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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-29 · Heft 33 (29.8.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 33 (29.8.1890)
Date
1890-08-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 wird. Mittlerweile hat der Präsident des Appellgerichtes zu Jassy an Rabbiner Taubes geschrieben, er möge sich in Hinkunft mit Bezug auf den religiösen Eid, der von den Juden verlangt wird, den richterlichen Autoritäten nicht entgegensetzen, widrigenfalls ihm wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt nach § 170 des Strafgesetzbuches der Prozeß gemacht würde. — Die beiden gesetzgebendeil Körperschaften haben während des letzten Sessionsabschnittes an 160 Tagen Sitzungen abgehalten. Während dieser Periode hat eine große Anzahl Griechen, Bulgaren, Serben und Siebenbürger, natürlich lauter Christen, das Bürgerrecht erhalten, aber keinem einzigen Juden gelang es, die Rechte eines rumänischen Staatsangehörigen zu erwerben, obwohl einige Tausend unserer Glaubensgenossen während der letztell zehn oder zwölf Jahre in dieser Absicht an die Pforten des Parlaments pochten. Daraus können wir entnehmen, wie viel das Wort eines Bojaren werth ist, wenn es sich um die Interessen der Inden handelt. Von Nah und Fern. — Zur Würde des G öltesdien stes an den diesmali gen hohen Feiertagen wird es wesentlich beitragen, daß die Auswahl der für Veranstaltung von Gottesdiensten verfügbaren Lokale in diesem Jahre eine geringere als sonst ist. Die Ursache liegt darin, daß der erste Neujahrsabend auf einen Sonntag fällt, und an diesem Abend die Lokale niederen Ranges ihre Räumlichkeiten für Tanz- und andere Belustigungen brauchen. — In der vorigen Woche fand die Vermählung des Fräulein Paula Pringsheim, Tochter des Geheimen Kommerzienrathes Hugo Pringsheim, mit Herrn Heino v. Achenbach, Sohn des Staatsministers und Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, statt. Was sagt Graf Pfeil zu dieser Entente cordiale? — In Misdroh gerieth ein Berliner Maler auf der See in Gefahr zu ertrinken, wurde aber voll Herrn Georg Jsaae aus Charlott eu burg gerettet. -- Die Ntagdeburger Stadtverordnetenversammlung hat auf Vorschlag des Magistrats Herrn Heinrich Silbergleit aus Gleiwitz, zur Zeit im mathematisch-statistischen Büreau der Nheinischell Hypothekenbank in Mannheim, zum Direktor des statistischen Bureaus gewählt. — In Neustadt b. P. schlug der Blitz in den israelitischen Tempel ein. Ntan bemerkte bald darauf vom Dache aus eine kleine Rauchwolke aufsteigeil, welche indeslen durch schleunigst herbeigeeilte Hilse sofort gedämpft wurde. Das Gebälk ist weniger, desto mehr aber die innere Decke zerstört, von welcher an manchen Stellen der Auspntz abgefallen. Der zufällig im Tempel anwesende Synagogendiener wurde zwar betäubt, erholte sich jedoch bald. Die freiwillige Feuerwehr war zur Stelle, kam aber nicht in Thätigkeit. — In Düsseldorf starb am 12. d. M. Herr Louis Bacharach, ein edler Wohlthäter, der besonders für gemeinnützige Anstalten stets ein offenes Herz hatte. — Herr Dr. A. Lewinsky, Zögling des Breslauer Seminars, ist zum Rabbiner in Weilbnrg gewählt worden. — Zu Ems in Kurhaus Schloß Langenau ist einer Berliner jüdischen Familie ihrer Religion wegen die Aufnahme verweigert worden. — Das Pslegeamt des Israelitischen Gemeindehospitals in Frankfurt a. M. erstattet Bericht über seine Thätigkeit während der letzten drei Jahre. In diesem Zeitraum wurden 15 500 M. für Frei - betten (dieser Fonds betrügt jetzt 3631719)10, 10 304 9)1. an baaren Geschenken gespendet, aus Gemeinde-Mitteln Zuschüsse in Hohe von 648069)0 geleistet. In der Anstalt wurden 1108 (mit 25 592 Verpflegungstagen), ambulatorisch 3181, in ihrer Behausung 760 Kranke behandelt. — In der Nacht von Freitag auf Sonnabend wurden in der Synagoge zu Dahlheim bei Oppenheim llimmtliche Gegenstände, die zu liturgischen Zwecken dienen, demolirt. Der Gesammtschaden beläuft sich auf 600 9Nark. Es scheint, daß die Schandthat lediglich aus Rache verübt worden ist; von dem Thäter fehlt jede Spur. — Am 4. August fand zu Würzburg die jährliche Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern im Hotel Goldschmidt statt. Die Betheiligung daran war eine ungewöhnlich starke. — Die Ernennung des Oberrabbiners Jsaae Weil zu Metz zum Oberrcrbbiner in Straßburg hat die Bestätigung des kaiserlichen Statthalters erhalten. — Am 6. Juli starb, 70 Jahre alt, der Vorsteher der Gemeinde Maursmünster im Elsaß, Herr David A. L ev y. Der Verstorbene, welcher Mitglied des Stadtraths war, erfreute sich bei allen Konfessionen der höchsten Achtung. — Der bekannte Wiener antisemitische Journalist, Herr Carl Hron, der sich seit bem