Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 35 (12.9.1890)
- Date
- 1890-09-12
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 sollen, sind 20, also ein Fünftel, Jüdinnen. — Am 4. September ist in Köuigshütte der neugewühlte Rabbiner, Herr Dr. Goldschmidt, in sein Amt eingeführt. - In Beuthen O.-S. fand am 29. August der Amtsantritt des Kantors Finkelstein statt. — Antisemitische Strömungen sind in der jüngsten Zeit in Gro ß-St rehlitz wahrgenommeu worden. Es ist indeß gegründete Hoffnung vorhanden, daß die dortige Staatsanwaltschaft die Erregung öffentlichen Aergernisses zu hindern wissen wird. — Der Rabbinatskandidat Herr Grün selb, der trotz seiner Jugend sich bereits einen Ruf als Kanzelredner erworben hat, ist als Rabbiner nach Pa sew alk berufen worden. — Der Katholikenta g in Koblenz hat der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Simultanschulen geeignet seien, den konfessionellen Frieden zu stören und die den Bestand der Gesellschaft bedrohenden Gefahren fördern. Offenbar aus demselben Grunde schwärmt der bekannte Berliner Hofprediger für spezifisch jüdische Lehranstalten. - In Frankfurt a. M. starb jüngst der in weiten Kreisen beliebte Lehrer am Philanthropin, Herr Louis Müller. Die Beerdigung fand unter außerordentlicher Betheiligung statt. Dem Wagen voraus schritten die Schüler der oberen Klassen des Philanthropins mit Kränzen, der Sarg selbst war reich mit Palmen und Blumen geschmückt und ein ganzer Wagen voll Blumenspendeu folgte. Außer den Kollegen und vielen jetzigen und ehemaligen Schülern des Verstorbenen gaben ihm auch die Direktoren und zahlreiche Lehrer anderer Schulen das letzte Geleit. Am Grabe empfing den Sarg Gesang des Lehrerchors. Die Leichenrede hielt Herr Pfarrer Basse, dann sprach Namens des Philanthropins Herr Direktor Dr. Baerwald. — Süddeutsche Blätter veröffentlichen im redaktionellen Theile nachstehende Bitte: Zur Vollendung einer Arbeit über den Dichter Michael Beer bedarf ich Nachricht über Verbleib des Nachlasses oder sonstigen ungedruckten Materials. Etwaige Miktheilungen oder Zusendungen verpflichten mich zu persönlichem Dank. Gust av Nt a n z, Karlsruhe i. D., Sophienstraße 25. — Am 20. August feierte in München der in weiteren Kreisen bekannte und geachtete Herr Elkan Selz, freiresignirter Bezirksrabbiner, inib seine Gattin Fanny, geb. Helbing, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Se. königliche Hoheit der Prinz-Regent zeichnete das Jubelpaar durch klebermittlung seiner Glückwünsche aus und ließ demselben ein prachtvolles Blumeubonguet überreichen. Herr Elkan Selz war früher 40 Jahre als Rabbiner in Harburg in Ries thütig und lebt mit seiner Gattin seit seinem Amtsrücktritt in München. -. Bei der jüngsten Wahl in Kaiserslautern wurde auch der Antisemitismus vielfach zu Wahlzwecken benutzt. Ein Reisender wanderte am Tage der Stichwahl durch ein Torf im Wahlkreise, in dem auch mehrere Israeliten wohnen. Einige Schulknaben liefen ihm eine Strecke nach. Auf seine Frage: Wer wird denn hier gewählt? erhielt er die drastische Antwort: „Die Inden wählen den Grohn, die Ehristen den Brunck." -- In Stuttgart fand am 25. v. Nt. die Jahresversammlung des württembergischeu „ Vereins f ü r I u d e u in ission" statt, in welcher der Vorsitzende, Pfarrer Völter-Großjägersheim, mitiheilte, daß im abgelaufenen Jahre 0 „Bekehrte" mit 4180,92 M. unterstützt wurden. Da sage noch Einer, daß den Leuten die Inden nicht theuer seien. — Wie Herr Professor Stengel im Mumling-Boten berichtet, bezeichnet der urchristliche Herr Dr. Bo ecke l seine eigenen Eltern in einem Briefe mit den Worten: „Diese Eltern sind Scheusale, die man verachten muß." Ein würdiger Sohn! -- In Alzey wurde am 7. August unser Glaubensgenosse Herr Theodor Wolf zum Beigeordneten der Bürgermeisterei gewühlt und dieser Tage auch vom Ministerium bestätigt. Diese Wahl ist umso bemerkenswerthrr, als Herr Wolf bis jetzt dem Stadtverordneten-Kollegium nicht augehörte.--Herr Dr.JsidorHirs ch, Sohn des Hamburger Oberrabbiners, beabsichtigt eine kritische Allsgabe von M a i m o n i de s' M i s ch n a h - K o m m e n ta r herauszugeben. Diese soll neben dem arabischen Original einen revidirten hebräischen Text enthalten. Das Werk soll auf Subskription erscheinen und 5 Bände umfassen. Mit dem Dampfschiff „Vesta" kamen in voriger Woche ein und zwanzig mittellose Rückwanderer von London in Hamburg an und wurden durch das israelitische Unterstützungs-Komitee nach ihrer Heimath Rußland und Polen weiter befördert. — Tie deutsch-israelitische Gemeinde in Hamburg hat beschlossen, das der Gemeinde gehörende a lte Kran kenhaus lüederlegen und an dessen Stelle einen Prachtbau anfführen zu lassen. - Die Einführung des Oberrabbiners Weil in Straßburg