Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 43 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- Seite 554 (sequence 6)
- Language
- German
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ltcte ,na» in den neuen Parlamentseid die Worte ein : „Auf de» ihren Gtauben eine« Christen", um die Inden wenigstens fein zu hatten. Schon 1830 begann der Kampf hiergegen, und im Jahre 1833 lieft der Antrag auf Zulassung der Anden zum Parlament zuerst Mehrheit im llnterhausr. aber däs Oberhaus, in welchem die 'kirchlichen Tories die Majorität hatten, widerstand dem fast lljährlich nüederholten Antrag noch SS» Jahre.; Im Jahre 1837 r Benjamin Disraeli. damals^ ein etwas excentrifcher Modefchrift-, Der. nach, vielfachen vergeblichen Versuchen in das Parlament einjitreten, und obgleich ein Tory.- stimmte er doch bei'Wiederholung M Antrags mit der liberalen Majorität für die Inden. *10 Jahre ter war B»iron Rothschild Von der von Londons» ihrem erlreter' gewählt worden, konnte aber seinen Sitz nicht eintiehmen,. il der Eid im Wege stand.. Der Premierminister Lord Rnstcl brachte inrn Gefetzesvorfchlag ein, wonach den Juden gestattet, sein sollte-, e Worte „ans de» ivahren Glauben cinesChristeii" wegzulasfen. Wicder Dünnte die ganze liberale Partei dafür und von den Konservativen ihr Hhrer Lord 0-eorge Bentinck »nd der Zweite an Emslust Disraeli.. Dn etzterelegte bei dieser Gelegenheit-feinen Stmwpniikt in einer langerm üedc dar. Er verwies ans die geringe Anzahl der Juden .nnd' ihde> ehestrene. er erinnerte daran^ daß -sie-sich zn dem Glauben be-- innten, ans den, das Ehristenthnm gegründet fei.* das; die ganze" knschheit' nndbesynders England ihnen verpflichtet sei und schon, halb ans Dankbarkeit ihnen die Rechte eines Bürgers nicht Vorhalten dürfe. Dagegen wies er -das Prinzip der Religionsfreiheit? Zurück als ein zweideutiges, dessen Anwendung kaum vereinbar sei rtdcr Anerkc»n>v>g religiöser Wahrheit durch den Staat. Auch- Wc er seine Freiuide^ daraus aufmerksam,' daß alle Tendenzen, .der > den tynscrvativ seien. DeNnoch brachten sie im Oberhaus wieder M-Gesetz zn Fälle. Lord Bentincklegte in Folge dessendie Führer-:- chast der Parlei Nieder, Und Disraeli-wurde das anerkannte Haupt- ^''Opposition.' Rpchi .einmal * im Jahre 1854 änßertr er sich in Wer Sache. Wieder stützte er die Ansprüche der Juden, auf diei änkbarkeit des englischen Volkes. Grade weil das Parlament einei- Mliche^Wersanimlung fei, feien Ihre Ansprüche unwiderstehlich, ienmnicht die Bibel* übersetzt worden wäre, würde cs kein englischess - ürlam'cnt geben; das Schwert' des Herrn und Gideons /habe die Freiheiten Englands erkämpft, und kein Land habe nomgebliiht. tlches die Inden verfolgt habe. „Die Judeis". sagte er» „sind. ein', olk, welches warten kalin. Sie haben astyrische Könige überlebt, gyptischc Pharaonen, römnche-Casaren. arabische Kalifen, und christ-' Inquisitoren . . . .- Ich hosfe^ noch. den Tag zu erleben, wo. ürch den freien Willen des Parlaments ein. Jude seinen Sitz imife kimiebinen kann, nnd zwar nicht durch die häßliche Auslastung r Worte'„ans den wahren Glauben eines Christen" aus einem' meinsanie» inbc, sondern durch die freie Erklärung eines Glaubens, Mf den er. in jeder Beziehung stolz sein sollte." Er stimmte gegen die Eidesbill, weil die Frage darin vermischt wäre mit Dingen, die er nicht bjllige» könnte^ wollte aber doch seine» Standpunkt darlegen. „Nicht ür in dicscMHause". schloß er, „sondern auch durch andere Mittel habe! mich bestrebt, das zu/ordern, was ich für eine heilige Sache halte." > Die Händüingsweise Disraeli'«. des Führers der Konservativen. Drscheint etwas zweideutig, und es ist ihm deshalb vielfach der Vorwurf politischer Heuchelei gemacht worden. Der Vorwurf erscheint nicht so ganz unbegründet. Warum nahm er nicht die Gleich-: ellung der Juden, unter welcher Form auch immer sie geboten mde? Wollte er vielleicht sich nicht mit seiner Partei verfeinden' gezwungen sein, die Führerschaft und damit die Anwartschaft