Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 37 (26.9.1890)
- Date
- 1890-09-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 tischen Knltnsgemeinde. i^efiiört von Tr. stcikolaus Balküuy, und der aut. orlhodvren israelitischen Glaubensgemeinde, geführt von Präses Taster. IHuf die Ansprachen derselben erwiederte Se. Majestät: „Gern empfange Ich Ihre Huldigung und die Versicherung Ihrer Treue. Es wird Mir stets zur Freude gereichen, wenn Ihre Glaubensgenossen unter Entwicklung Ihrer religiösen Einrichtungen sich auch künftig Meiner Gnade und des durch die Gesetze gewährleisteten Schutzes würdig erweisen werden." (Begeisterte Eljenrufe.) Zu erwähneil ist noch, daß beim Empfange der Deputation der beiden jüdischen Gemeinden die in der Deputation anwesenden sechs hiesigen und Komitats-Rabbineu beim Erscheinen vor dem Kaiser einen jüdischen Segenssprnch sprachen, an dessen Schluß Se. Majestät das „IHnu'u'' sichtlich bewegt wiederholte und sich hierauf neigend für den Spruch dankte. Beim Eercte fragte der Kaiser den Rabbiner; „Sie bauen eine neue Synagoge? Wie viele Tempel haben Sie? „Ja, Majestät, wir haben zwei Tempel." erwiederte der Rabbiner. Dann erkundigte sich der König, wie groß die Gemeinde ist. „6000 Seelen, Majestät," lautete die Antwort, woraus der König bemerkte: „Es rrent mich." Rußland. -i€ Warschau, 21. September. Die hiesigen Zeitungen berichten, das; beim Einzug des russischen Kaiser Paares zll den Manövern in Rowno and) die Repräsentanten der dortigen jüdischen Gemeinde mit ihrem Rabbiner an der Spitze die Ehre hatten, die Majestäten zu begrünen. Der Kaiser wurde unter einem Baldachin von dem Rabbiner mit den Tborarotlen empfangen, der den Hebräischen Segen aussprach, den das Gesetz für den Anblick eines gekrönten Hauptes vorgeschrieben. Auch unter der Schilljugend, welche mit ihren Ehvrgesängen den Einzug feierte, befanden sich Zöglinge der israelitischen Religionsschule. U Von Nah und Fern. ~ Die Konfiskation der Ahlwardt'schen Broschüre: „Der Verzw e i fl ung stampf der arischen Völkerschaften mit dem Jndenthum" ist, wie die „Ltaatsbürgerzeitnng" erfährt, infolge von Strafanträgen voll Personen, lvelche sich durch die Broschüre beleidigt erachten, erfolgt. 'Aach dem gerichtlichen Bescheide an den Verfasser haben die Herren Geh. Hofrath Mancho, Gemeindeschullehrer Klopstech und Rektor Bühring Strafanträge gestellt. — Eitle antisemitische V vlksversammlung . hielt ain Dienstag Abend der antisemitische Vvlksverein Berlin Norden unter Vorsitz von Bodeck in der Brauerei von Bötzow ab. Die Versammlung war sehr stark besucht, and) eine An za h l S ozi a l d e m o kra te n hatte sich eingesnnden. Reichstags Abgeordneter Zimmermaliu verbreitete sich eingehend über daS Thema: „Wach auf, deutscher Michel!" In der Debatte theilte der Vorsitzende mit, daß ein über ganz Deutschland sich erstreckender antisemitischer Agitationsverein gegründet werden solle, und befürwortete, die „ideal gerichteten" Agitatoren, die weder über .Judengelder noch Reptiliengelder verfügten, kräftig zu unterstützen! Herr A d ol f P i n c n s so h n, dessen gemeinnütziges Wirken in jüdischen ERmeindeangelegenheilen rühmlich bekannt ist, wurde gestern mit großer Majorität zum Stadtverordneten gewählt. — Die israelitische Gemeinde zu Wittlich (Reg.-Bez. Trier) hat die Rechte einer Syuagogen-Gemeinde erhalten. Der Kreisphysikus Dr. Räuber in Nordhansen hat wegen Vertheilnng von antisemitischen Druckschriften an die Arbeiter einer in jüdischem Besitze befindlichen Fabrik seitens der Regiernilg die Weisung erhalten, das; er als Staatsbeamter Agitationen zu vermeiden habe, welche geeignet sind, zu irrigen Auffassungen oder gar zur Mißstimmung in einzelneil Bevölkerungsklassen Veranlassung zu geben. Die Fr i e d e n s s a a t de s B erline r H v f - Predigers geht herrlich auf, wie die folgenden Nachrichten bezeugen: j. In Sieg bürg wurde während einer der letzten Nächte auf dem israelitischen Fried Hofe ein großes Zerstörungswerk nusgeführt. Von noch unbekannter Hand sind dort 12 Grabsteine umgeworfen und theils beschädigt worden. Die Gewalt, die hierbei an einzelnen Steinen angewendet dicke Eisenstaugen sind mit umgebogen - läßt darauf schließen, das; mehrere Personen gemeinschaftlich die That begangen haben. - 2. Auf dem israelitischen Friedhofe in Mayen wurden! in der Nacht zilm September zwanzig Grabsteine zertrümmert. — In Allendorf ent der Lllmda. Station Lollar, einem Ort von 1 - »CM) EinwohuertN fanden sämmtliche jüdische Familien in dem Weißbrod, welches die Inden dort am Sonnabend essen, unter der Kruste ca. 