Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 41 (23.10.1890)
- Date
- 1890-10-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 \ Lokale versammelten sich über 300 Juden und wagten nicht, den Bedrängten zu Hilfe zu eilen. Die Polizei erschien wohl am Thatorte, jedoch erst, als die beiden Griechen ihre Mißhandlungen eingestellt hatten. Letztere wurden zur Polizei gestellt iiub merkwürdiger Weise sofort entlassen. Die Gattin Brinaners mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und ist nach Aussage des Arztes eine Frühgeburt die unausbleibliche Folge der erlittenen Mißhandlungen. - Der Rabbiner der Jassyer Gemeinde, Herr Tandes, verbot an -"en jüngsten Feiertagen von der Kanzel herab den Genuß des Fleisches jener jüdischen Fleischhauer, welche sich weigern, eine bestimmte Abgabe an die Gemeinde zu entrichten. Bekanntlich sind die jüdische»' Gemeinden Rumäniens nicht berechtigt, Steuer für Kultuszwecke einzuheben und müssen sich daher auf indirekte Weise ein Einkommen sichern. Rußland. ' Petersburg, 12. Oktober. Ausländische Juden dürfen nur dann dauernd Aufenthalt in Rußland nehmen, wenn sie Kanfleute 1. Gilde sind, d. h. wem» sie für die Ausübung des Großhandels den höchsten im Handelssteuergesetz vorgesehenen Steuersatz entrichten. Run ist aber die Zahl derjenigen Juden in Rußland, die, obgleich nicht russische Nnterthanen und nicht im Besitze solcher Handelszeugnisse, dennoch im Lande dauernd ansässig sind, eine sehr große. Ihre Kinder fanden bisher in den Lehranstalten Aufnahme, tiibem zwar die allgemeineil Bestimmungen über die Zulassung von Judeil 311 den mittleren und höheren Schuleil auch auf sie in Anwendung gebracht wurden, aber kein spezieller Nachweis darüber eiilvertaligt wurde, ob die betreffenden Eltern die Berechtiguilg 3 um Au feil! halt in Rußland sich erworben hätten. Das Ministerium der Volksaufklärung hat nun angeordllet, daß in Zu knnft bei der Meldilng voll Kiilderli allsläildischer Juden zum Schulbesuch die Schulvorstände sich vorgällgig genau zu informiren hätten, ob beu Eltern der Kinder die Ausenthallsberechtigung in Rußland zusteht. Wenn das »licht der Fall ist. so silld die Kinder unbedingt zurückzuweisen. $ Von Nah und Fern. L e 0 p 0 l d Z u il z' berü hmtes Werk „Die g o t t e s d i e ll st l i ch e il Vorträge der Juden" werden, nach dem Handexemplare des Verstorbenen von Rabbiner Dr. Nehemias Brüll in Frankfurt n. M. bearbeitet. ill zweiter Allflage herausgegeben werden. — Die famose antisemitische S ch m ü h s ch r i f t des R e k t 0r s A h l lv a r d t gegen die Berliner Stadtverwaltung ist bekanntlich besehtagllahmt worden. Wie man dieser Maßnahme von antisemitischer Seite ein Schnippchen zu schlagen sucht, geht aus folgender Briefkastennotiz im Stöckerschen „Volk" hervor: ,.K. Wittell. Tie Auflage des Ahlwnrdtschen Buches betrug 5000. Beschlagnahmt wurden in Summa neun Exemplare. Nähere Auskunft ertheilt gern W. Schildeller, Berliil. Postamt 49." Jil demselben Blatte lesen wir folgendes Inserat: „Auskunft über «Ahlwardt) der Verzweiflllllgskampf der arische»! Völker mit dem Jlldenthum giebt Schildener, Berlin, Postamt 49." Tie S t a d t v e r 0 r d n e 1 e n - B e r s a m »n lung in Tilsit hat beu Schne ide»uühlenbesitzer, Herr I Sklower zum Stadtrath gewählt. Derselbe gehörte längere Zeit dem Vorstande der Kreis-Synagogen-Gemeinde zu Tilsit an. — Die in Nr. 39 des „Gemeilldeboten" aus Schwedt a. O. gemeldete Feier des 50 jährigen Amtsjubiläums des Herrn Rabbiner Knttner erwelst sich als eine Mystifikation seitens eines gelegentlichen Korrespondenten. Wie Herr Rabbiner Kuttner uns mittheilt, umfaßt seine Amtsthütigkeit llvch nicht den genannten Zeitraum. - Ter Oberkantor der Syuagogen- Gemeillde Stargard i. Pom., Herr I. Bo rchardt, feierte am 1. Oktober das Fest seiner 25 jährigen Amtsthütigkeit. — Der prakt. Arzt!)r. ineck. Samuel Hirschfeld zu Briesen ist zum Kreis-Physikns des Kreises Gostyn ernannt worden. - Am Tage der Enthüllung des Mendelssohn- Denkmals wurde in Militschein „Akendel ssohns-Verein" gegründet, welcher dem Zweck verfolgt, die Kenntniß des Judenthums zu verbreiten. Auch aus Münster wird uns gemeldet, daß infolge der Schemini- Azereth-Predigt des Herrn Prediger D r. M a n s b a ch von Gemeindemitgliedern die Sunnne von 90 Alk. für die Abgebrannten voll Salonichi gespendet worden ist. Herr Tr. Mansbach hat die Summe der Berliner! Sammelstelle überwiesen. Hoffentlich finden diese Beispiele Nachahmung. - Am 14. Oktober beging der wegen seilles hohen Alters auch in weiteren Kreisen bekannt