wird am bevorstehenden Laubhütteufeste stattfinden. — In Wien erscheint eine neue Halbmonatsschrift für jüdische Interessen unter dem Titel „Ter unparteiische Beobachter". Herausgeber ist der bekannte Litterat Arthur S. Weißmann. - Auf Anordnung des Kriegsminiilers wurden für die jüdischell Soldaten der bosnischen Bataillone, welche zum ersten Male nach Wien kamen, in der Kaserne zwei neijc Herde mit neuen Kochkesseln aufgestellt und völlig rituelle Verpflegung eingerichtet. — In Linz ist bei der Landtagswahl der An tis emi t Dr. Beurle mit Hilfe der Klerikalen, welche für ihn stimmten, gewählt worden. — Die Talmud-Th ora-Schule in Prag, welche im letzten Schuljahre das 33. Jahr ihres Bestandes vollendete, war im Schuljahre 1889 bis 1890 von 320 Schülern besucht — die stärkste Frequenz seit ihrem Bestände. — Am 4. August hat die 18. ordentliche Generalversammlung des „Israelitischen Lehrervereins in Böhmen" stattgefunden. — So lange Tisza Ministerpräsident war, wurde alljährlich zu dem Festmahle, das an: 18. August aus Anlaß des Geburtstages des Königs in Budapest stattfand, auch einer der Rabbiner eingeladeu. Tisza's Nachfolger Graf Szapary hat dies in dem letzten Jahre unterlassen. — Der gegenwärtig in Diör-Mindszend weilende Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand d'Este wohnt daselbst im Hause des jüdischen Gutspüchters Herrn Heinrich M a u t h n e r. — Der österreichisch? Kaiser hat unseren Glaubensgenossen Herren Max und Ferdinand Beck den ungarischen Adel verliehen. — Der furchtbaren Feuersbrunst, welche die Stadt Tokay zerstörte, ist auch die Synagoge, Mikwah Schule und Beth-Hamidrasch zum Opfer gefallen; auch die Thorarollen sind bis auf eine einzige verbrannt. Baron Hirsch hat für bit durch den Brand in Tokay Verunglückten 50,000 fl. gespendet. — Der französische Kriegsminister hat für die jüdischen Soldaten anläßlich der ho hell Feiertage einen Urlaub vom 14. bis 17. und von- 23. bis 25. September augeordnet. — Am 8. September fand in Blankenberghe im Hotel Meyer die feierliche Einweihung der von israelitischen Kurgästen geschenkten Gesetzesrolle (Safer iorali) statt. Dü Festrede hielt der allch als Kurgast hier weilende Prediger der Synagogen-Gemeinde Steele, Herr Goldberg. — Die jüdischen Tischler in Whitechapel hielten jüngst ein Meeting in der Streitfrage ab. - Herr Giuseppe Cammeo, Rabbiner von Neapel, hat soeben dü „Geschichte der jüdischen Gemeillde zu Neapel von 1830 bis 1890" ver ösfentlicht. — Eine Frau Amalie Fischer, angeblich aus Halle, machte jüngst in der israelitischen Abtheilung des Mailänder Monumentalfriedhofs am Grabe ihrer Tochter Gertrude einen Selbst- Mordversuch. Ihr Zlistaud ist hoffnungslos. — Der Vorstand de-: „Vereins zur kl n t e r st ü tz u u g der jüdi s ch e n Ackerbauer i w Sy ri en u n d Palästina'', welcher feinen Sitz in Odessa hat, ha! 8000 Francs für die Kolonien „Gadara" und „Pethach-Tickwah" 3000 Francs für „Wadi Chanina" bewilligt. — Eine furchtbar? Feuersbrunst hat den größtentheils von Inden bewohnten Flecken Mohardicz fast vollständig zerstört. — Auch die fast ausschließlich von Juden bewohnte Stadt Propoisk ist ganz niedergebrannt. Das Elend ist grenzenlos. — Herr C hichmanoff, General-Inspektor de E l ementar - Unterrichts, und Herr Se ross, Inspektor der Schulen in Varna, besuchten die dortige Allianceschule; sie prüften die Kinde, und schienen sehr befriedigt von ihren Antworten. — Herr Jose: Effendi Krieger in Salonichi ist vom Könige von Jtaliei mit dem Orden der Corona d'Jtalia ausgezeichnet worden. - Am 1. September wurde zu Cincinnati im Cvllege-Gebände das Heb r e u Union College für das akademische Jahr 1890—91 eröffnet. Dü Zahl der Hörer betrügt zweiundvierzig. — Die Ein w aubentnq Doi Israeliten in die Vereinigten Staaten ist in fortgesetzter Zu nähme begriffen. Namentlich in ben letzten Monaten ist die Zah der Eingewanderten rapid gestiegen. Nach den offiziellen Listen, welch über die anlangenden Passagiere in Castle Garden geführt werden langten vom 1. Oktober 1888 bis 1. August 1889 16,499 Juden ir New-Vork an, während in der gleichen Periode dieses Jahres 23,20landeten. Die erstell sieben Monate weisen folgende Ziffern auf, 1205 1530, 2k86, 786, 1987, 6003, 5364. Die Einwanderung war somit 0' den Monaten Juni uttb Juli b!e stärkste, welche überhaupt in New-?)oü seit Langem beobachtet wurde. — Die Libanon-Hospital-Ver einig ung hat in New-Uork das Terrain und die Baulichkeiten eine alten Ursulinerinnenklosters erworben, um-daselbst ein Krankenhaus errichten. - In Kairo starb nach zehnmonatlichem Krankenlager bei Oberrabbiner der Sephardim, Herr David Mirkado, im Alter von 71 Jahren. Truck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Baucbwitz in Berlin.