenswürdige Bermittlern».. die>citt»vkdrr dereichen ^hriins - örn zu besäiiftigrir oder des Dichter» Lannenz» beschwichtigen hatte. Und -lein. schönere» Zeugniß für -de» Dichtergemüthstiese tubcrlicbc > » iitzk» »vir. als das- Blatt. »velchcS er'in dar AIbu»n ^riiter Schwein r eiiigcschriebkn: M- „Wie können die Menschen süglich ii» z»vel, Klasse» riniWcn: Olsten» diejenige», die »in» lieben. 2tri»» bnrjtitifttii, die un» oft »>»d cheutlich iageii. daü sic iiiiSlikbeii. Mick, liebes Lotlchen, kaimst D» dreist zur ersten Klasse rechnen. Ach. hin Dir herzlich gut. wenn ich auch nicht viel AnshcbenS davon Dtäche. . Dein Bruder Ham, Heme. ' W Wen» Krau Elmrlosle in ihrem'stattlichen, in altpatrizischcr Efteise -vornehm ausgestatteten Zimmer i» ihrem Lehnstuhle sitzend ^en Erinnerungen ihrer Jugend nachgeht,. dann ist e» vor Allem Muer Triijmphzng, den sic aus einer Badereise in den zwanziger Zahrti» »ach dem Rhein und Süddenkschland gemacht hat, von orlchem sie mit besonderer Vorliebe und mit wahrem Eifer erzählt. chst gab sic bei Jminermami eiikei». Empfehlungsbrief ihre» ZrirderS ab. Innnermann stellte sie seinen Gästen nur als Madame Eniddsn aud Hamburg vor. aber im Bertaus» de« t^espiache» diel» er es nicht länger au», und jagte «>» Alten, da» diel« Krau die Sänvener Heine'» fei. und m u »mir de» Kübel» lein Ende „>» Kranlsutt a. M gab Rothschild ihr zu Ehr«,» eine große Abend gkseltsch,»s». Alle »m»re>> schon versannncll. als dir mit Spannung Enm»rtete «ntam. Ter Diener ri» die lb«lr ans und rief mit Stentorstimme. di» er ihren Ra,nen vergesie» hatte, in den Saal hinein: „Madame, die SchwesterHt»»lr'»t-"Die in»e»,ssa»«e»te aber ivar »»»»streitig lene Bckannlschast. »welche EharloUe Emdden in Güttingen n»achte. Dort lernte sie den Grasen Ang»»ft v. Platcn kennen. Aber vorsichtig »n»»gi»»g sie alle Kragen »»ach ihrer Kamitir. »mit sie glanbie.. der Rame Heine würde bei den, Dichter keine an-, genehuten Erinnernngen e»i»>c<ltn. Plate», un»r von ihrer Lieden»- würdigkit enljüctt und beinchte sie »>» ihrem Hause. AI« er ihr aber beim Abschied ehrerbietig die Hand knsgr, jagte er: .Gnabi,»e Kra». »vollen Sie mir einc Krage deanlwoite» *. H»,ben Sie je die Bibel -gelesen i" - Krau Charlotte sah ihn crstan»« an u>»d wußte nicht. >v»>» ne antnwrie»» sollte. „Kennen' Sie. tueittc Gnädige." snhr der Dichter fori, „dir Stelle in der heiligen Schrift: .Bi» ich der Hüser meiner Brndrrr?' Seien Sir meiner höchste»» Ach«m»g versichert »md grnehinigen Sir dir »Ulfrichtigsten Wünsche für Ihr Wohl. Mögen die Bäder von Schwa>b,'ch Ihnen. Genesnng bringen.' - Eharloite dlied stuinm. AlS sie ihren» Bn»drr diese Szene er' zählte, »vurde Heine trnstlich bös« und sagte zu ihr: „Aber, riebe» Lottcheni Du hast hoch sonst'die Zunge an» rechten Kleet. »vie lonnlest' Tu nur schweigen.Und nicht die Eelegeaheit benutzen, ihst» sein Un« recht. H^Nschch varzuhaltfN f." Die KÜrstin de la Roeea berichtet, daß Heine' zum. erste« Male damals seiner Schlvejier böse »var. daß sie ihn/aEcr mit liebenswürdiger Hiilgebung bald zu mrsöhnen »md da» schöne gtschwisteflich^Berhöktniß »vieder herzustellen wußte.' ' Auch^ in -Pari- - brwahrtt er der. Schtvester seine treue Anh»n>glichleit. Mau kal»»».^slch wiMch nichts Liedetlsunirdigeres denke« a>» den Brief.-den er.au» -Ul. Kebrnar l8U. nachdein er a»»r Homburg die' Kunde, vou der Geburt eines.jkindrr empfangen h»»tle. »iach schrieb:; . „Liebe Muster, lieber M,x und lieber Löttchrn! . . - Bor anderthalb Minuten^ erhielt^ ich den lieben Brief. »vorin mir unsere glücklicht Riederlunst gemeldet wird. Ihr hatte« mich also getäuscht, inde»» Ihr nur sagtet, daß nnr erst zu»» Krühjahr in die Wochen tämrni. ' Mit / tieft»» Weh sah ich dein Krühliiig entgegen. Mein Hen ist jetzt so' eMchtert. daß ich vor Krenden tanzen mochte.- / Ich »man,»« Dich, liebe» Lottchcn, Und ich sehne mich nach nicht» ii» der Welt' mehr, , als baß ich die alte Glnek und Dich, die junge Gluä und Deine kkcinen Küchelchen wirdrrsthe. Schreibe nnr gleich, wie Du Dich besindest. "Lebt »vohl und beln»ltrt frrnndschastlich im Andenken Euren ergtbeuei, . ' H. Heine." In späteren Brirsrn bxllägt er bitter, daß er ohne Nachricht über da» Befinden feiner Schwester sei: „Ein Wochenbett ist doch kein gewöhnlicher'Zustand , und da gebührt es sich ,vohl. daß iä> etlva» von dem Wohlsein »»einer Schtvester erfahre. Wenn Ihr »nich 'bei so »vichtigen N,nstä„dk»i öfter# ohne Brief laßt, kann ich wirllich krank »verden. Ich habe nnr fest und steif vorgrnominen. recht wütlich kraiik zu »verden, m„ mich an Dir wegen Deines langen Stillschweigens zu rächen." ' ' . ■ Tie ganze Liebe «» .seiner Schtvester bekundet sich aber in den Briefen, . welche Frau Charlotte als ein thenreS Andenken in ihrem Schreibtisch »»eben ihren eigenen Erinnerungc»». die sie sorgfältig a»i-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.