Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 33 (29.8.1890)
- Date
- 1890-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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S4. Umm- Mr. 33. Berlin. 29. August 1890. Weitcrge zur „Attgemeinen Zeitung öes IuöentHurns". nd junge Zchmiedl. wr, 1890. Geschlecht t seit der Stillung rs in der vermochte, underten. luter ben . mit) an getretenwelche bt, einen hier aus ftern die erfasserin dem für rn bietet, fast alle ser neuen B. eit. Von li (Franknter über H Jahres haftlichen vor. In m ist, in hlen, soll chon aus stein zur n. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8 Berlin, 25. August. Der Pariser „Matin" bringt die kuriose Nachricht, daß der Reich s tag ab ge ordnete Singer seinen Parteigenossen Bebel nach Colmar begleiten werde, um die Colmarer Juden für die Kandidatur Bebels zu gewinnen. Wir würden von dieser Nachricht, als dem Produkt einer fast unglaublichen Unkenntniß aller ein- 'chlägigen Verhältnisse, keine Notiz genommen haben, wenn nicht das französische Blatt die nachfolgenden Bemerkungen daran geknüpft hätte, welche auch der „Univers israelite“ sich zu eigen macht. Das Blatt schreibt, daß es an den Erfolg der Singer'schen Propaganda nicht glaube. ..Die elsässischen Juden betrachten die deutschen Juden mit scheelem Blick. Und der Grund? Weil sie Deutsche sind. Und dieser Grund ist genügend. Die elsässischen Juden sind leidenschaftliche Anhänger Frankreichs, des Landes der bürgerlichen und religiösen Freiheit. Sie erinnern sich gern, daß Frankreich mehrere ihrer Söhne zu Generälen, \n Generalinspektoren der Bergwerke, Brücken, Chausseen und des öffentlichen Unterrichts gemacht hat. Deutschland bietet ihnen nichts Aehn- Oches. Aber würde es ihnen dies bieten, so würden sie, wie alle andern Glsaß-Lothringer, dennoch ebenso hartnäckig nach Frankreich ihre Blicke eichten." Wie wenig wir auch sonst geneigt sind, uns auf eine Polemik 'inzulassen, so können wir doch in diesem Falle nicht umhin, auf das Nachdrücklichste g eg e n d i es e b o d e n l o s e V e rd äch ti g u n g Verwahrung inzulegen. Es ist uns leider nichts Neues, daß bei manchen Franzosen rie Moral aushört, sobald es sich um Deutschland, speziell um Elsaßöothringen handelt. Können wir ja sogar eine Stelle ans einem französischen viel verbreiteten Schulbuch anführen, welches bei dem Grundsätze der Nächstenliebe die Deutschen ausdrücklich ausnimmt. Mit dem .Matin" wollen wir nicht weiter rechtener scheint eben auch eines von den Blättern zu sein, welche in dem blinden Hasse gegen alles Deutsche -n ihren Mitteln nicht wählerisch sind; ihn bedauern wir eben als einen an unheilbarem Chauvinismus leidenden Patienten. Anders das „Univers israelite“. Von einem Blatte, welches den Interessen des Judenthums öienen will, verlangen wir zunächst, daß es die Grundprinzipien der jüdischen Religion festhalte. Ein solches Prinzip ist das, daß das -taatsgesetz unantastbar ist. daß es rückhaltlos zu achten ist. Der Satz ..dina d’malqlmta dina“ ist auch für die Theologen in der Redaktion öes „Univers“ geschrieben. Mögen sie in ihrem Herzen noch so viel nauern, daß wir den Franzosen das uns gehörige Land wieder abgenommen haben, mit dem Augenblicke, wo der Frieden geschlossen, sind die Länder deutsch, und jeder elsässische Jude, der „hartnäckig seine Blicke nach Frankreich richtet", ist nicht nur ein Landesverräther, sondern ündigt auch aufs Schwerste gegen das jüdische Religionsgesetz. Zu Achen Landesverräthern. aber möchte der genannte Artikel unsere lsässischen Glaubensgenossen stempeln. Glücklicherweise ist auch hier der Wunsch der Vater des Gedankens, und wir verwahren unsere Glaubensbrüder in Elsaß und Lothringen aufs Entschiedenste dagegen, öaß man sie nach dem elenden Beispiel einiger Verräther beurtheilt. Die reichslündischen Juden, die wir zu kennen die Ehre haben — und G sind deren nicht wenige —, sind stolz darauf, ihrem deutschen Vaterlande als treue Söhne dienen zu können. # Berlin, 20. August. Das Reichskanzleramt hat vor Kurzem ein G es a mm t verzeichn iß derjenigen höheren Lehranstalten veröffentlicht, welche gemäß 8 90 der Wehrordnung zur Ausstellung von Beugnissen über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährigfreiwilligen Militärdienst berechtigt sind. In dem Verzeichniß befinden sich die nachfolgenden 5 jüdischen Lehranstalten: die Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M., die Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a.M., die