Prozesse Pattai-„Volksblatt" einer traurigen Berühmtheit erfreut, hat vorige Woche eine Broschüre erscheinen lassen, welche die Verhältniss innerhalb der antisemitischen Partei mit schonungsloser Offenheit dar legt. Die tzron'sche Schrift verfolgt einen positiven Zweck, nämlich Herrn Vergani, der in jenem Prozeß seinen ehemaligen Mitarbeiter schnöde im Stich gelassen und sich überhaupt gar heldenmüthig In" nommen, vor die Schranken des Gerichtes zu zerren, die er trotz einer ihm angeborenen instinktiven Scheu vor einer mannhaften Vertretung seiner kühnen Thaten mehr zu meiden scheint, als es sich sonst mit den Begriffen von Ehre und Anstand verträgt. Aber Herr Vergani schein! noch nicht alle Courage verloren zu haben, denn auf sein Einschreiten wurde von der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme des Hron'scher Pamphlets verfügt, er selbst aber, der edle Vergani, hat die Ehren beleidigungsklage gegen seinen gewesenen Redakteur überreicht. Harre: wir der Dinge, die da kommen werden. — Der ungarische Justizminister hat den Dozenten an der Pesther Universität Dr. Mai Schächter zum 9Nitgliede und Schriftführer des neukreirteu gerichtsärztlichen Senates ernannt. — Der Rabbiner in Var Palota, Herr Abraham Singer, giebt eine neue jüdische Zeit schrift unter dem Titel „Ungarisch-jüdisches Archiv" heraus. Die Artikel erscheinen in ungarischer und deutscher Sprache. Das Komitee der israelitischen Volksküche in Lemberg hat an> Anlaß der Vermählung der Frau Erzherzogin Marie Valerie am 30. und 31. v. Mts. im Lokale gedachter Volksküche unter hiesige Arno ohne Unterschied der Konfession je 400 9Nittagmahle vertheilt. — In Brody ist am 20. d. 9)1. Herr Jakob Werber, der Redakteur bei hebräischen Zeitschrift .Jbri Anochi“, im 32. Lebensjahr nach langem Leiden gestorben. Die Zeitschrift, die seit vielen Jahren erschienen und sehr werthvolle Beitrüge gebracht, hat in Folge dessen zu erscheinen am gehört. — In Amsterdam forderte ein Komitee, bestehend aus den Herren Oberrabbiner Tr. Dünner, dem evangelischen Pastor und dem Bürgermeister, in den Tageszeitungen zu Spenden für die nothleidenden jüdischen Diamantschleifer auf, deren Zähl nahezu 10,000 erreicht. — Herr Marcus Gerret Tabak in Amsterdam har dem dortigen jüdischen Asyl zwei Millionen Gulden vermacht. — Herr R ab b i n e r D r. L a n d s b e r g i n 9)1 astricht ist von König Wilhelm II!. mit dem Orden vom goldenen Löwen ausgezeichnet worden. — Der Munizipalrath voll Ostende hat zur Errichtung einer Synagoge einen Bauplatz und 18,000 Francs zu den Baukosten bewilligt. Allgemeine Heiterkeit erregt in Paris die Klage des Druckers der antisem i tischen Wahlaufrufe gegen die Gemeinderathskandidateu dieser Partei. Herr de Mores, der dem Drucker für 150,000 Franco gutgesagt hatte, zahlt nämlich nicht, aus dem triftigen Grunde, weil er kein Geld hat. Der Drucker hat nun die etwa 20 antisemitischen Bewerber verklagt, die gleichzeitig die Unterstützung Boulanger's genossen. Bekanntlich sind nicht nur diese, sondern alle antisemitischen Kandidaten mit Glanz durchgefallen, einer derselben, ein gewisser Badere, erhiel! ganze zwei Stimmen. — In der 91acht von Sonntag aus Montag verheerte ein bedeutender Brand das größtenteils von armen Juden bcwohnte Stadtviertel Balat in Stambul. Gegen 200 Häufen eine 9)loschee, eine Synagoge und türkische Schule wurden zerstört. Dao Feuer fing in einer Holzniederlage an und dauerte von ^Jlitternaclu bis 6 Uhr 9)lorgens. — Der kürzlich verstorbene Vorsteher der vereinigten russisch-polnischen Gemeinde in New-Uork, Herr Henry Jack, hat 4000 Doll, für die Talmud-Thora-Schule, 3000 Doll, für die „En Chajim" imb 2000 Doll, für palästinensisch-jüdische Zwecke hinterlassen. - Das Repräsentantenhaus in Washington hat eine Resolution angenommen, welche um Auskunft über die angebliche Verfolgung der Juden in Rußland ersucht. — Die egyptische Negierung hat Herrn Blum Pascha aus Anlaß seines Scheidens von dem Posten eines Unterstaatssekretärs im Finanz-Departement eine besondere Auszeichnung zu Theil werden lassen, indem sie ihm in Würdigung seiner dem Lande geleisteten vortrefflichen Dienste eine außergewöhnliche Pension bewilligte; denn gemäß der mit ihm seinerzeit getroffenen Ver einbarungen war Herr Blum Pascha 311 einer solchen nicht berechtige Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. 54. Tie wij Wissen!hal. - 5euitte Mittht De äharlot Nah u E af; di ■ei — rnchm :ih] a agegei bricht utage l icht di üeutzut 'chinzt m teilt i ad) je mit Kr rngendc n bette ■litte fi l'HlltS, mb t)it ne Sm C berge 'wllegei o. % c minder Mo iUltj bk immer mit biej '■'»eioif;, neue 1 minbcjlt

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