die höchste Stellung niederzulegen? Trug der Ehrgeiz dieses Mal Rihm den Sieg davon über seinen Stammesstolz und suchte er ditsen Widerspruch durch glänzende Reden-zu Überdrücke» mid durch warme Brtheuerungen sein eigenesanklagendeS Gewiffen zu betäubend Es ist das wohl möglich und entschieden tadelnSwerth. Daß aber trotzdem die Sache des JudenthnmS Disraeli eine HrrzenSsache war ni des Wortes wahrster Bedeutung, geht aus seine» Schriften hervor. mit denen wir uns jetzt etwas beschäftigen wollen. Ter Judenhaß entstammt theilS religiösem Bornrtheil, theils der Raffenabneigung. Disraeli sucht zunächst das ersten zu widerlegen. Die Zerstreuung und jetzige Läge der Juden, so sagt man. sei eine - Strafe für die Kreuzigung Jesu. selbstauferlegt in den Worten: „lieber m,S und unsere Kinder komme sein Blut!* Die Inden, ant- , wartet er. lebten schonTwmals zerstreut anr ganze» Mittelnieere, u»d auch-Äe Wenigen, 'die in Palästina waren, verwarfm den Messias nicht Alle. Ohne sie »väre die Gründung der christlichen Kirche gar nicht möglich gewesen. Ferner verbürgt keine Stelle, in den heilige» Schriften die Annahme, der Strafe.- Vielmehr verzieh die göttliche Allmacht dem? Pöbel wegen seiner Iknwiffenheit. Auch ist es. kein Prinzip der Jurisprudenz, daß die Schuldigen selbst ihre Strafe bestimmen, oder daß das Geschrei eines PöbelhallsenS bei einer östent-. lichen Hinrichtung bindend sei für alle »och üngebokmep künftige» Grschlichter eines gaUze» Volkes. Nnd stellten nicht rndlich die Juden - - daS^ Opfer, wie die Opforerf^Welche^ andere Raffe hatte mit einer /solchen Aufgabe betraut werden können? . „Wenn ihr glaubtet. was .HrvMnkgtbt,"'*sagtlm;'dem- Roman Tancre die schöne Jüdin Eva zu stord Montacute, .„so würdet ihr vor ünS kniecn. Ihr errichtet . Statuen: dem Helden, der rin.Land errettet. Wir haben das niensch- /iche WDkcht gereift, und ihr. verfolgt uns.?, . -iK?DieDDA^Ehmübtr^ tzGqnderen Seitedcs Disraeli'schcn MMmiemrntS/? dirRHenfrqg^Distaeli ist ein entschirdeiier An-- DnKr'?des?MstenprinziMAAr^ fiiMällgeiNenie fortläüfende Ent- ';wirfUinfl^^ihfenf^ii<^en ^^a^iflfcite»^vbt^rc^y5^i.lfttiir«riö, freiheitliche . RtgiemngSforinen und naturwistenschaftliche Erfindungen glaubt er wenig. Die Geschichte. ist ihm ein Wifkomhien, Blühen und Der-' ''-e^vHßkdrÄtv.Wssry.-?, Eine Raste, die'fich^in erhükt »ich von einerHohen -Ot(Sö»lfafiönr iftJft mijeiltiS^rbatT wie bie tauben gezeigt Habens Tie niederen verfolgenden Rasten gehb»^ unter, die - höhne .verfolgtes bleibt. Die.Bedeutung einer^Raffe erkennen .wir .aber aus ihrem*Wirken durchdie g'rößemJndividuen, dieHr entsprvsten sind , denn „der individuelle Charakter ist. die Verkörperung, der Äyjse, - ihre -Vollendung und ihr Muster". Weiche -Raste kann sich: aber' .in dieser Beziehling mit der semitischen — Disraeli nennt sie dieMübischemessen?? Sie ist die. ciyzige;. mit der Gott selbst verkehrt' hat. sie hat durch. Moses* und die Propheten, Jesus und die Apostel, die alle.dem Fleische nach Hebräer waren, die. Prinzipien verbreitet, die noch heute die Geschicke der Menschen leiten,-'sie hat die. Gesetze deS Sinai auf den^ Thron des Kapitols gepflanzt und die wilden Rasten Europas gebändigt Und civilisirt. „Was . sind, hiergegen", fragt er, „die Eroberungen eines Alexander oder Cäsar? Wo .sind ihre Dynastien , -wo ihre Unterthanenk Beide wurden vergöttert? Wer brennt ihnen jetzt noch Weihrauchs Ihre Nachkommen beugen-sich vor.den. Altären des Hauses David. -Das Häüs David wird in Rom selbst verehrt, wie an jedem Sitze eiges großen und wachsenden Reiches; in London; in St. Petersburg, -und New-Iork". So ist das, Christenthum nach DiSrarli nichts Anderes, als die letzte Entwicklung des Judenthums, durch welche jenes die Welt' eroberte. „Christenthum." sagt er, „ist Judenthum für die Menge, aber es ist noch Judenthum." Er wundert sich deshalb, daß die Juden zum großen Theile ihre eigene. Religion nur halb glauben und erklärt dies ans ihrer Verfolgung durch die neu bekehrten Völker. .*