israelitische Bürgerschule des Dr. Samuel Dessau in Fürth, die Jakobsohn-Schule unter Leitung des Dr. Emil Philippson in Seesen am Harz und die Israelitische Stiftungsschule von 1815 unter Leitung des Dr. A. Ree in Hamburg. X Berlin, 22. August. An der Berliner Friedrich Wilhelms- Universität lehren zur Zeit 52 jüdische Dozenten. Von diesen sind zwei ordentliche Professoren, nämlich der Geheime Justizrath j Dr. Levin Goldschmidt und das Mitglied der Akademie der; Wissenschaften Dr. Leopo ld Kronecker. Honorarprofessor der philosophischen Fakultät ist Dr. Moritz Lazarus. Außerordentliche Professoren jüdischen Glaubens zählt die juristische Fakultät drei (Rubo, Bernstein, Gradenwitz), die medizinische Fakultät acht (Jacobson, Munk, Senator, Hirschberg, Bernhardt, Julius Wolfs, Mendel, Max Wolfs), die philosophische Fakultät sieben ASteinthal, Pinn er, Li eb ermann, Geige r, Magnus, Barth, Gabriel). Von den 31 Privatdozenten entfallen 24 auf die medizinische Fakultät, während die juristische einen und die philosophische sechs aufweist. Bezeichnend ist, daß unter den 24 jüdischen Dozenten der medizinischen Fakultät nicht weniger als acht Titularprofessoren sich befinden. 8 Berlin, 25. August. Durch die Zeitungen ging jüngst die Notiz, daß unter den ca. 4000 preußischen Richtern sich etwa 200 jüdischer Konfession befänden. Wir haben dieser Notiz sogleich mißtraut und sind heute in der Lage, genaue Zahlen zu bringen, welche die Unrichtigkeit jener Behauptung klarlegen. Das Zahlenmaterial ist einer vom Bureau des Gemeindebundes jüngst zusammengestellten Liste der jüdischen! Juristen Deutschlands entnommen. Hiernach sind in ganz Deutsch- > land 118 jüdische Juristen im Staatsdienste thätig, darunter in Preußen! 89, in Baden und Hamburg je 8, in Bayern 7, in Sachsen 2 und in den Reichslanden einer. Dem Range nach vertheilen sich die 118 Beamten I folgendermaßen: zwei Staatsanwälte (beide in Bayern), ein Reichsj gerichtsrath, drei Oberlandesgerichtsräthe (2 in Hamburg, 1 in Baden), j zwanzig Landgerichtsrüthe (13 in Preußen, 3 in Baden, 2 in Bayern,! je einer in Sachsen und Hamburg), dreizehn Amtsgerichtsräthe (sämmt-! lich in Preußen), nenn Landrichter (8 in Preußen, 1 in den Reichs-! landen), ein Oberamtsrichter (in Baden), fünfundsechzig Amtsrichter ' (55 in Preußen, je 3 in Bayern, Württemberg und Baden, 1 in Ham-! bürg) und vier Handelsrichter (sämmtlich in Hamburg), j ** Berlin, 24. August. Aus dem Luftkurort Airolo kommt die j Nachricht vom Tode des begabten deutschen Schriftstellers Heinrich! Homberg er. Er war einer der genauesten Kenner von Land und! Leuten Italiens. Er war 1830 zu Mainz geboren, ein intimer Freund von L. Bamberger und längere Zeit Redakteur der „Preußischen Jahrbücher." Seine 1880 in der Besser'schen Buchhandlung zu Berlin erschienenen „Italienischen Novellen" machten gerechtes Aufsehen und wurden auch auszugsweise im Feuilleton unseres Blattes unter dem Titel „Ein Stück Italien" wiedergegeben. Er war mit einer Tochter des ehemaligen österreichischen Konsuls Caro in Berlin vermählt gewesen. So wie er sich im Leben auf der Grenzscheide von deutschem und italienischem Wesen bewegte, so ist er auch in Airölo, dem Grenzorte beider Nationalitäten, in den besten Jahren gestorben. * Berlin, 24. August. Ueber eine peinliche Szene, die sich an dem Sarge eines im hiesigen jüdischen Krankenhause verstorbenen Patienten, eines Arbeiters einer hiesigen Fabrik, des Modelltischlers Bi eck, am 13. Juli d. I. abspielte, brachten hiesige Blätter l so befremdliche Mittheilungen, daß wir uns veranlaßt sahen, an Ort! und Stelle bei dem betreffenden Beamten Nachfrage zu halten. Der; Hergang ist nach der uns ertheilten Auskunft folgender: Am erwähnten j Tage, einem Sonntag, Nachmittags erschienen 10—15 Personen in Festj tagskleidern auf dem Hofe des jüdischen Krankenhauses. Obwohl! Besuchszeit war, fiel dies doch dem Hausinspektor auf und er fragte : den Pförtner nach dem Grunde dieser feierlichen Versammlung. Man antwortete ihm, daß die Versammelten zum Leichengefolge des Tischlers Bieck gehörten. Der Hausinspektor war insofern darüber erstaunt, als j ihm vorher weder Zeit noch Ort der Beerdigung angemeldet war. Als; einzelne der Versammelten die Leiche zu sehen verlangten, ließ der! Inspektor einen oder zwei Wärter nach der Leichenhalle rufen, den! lose aufgeschraubten Sargdeckel öffnen, der nun allerdings leer war.! Die Leiche selbst lag auf dem Leichentische, von einem schwarzen Bahri | I i