gewordene Rentner Jordan in Bielefeld seinen 112. Geburtstag. Der alte Herr ist noch verhältnißmüßig körperlich und geistig recht rüstig. — Das Fest der 25jährigeu Amtsthätig keit als Vorsteher beging a»u 4. Oktober Herr A. S. Levi i u Illingen. Die Gemeinde ehrte ihli durch Glückwünsche unb lieber reichullg eines kostbaren Brillantrillges. - Am 15. Oktober wurde in Frankfurt n. M die zum Alldenken all den am 10. Oktober 188<; verstorbenen Frei Herrn Carl von Rothschild errichtete Krauken-Anstal. Carolinum eröffnet. Kürzlich starb in Frankfurt, 73 Jahre alt Herr Samllel Wolf, pensionirter Ausläufer der Effekte« und Wechsel bank. Der Verblichene war der einzige Schiltzmalln jüdischer Konfession bei dem von der freien Stadt Frankfurt in den 50er Jahren errichtete»!! Schutzmalln-Korps. In Stuttgart wurden jüngst zur Nachtzeit die Firmenschilder isr aelitische r G eschä fts l eute in der Calwer ' straße von bübischer Hand entfernt und in einen Brunllen geworfen! wo sie inzwischen gefunden wuldeu. Hoffelltlich gelillgt es der Police:! die antisemitischell Buben, die vielleicht zur Feier der Auweseuhei des Berliner Hofpredigers? diesell Streich sich erlaubten, zu ermitteln. - Der Kantor E. Dworzan, bisher beim „Verein der wohlthütigel!! Freunde" in Posell angestellt, ist als Vorsänger und Chordirigent ncul,! Laupheim »Württemberg) berufen worden. Zum Direktor der! kaiserlichen Tabaksma nufaktur in Straßburg ist ein Jude, Herr | Feist aus Mannheim, ernanilt worden. - Baronin Bettina von R0thschild in Wien hat zur Erilluerung an das vierzigjährig» i Regierungsjubilännl Sr. Majestät des Kaisers in der Marktgemeilide Gnming ein Alters-Versorgungshaus für alte und durch du« | längere Reihe von Jahren thätig gewesene Bedienstete der freiherrlicl! Rothschild scheu Domänen Gaming und Waidhofen, und zwar für vierzig j Männer und Frauen errichtet. Am Sonntag hat die feierliche Schluß; steinlegung des nach den Plänen und unter Leitullg des Baurathec! Wilhelm Stiaßuy erbauten Versorgungshauses stattgefullden. Ju i Karolinenthal fand am Simchath-Thora-Tage dieses Jahres zulu ersteil Mal eine feierliche Konfirmation statt. Neunundzwauzig jungen Mädchen wurde vom Kreisrabbiner Haller der Segeil ertheilt. Ein jüdischer Gesellenverein ist ill Blldapest von dem Redakteur des Egyentöseg, Herrn Max Szabolcsi gegründet worden. — Der Posten des Pariser Seminardirektors ist mm endgiltig besetzt worden llnd zwar durch Herrn Rabbiner Joseph Lehmanll. — Für den : Rabbinatssitz in Algier wird wahrscheinlich der fetzige Rabbinervoll Nimes, Herr Salomon Kahm, gewählt werden. Der Oberrabbiner von Bayonue, Herr Astrur, seit zwei Monaten fuß leidend, konilte an den hohen Feiertagen ilicht predigeil und hielt daher! an Stelle der Predigteil religiöse Vorlesungen, die er während | des Gottesdienstes sitzend vortrug, uitb die sich großen Beifalls erfreuten. -! Französische und englische Blätter tolportireu folgende Ente: „Adelina Patti will sich auf ihrem Landsitze Craig Y-Nos iil Wales eine Syllag o ge nach dem Muster der Berliner bauen lassen. Die Sängerin gehört bekanntlich dem jüdischeil Glaubensbekenntniß an." Adelina Patti gehört bekanntlich dein katholischen Glaubensbekenntniß an. iliifex (Glaubensgenosse, der Chenliker Herr Dr. Lazar Edeleailu, ist von der rumänischen Regierung zum .. Elle4' des hravaux chimiques“ an der Universität zu Bukarest ernannt wordell. Mehr als 200 Pete rsburger Jude»», welche ihr Abiturientenexamen gemacht haben, ist der Eilltritt ill die U niversitütell versagt worden, weil dadurch mehr als die gesetzlichen 5 pCt. hineinkämen. Die Betreffeildeil Habel» an den Minister der Volksaufklärung ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen ihre Ausschließung protestiren. — Die Polizei in Krements ch u g erhielt den Auftrag, die Judell binnen sieben Tagen a u s zuweisen. — Sir Julian Goldsmid und Sir Albert Sassoou haben sich ans Veranlassung der /Vn^Io-.le^vi^li-^-i^oemtiou an den britischen Residenten in Teheran und an den britischen Agenten in Jspahan gewendet, um dieselben zu einer Inte rv e n t l0n i u» In 1 e re s se; der persischen Iuden zu veranlassen, die sich nicht überall im Lande! einer freundlichen Behandlung erfreuen. Von Beiden bekamen die Ab-; sender befriedigende Antworten. - In der Großen Synagoge zn Oran hielt am 13. September der Oberrabbiuer Weil die Trauerrede auf den ill Jerusalem verstorbenen, ehemaligen Dajan des algerischer , Rabbinats, Herrn Samuel Abulk er. Druck und Verlag von.Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauckwitz in Berlin.