10 Stück abgeschnittene Streichholzköpfcheu. Kaufmann Stern aus 'Nordeck hat die Sache der Staatsanwaltschaft att gezeigt. Der Ort gehört zum Wahlkreis Pickenbnchs und wird fortwährend von antisemitischen Agitatoren dttrchzogen. In Nffenheim (Pfalz) wurde am vorigen Freitag die ueuerbant' Synagoge der Kultusgemeinde eingeweiht. ^Nachdem von den Säugern des Bürger-Vereins der Choral „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" vorgetrageu, übergab der Kultus-Vorstand den Schlüssel an Herr!; Bezirksamtmann Zinn, welcher nach einer trefflichen Ansprache sodann! die Synagoge eröffnete, worauf der hochbetagte Rabbiner Herrn Grüne > bäum von Ansbach die Festpredigt hielt. - Dr. Löwy, z. Z. Rabbiner in Göttingen, wurde nach einer am 6. d. M. in der hiesigem Synagoge abgehaltenen Gastpredigt zum Landrabbiner des Für st en t h n m Birkenfeld gewählt. — Anläßlich der in Folge der Ueberschwem mung in Prag hervorgerufenen Trinkwassernoth hat Herr Gu st an Jrmenbach zehntausend Flaschen Krondorfer Sauerbrmln den Behörden behtlfs Vertheilnng zur Verfügung gestellt. — Alls Ansuchen! haben die Behörden in Kis-Oesz den Wochenmarkt von Samsta > auf Mittwoch verlegt. Dies mißfiel dem evangelischen Ortspfarrer Stelzer, linb er hetzte das Volk so heftig gegen die Behörden, das; letzter sich veranlaßt sahen, ihn vier Tage in Hast zu behalten tutb jetzt bi Strafanzeige wegen Beschimpfung erstattet haben. Der Vorsteher der Gemeinde Stuhlweißenburg, Herr S a l om on Werthei m. ist gestorben und am 11. September unter allseitiger Theilnahme bestattet worden. Der radikale Skupstina-Kandidat W a s a P ela gic s machte in einer Broschüre den Versuch, den Antisemitismus in Serbien eiuzv führen. Die „Srbska Nezavisnost" verurtheilt entschieden dieses Vor gehen und stellt den serbischen Juden das Zeugniß ans. das; sie b0 zahllosen Gelegenheiten sich als gute Patrioten bewährten. — A'.n 12. September haben nicht weniger als 2o0 jüdische Auswanderer Odessa verlassen. — Die medizinische Fakultät zu Amsterdam: hat zu ihrem Präsidenten den Professor Herz, zu ihrem Sekretär Dr. Stockwiß, beide Israeliten, gewühlt. —- Die Neuwahl für den verstorbenen Ti r ektordes P a r i s e r R a b b i n e r s e m i n a r r den Herrn Dr. Trenel, soll in kürzester Zeit erfolgen. Bei dieser Gelegenste' wird eine Theiluug der bisherigen Amtsobliegenheiten borgenommer werden, da die Stellung eines Seminaroberhanptes mit den dann: bisher verbundenett Funktionen eines „Oekonomen" des-Internats fiiii uid)t vertrug. — Auch der wichtige Pariser R a b b i n a t s p o st e n soll im Laufe des November aufs ilsime besetzt werden. — Der neu erwählte N a bb i n e r von Na n c y , He r r I s a a k Bloch, ist ai n Mittwoch den 10. September durch den Grattdrabbin Zadok-Kabr feierlich in sein Amt eingeführt worden. Bei dieser Gelegenheit tmut. auch die jüngst von uns ausführlich beschriebene A l t e r sv e rso r g it n gs anstatt eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. — Französisclr Blätter bezeichnen jetzt auch D a lt o n , den k ü h n e n S ch w i m m e t welcher jüngst von Boulogne nach Folkestone schwamm, als unseren Glaubensgenossen. Nein, diese Juden! — Man schreibt uns aus Riga: 19 Israeliten, welche sich zitr Aufnahme in das hiesige Polytechniknmeldeten, haben sich sümmtlich taufen lassen, 16 wurden evangelisch, einer griechisch-katholisch. — Es dürfte von Interesse sein, zu erfahren, den der Schwager des jetzigen Präsidenten von Bue nos-Ahre- Dr. Pellegrini, ein deutscher Jude 'Namens Meyer ist. Derselbe r: ein bedeutender Produktenmakler. — Unter dem Titel „D a s ne u e jüdische Volksblatt" wird in Jerusa'em eine Zeitung in jüdisc! deutscher Sprache für die inneren Angelegenheiten des heiligen Land.:' erscheinen. Die Herausgeber sind Em. Preis u. Eie. — Als Armenarzt für Jerusalem ist von dem Verein Lomaim Zion Hen Dr. Albert Feuchtwanger aus München angestellt worden - Eire Gesellschaft mit langem Namen ist die „r u j si sch - a merik an iscl. hebräische Gesellschaft zur Beförderung der Geselligkeit und R: amerikanischen Bürgersinnes, zur Vertheidigting ihrer Landsleute var ungerechteit Angriffen, woher diese immer kommen mögen, und zw Hebung des moralischen ttud intellektuellen Standpunktes ihrer Land' leute". Die Gesellschaft veranstaltet jeden Sonntag Nachmittag öffentliche Vortrüge, deren erstell am letzten Sonntag der Rabbi der Gesellschach Dr. Adolph Radien, über das Thema „Schwarze Schafe unter den riw sischen Juden" hielt. Truck und Verlag von Nudols Nlvjse in Berlin. Verantwortlich für dte Redaktion: Mar Bauchlvit; in Berlin.