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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-26 · Heft 37 (26.9.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 37 (26.9.1890)
Date
1890-09-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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54. Jahrgang. Ar. 37. Allgemeine Berlin, 26. September 1896. ettung öes Auöenlhums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich, j Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Z Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Begründet von Rabbiner Ludwig Philippson in Kann. Crpeditwn: Gerlin, Zerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind au die Adresse: Verlag von Rudolf Mosse. ..Berlin SW., Jerusalemer Straße Rr. 48/49 zu richten. Inhalt. Leitartikelr Tas LaM)ütteniest. Von Tr. I v l M ül l er. — Die Religion der Versöhnung. Von Georg Minden. — Wiffenschaft und Litteratnr: Zwei Apostel und ein Buch. Volt G usta v Karp el es. — Feuilleton: Der Bote. 'Bon Eleonore Birnbaum. — West - östliche Poesien. Bon Dr. Samuel Kristeller. — Wie Jeremiah über Helgoland denkt. Bon G. S. — Misccllen. Der Gemeindcbote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Zeobschüls. Btülhaikfeu i. E., Zwei brücken, Vllannheim. Ans Württemberg. Tebrccü n. Warschau. .- Von Nah und Fern. Das Tanbhültenfest. Von Tr. Joi"l Müller. Die ernsten Betrachtungen über das Leben und über die Bedeutung der rasch dahinrollenden Zeit, zu welchen die Weihe der Nenjahrsfeier anregte, die Selbstemkehr und die Selbstprüfnng, welche .in dem Tage der Versöhnung zu reinem und edlen Fühlen erhob und festigte,, führten uns würdig und weihevoll dem großen Herbst- 'este entgegen, dem Feste der Freude. Zeichen und Symbol des wohligen Gefühles der Zufriedenheit, öes angenehmen Behagens, des ruhigen Gleichumthes, der das Gemüth beherrschenden Freude, ist nach der alten Litteratur des jüdischen Stammes „das Weilen und Wohnen in der Laubhütte." Tie Herbstiche Feier, die Zeit, in welcher der Segen der reichen Garten Palästinas it das Hans kam, die Tage, an welchen den Menschen die Fülle des Heiles zufloß und zu wonnigem Empfinden bestimmte, tragen den 'ünnen Hüttenfest.') Das Gebot, in der Hütte zu weilen, giebt dem brauche natürlicher Freudigkeit heilige Weihe. -) Der Prophet, welcher bie Stämme ermahnt, den schwachen und wankenden Stützen der Wdenmacht zu mißtrauen und aufruft, sich zu Gott zu wenden, stecht zu begründen auf Erden, in Thaten der Liebe und in Gotteslosfen Freudigkeit zu suchen, verheißt dem Volke heitere Zukunft und ungetrübtes Glück mit den Worten: „Frei von Sorge und Trübsal, acht beengt von dem Drängen volkerfüllter Städte, in Zelten wirst u, Israel, einst wohnen, wie in den Tagen des fröhlichen Festes."::) Zur Freude und zu dem beglückenden Gefühle des heiteren Sinnes bestimmte das Fest der Laubhütten die Israeliten alljährlich -nährend des Zuges der Jahrhunderte/ während der schon nach Sausenden von Jahren zählenden Tage ihres Stammeslebens. War >5 in den alten Tagen seines Volksthums, auf dem Boden des beimathlichen Landes so natürlich unb einfach, jugendfrisch das Herbstest zu begehen im Anblick der lachenden Natur, in luftigen Hütten, vom sanften Hauche duftiger Pflanzen und Früchte umweht, so wurde es in der Folge der stürmischen Tage und wechselnden Zeiten oft zur siegenden That, freudiges Gefühl zu gewinnen und festzuhalten, frohen Muthes in die hallenden Chöre der Festeslieder einzustimmen. Auch sonst bedarf es bei den wechselnden Stimmungen des E Geistes der Kraft und der emporragenden Seelenmacht, um das; freudige Gefühl des Wohlbehagens festzuhalten, den Spiegel der zufriedenen Seele vor jeder Trübung zu wahren. Der Wille muß; sich behaupten, die Besonnenheit muß beharrlich und sicher die höheren! Ziele hervorheben, um Zweifel und Sorge siegend zu bekämpfen, um den mit sich zufriedenen Lebensmuth im Ansturm der Empfindungen sicher zu stellen. Um wie viel mehr hatte sich inmitten des israelitischen Volkes die Gewalt des Geistes zu erproben,'um wie viel inehr mußte da die riesenhafte Kraft des Willens sich erweisen, wenn dieser von zahlt/sen Stürmen der Zeit erfaßte, bis in seine tiefsten Wurzeln gerüttelte Stamm dennoch freudig emporstreben konnte, wohlig und frisch sich entfaltete, Tage des Frohsinns feierte, ein hehres Fest der Freude beging! Es bedurfte des Zusammenstimmens aller Geisteskräfte, um diese jüdischen Männer aller Geschlechter, die so viel Feindseligkeit und Unglück umgab, zur Freude zu leiten, zur Freude, welche in wunderbarer Verkettung der Lebensmächte wieder die Kraft giebt, das Heil in weitere Kreise zu tragen. Wenn das Wort des alten Gesetzes die Pflicht, am Herbstfeste die Freude herrschen und walten zu lassen, wiederholt betont'), so könnte es den Nachgeborenen scheinen, als wollte die vorblickende Weisheit auch für harte Zeiten die Freudigkeit retten, als wollte sie den Israeliten durch die Macht des religiösen Aufschwunges freieren, weiteren Ausblick über das Leben schaffen, als wollte sie durch die in Gott erhöhte festliche Seelenstimmung dein Frohmuth der Seele den Triumph intb die Palme sichern inmitten der Kämpfe mit düsteren Geschicken. Die Veranstaltungen der Religion, durch die Zeiten geweiht und geheiligt; haben sich im Leben dieses alten Glaubensvoltes führend bewährt. Das Fest des Herbstes rief und weckte zu allen Zeiten! Klänge der Freude unb hellen Jubel in den Zelten der Frommen. T Zogen sie auch nicht mehr hinaus, um in den üppigen Gärten, vom Laubdach umschattet in freudigen Zügen und Tänzen das Glück des; Tages zu feiern, so erfüllten die Sitten und Bräuche des Glaubens j doch das Herz mit frohen Gedanken, frisch und griin wand sich neben; dem zierlichen Hanse das grünende Laubdach, am Gottesaltare! dufteten Zweige und Früchte. Also beging das Häuflein, das i mit Esra aus Babylon zurückkehrte in das gebeugte, zur Wüste gel) 5. B. M. 10, 10. *) 0. B. M. TI, 40.;ij Hosea V>, 9. 5. B. M. 10, 14, lo. 2) Ps, 118, i:>.

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